Türkische soziale Medien sind derzeit voll von Berichten von Ärzten, Ingenieuren und IT-lern, die mit großen Träumen und dem reformierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz im Gepäck Richtung Norden zogen – und nun ernüchtert das Weite suchen.
Die Türkei produziert Akademiker am Fließband. Wer keinen Abschluss hat, gilt nichts. Dass man dringend Handwerker bräuchte, die im Stahlwerk anpacken, statt am Laptop zu sitzen, wird ignoriert. Doch wenn der arbeitslose Akademiker dann in Deutschland landet, wartet kein roter Teppich, sondern ein bürokratischer Hindernislauf, der selbst einen Marathonläufer in die Knie zwingt.
Das Elend beginnt bereits vor der Abreise, in den deutschen Konsulaten von Izmir, Ankara und Istanbul. Während man in Berlin lautstark mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz prahlt, scheitert die Realität schon an der Terminvergabe. Auf dem Papier ist alles „riesig“, in der Umsetzung schlichtweg katastrophal. Wer ein Visum will, braucht keinen Lebenslauf, sondern die Geduld eines Bergbauern. Wartezeiten von bis zu elf Monaten sind die Regel – eine bürokratische Auslese, die nur die Hartnäckigsten überstehen.
Wer es dann doch schafft, wer Fachdeutsch-Prüfungen und Anerkennungsverfahren überlebt hat, erlebt eine ganz eigene Form von Grenzerfahrung. Früher hatten ausreisewillige Türken vor allem Angst vor der ICE – also der berüchtigten US-Behörde Immigration and Customs Enforcement, die einen an der Mexiko-Grenze unsanft aus den Träumen reißt. Heute fürchten sie sich vor der deutschen ICE-Brutalität. Gemeint ist hier allerdings die Deutsche Bahn: Ein System, das zwar vorgibt, einen ans Ziel zu bringen, einen aber meistens auf dem kalten Abstellgleis der Realität stehenlässt. Während die US-ICE einen abschiebt, vergrault die deutsche Bahn (und alles, wofür sie symbolisch steht) einen ganz von selbst.
Schock angesichts des Lohnzettels
Der eigentliche Schock sitzt jedoch tief, wenn der erste Lohnzettel eintrudelt. „Wisst ihr, was ich Brutto habe und was Netto bleibt?“, fragen Influencer heute ihre fassungslose Followerschaft. Wer 100 Prozent arbeitet, aber gefühlt 50 Prozent direkt an Vater Staat abdrückt, wer an der Tankstelle 70 Prozent Steuern zahlt und bei jedem Einkauf 19 Prozent Mehrwertsteuer oben drauflegt, der rechnet schnell nach. In der Türkei ist das Leben teuer, und die Inflation frisst alles auf, aber diese deutsche Fiskal-Disziplin wirkt auf die Neuankömmlinge wie eine kalte Enteignung.
Doch es ist nicht nur das Geld. Es ist die Einsamkeit. Die neuen Fachkräfte finden keinen Anschluss – weder an die Mehrheitsgesellschaft noch an die „Alttürken“. Man stellt fest, dass man außer der Sprache wenig teilt. Während die Alten sich an die hiesige Ruhe und Distanz gewöhnt haben, vermissen die Neuen die türkische Geselligkeit und Nachbarschaft. Man bleibt allein unter Millionen. Und dann ist da noch die soziale Reibung. Es ist eine bizarre Pointe, dass sich Alttürken und Neudeutsch-Türken in einem Punkt einig sind: Sie schimpfen gemeinsam über die Migrationswelle nach 2015. Scheinbar ist die Invasion der „besten Gegenden“ für alle zum Problem geworden, die eigentlich nur ein geordnetes Leben führen wollten.
Deutschland verliert nicht nur die Fachkräfte, die es schon hat, sondern vergrault auch die, die es händeringend braucht. Wer mit dem Traum vom Wohlstand kommt und im Albtraum aus Bürokratie, Steuern und Isolation aufwacht, für den ist die Rückkehr in die krisengeschüttelte Heimat oft das kleinere Übel. Scheinbar ist der „richtige Ort“ derzeit nirgendwo mehr zu finden. Die deutsche „Willkommenskultur“ ist jedenfalls nur ein überfüllter Wartesaal mit kaputter Heizung, in dem man zwar freundlich geduzt, aber am Ende doch nur gründlich abkassiert wird.

Früher kam man nach Deutschland, wegen Sex, Drugs und RocknRoll – jetzt gibt es die kommunistische Spaßsteuern und als Gipfel der europäischen Zivilisation den ESC, nur für euch, ihr habt es euch verdient!
Gut, all das kann man vor der Einreise ins „gelobte Land“ in Erfahrung bringen. Unbürokratisch kommt man nur in dem Fall nach Schland, in dem man Asyl an oder bereits hinter der Grenze ruft. Zum Rest: geschenkt. Da geht’s den Türken wie den Ur- / Biodeutschen.
Zitat:„ Ein System, das zwar vorgibt, einen ans Ziel zu bringen, einen aber meistens auf dem kalten Abstellgleis der Realität stehenlässt.“ Volltreffer. In diesem Land macht keiner mehr seinen eigentlichen Job. Es geht nur noch darum, die eigene Existenz zu rechtfertigen, damit man selbst weiter Gehalt bezieht. Und das geht so weit, dass der Glaser intakte Scheiben einwirft, damit er mehr Scheiben verkauft. Deutschland, und anscheinend die Türkei auch, verwandeln sich immer mehr in Fakemaschinen, wo sich Creti und Pleti mit Pattex an den Sesseln festklebt und jeder, der sie da raushebeln könnte, wird nicht etwa befördert, sondern zum Grund der eigenen Existenz umfunktioniert. Man macht aus einem kompetenten und kerngesunden Arzt in voller Absicht einen kranken Patienten den der Apparat dann „behandeln“kann, nur damit die in ihren Sesseln sitzen bleiben können, die da schon lange nichts mehr zu suchen haben. Wenn wir mal ehrlich sind, muss man doch eins festhalten: Hier wie dort ist Schicht im Schacht. Die Parallelen zwischen Deutschland und der Türkei sind offensichtlich: Überall Inkompetenz in höheren Positionen und damit das so weiter laufen kann, verscherbelt man das Land sehenden Auges an arabisches Geld, was dann auch die Massenzuwanderung erklärt. Die Türken sind da nur näher dran als wir und haben deswegen mehr davon abbekommen. Dass Deutschland nicht mehr den Deutschen gehört, ist klar nachweisbar. Anscheinend ist das bei der Türkei nicht anders. Da kann man doch gleich bei den Arabern direkt anheuern und den ganzen Murks dazwischen einfach übergehen. Ich bin der Patriot vor dem Herren und versuche seit Jahren, dieses Land wieder auf Kurs zu bringen. Auf eigene Kosten. Aber mittlerweile glaube ich kaum noch, dass sich das lohnt und denke darüber nach, den ganzen Sauhaufen einfach im Stich zu lassen. Mein Leben ist zu kurz für diesen Scheiß. Man hat mir bereits ein Vierteljahrhundert meines Lebens gestohlen. Wenigstens den Rest will ich für mich haben.
Lieber Herr Dener, das war vor 30 Jahren nicht anders. Da kamen die neuen ausländischen High Potentials ganz aufgelöst angeflattert.
Ich durfte gerade die Erfahrung machen, daß gerade das Gesundheitswesen nur noch von Pflegekräften und Ärzten aufrecht gehalten wird, die eingewandert sind, augenscheinlich „gerufen“ über irgendwelche Rekrutierungsprogramme der jüngeren politisch-deutschen Vergangenheit, viele vom afrikanischen Kontinent, Schwarzafrika wie auch arabischen Staaten, dazu aus verschiedenen Ländern Asiens, dort auch dem Iran, wundersamerweise auch aus der Volksrepublik China und natürlich vom Balkan, aus Rußland und der Ukraine, viele seit 5 – 8 Monaten hier, bis zur einstelligen Jahreszahl, ein Sprachengemisch mit mehr oder weniger vorhandener deutscher „Obersprache“. Bleibt noch die für Interessierte durchaus beantwortetbare Frage, wo seit wann das entsprechend mal vorhandene biodeutsche Personal entschwunden ist, dies auch als Reaktion auf die politisch hier veranstalteten Unsinnsmaßnahmen auf diversen Politikfeldern.
@ Thomas Szabo – „Gut integrierte, alt eingesessene Ausländer erkennt man daran, dass sie genauso über die neu zugezogenen Ausländer herziehen wie die Einheimischen.“ -- Gerade die selbe Erfahrung gemacht mit hier ansässigen alt-migrantischen Gewerbetreibenden von Armeniern, Italienern ua.. Insbesondere christlich geprägte Menschen äußern sich besonders prägnant zur politisch forcierten überwiegend islamisch geprägten Neueinwandererschaft. Da fühle ich mich bei weitem mehr zu Hause als bei meinen „biogermanischen Nachbarn“. Willkommen im „Neuen Deutschland“.
In zwanzig Jahren würd’s dann wohl heißen: „Unsere Urgroßeltern haben Deutschland von den Nazis befreit, unsere Großeltern haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und unsere Eltern haben Deutschland nach Merkel akademisch vor sich selbst gerettet.“ Nö, danke, ich kenne diese maßlose Selbsterhöhung aus unzähligen Gesprächen in Mannheim.