Von Michael Klein.
Die Dämonisierung des politischen Gegners ist ein genauso gefährliches wie ineffektives Werkzeug. Denn das Spiegelbild von Dämonisierung ist die Idealisierung.
Die Dämonisierung des politischen Gegners hat in der Politik eine lange Geschichte. In einer modernen Mediendemokratie ist sie ein genauso gefährliches wie ineffektives Werkzeug, wenn die realen Gegebenheiten mehr und mehr die Fehler der Damönisierungsstrategie aufdecken und damit die kognitiven Dissonanzen ins Unermessliche wachsen.
Gefordert ist vielmehr eine Strategie der Optimierung der Politikqualität und die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit Andersdenkenden im Allgemeinen und der Opposition im Besonderen. Die Beschwerden und Unzufriedenheiten der Bevölkerung können nicht dauerhaft verdrängt und ignoriert werden.
Den politischen Gegner zum Bösen schlechthin zu stilisieren, erzeugt kurzfristige Befriedigungsimpulse und Gefühle der moralischen Überlegenheit, auf die lange Sicht ist diese Dämonisierung für die Regierungskunst und damit das ganze Land gefährlich und riskant. Und dies besonders, wenn der politische Gegner schon bei 25 Prozent der Stimmen der Wähler steht. Dies ist eher ein Symptom, dass mit der politischen Elite und ihrem Regierungsstil seit Jahren etwas nicht stimmt.
Aber Dämonisierung geschieht seit Jahren mit der AfD, die auf diesem Wege zur stärksten Oppositionspartei geworden ist und weiter anwächst. Die Dämonisierung der AfD im politischen und medialen Betrieb Deutschlands ist ein Zeichen der politischen Schwäche und des demokratischen Bankrotts. Wo Diskussion und Diskurs stattfinden sollten, wird mit Massendemonstrationen und Verbotsgedankenspielen vermeintliche Stärke gezeigt.
Eine selbstbetrügerische Illusion
Die ebenso törichten wie simplen Strategien der Agitation gegen "rechts" stärken die extremen Kräfte beider Seiten im Land immer mehr. Sie sollten einer freiheitlichen Kultur des demokratischen Diskurses weichen. Nur so kann Mut und Stärke der eigenen politischen Haltung gezeigt werden. Wenn man die richtige Politik betreibt, die Wohlstand und Wohlfahrt des Volkes mehren, braucht es keine ängstlichen Abwehrstrategien gegenüber dem politischen Gegner.
Am Anfang des Aufstiegs der rechten AfD wurde noch vollmundig verkündet, dass man den Gegner politisch und in Debatten stellen und bekämpfen müsse. So werde man ihn schon klein bekommen. Eine selbstbetrügerische Illusion, wie sich mit jeder weiteren Wahl seit dem Merkelschen Migrationsfiasko ab dem Jahr 2015 herausstellte. Die Politik der damaligen Regierungen und der anschließenden Ampel-Koalition waren in der Realität Kraftfutter für die Rechten. Und dies aus einem einfachen Grund: Kontinuierlich Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung in Sachen Migration, Energie, Wirtschaft und innere Sicherheit zu betreiben, rächt sich am langen Ende.
Sie zeigt die Schwächen einer repräsentativen, parlamentarischen Demokratie mit dominierendem Verhältniswahlrecht klar auf: Die herrschenden Parteien dominieren mit ihren Funktionären den gesamten Staat. Sie betreiben über viele Jahre eine Politik, die ihrer woken, abwegigen Ideologie, aber nicht der Wohlfahrt des Volkes dient, und waren darin nicht zu stoppen. Dauerhaft gegen den Willen der Bevölkerung zu regieren oder so zu tun, als ob man auf den Willen der Bevölkerung eingeht, in Wirklichkeit aber ein "Weiter so" zu betreiben, sind Gift für die Demokratie.
Ein möglichst schnelles Ende des infantil, radikalen Schwarz-Weiß-Denkens im Umgang mit der rechten Opposition ist anzumahnen, damit der gesellschaftliche und kulturelle Schaden nicht noch mehr anwächst. Die Wähler haben dies schon lange erkannt und mit dem Votum für eine Mitte-Rechts-Koalition mit fast 50 Prozent der Zweitstimmen mit mehr als 57 Prozent der Mandate bei der letzten Bundestagswahl klar artikuliert.
Von infantiler Dämonisierung bis zum totalitären Verbotsreflex
Nur die Spitzen der zu puren Machtkartellen erstarrten Parteien von CDU bis Linke haben die Signale immer noch nicht verstanden. Die gesellschaftliche Spaltung und der Vertrauensverlust in die politischen Institutionen sind dadurch jetzt schon enorm angewachsen. Wenn in einem Land der Widerspruch gegen die von den Vorgängerregierungen betriebene Politik so stark anwächst wie in Deutschland seit 2017, sollten die Verantwortlichen sich ernsthafte Gedanken über eine einschneidende Kurskorrektur ihrer Politik machen.
Dies gelingt aber einerseits bei den linksgrünen Kräften nicht, da sie so sehr ideologiegebunden sind, dass sie kaum für Realpolitik in den Feldern Migration und Energie offen sind. Die CDU/CSU andererseits hat sich durch ihre rigide Brandmauerpolitik so sehr den Parteien des linken Spektrums ausgeliefert, dass sie ihren natürlichen Werten in der Praxis nicht folgen kann und immer wieder durch Winkelzüge von linksgrün vorgeführt wird.
Statt eine pragmatische Mitte-Rechts-Politik zu betreiben, werden die CDU/CSU-Führungskräfte von den Linken immer wieder in die strategischen Planspiele zum Verbot der stärksten Oppositionspartei hineingezogen. Dies soll riskanterweise auf der Basis eines windigen Gefälligkeitsgutachtens des Inlandsgeheimdienstes für die ehemalige SPD-Innenministerin Faeser und der den linken Parteien genehmen Besetzung zukünftiger Richterstellen am Bundesverfassungsgericht geschehen.
Die Reaktionen und Abwehrmechanismen gegen das Heraufziehen einer starken Rechten in Deutschland bewegen sich im Spektrum von infantiler Dämonisierung bis totalitärem Verbotsreflex. Alles genau die falschen Rezepte! Es ist wie auf dem Narrenschiff, wo die Mannschaft sehenden Auges auf die Klippen zufährt und noch jeden Moment des Rausches von Macht und Beherrschung genießt, bevor es final kracht. Dem Land fehlt, auch unter der jetzigen Regierung, klare und mutige politische Führung. Der rechten Opposition ist durch gute Politik und mutige Diskussionen zu begegnen.
Das frühkindliche Muster, den Kopf in den Sand zu stecken
Dämonisierung ist ein uraltes psychologisches Muster: Ein unerwünschtes oder undurchschaubares Gegenüber wird so stark mit Emotionen negativ aufgeladen, dass es nicht mehr realistisch als ambivalent und komplex, sondern nur noch als böse und gefährlich wahrgenommen wird. Aus dieser gelenkten Perzeption entspringen noch intensivere emotionale Konsequenzen wie Ekel, Verachtung und Hass. Was im Mythos als Kampf gegen Dämonen begann, zeigt sich in der Moderne in politischen Diskursen, in medialen Inszenierungen und in alltäglichen Konflikten in sozialen Netzwerken.
Das Beispiel der AfD illustriert die Dynamik klar und präzise, wie sehr Dämonisierung den öffentlichen Diskurs verengt. Wenn ein politisch aktiver und offener Politiker wie der Tübinger OB Boris Palmer zu einer Diskussionsveranstaltung mit einem führenden AfD-Landespolitiker einlädt, was demokratische Alltagspraxis sein sollte, reagiert die hysterische Linke, als ob die Welt unterginge und morgen die Nazis die Macht im Lande übernähmen. Dies ist genau die Form der Dämonisierung, die die Demokratie nicht braucht.
Deutschland tut sich mit rechten und rechtsextremen Parteien besonders schwer. Aber es muss im Sinne eines politischen Erwachsenwerdens lernen, politische Vielfalt zu integrieren statt abzuspalten, bevor sich einzelne Richtungen immer mehr radikalisieren und obendrein bei ihren Sympathisanten noch einen Opfer-Bonus erhalten.
Spaltung stellt einen sehr einfachen psychologischen Abwehrmechanismus dar, der bei Dämonisierung zum Tragen kommt. Es entspricht dem primitiven frühkindlichen Muster, den Kopf in den Sand zu stecken und zu glauben, dass das unbeliebte Objekt nicht mehr da sei. Auch die gemeinsame Fahrt mit einem AfD-Abgeordneten im Aufzug des Reichstags zu verweigern, ist von dieser frühkindlichen Sorte Abwehrmechanismus. So gelingt Staatskunst nicht. Und obendrein: Was der Wähler mit seiner Stimme vereinen will, darf der Politiker in seiner ideologischen Verblendetheit nicht immer tiefer spalten!
Am Ende entsteht eine Wagenburg-Mentalität
Dämonisierung reduziert Komplexität, stiftet Orientierung und verschafft emotionale Entlastung. So weit, so gut, aber auch so weit, so schlecht, denn die Dämonisierung schaltet rationales Denken und freie Meinungsäußerung aus, aber fördert hyperemotionale Reaktionen und Massenhysterie. Der Preis der Dämonisierung ist viel zu hoch in einer Demokratie, als dass er indiziert sein könnte. Wenn die Parteien der Mitte die Politik betreiben würden, für die sie gewählt wurden, gäbe es gar keine AfD um die 25 Prozent oder sogar mehr.
Eine besonders schlimme Konsequenz der durch Dämonisierung erzeugten Spaltung besteht darin, dass für die einen die Fähigkeiten der AfD-Politiker ausschließlich im Bösen liegen, für die Sympathisanten jedoch nur im Guten. Ein ausgewogener, differenzierter Blick wird für alle Seiten unmöglich. Der dämonisierte politische Gegner gewinnt in den Augen der Sympathisanten immer mehr an Kompetenz und idealen Eigenschaften, auch wenn dies gar nicht so ist. Ein wahrhaft gefährlicher Prozess. Projektionsflächen entstehen im Schlechten wie im Guten, anstatt dass notwendige Realpolitik betrieben wird.
Kognitiv sortiert Dämonisierung die Welt in Schwarz und Weiß und verkennt somit, dass es auch beim politischen Gegner vernünftige und anständige Menschen gibt. Die Unanständigen werden überhöht und bekommen dadurch nach und nach immer mehr Macht. Dümmer geht es nicht. Im emotionalen Bereich sorgen verfestigte Feindbilder vor dem Hintergrund des Schwarz-Weiß-Denkens für immer stärkere negative Emotionen von Angst, Wut bis hin zu Hass.
Dass seit dem Aufkommen der AfD von Seiten der traditionellen Parteien immer mehr von Hass und Hetze die Rede ist, stellt eine weitere Projektionsfehlleistung der eigenen Gefühle und Ängste dar. Hass und Hetze sind ein Grundübel aller Extremisten, egal ob rechts, links oder religiös. Die Dämonisierung stärkt obendrein das Wir-Gefühl der Dämonisierer. Am Ende entsteht eine Wagenburg-Mentalität ohne realen Bezug zur Außenwelt. In der Wagenburg finden sich Konservative, Sozialdemokraten, Liberale und Kommunisten Seite an Seite. Dies entspricht gefühlt dem Zustand der Blockparteien in der ehemaligen DDR. Man sollte sich seine politischen Weggefährten sorgfältiger aussuchen.
Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit, Oberwelt gegen Unterwelt
Statt sich mit dem Gegner intensiv politisch zu befassen und die eigene Politik zu optimieren, finden sich die aufgeputschten Aktivisten unter der Regie steuerfinanzierter linksgrüner NGOs zu Massendemonstrationen zusammen, um sich ihrem Gruppenrausch hinzugeben. Dies verändert die notwendigen Probleme des Landes nicht und macht den Gegner durch Ausgrenzung und Beschimpfung noch mehr zum Opfer.
Das Ganze erinnert im archetypischen Sinne des Psychoanalytikers C.G. Jung an den ultimativen Kampf Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit oder Oberwelt gegen Unterwelt. Eine maßlose Übertreibung und Verkennung der eigenen Rolle! So stabilisiert die exzessive Dämonisierung des Gegners das eigene Selbst- und Weltbild, was dadurch immer irrealer und psychotischer zu werden droht. Besonders bei Massenveranstaltungen werden durch die spezielle Atmosphäre Momente von Rausch und Psychose erzeugt. Dies alles geschieht auf Kosten der notwendigen Differenzierung, Ambiguitätstoleranz und Dialogfähigkeit.
Wer die AfD auf die dämonisch-hyperemotionale Art bekämpft, wähnt sich moralisch auf der richtigen Seite. Er geriert sich als moralisch korrekt und unantastbar, weil er im Besitz der richtigen Werte sei. Wer zur Differenzierung mahnt, gerät schnell in den Verdacht, zu relativieren und die wahren Werte der Demokratie zu verraten. Die moralische Überhöhungsstrategie der linksgrünen Aktivisten ist mehr eine eigene Immunisierungsstrategie. Im Windschatten dieser Strategie ist es der Linken gelungen, sich als Partei der Mitte darzustellen, obwohl sie als direkte SED-Nachfolgeorganisation viele linksextremistische Positionen und Führungskräfte aufweist. Diese Aspekte können im Gefolge der hypermoralischen Inszenierung gegen den Dämon ohne weiteres Zutun verdrängt werden.
Obendrein wird die inzwischen durch törichtes politisches Handeln der anderen Parteien zur größten Oppositionspartei angeschwollene AfD als existenzielle Bedrohung inszeniert. Ein weiterer irrealer Aspekt der Dämonisierung. Eine zugelassene Partei mit – zugegebenermaßen – vielen problematischen Führungskräften kann nicht das Böse an sich sein und schon gar nicht die ultimative existenzielle Bedrohung. Politik "by the people, for the people" hilft in solchen Situationen ungemein. Oder: Dem Volk aufs Maul schauen, wissen, wo es drückt – von Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg mal nach Gelsenkirchen, Oberhausen und Unna schauen.
Psychotische Folgen der Dämonisierungsstrategie
Der inzwischen in Politik und Kartellmedien fest verankerte Dämonisierungsmechanismus verschafft vordergründige Entlastung bei drängenden gesellschaftlichen Problemen: Von Migration, Wirtschaftskrise, überspitzter Klimapolitik bis hin zu Kriminalität im öffentlichen Raum. Alles erscheint klein im Vergleich zum übermächtigen Feind und dessen dunklen Machenschaften. Aber: Alles ist ein Scheineffekt, also nur Selbstbetrug. Verdrängung, Verschiebung, Leugnung und Projektion sind die übermächtigen psychologischen Mechanismen, die dabei am Werke sind.
Dem Gegner wird sogar zugeschrieben, Machtergreifungen wie 1933 wieder bewerkstelligen zu können, wenn man ihn nicht strengstens bekämpft. Hier zeigen sich die psychotischen Folgen der Dämonisierungsstrategie. Auf den Gegner werden einfacherweise die Ursachen aller Probleme projiziert. Ein Narrativ, an das immer weniger vernunftbegabte Menschen im Land glauben wollen, trotz Dauerbombardement durch die Kartellmedien. Ein weiterer Grund für das stete Anwachsen der AfD in der Bevölkerung. Die negativen Folgen der Dämonisierung überwiegen die kurzfristigen Vorteile bei Weitem. Deshalb besser: Schluss mit der Dämonisierungsstrategie und hin zu politischer Auseinandersetzung und besserer Politikqualität mit kompetentem Personal.
Die schon erwähnten Kartellmedien spielen in dem beschriebenen Prozess eine zentrale Rolle. Viele ihrer Berichte folgen dem Muster der Skandalisierung und Emotionalisierung. Schlagzeilen zielen weniger auf Aufklärung und Differenzierung, sondern auf Empörung und Emotionalisierung. Global und undifferenziert benutzte Begriffe wie "Brandstifter", "Gefahr für die Demokratie" oder "toxische Bewegung" laden das Thema emotional auf, während sachliche Analysen oft fehlen.
Dieser Mechanismus hat mehrere unerfreuliche Folgewirkungen: Endlose Bestätigungsschleifen für das Publikum, das die AfD ohnehin ablehnt und sich so nicht mit alternativen Sichtweisen für dringende politische Notwendigen herumschlagen muss, sondern immer wieder in ihrer Haltung verstärkt wird, ohne Gegenargumente kennenzulernen. Fortschreitende Radikalisierung der AfD-Anhänger, die sich in ihrer Opfererzählung immer wieder bestätigt sehen. Zunehmende Erosion des Vertrauens in etablierte Medien, die als belehrend und einseitig parteiisch wahrgenommen werden. Damit unterstützt die Berichterstattung genau jene Dynamiken, die sie im Sinne objektiver und neutraler Positionierung bekämpfen sollte.
Wenn Dämonisierung in Idealisierung umschlägt
Ein oft übersehener psychologischer Effekt der Dämonisierung ist ihr Potenzial, in Idealisierung umzuschlagen. Dämonisierung und Idealisierung sind psychologische Zwillinge. Wo ein Objekt extrem negativ aufgeladen wird, entsteht zugleich die Möglichkeit, dass es – in den Augen der offenen und geheimen Sympathisanten – heroisiert wird.
Im Fall der AfD zeigt sich dies deutlich: Die ständige Darstellung der AfD als in Gänze böse und unberührbar nährt bei Teilen der Bevölkerung das Bild einer "verfolgten Opposition" oder gar einer letzten ehrlichen Kraft im Land. Der nette AfD-Mann vom Wahlstand auf dem Marktplatz kann auf Dauer nicht als teuflischer Dämon wahrgenommen werden, wenn er sich besser mit den Sorgen der Bürger vor Ort auskennt als der ideologieschwätzende grüne Listenkandidat.
Das Schwarz-Weiß-Denken, das zuerst dämonisiert, treibt so paradoxerweise Idealisierung und Heroisierung voran. Aus psychologischer Sicht handelt es sich um denselben Mechanismus der Projektion: Wer Ambivalenzen nicht aushält, wechselt leicht zwischen Feind- und Heilsbild. Statt die AfD durch Realpolitik wahlweise zu entzaubern oder mit ins Boot zu holen, wird sie immer weiter dämonisch aufgeladen. Diese Dynamik macht die öffentliche Auseinandersetzung nicht nur irrationaler, sondern auch politisch gefährlicher – weil sie die Diskurse weiter polarisiert und extremistische Ränder stabilisiert. So entstehen selbst erfüllende Prophezeiungen und diskursive No-Go-Areas, die es in einer Demokratie nicht geben sollte.
Die Dämonisierung der AfD ist nicht folgenlos geblieben. Sie blockiert den dringend notwendigen demokratischen Dialog, verschärft Polarisierung und schwächt die demokratische Resilienz der Mitte. Derweil rutscht das Land immer tiefer in die Krise. Wer Gegner nur noch als dämonisch sieht, verliert die Fähigkeit, ihre Motive zu verstehen, ihre Wähler ernst zu nehmen und politische Lösungen zu verhandeln.
Dies sind aber die Kernaufgaben einer funktionierenden Demokratie. Die Demokratie ist nicht "unser", gehört keinem, sondern muss lebendig mit möglichst vielen, die guten Willens sind, gelebt werden. Und das sind alle außer den Extremisten von ganz links und ganz rechts. Und Extremismus wird dabei nicht vom Verfassungsschutz definiert, sondern von der politischen und psychologischen Vernunft. Denn ein Viertel der Wahlbevölkerung sind keine Extremisten! Sie reagieren mit ihrer Wahlentscheidung auf die hochideologische Politik der politischen Eliten der letzten zehn Jahre. Für die AfD selbst ist die Dämonisierung paradoxerweise ein Mobilisierungsvorteil: Je stärker sie als "geächtet" gilt, desto attraktiver erscheint sie ihren Anhängern als die einzig wahre Opposition, wird also mehr und mehr idealisiert.
Den Gegner scharf kritisieren, ohne ihn zu entmenschlichen
Noch ist es nicht zu spät, der Brandmauer-Falle zu entkommen. Aber die verbleibende Lücke wird sich bald schließen, wenn – im Zuge einer verschärften Wirtschafts-, Migrations- und Gesellschaftskrise – die AfD auf Stimmenanteile von deutlich über 30 Prozent kommen wird. Dann wird sich jegliche Dämonisierungsstrategie als nur noch destruktiv erweisen. Ein konstruktiver Umgang mit dem politischen Gegner ist längst überfällig. Wenn die AfD die stärkste einzelne Partei sein wird, kann sie in einer Koalitionsregierung die Federführung und den Kanzlerposten beanspruchen.
Es braucht einen klugen psychologischen und kommunikativen Ansatz: Klare Kritik an problematischen Positionen, ohne pauschale Abwertung aller Wähler; offene, kontroverse Debatten, die auch unbequeme Themen zulassen und nicht aussparen; ehrliche Analyse eigener politischer Versäumnisse, die den Aufstieg der AfD erst begünstigt haben; die Fähigkeit, auch Spannungen, Widersprüche und Unsicherheiten auszuhalten, ohne in Schwarz-Weiß-Muster zu verfallen. Ohne die Bildung von Mitte-Rechts-Regierungen wird der Aufstieg der AfD durch Ausgrenzung und Dämonisierung weiter fortschreiten. Die Partei muss durch Realpolitik entzaubert werden, bevor sie die stärkste Partei im Land ist.
Dämonisierung ist wie ein psychologischer Kurzschluss: Sie schafft falsche Einfachheit, wo komplexe und differenzierte Reaktionen nötig wären, und hysterische Emotionalität, wo Gelassenheit geboten wäre. Sie mag kurzfristig mobilisieren – langfristig aber zerstört sie Dialog, verstärkt Spaltung und unterminiert die demokratische Kultur. Die politischen Eliten müssen entweder abgelöst werden, was überfällig erscheint, oder endlich ihre Aufgaben erfüllen: einfach gute Politik machen!
Wer es ernst meint mit Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt, muss lernen, auch mit dem Unbequemen differenziert umzugehen. Nicht Dämonisierung, Massenhysterie und Meinungsverbote sind gefragt, sondern eine neue Form der Mündigkeit: den Gegner scharf zu kritisieren, ohne ihn zu entmenschlichen. Übrigens alles schon mal da gewesen, als Liberalismus noch liberal und freiheitlich und nicht woke war! Denn erst, wenn wir aufhören, politische Gegner zu Dämonen – oder zu Helden – zu machen, kann aus einem vergifteten Klima wieder ein streitbarer, aber konstruktiver öffentlicher Raum entstehen.
Der Beitrag erschien zuerst bei globkult.
Michael Klein ist psychologischer Psychotherapeut, Professor für Klinische Psychologie an der Katholischen Hochschule NRW und Leiter des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP).
Dass es die AfD so hart abbekommt, hat einen ganz einfachen Grund: Die Partei ist relativ neu und gefährdet durch ihren Aufstieg den Machterhalt des bestehenden politischen Filzes. Denn wenn die AfD in Regierungsverantwortung kommt, wird die natürlich an vielen Stellen im Apparat sofort ihre eigenen Leute einsetzen und die anderen dort schon lange Sitzenden somit nicht nur versetzt oder sogar arbeitslos, sondern auch deren Hintergrundnetzwerke zerschlagen. Bei genauer Betrachtung gilt das auch für das neue BSW. Ich erinnere daran, dass die AfD bei ihrem ersten Antritt für den Bundestag kurioserweise mit genau 4,9% an der 5% Hürde gescheitert ist, was dem BSW dann auch passiert ist. Einmal kann Zufall sein. Zweimal nicht. Wer immer noch meint, Deutschland wäre eine mustergültige Demokratie oder ein funktionierender Rechtsstaat, der hat das Problem immer noch nicht erkannt.
„Wir sind die Guten. Ihr seid die Bösen“ wird in allen extremistischen Strömungen angewandt. An sich lustig, weil die Gegensätze die jeweils eigene Infantilität offenbaren.
Bla bla bla blah, dieses verkommene Parteiensystem das sich Demokratie nennt, hat doch längst abgewirtschaftet und gehört abgeschafft. Eine freie
Gesellschaft braucht keine Parteien. Parteien sind nichts weiter wie legale Raub-und Betrugsvereine und ein Sammelbecken krimineller und gewissenloser
Loser. Die Parteiendemokratie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte !
Macht man sich klar, mit welcher staatlicher Korruption die massenmediale Dämonisierung verknüpft ist, wird klar, wie erbärmlich schwach die zusamnengekaufte linke „Zivilgesellschaft“ ist. Hinzu kommen die maingestreamten Institutionen, Medien und Gerichte! Mit jedem Recht kann man von einer gleichgeschalteten linksextrem-antidemokratisch-faschistoiden Einheitsfront sprechen, die ohne die verdeckte verfassungswidrige Parteifinanzierung in Höhe einer halben Milliarde Euro unverzüglich implodieren würde! Das wäre zu wünschen, denn diese Einheitsfront signalisiert unmissverständlich, dass der dysfunktionalen Regierung, die diese Vorfeldorganisationen finanziert, die Argumente und der Glauben an die Demokratie abhanden gekommen sind. Die rechtswidrig besoldete Einheitsfront der Schande soll die offene Gesellschaft in den linken Totalitarismus „transformieren“! Einige Wenige ihrer aber hörbaren Akteure und Akteurinnen können es gar nicht erwarten. Sie wissen, dass sie in der Minderheit sind.
@Christian Träber: Die Wirtschaftspolitik der Alice Weidel ist neoliberal. Da kann ich auch das Original, die FDP, oder die bemühten Möchtegernkopisten der Union wählen. Hat seit Jahrzehnten nichts gebracht, was kann schon schiefgehen?
Ich kenne zwei Sorten Leute, denen die Dämonisierung hilft: Denen an der Wahlurne bei ihrer Entscheidung und denen vom Establishment beim Verbot der AfD. Danach sehen wir mal weiter.
@Hans-Joachim Gille, „Das AfD-Verbot ist deshalb wenig wahrscheinlich, weil die Union sofort in der Opposition säße“ -- Wie kommen Sie denn auf die Idee? Die Opposition verlöre 151 Sitze, die 42 Direktmandate der Wiederholungswahl dürften überwiegend an die CDU gehen. Würde die SPD in dieser geschwächten Position den Koalitionsvertrag aufkündigen, wo doch die Union nun real zwei, rechnerisch drei mögliche Koalitionspartner hätte?