Wolfram Weimer / 29.04.2019 / 12:30 / Foto: Fir0002 / 22 / Seite ausdrucken

Weltweit wächst die Christenverfolgung

Auf die Oster-Anschläge von Sri Lanka hat die britische Premierministerin Theresa May mit einer deutlichen Ansage reagiert: Ihre Regierung will die Verfolgung von Christen in vielen Ländern bekämpfen. “Wir müssen für das Recht eines jeden aufstehen, den eigenen Glauben zu praktizieren, egal welcher Religion man angehört”, sagte sie.

“Kirchen wurden angegriffen, Christen ermordet, Familien wurden gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen”, sagte sie über die Situation von Christen nicht nur in Sri Lanka. Darum habe die britische Regierung eine globale Untersuchung zur Christenverfolgung eingeleitet. Auch der britische Thronfolger Prinz Charles appellierte an die Weltöffentlichkeit, das Drama massenhaft verfolgter Christen nicht länger zu verschweigen. Es gebe derzeit 245 Millionen Christen, die unter Repressionen zu leiden hätten, “viele werden attackiert”. Der amerikanische Vizepräsident Mike Pence bezeichnet die Terrorattacken von Sri Lanka als “Angriff gegen den christlichen Glauben und die Religionsfreiheit”. Außenminister Mike Pompeo kündigt an, die US-amerikanische Außenpolitik werde dieses Thema zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit machen.

Auch in Deutschland warnt der Ex-Fraktionschef der Union im Bundestag, Volker Kauder: “Die Ereignisse in Sri Lanka sind bestürzend. Sie sind aber leider kein Einzelfall. Ich sehe mit großer Besorgnis die wachsende Christenverfolgung.” Das Pew-Forschungszentrum in Washington führt Christen seit Jahren als die am meisten verfolgte Religionsgruppe weltweit. Die Hilfsorganisation Open Doors, ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk, spricht sogar von “der größten Christenverfolgung aller Zeiten”. Die Terrorattacken in Sri Lanka seien Teil einer langen Serie von Angriffen.

Es sind vor allem islamistische Bewegungen und eine voranschreitende Radikalisierung des Islam, die christliche Minderheiten in vielen Ländern offener Gewalt und zahlreichen Tötungen aussetzen. Besonders aus den Randgebieten des islamischen Raums mehren sich grauenhafte Berichte von systematischen Christenverfolgungen. Open Doors meldete im Januar, dass allein in Nigeria im vergangenen Jahr 3731 Christen um ihres Glaubens willen ermordet worden seien – mehr als in allen anderen Ländern zusammen. Der Erzbischof des nigerianischen Bistums Kaduna appelliert daher an die Weltöffentlichkeit, das Massaker nicht zu übersehen und warnt vor einer Gewaltspirale.

Nach Niederlagen im Nahen Osten mit neuen Aufträgen unterwegs

Auch in Sudan, Eritrea, Äthiopien, Kenia, im Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik kommt es wöchentlich zu gewaltsamen Übergriffen auf Christen und ihre Kirchen. Militäranalysten berichten, dass Kämpfer der Terrormiliz “Islamischer Staat” und anderer islamistischer Gruppierungen nach Niederlagen im Nahen Osten nun mit neuen Aufträgen unterwegs seien. Es gehe ihnen neuerdings um eine islamistische Offensive in gemischt-religiösen Randgebieten der Kulturzonen, um den Einflussbereich des Islams auszuweiten.

Die westliche Politik hat jenseits kirchlicher Kreise bislang kaum von den dramatischen Ereignissen Notiz genommen. Die Attentate von Sri Lanka ändern das offenbar. Der britische “Guardian” kommentiert in einem Leitartikel: “Wir durchleben einen der gravierendsten Phasen von Christenverfolgung der Geschichte und die meisten Menschen (im Westen) wollen es nicht wahrhaben.” Der “Telegraph” schreibt: “Die meisten Menschen denken bei Christenverfolgungen an das Römische Reich und an Märtyrer, die Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden. Andere erinnern sich vielleicht an das Sowjetregime und die Unterdrückung von Gläubigen in der Stalinzeit. Doch dieses Jahrhundert ist rasch dabei, diesen beiden Epochen nahezukommen.”

“Die gegenwärtige Situation der verfolgten Christen und anderer Minderheiten ist katastrophal und alarmierend”, warnt der Vorstandsvorsitzende von Open Doors Markus Rode. “Wenn Millionen Betroffene keine Chance haben, selbst auf ihre Situation aufmerksam zu machen, dann müssen Politiker und wir als Christen deutlich mehr tun als bisher.”

Tatsächlich ist nun auch in Berlin Bewegung in dieser Frage zu beobachten. “Der Terror in Sri Lanka reiht sich ein in verschiedene Anschläge gegen Christen weltweit”, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU). “Christen sind weltweit das Ziel von radikalen Muslimen.” Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer sagte: “Mehr als 100 Millionen Christen leben in Ländern, in denen ihr Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht geachtet wird.” Der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold sagte der “Welt”, die Religionsfreiheit von Christen sei in vielen Teilen der Welt bedroht. “Europa muss sich nachdrücklich auf der Welt für das Recht auf Religionsfreiheit einsetzen.” Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak forderte mehr Schutz für Christen. Wichtig sei nun, sich nicht spalten zu lassen und den Dialog der Religionen aufrechtzuerhalten. “Dazu gehört aber auch, die Unterdrückung von Christen deutlich anzusprechen und klar für die Einhaltung der Religionsfreiheit einzutreten.”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European

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Leserpost

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Andreas Günther / 29.04.2019

Hat sich die stärkste Oppositionspartei im Deutschen Bundestag nicht dazu geäußert? Oder ist es einfach zu selbstverständlich für diese Partei, so dass Herr Weimer das gar nicht extra erwähnt.

Michael Brinkmann / 29.04.2019

Ja, es ist zu hoffen, dass sich eine realistische Sicht auf das Thema Übergriffe gegen Christen und andere Glaubensrichtungen durch IS-Mitglieder oder andere (oft muslimische) Terrororganisationen durchsetzt. Dabei sollte auch auf den Begriff “Kämpfer” im Zusammenhang mit den Tätern und ihren Gruppierungen verzichtet werden. IS-Kriminelle oder IS-Terroristen beschreibt treffender, was diese Menschen sind.

Nina Herten / 29.04.2019

Für einen Großteil westlicher Politiker gibt es das ‘Christentum’ doch gar nicht mehr - das Wort ‘Christ’ wird von diesen Personenkreis ‘gemieden, wie das Weihwasser vom Gott-sei-bei-uns’. (Wie die Äusserungen des deutschen Außenminis und etlicher anderer bewiesen). Offenbar sind ‘Christen’ für die ‘Eliten’ ebenso obsolet, wie souveräne Staaten und Völker. Davon abgesehen betreffen die An-/Übergriffe ja nicht allein ‘Christen’ - dabei wäre dies bereits besorgniserregend genug.  Und hat z. B. T. May überhaupt schon registriert, wie in GB die Lage für jene ist, die nicht ‘der Religion des Friedens’ angehören? May, Kauder und Konsorten glaube ich prinzipiell nichts (mehr); schon gar nicht im Vorfeld anstehender (EU)Wahlen.

Hans Wegener / 29.04.2019

Was tut der Pabst ??

beat schaller / 29.04.2019

ei ei ei? plötzlich springt man auf auf den zug? das ist ja ganz neu. hat man eventuell die hosen voll so kurz vor der eu-wahl?? leute schaut euch einfach sehr gut an, wie hier die wendehälse funktionieren.  ein kreuz für christen aber auch eins am richtigen ort beim wahlzettel. b.schaller

P. F. Hilker / 29.04.2019

Das scheint ja mal ein ganz neuer Trend zu sein, dass das Uebel mal an der Wurzel, sprich Islam, angefasst werden soll. Auch in Deutschland haben alle Attentate von den “noch nicht so lange hier Wohnenden"einen islamischen Hintergrund. Selbst “Sri Lanka” wurde von der hiesigen Presse ja nicht mal als eindeutig islamisches Verbrechen postuliert. Nur ganz vorsichtig wurde drum herum geschrieben. Schön, dass Sie, Herr Weimer, klare Worte finden. 

Andreas Spata / 29.04.2019

Heute findet ein Vortrag zum Thema statt, Verfolgte Christen weltweit, in Friedland. Titel: Auferstehen aus Ruinen oder Überleben in der Ferne?- Zur aktuellen Situation der syrischen Christen. Vortragen bzw. anwesend werden die hochkarätigsten Experten der Universität Göttingen sein. Ich bin gespannt wie viele Besucher kommen….., die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Rolf Lindner / 29.04.2019

Die verfolgten Christen sind jetzt so was wie die verfolgten Muslime in Deutschland, weshalb wir unbedingt mehr von letzteren brauchen und die mit allen (Steuer-)Mitteln unterstützen müssen. Es ist beruhigend zu wissen, dass sich vor allem die Altparteien (nicht zu verwechseln mit Altpapier) dieser Aufgabe intensiv angenommen haben und deshalb gemeinsam mit Kardinälen und Bischöfen der bisher noch nicht zum Islam konvertierten christlichen Konfessionen den Bau von mehr Moscheen fordern. Schon bei der Europawahl kann jeder für diesen richtigen und alternativlosen Weg votieren.

Manfred Lang / 29.04.2019

Sehr geehrter Herr Weimer, es wichtig, dass Sie den Blick auf eine wirkliche menschliche Tragödie unserer Zeit lenken. Wenn im Nahen Osten Millionen Muslime aus ihren Heimatländern Syrien und Irak vertrieben werden, dann ist die hiesige Regierung sogar in der Lage, das geltende Recht zu missachten und ohne Grenzkontrollen und Papiere sowie häufig ohne Aufenthaltsstatus Menschen zu uns kommen zu lassen. Mit all den Problemen, die wir alle noch recht gut erinnern können und erleben müssen, wie zunehmende Kriminalität, sexuelle Übergriffigkeiten, Sozialbetrug und terroristische Anschläge. Die weitaus größere Katastrophe ist die Verfolgung von Christen sowohl im Nahen, als auch im Fernen Osten sowie in Afrika. Dieses Thema wird von kleinen Randgruppen in der Union und seit seinem Abgang als Fraktionschef wieder etwas lauter von V. Kauder thematisiert. Eine christdemokratisch geführte Regierung, die für muslimische Flüchtlinge sogar bereit ist, geltendes Recht zu übersehen, wirkt auf mich überraschend leise bei der weltweiten Christenverfolgung. Wie unter einem Brennglas steht hier der Fall der Katholikin Asia Bibi in Pakistan, die erst zum Tode, dann nach achtjähriger Haft höchstrichterlich freigesprochen wurde und nun in Verstecken darauf wartet, dass ein westliches Land ihr Asyl gewährt. Bei Flüchtlingsbooten schreit unsere Regierung immer sofort “Hier”. Bei A. Bibi hört man kaum was. Mittlerweile soll Kanada zur Aufnahme bereit sein, was für A. Bibi wohl besser wäre. Denn die Todesdrohungen der islamischen Radikalinskis erstrecken sich bis nach Deutschland, das insofern ein sicheres Asyl einer mit dem Tod bedrohten nicht wirklich bieten kann. Selbst Christen sind in Flüchtlingsunterkünften von muslimisch radikalisierten Gruppen vor Übergriffen nicht sicher. Traurig! Hier wäre eine echter Klimawandel vonnöten.

Sabine Heinrich / 29.04.2019

Kann mir jemand auch nur EIN Beispiel nennen, das belegt, dass sich einflussreiche Vertreter der christlichen Kirchen mit aller Vehemenz und der ihnen zur Verfügung stehenden Macht für verfolgte Christen in aller Welt einsetzen? Für solche positiven Beispiele wäre ich sehr dankbar! Ich habe den Eindruck, dass sie sich mit Eifer fast ausschließlich für Muslime einsetzen und sich ihnen bis zum Fremdschämen anbiedern; für die eigenen Schäfchen fehlt dann die Zeit und das Interesse - nur die Kirchensteuern von ihnen werden selbstverständlich gern genommen. Der Papst - auf den ich einmal ganz große Hoffnungen gesetzt hatte, der durchaus auch schon einige positive Veränderungen bewirkt hat - ist in Sachen “Einsatz für verfolgte Christen” für mich eine große Enttäuschung. Und wo bleibt der Einsatz von Frau Käßmann? Aber vielleicht habe ich da nur etwas nicht mitbekommen…    

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