Wolfgang Röhl / 24.05.2014 / 19:59 / 9 / Seite ausdrucken

Weltweit reisen, Klima retten. Am Beispiel Natalie

Auch Sie, liebe Leser, würden gern mal Plätze wie Kyoto, Rio, Bali, Cancún, Lima, Montreal oder Marrakesch kennenlernen? Dort in gehobenen Hotels mit Golfplatz, Spa und anderen Fazilitäten absteigen? Bloß haben Sie - leider, leider – noch nie eine Einladung für eine Klimakonferenz ergattern können? Zu dumm: die begehrten Tickets reißen sich sofort institutionalisierte Klimamodellierer, Regierungsschranzen, NGO-Windbeutel oder Greenpeacefuzzis unter den Nagel.

Nicht aufgeben! Die Welt günstig bereisen, das geht auch anders. Nehmen wir als Beispiel Natalie Driemeyer, geboren 1980. Hat was mit Theater, Literatur, Medien und Soziologie studiert. Normalerweise ein klarer Fall für Hartz IV. Nicht so bei Natalie! Sie brachte es ab 2010 für immerhin drei Jahre zur Schauspieldramaturgin am Bremerhavener Stadttheater.

Bremerhaven? Vielleicht haben Sie schon mal von diesem schauderhaften Locus gehört. „Durch ihn mit einem Lächeln auf den Lippen wird nur fahren, wer am Steuer einer Abrissbirne sitzt“, wie es der schottische Feuilletonist A A Gill mal formulierte (wenn auch in Bezug auf einen Ort in Wales). Diese Hochburg von Sozen, Grünen, Arbeitsvermittlern, Rechts- und Linksextremen ist ein Wurmfortsatz des Stadtstaates Bremen, welcher wiederum dafür bekannt ist, reihenweise „Investitionsruinen“ („Spiegel online“) wie den „Space Park“ in die platte Landschaft zu klotzen und dafür die deutschen Steuerzahler bluten zu lassen.

Speziell Bremerhaven türmte einen gigantischen Schuldenberg auf, ungefähr so hoch wie das schlauchbootförmige Gebäude an seinem Alten Hafen, das sich „Klimahaus 8 Grad Ost“ nennt. Allein für den Bau dieses imposanten Defizitgenerators ließ die Stadt über 100 Millionen Euro springen. Der Rechnungshof kritisierte das scharf. Selbstredend ohne jede Konsequenz. War ja alles für einen guten Zweck.

Die vornehmste Aufgabe des Klimahauses besteht darin, zunächst Klimapanik zu schüren und Zukunftsängste zu verbreiten. Um anschließend die Lösung des Menschheitsproblems Klimawandel vorzustellen: Erneuerbare Energien, was sonst. Das Brainwashing ist vor allem Kindern und Jugendlichen zugedacht, die von ihren rotgrünen Lämpeln massenweise ins Klimahaus verschleppt werden.

Für Branchen wie die in Bremerhaven höchst einflussreiche Windkraftindustrie, die nachhaltig vom Erderwärmungshype profitieren wollen, sind Kinder Key. Kinder sind die Zukunft, welche Kinder bekanntlich nicht haben. Außer sie werden schon im zartesten Alter kindgerecht verblödet. Etwa mit Theaterstücken, die im ideologischen Umfeld des Klimahauses aufgeführt werden. Hier die Synopsis des rührenden Agitpropmärchens „Die kleine Klimaprinzessin“:

“Die kleine Klimaprinzessin will sich etwas auf anderen Planeten im Weltall umsehen. Bei ihrem Ausflug auf die Erde lernt sie Kuckuck kennen, der ihr bester Freund wird. Als Kuckuck jedoch plötzlich mit seiner Familie gen Norden ziehen muss, um der fortschreitenden Erderwärmung zu entkommen, ist sie alleine. Wo sind Kuckuck und seine Familie hingeflogen? Wie kommt sie ihnen am schnellsten hinterher, wo sie doch selbst keine Flügel hat? Sie macht sich auf die Suche und lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen, die sie schließlich auf den richtigen Weg führen.“

Verantwortlich für Kuckucksnester dieser Art ist neben anderen eine Eva Rahner. Sie wird im Prospekt wie folgt beschrieben: „Eva Rahner ist Schauspielerin und seit 2011 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Wo sie dem Direktor Hans Joachim Schellnhuber seitdem als Persönliche Assistentin und Referentin zur Seite steht.“

Man kann das tatsächlich auf der PIK-Homepage nachprüfen. Interessant, was da so alles herumfleucht in der beinharten deutschen Klimawissenschaft.

Zurück zu Natalie. Auch sie beschloss, auf die Klimanummer zu setzen. Deshalb wirkte sie am „transdisziplinären Theaterfestival ODYSSEE: KLIMA“ mit, das diverse Sparten des öko-industriellen Komplexes bespielte. Zum Beispiel die in Bremerhaven sakrosankte und daher spendierfreudige Off-Shore-Windindustrielobby. Mit einer von ihr inszenierten Lesung aus Ilija Trojanows Glaziologen-Melodram „EisTau“ führte Natalie sich auch in die Herzen der Leute vom Potsdam-Institut ein. Mit Schellnhubers Leuten besteht seither eine Zusammenarbeit, verkündet sie stolz.

Gefördert wurde das Theaterfestival, bei dem kein fühlendes Auge trocken blieb (eine Actrice namens Anna Mendelssohn ritt virtuell auf einem todgeweihten weinenden Eisbären), von der Kulturstiftung des Bundes, dem Alfred-Wegener-Institut, dem Projektfond „Kurs Klimastadt Bremerhaven“ und dem Potsdam-Institut. Follow the money! Wenn heutzutage noch irgendwo Knete für richtig quiekenden Quatsch rumliegt, dann in den Sponsorentöpfen der Klimaretterzunft.

Im Spätherbst 2013 begab sich Natalie auf eine „Welt-Klima-Theater-Recherchereise“, die sie zuerst nach Indonesien führte. Beim „Klimakunst-Festival“ in Jogyakarta
wurden bei „Meditation und Poesie“ pressierende Fragen der Erderwärmung verhandelt. Die indonesische Internetseite „com.co“ berichtete über die Erkenntnisse von Natalie und ihren Mitstreiter_Innen: „Natalie said the performance art display is a way for German and Indonesian artists to trade their views on the social, political and ecology issues in each of their nations. Both countries see climate change as an environmental issue that needs to be resolved together.“

Ein Land, das Klimabotschafter von solch Honeckerschem Duktus hat, kann nicht ganz schlecht sein.

„Welche kreativen Möglichkeiten es gibt, Menschen für die Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren“ (O-Ton Natalie), erlebte die Expertin bei Recherchen für ein weiteres Theaterprojekt, diesmal in Jakarta. Da ging es um Menschen, die wegen Eindämmungsmaßnahmen an irgendeinem Fluss zwangsumgesiedelt werden. Natalie hat mit ihnen gesprochen und darüber ein Theaterstück verfertigt. „Im kommenden Herbst wird es aufgeführt“, strahlt sie, „dann fahre ich wieder hin.“ Hoffentlich unter Entrichtung einer satten CO2-Ausgleichsabgabe für den Interkontinentalflug ins Klimaelend.

Vorher aber ist sie noch schnell auf die Philippinen gedüst, welche gerade von einem Taifun verheert worden waren. Natalie wollte einfach helfen! Erfahrungsgemäß freuen sich die Opfer von Naturkatastrophen in Dritte-Welt-Ländern ja einen Palmenwedel ab, wenn eingeflogene Westlerinnen wie unsere Natalie sich tatkräftig in „Workshops und Theateraufführungen“ einklinken, „die traumatisierten Menschen helfen sollen.“

Überhaupt, Menschen! Ihrem norddeutschen Lokalblatt verriet die frischgebackene Fachfrau für klimatologisches Tarotkartenlesen unlängst: „Der Klimawandel findet statt. Wir müssen darüber sprechen, wie er die Menschen trifft.“

Ja, müssen wir! Aber wann? Klimaexperten und ihren künstlerischen Kohorten fehlt für den Dialog mit den Menschen leider oft die Zeit. Weil sie in Namen des Klimawandels immerzu auf Achse sind, rund um den geschundenen Globus.
http://www.stadttheaterbremerhaven.de/fileadmin/downloads/Odyssee_Klima_Ansicht_17-5-13_kl.pdf

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Wolfgang Kessler / 26.05.2014

Wenn das geplante Freihandelsabkommen mit den USA dazu beitragen kann, diesen subventionierten Mist zu pulverisieren, bin ich so was von dafür…Aber wahrscheinlich wird sich immer noch genug privates Geld aus dem Ökoindustriekomplex finden, um solcherlei Treiben am Leben zu erhalten.

Bernd Bunke / 26.05.2014

Man kann man alles in den Dreck ziehen, egal was der Mensch macht, es ist alles obsolet und fragwürdig. Leider ist der Mensch nun mal in dieser - und keiner anderen - Welt! Die nächste absurde Aktion von der sogenannten “Achse des Guten”, werde ich mal mit den gleichen sarkastischen und zynischen Worten kommentieren.

Helmut Erb / 26.05.2014

Natalie ist nicht allein. Überall im Lande engagieren sich Menschen für die Rettung des Planeten. Jeder nach seinen Möglichkeiten. So auch Schüler der ersten Klimawald-Schule, die den Klimawald-Gedanken in China einpflanzten. Schleswig-Holsteinische Landeszeitung online - “SCHÜLER AUF REISEN - Schulfahrt nach China: Jeder Schüler zahlt 1400 Euro” Da es nun mit Natalie am PIK mindestens eine lizenzierte Schauspielerin gibt, muß natürlich auch eine künstlerische Leiterin her. Das ist die Ehefrau des Direktors. Es ist für alle gesorgt.

Stephan Bergmann / 25.05.2014

Die Sache mit dem weinenden Eisbärn hatte ich Ihnen ja nicht abgenommen, bis ich es selbst auf Seite 18 der Broschüre (die Seitenzahlen sind jeweils von einem roten Eisberg umrandet) gesehen hab: tatsächlich, über die gesamte Seite, eine weinende Frau, die auf einem noch weinenderen Eisbären reitet. Internet, you have done it again. Jetzt hab’ ich wirklich alles gesehen. Propaganda und Brainwashing haben ja auch immer etwas unfreiwillig Komisches. In diesem Sinne.

Framk Holbers / 25.05.2014

Nana, nur ruhig Blut. Das ganze ist doch wohl eine Satire. Oder wie sonst kann man Passagen wie z.B. auf Seite 7 der verlinkten Broschüre auslegen: “Und was mich am meisten beeindruckt hat, war die einstimmige Aussage: Wir können nicht voraussagen, was passiert, wissen jedoch, dass es passiert.” Also, ich finde soetwas lustig!

Klaus Metzger / 25.05.2014

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und von den Medien weitgehend ignoriert, ist die deutsche Energiewende gerade dabei zu implodieren. 2013 brach der Markt für Fotovoltaik um 54% ein. Auch für Grünlinge gilt, ohne Profit kommt keine Solaranlage aufs Dach. Die Welt wird jetzt nur noch verbal gerettet oder durch Theaterstücke und Performance-Kunst, gerne auch in exotischen Sehnsuchtsländern. Und überall tun sich kuschelige und gutbezahlte berufliche Wohlfühlecken für Gutmenschen auf, die mal irgendwas mir Medien gemacht haben. Das ist schöööön!

Reimund Weismar / 25.05.2014

Klasse! Wem noch nicht übel genug ist von diesem Wahn einer völlig aus den Fugen geratenen Verblödung, dem empfehle ich das Katastrophenmenü, welches auf der verlinkten Website des Theaters angepriesen wird: “Zudem gibt es die Möglichkeit, herausragende Gastspiele zum Thema zu erleben: Zusammen mit 3-Sterne-Köchen kocht die Performerin Eva Meyer-Keller Katastrophenszenarien nach – natürlich zum Verzehr geeignet”.

Dieter Schilling / 24.05.2014

Krank! Einfach nur krank! Und haben dabei das tollste Leben auf Kosten der wirklich arbeitenden Bevölkerung, die diesen ganzen Schwachsinn finanziert.

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