Letzten Oktober hat Jürgen K. Hultenreich, der sich leider kaum bemerkt in die erste Reihe der Gegenwartsliteraten geschrieben hat, einen neuen Band vorgelegt: Aphorismen. Bekannt wurde er mit seinem Roman Die Schillergruft, in dem er seine Erlebnisse als 17-Jähriger verarbeitet hat, der Mitte der 1960er Jahre in der DDR wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs verhaftet wird. Weil er sich vor Gericht mit Schiller-Zitaten verteidigt und erklärt, er läse nur Schiller, fühlen sich Staatsanwältin und Gericht verhöhnt. Er wird „zur Beobachtung“ in eine geschlossene Anstalt eingewiesen und muss sich vom Stasi-Vernehmer immer wieder auf korrekte Schiller-Zitate prüfen lassen. Er überlebt diese Hölle trotz Medikamentenzwangs dank seiner Fähigkeit, auch der düstersten Situation noch mit Humor begegnen zu können. Er kommt zu der Erkenntnis: Nicht ich bin verrückt, das Land ist es.
Dieser Humor hat ihn bis heute nicht verlassen. Im Gegenteil. In unserer Zeit, in der immer wieder gejammert wird, dass es noch nie so merkwürdige, gar gefährliche Zeiten gegeben hätte, sieht Hultenreich mit einem Lächeln die Dinge entspannter. Nach nur drei Jahrzehnten Demokratie ist das Land wieder verrückt geworden – dank allen, denen Weltanschauung wichtiger ist als Realität. Damals wie heute halten die meisten Leute trotz der Absurditäten, die sich vor ihren Augen abspielen, still. Hultenreich nimmt’s gelassen: „Es gibt Leute, die sich gar nicht bewegen. Wie soll man die aufhalten?“ Die Lage der Nation bringt er mit einem anderen Aphorismus auf den Punkt: „In Deutschland werden die Probleme nicht beseitigt, sondern subventioniert.“
Uns gibt er zu bedenken: „Wir tragen unser Kreuz so lange, bis wir dran hängen.“
Ich schlage eine beliebige der 267 Seiten auf: „Wer nicht vor 1989 in der DDR lebte, weiß nichts von der Süße des Widerstands.“ Oder: „Wer eine Rede leichter hält als ein Wort, ist politisch begabt.“ Oder: „Erschütternd, dass man seit 1789 auf denselben leeren Worten herumkaut.“ Oder: „Wir sollten aufhören, nicht vergessen zu können, und anfangen, uns zu erinnern.“
Hultenreichs Buch ist für alle Trost, Ermutigung, Heiterkeit. Hier findet man Bestätigung, Erkenntnis, Lebensfreude. Sollte der Tag zu trüb sein oder das Missgeschick zu groß – ein Griff zu Hultenreichs Aphorismen hilft aus dem Tief.
Schließlich: „Keine Zukunft haben ist auch eine.“
Jürgen K. Hultenreich: Weltanschauung ist unheilbar.

@Lutz Liebezeit: Jawohl, ich bin diktatur-sozialisiert (geb. 1964) und Dunkel-Deutscher, und letzteres mittlerweile aus Überzeugung. Leider haben Sie nur Behauptungen wiederholt und sind leider auf die – überprüfbaren – Fakten, welche ich aufgezählt habe, nicht eingegangen. Die Verschuldung der DDR hatte ich mit keinem Wort erwähnt. Sie haben insofern teilweise Recht, daß die Staatsschulden der DDR gegenüber den Billionen mit denen der heutige Staat in der ÜBERSCHULDET ist, aus heutiger Sicht lächerlich wirken. – Entscheidend: Die Infra-Struktur der DDR (Gebäude, Altbau-Wohnungen, Straßen, Kommunikation, Mobilität) war entweder veraltet oder verrottet oder Beides. Nach 40 Jahren konsequenten Enteignungs-Politik waren Klein-Unternehmer und privates Vermögen quasi nicht mehr vorhanden (Ausnahmen bei der Bonzokratie). Im Westen verramschte DDR-Produkte waren nur konkurrenzfähig, solange man die DDR-Arbeiter mit nicht konvertierbarem Spielgeld ‚entlohnte‘ (Lohn-Dumping). Sie können die völlig verfehlte Wirtschafts- und Preispolitik Honeckers (Enteignungen noch Anfang der 70-er !), die maßlose Verschwendung durch aggressive Rüstung und einen paranoiden Sicherheitsapparat und die dadurch verursachten Dis-Proportionen nicht Kohl und dessen Regierung in die Schuhe schieben! Das System war einfach morsch und fertig! Die DDR war nicht ‚Leipziger Messe‘ – das war ein Potemkinsches Dorf. Es scheint so, daß sie den geschönten Tendenz-Berichten von DDR-Einflußagenten wie Theo Sommer | (‚Die Zeit’, 1988) & Kumpanei zum Opfer gefallen sind. Man kommt an der Erkenntnis nicht vorbei: Die DDR war ein Scheiss-Staat! Für unsereins im Unterschied zu heute allerdings der ‘EIGENE’.
„Th. Gerbert / 04.01.2026
– ob das Ganze nicht vielleicht zum Erkenntnisgewinn beiträgt, dass die Antifa kein so heldenhafter Wir-sind-die-Guten-Trupp ist wie heutzutage allgemein gerne dargestellt.“ – Ich habe das Bekennerschreiben nur überflogen aber verstanden, daß die Truppe nur das Kraftwerk vom Netz abkoppeln wollten. Die haben wohl geglaubt man sichert dann die Brandstelle, legt ein paar Schalter um und der Strom kommt woanders her. Da haben sie aber nicht mit den über Jahrzehnte bewährten Berliner Verhältnissen gerechnet.
Unser Ziel ist eine europäische Friedensordnung, die nicht von einzelnen Mächten diktiert, sondern von den Völkern Europas in freier Selbstbestimmung eigenhändig gestaltet wird. Helmut Kohl
Bericht zur Lage der Nation im geteilten Deutschland im Deutschen Bundestag, 08.11.1989
Notiz für den Herrn Reichaußenminister September 1939
Der gegenwärtige Krieg ist auch ein Krieg um die Einheit und Freiheit Europas.
Seine Ziele sind:
Herstellung eines dauerhaften, gesicherten Friedens für die europäischen Länder. Sicherheit gegen wirtschaftliche Erdrosselung und raumfremde Einmischung Englands und der Vereinigten Staaten. Europa den Europäern.
..
Überwindung des europäischen Partikularismus (Teilung) durch friedliche und freie Zusammenarbeit der europäischen Völker.
Ja schreiben die voneinander ab? Da kann man nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, das hat ja prima geklappt.
Helmut Kohl hat auch ein Buch geschrieben: Mein Europa. Das hat die Qualität von UnsereDemokratie. Denn die 450 Millionen Menschen kommen in seinen leidenschaftlichen Gedanken nicht vor.
Die Parteispenden trudelten kurz nach der Ratifizierung des Maastricht Vertrages ein. Hätte man da jetzt gerichtlich nachgebohrt, wäre MeinEuropa wahrscheinlich geplatzt wie eine Seifenblase. Deshalb war Schwamm drüber besser.
Wir haben keine Wiedervereinigung gekriegt, wir haben Mein Europa gekriegt. Das produzierte genau wie das antike Rom kurz nach dem Putsch ganz eigenwillige Gründungsmythen.
Von den Aktivitäten im Dunkelzimmer hat niemand etwas mitgekriegt. Aber es wurde so getan, als wäre das allen sonnenklar.
Es gab nicht mal eine Wahl, in der die Übertragung von Hoheitsrechten und die Politische Union thematisiert worden ist, was schon zeigt, daß zwischen die Parteien mafiöse Absprachen trafen. Steuererleichterung und soziale Gerechtigkeit konnte man wählen.
„Keine Zukunft haben ist auch eine.“… genial. Danke für dieses Buch…
Doch, doch, ´Weltanschauung´ ist heilbar, die United States Armed Forces haben in Venezuela gerade wieder musterhaft vorgeführt wie man das macht. Was für ein wunderbarer, vielversprechender Jahresbeginn. Mir träumte heute schon von einem weiteren Helikopterkonvoi, kurz vor dem Morgengrauen, über Brüssel. Das Cartel de los Euros wäscht seit Jahrzehnten den cash der Narcosozialisten und hätte allein wegen gewerbsmäßigem Menschenhandel, von den Verantwortlichen euphemistisch als Migration bezeichnet, eine Anklage seitens des DOJ verdient. Im Maduro-Trakt sind sicher noch ein paar Plätzchen frei, allen voran für die deutsche Bandenchefin.
„Die DDR war vielleicht für ein paar Tage in der Demokratie angekommen. Und dann kam Kohl“ ist schon massiv komisch. Schreibt hier Gregor Gysi unter Pseudonym? Der hat auch immer solche Klopper rausgehauen …
@ Wilfried Düring Kommen Sie aus dem Osten? Ich hätte dem Osten ja den Bonus der Unwissenheit eine zeitlang zugestanden, aber nicht für immer und alle Zeiten. Auch da hätte man sich mal mit den Wirren des Umbruchs auseinander setzen müssen.
Helmut Kohl war durchtrieben und ein Verräter. Der hat mit seinen Manipulationen und Eingriffen die Grundlagen für die europäische Krankheit gelegt. Der hat scheinbar alle getäuscht. Selbst der Westen leidet heute unter Amnesie.
Beweise sind hier völlig vergeblich. Man läßt sich lieber das Blaue vom Himmel vorlügen, anstatt sich den Tatsachen zu stellen. Das nennt man Selbsttäuschung, die macht das Leben kurz angenehmer, denn irgendwann wird die zur Lebenslüge und dann wird das Leben unerträglich.