„Von rechts habe ich einen Schatten kommen sehen. Dann habe ich ,Allahu Akbar' gehört. In dem Moment habe ich was im Arm gespürt", schilderte die 27-jährige Zeugin. „Den Täter habe ich gar nicht gesehen." Dann sei sie mit einem anderen Gast schnell wieder in das „Cutie" gegangen. „D. schrie, dass er getroffen ist und blutet. Drinnen ist er vor mir umgefallen." Dass ihr eigener Arm „ganz warm und feucht ist und blutet", habe sie erst später bemerkt. „Dann kam schnell die Polizei." Im Krankenhaus sei sie sofort notoperiert worden, erzählte sie weiter. Stunden später sei sie auf der Intensivstation aufgewacht: „Im Krankenhaus waren die Schmerzen extrem." Erst nach einer Physiotherapie habe sie ihren Arm wieder bewegen können.
Während die 27-Jährige den Messer-Angriff auf die Bielefelder „Cutie"-Bar schilderte, sitzt Mahmoud M. hinter Panzerglas auf der Anklagebank. Er hat einen Kopfhörer auf, um die Übersetzung der Verhandlung hören zu können. Auch am dritten Verhandlungstag zeigt er keinerlei Regung. Seit 2. März muss sich der 36-Jährige vor dem 5. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem sunnitischen Muslim vor, sich spätestens im Mai 2015 in Syrien dem Islamischem Staat (IS) angeschlossen zu haben. Auch nach seiner Einreise in Deutschland 2023 sei er der Terror-Organisation „weiter verbunden geblieben". In den Morgenstunden des 18. Mai 2025 habe er „in schneller Abfolge" auf fünf Gäste eingestochen, „um möglichst viele Menschen zu töten". Vier davon wurden lebensgefährlich verletzt. Eine „Rangelei" mit einem Fußball-Fan habe jedoch dazu geführt, dass er seine Tatpläne nicht mehr umsetzen konnte. Daraufhin sei der Syrer geflüchtet. Mahmoud M. sitzt seit 19. Mai in Untersuchungshaft. Den Messer-Angriff hatte er bereits vor dem Prozess gegenüber einem psychiatrischen Gutachter eingeräumt. Die IS-Mitgliedschaft aber bestreiten er und seine Anwälte.
Zwischen einer psychologischen Betreuerin und ihrer Anwältin Stefanie Höke sitzend, berichtete die 27-Jährige, die auch als Nebenklägerin auftritt, am Montag weiter, wie es ihr nach der Messer-Attacke ergangen ist: Erst als der Arzt ihr gesagt habe, wie froh er sei, überhaupt noch mit ihr sprechen zu können, sei ihr „bewusst geworden, wie knapp das war". Bei dem Messer-Angriff sei eine Arterie getroffen worden, danach habe sie die Hälfte ihres Blutes verloren. „Ich habe anfänglich nicht realisiert, dass mich jemand umbringen wollte." Jetzt aber seien ihre Probleme „eher mehr" geworden. „Wenn es dunkel ist, gehe ich nicht mehr alleine raus", schilderte sie. „Und ich scanne alles ab, wenn viel Leute um mich herum sind." Ihre Arbeit als Taxifahrerin werde sie wohl nicht mehr aufnehmen, da sie ohnehin studieren wollte, aber auch nicht mehr damit umgehen könne, wenn Leute hinter ihr sitzen. Am Ende der Vernehmung merkte Höke kurz an, dass die junge Frau noch immer „therapeutisch angebunden" sei. Im Zuschauerraum verfolgten mehrere Angehörige der Opfer deren Vernehmungen, darunter auch die Eltern der 27-Jährigen.
"Ich kann es nicht haben, wenn jemand hinter mir steht"
Nach ihr berichtete ein 23-jähriger Mann, der mit der 27-Jährigen zum Rauchen vor der „Cutie-Bar" stand, von dem Angriff: „Da waren ganz viel Schreie, auch Frau S. habe ich schreien gehört." In der Bar sei er dann umgekippt. „Um mich herum waren ganz viele Leute, die meine Wunden zugehalten haben." Dann sei er ohnmächtig geworden. Im Krankenhaus sei ihm am nächsten Tag gesagt worden, dass er seinen rechten Arm möglicherweise nie wieder bewegen kann. Sein befristeter Arbeitsvertrag sei nicht verlängert worden, weil er nach dem Messer-Angriff zu lange ausgefallen ist. „Nicht gut", sagte der junge Mann auf die Frage, wie es ihm psychisch gehe. Er habe Albträume, aus denen er schweißgebadet aufwache: „Und mit dieser Ladung wurde alles wieder schlimmer." Erst als Stefanie Höke nachhakte, räumte er ein, nach der Ladung zu seiner Zeugenvernehmung auch zwei epileptische Anfälle gehabt zu haben.
„Ich hatte in dem Moment Todesangst", berichtete der letzte Zeuge am Montag, ein 28-jähriger Postbote aus Bielefeld. Er habe einen „starken Schlag" bemerkt und dann „sehr starke Schmerzen gespürt". Andere Gäste hätten seine Frage bejaht, ob er einen Messerstich abbekommen habe und dann auf ihn eingeredet, dass „alles wieder gut" werde. „Ich habe mich wie ein Pflegefall gefühlt", schilderte er seine Zeit im Krankenhaus. Danach habe er weder aus dem Haus gehen noch öffentliche Verkehrsmittel benutzen können. „Das ist besser geworden, aber wenn ich jemand sehe, der ins Täterprofil passt, gucke ich sofort, ob er ein Messer in der Hand hat. Und ich kann es nicht haben, wenn jemand hinter mir steht", schilderte er. Weil ihm die Galle entfernt werden musste, habe er nach fettigen Speisen manchmal Magenschmerzen. Nach seiner Traumatherapie wolle er sich nun einen Psychotherapeuten suchen, um das Geschehen aufzuarbeiten. Auch hoffe er darauf, seine Arbeit als Postbote später im ländlichen Raum wieder aufnehmen zu können, sagte der junge Mann, bei dem eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurde. Derzeit könne er sich das aber „aus psychischen Gründen nicht vorstellen".
Als die Verhandlung am Dienstag fortgesetzt wurde, war der Saal 2 des OLG-Hochsicherheitstraktes fast bis zum letzten Platz mit Fans von Arminia Bielefeld gefüllt. Grund war die Vernehmung des bei dem Messer-Angriff schwer verletzten Chris S. „Es war eine Party-Nacht", erzählte der 27-jährige Student. „Unser Verein ist aufgestiegen." Dann aber habe eine Frau um Hilfe geschrien. Zuerst habe er gedacht, sie werde belästigt. Weiter könne er sich nur noch „vage" an eine Person mit Kapuze erinnern, die er „angefasst und heruntergerissen" habe, um der Frau zu helfen. „Und dann bin ich dreißig Stunden später auf der Intensivstation wieder aufgewacht", schilderte Chris S. Da er nicht sprechen konnte, musste er alle an ihn gerichteten Fragen erst einmal mit gesenktem oder gehobenem Daumen beantworten. Anfänglich habe er wegen eines Stichs in die Lunge auch Probleme mit dem Atmen gehabt. Selbst das Aufstehen und Gehen habe er mit Hilfe der Physiotherapie erst wieder lernen müssen.
„Wir sind alle wie wild drauf. Er wurde zu Boden gebracht"
„Es hat vieles kaputtgemacht", sagte Chris S. auf die Frage nach den dauerhaften Folgen des Messer-Angriffs. „Man traut sich nicht mehr, auf die Tribüne zu gehen, weil da viele Menschen sind", schilderte er. „Auch das Stehen dort wäre sehr anstrengend." Er sei noch immer in psychotherapeutischer Behandlung und habe sein Studium bislang nicht wieder aufnehmen können. Auch habe der Prozess dafür gesorgt, dass zuletzt vieles wieder aufgewühlt wurde: „Das war schon sehr bedrückend die letzte Woche", sagte der Fußball-Fan. Auch Chris S. ist einer der Nebenkläger in dem Prozess gegen Mahmoud M. Laut seines Anwalts David Volke muss der 27-Jährige die Kosten dafür aber selber tragen, da diese nicht vom Staat übernommen werden.
Vernehmungen von unverletzt gebliebenen Gästen verdeutlichten aber auch, wie wehrhaft die Arminia-Fans in dieser Nacht reagiert hatten: „Die Person hat mit einem großen Messer vor anderen Leuten agiert. Rechts und links haben Leute geschrien, dass sie bluten", berichtete ein 26-Jähriger. „Wir haben dann mit Tritten versucht, den Täter fluchtunfähig zu machen." Als diesem dennoch die Flucht gelang, habe er noch versucht, ihn zu verfolgen. Dass in der ersten Pressemeldung nach dem Messer-Angriff von „Problemfans" zu lesen war, habe er „als äußerst unangebracht" empfunden: „Das hat einen gereizt", sagte er.
„Zuerst habe ich eine Frau schreien gehört. Dann hieß es: ,Messer, Messer.' Alles war voll Blut, die Leute lagen da und schrien", schilderte ein 25-Jähriger. „Wir sind alle wie wild drauf. Er wurde zu Boden gebracht. Und dann haben wir auf den Herrn eingetreten." Es habe gewirkt, „als wenn nicht mit Gegenwehr gerechnet wurde". Danach aber habe er sich zusammen mit anderen um die Opfer kümmern müssen, „um sie am Leben zu halten". Das habe der Täter dann zu seiner Flucht genutzt. Als er Stunden später aus der polizeilichen Vernehmung entlassen wurde, sei er sofort ins Krankenhaus gefahren: „Ich musste mich davon überzeugen, dass Chris S. überlebt hat."
„Wegen Zahnschmerzen kann er es nicht mehr aushalten"
Ein mehrfach im Saal gezeigtes Video einer Augenzeugin, auf dem deutlich zu sehen war, wie mehrere Personen, darunter auch Chris S., auf den Täter eintreten, aber schien den mutigen jungen Männern Sorgen zu bereiten, nun selbst einer Straftat bezichtigt zu werden. Einer der Zeugen war vorsorglich mit einem Rechtsbeistand zu seiner Vernehmung erschienen. Mehrfach beruhigte der Senatsvorsitzende Winfried van der Grinten die Männer, indem er darauf hinwies, dass deren Handeln durch Notwehr gedeckt sei und sie das Geschehen damit schildern können, ohne sich Sorgen machen zu müssen.
Als Mahmoud M. plötzlich seine Anwälte und einen Dolmetscher zu sich rief, musste die Vernehmung des letzten Zeugen kurzzeitig unterbrochen werden. „Wegen Zahnschmerzen kann er es nicht mehr aushalten", sagte einer der Verteidiger zur Erklärung. „Ich sage seit einer Woche, dass ich zum Zahnarzt möchte, aber niemand hat auf mich gehört", übersetzte ein Dolmetscher. Das Murren im Zuschauerraum ließ jedoch vermuten, dass ihm das nicht jeder glaubte. „Ramadan-Beschwerden", zischte eine Zuschauerin. Im Ramadan dürfen gläubige Muslime vor Sonnenuntergang nur trinken, wenn sie krank sind oder das wegen der Einnahme von Medikamenten erforderlich ist. Nachdem Justizmitarbeiter den Syrer mehrfach mit Wasser versorgt hatten, verfiel er wieder in seine gewohnte Ausdruckslosigkeit.
Der Prozess gegen Mahmoud M. wird am nächsten Montag fortgesetzt. Bislang hat das Gericht insgesamt 21 Verhandlungstermine bis 2. Juni vergeben. Die eine noch zu klärende Frage wird sein, ob der Vorwurf der IS-Mitgliedschaft zutrifft. Die andere, ob die Darstellung seines Verteidigers Lutz Klose, Mahmoud M. bereue die Tat, wirklich der Wahrheit entspricht. Die Schilderungen des forensischen Psychiaters, der in der Untersuchungshaft zweimal mehrere Stunden lang mit dem 36-jährigen Syrer gesprochen hatte, lösten bereits am ersten Verhandlungstag erhebliche Zweifel an dessen Reue aus. Unter anderem sagte der Psychiater auf Nachfrage von David Volke, er könne sich nicht daran erinnern, dass Mahmoud M. bei diesen Gesprächen nach dem Befinden seiner Opfer gefragt habe.
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Was die psychischen Nachwirkungen betrifft: NICHT wegtherapieren, sondern damit umgehen lernen und ins tägliche Verhalten einbinden. Was als PTBS und damit als Krankheit dargestellt wird, ist in Wahrheit ein Lernprozess. Nachdem sich ein Mensch so einer Situation ausgesetzt sah, hat das positive(!) Folgen für sein zukünftiges Verhalten. Er will ja nicht, dass ihm das nochmal passiert. Insofern ist das nicht krankhaft, wenn man nach so einem Erlebnis erst mal übervorsichtig und nervös (also hellwach!) wird, wenn man eine Situation nicht gänzlich überblickt und nicht kontrollieren kann. Aber: Man kann damit umgehen lernen, indem man seine Sinne schärft für das, was um einen herum passiert, selbst zu seltsam wirkenden Menschen Distanz hält oder sie aktiv selber auf Distanz hält. Daran ist nichts krankhaft, denn wenn die Opfer dieses Verhalten bereits im Vorfeld der Tat angewendet hätten, hätten sie die Tat ja schadlos überstanden oder sie sogar verhindern können. Eine Gefahr die man nicht erkennt, kann man nicht abwenden. Eine Gefahr die man hingegen frühzeitig „riecht“, kann man komplett neutralisieren bevor es eng wird. Ich erinnere an den Fall Stürzenberger in Mannheim und den Tod des Polizisten. Auf dem Videomaterial ist der Täter minutenlang zu sehen, wie er um seine Oper herumschleicht. Und keiner macht was. Da lag der Fehler. Verdeckt arbeitenden Profis jenseits des routinierten Streifendienstes wäre das nicht passiert, weil solche Situation in der Nähe zum kritischen Umfeld zum Alltag gehören. Das ist wie im offenen Meer mit den Raubfischen: Die sind immer da. Werden bei uns aber erst dann eingesammelt, wenn sie zugebissen haben. Und das ist zu spät für die Opfer. Also müssen die potentiellen Opfer sich selbst helfen lernen. Durch Aufmerksamkeit und eben Wehrhaftigkeit. Ich bin da schon vor Jahrzehnten durch. Deswegen lebe ich noch. Was die „Zahnschmerzen“ betrifft: Wer Zahnschmerzen hat, dem gehört der Zahn gezogen. Nehmt das ernst…
Wie konnte es geschehen, daß die Justiz früher irgendwelche armen Zwangsarbeiter wegen eines Apfeldiebstahls hinrichten ließ und sintemal bei Massenmördern einer Endzeitsekte sich 40 Wochen Zeit nimmt, ihre Bußfertigkeit, Ihr Reuebekenntnis und ihre Gemütslage zu ergründen? Wie kann der Staat glaubwürdig sein Schutzversprechen und sein Gewaltmonopol behaupten, wenn diese Täterprofile zwar polizeibekannt sind, aber immer in einer Welt ohne rote Linien und ohne ernsthafte Konsequenzen leben mit permanenten Extrabällen zum rumflippern? Diesem Land wurde die Sicherheit für ein Selfie verkauft. Ohne die Finessen der Prozeßordnung mitzudenken hat man mit der Politik der offenen Grenzen und der verordneten endlosen Langmut das erfolggreichste Nachwuchsprogramm für Extremisten unserer Geschichte geschaffen, indem man Nachahmer ermuntert, sich als Barbaren aufzuführen und dem Volk das Maul verbieten möchte. Diese Art von Innenpolitik ist so teuer wie die Energiewende und es ist ein strategischer Fehler, Ruhe und Ordnung zur Nebensache zu erklären, auch wenn Carl Schmitt ihr den Charakter einer Illusion bescheinigt.
Dieser Fall bleibt unter dem Radar der breiten deutschen Öffentlichkeit – da muss es schon mindestens einen Toten geben, sonst ist es nur von lokaler Bedeutung und die MSM berichten nicht (sonst aber auch nur sehr widerwillig, wenn der Täter Flüchtling ist)
Und Helden gibt es am liebsten nur, wenn die betreffenden Helfer Ausländer/Flüchtlinge sind.
Nach den Schilderungen im Artikel hätte es Tote geben können.
Aber wie gesagt: lokales Ereignis – und wir brauchen ja dringend Fachkräftezuwanderung usw usf….
Solche Berichte fehlen in der öffentlichen Wahrnehmung. Man schaut nur auf die Todeszahlen, Verletzte empfindet man als „nochmals gut davon gekommen“. Dem ist aber nicht so. Ich möchte nicht mit einer Stichwaffe verletzt werden. Nie.
Ja, Bielefeld durchaus stabil. Einer der bekanntesten wehrhaften „Fans“ dort, war der Kopp Autor und Ex Polizist (auch Personenschützer von Altkanzler Kohl) Stefan Schubert. Allerdings war das noch in der guten alten 90er Chevignon-Nachwendezeit, wo selbst bei uns 3.Halbzeitler noch halbwegs Kodex und Ordnung herrschte und sinnfreie Kollateralschäden z.B. auch durch „organisatorische“ Mitwirkung der sog. Zivi SOKO’s weitestgehend vermieden wurde.
Und ‚Bunt‘ wurde es bei uns im zu weißen Osten(#Kahane) auch nur dann, wenn die migrationsbehintergrundete Fraktion von Schalke in unseren Bundesligajahren nach Leipzig oder DD kamen…
Je offensichtlicher die Probleme mit islamisch motivierten Straftätern, desto rabiater wird das System, welches nach wie vor muslimische Massenzuwanderung fördert, gegen Islamophobie vorgehen. Also diejenigen, die sich vor der Islamisierung fürchten, bedrohen, sich nicht zu ihren Ängsten zu bekennen. Kein Wunder, dass die Deutschen in dieser Umgebung kultivierter Angststörungen Lust am eigenen Untergang entwickeln.
Deutschland mutiert zur dysfunktionalen Familie, wo die Politik den Bürger demütigt und schlägt, und noch mehr Prügel das einzig probate Mittel zur Wiederherstellung harmonischer Verhältnisse sein sollen.
Sorry. Dieser Typ hat seine Lebensberechtigung verwirkt. Nur durch ein Wunder überlebten alle Opfer… jetzt endlos im Knast pampern? Ohne mich.