Wecker aus dem Takt, wann klingelt es?

„Am Anfang waren es nur die Radiowecker", wird man sich später erzählen, im Rückblick auf eine goldene Zeit, in der der Strom tatsächlich aus der Steckdose kam. Es fängt an: Auf 50 Hz Netzfrequenz können wir uns nicht mehr recht verlassen, auch wenn wir uns „noch" im ungefährlichen Bereich bewegen, wie man uns zusichert. Einige, zum Glück „noch" nicht über Leben und Tod entscheidende Geräte verweigern unter solchen Bedingungen den Dienst. 

Der vermutliche Grund: Das Netz wird derzeit nicht mehr frequenzstabil gehalten, denn die am Markt zukaufbare Regelenergie ist den Netzbetreibern zu teuer. Merke: Regelenergie schickt eine Rechnung. Und sie kommt hierzulande aus fossil und nuklear gefeuerten Kraftwerken, nicht aus Sonnen- und Windkraftanlagen (die ihrerseits ständig steigende Rechnungen schicken, je mehr wir unser Land mit ihnen zupflastern). 

Die hier beschriebenen und „noch" beschmunzelten Zustände sind das erste Anzeichen eines schleichenden Aushöhlungsprozesses unserer elektrischen Versorgungssicherheit. Erst erwischt es nur die Radiowecker, demnächst aber schon komplexe Maschinensteuerungen und Prozessleittechnik, was deren Betreiber veranlassen wird, entweder samt Herstellung in ein sicheres Drittland auszuwandern oder ein teures Industriekraftwerk auf dem eigenen Gelände zu errichten, womit wir wieder zum ineffizienten Anfang unserer Elektrizitäts-Netzgeschichte zurückkehren würden. 

Industrie-Abwanderung wird das Mittel der Wahl sein

Die Auswanderung wird das Mittel der Wahl sein, schulterzuckend hingenommen von einer grüngestimmten Nation, welche den „Dinosauriertechnologien" wie Kernenergie, Kohlekraft und Chemieindustrie keine Träne nachweint, während sie ihre Wälder für den nächsten Anlagenpark aus 200-m-Windrädern flachlegt.

Es ist die Nation unserer demnächst wieder großkoalitionären Entscheider und ihres Konsensmedientheaters, das die Kollateralschäden falscher Entscheidungen diskursiv entsorgen wird. Wetten, dass uns bald die ersten Politiker und Journalisten darauf hinweisen werden, dies alles sei eben ein notwendiger Wandel, ein Gewöhnungsprozess, der auch gar nicht so schlimm sei? Globalisierung und so. Nachhaltigkeit und so. Versorgungssicherheit mit Strom wird überhaupt total überschätzt. Andere leben auch so. Schließlich gibt es Stromausfälle auch in den USA (nach dem nächsten landesüblichen Hurrican) oder in der Ukraine (nach der nächsten  landesüblichen russischen Cyber-Attacke auf die Netzleittechnik).

Was wir in dieser Woche beobachten, sind die ersten Vorboten eines politisch-ökonomisch getriebenen Umerziehungsprozesses, an dessen Ende unsere Bevölkerung sich mit Strom-Rationierungen und Industrie-Exodus wird abzufinden haben: „Strom ist eben ein kostbares Gut", werden sie uns sagen, und wie alle kostbaren Güter wird er ungerecht verteilt sein. „Wir alle müssen Opfer bringen", werden sie uns sagen, während in ihrem Keller der regierungsamtliche Notstrom-(ich wage es kaum zu sagen) Diesel schnurrt.

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Robert Krischik / 05.03.2018

Was es nicht alles gibt. Wir hatten mal einen Wecker, der hat immer im 0 Uhr geklingelt, egal, ob er gestellt war oder nicht und auf welche Weckzeit. Die besten Wecker sind Smartphones, da sie die Zeit stets frisch aus dem Internet erhalten.

Dirk Jungnickel / 05.03.2018

Und wenn man den sicher auch irgendwann als menschengemacht identifizierten Sonnenwind , der aller soundsoviel Jahre unsere Polkappen umbraust und nicht nur die Stromversorgung der Satelliten bedroht, in den Griff kriegen will, werden aus den euphemistischen Windparks euphemistische Windwälder.  Unsere heimatlichen wirklichen Wälder müssen dann geopfert werden. Und wenn der Wind ausbleibt, drehen wir den Spieß  herum und lassen die Windquirle mit dem gespeicherten Strom Wind erzeugen.

Rüdiger Riedel / 05.03.2018

Am 5.3.2018 um 15 Uhr hinkt die Netzfrequenz der Weltzeit (UTC = Coordinated Universal Time) um 5 Minuten und 48 Sekunden hinterher.

Mark Schild / 05.03.2018

Es wird leider alles genauso kommen, weil die Verantwortlichen in diesem Land eines niemals besessen haben: Gesunden Menschenverstand! Jeder Leserbrief-Schreiber und jeder Oberschüler mit Leidenschaft für Naturwissenschaften, hätte bessere Ideen für Deutschlands Energie-Zukunft entwickeln können als die Bundesregierung samt “Experten”.

Bettina Diehl / 05.03.2018

Merkels FDJ Plan, den Klassenfeind von innen heraus zu destabilisieren, geht auf.

helmut-ernst kassner / 05.03.2018

Das war in der damaligen Ostzone auch so. Wenn man abends den Radiowecker (damals noch ein Westprodukt von den lieben Verwandten mitgebracht)  genau stellte, dann ging er am nächsten Morgen manchmal sogar einige Minuten nach. So hatte man sofort eine Information wie es der sozialistischen Wirtschaft gerade ging.

Manfred Haferburg / 05.03.2018

Zurück in die Zukunft! Das Phänomen der langsam gehenden Uhren war in der DDR wohlbekannt. Zu Spitzenzeiten fiel die Netzfrequenz regelmässig von 50 auf 48,5 Herz ab, weil nicht genug Regelleistung ins Netz gespeist werden konnte. Es gab sie einfach nicht. Die Turbinen im Kraftwerk klangen dann wie Kraftwagen, die sich im zu hohen Gang den Berg hinauf quälen. Wenn die Frequenz weiter abfällt, dann kommt es zu automatischen Flächenabschaltungen zum Schutze des Netzes, das sonst zusammenbrechen würde - Blackout. Was das bedeutet: lesen: “Blackout, morgen ist es zu spät”. Planwirtschaft à la Energiewende führt planmässig zu Mangelwirtschaft à la DDR. Und nein, die verwöhnten Verbraucher werden sich wohl nicht so einfach an dauernde Stromausfälle gewöhnen wollen. Da können sie nämlich nicht Fussball gucken, das Bier wird warm und sie können nicht ihre tollen Elektroautos laden.

Hans Schneider / 05.03.2018

Als ich ein technisches Problem mit meinem TV Gerät hatte, habe ich mein Messgerät an die Steckdose angeschlossen, um zu sehen ob das Problem netzseitig verursacht wird. Das Problem war letztendlich ein Softwarefehler. Ich war allerdings verwundert wie schnell sich die Höhe der Netzspannung veränderte. Die Schwankungsbreite war noch innerhalb der Norm. Das aber die Schwankungen so häufig waren beunruhigte mich.

Gerd Koslowski / 05.03.2018

1980 im Osten habe ich mir ein Zubrot verdient indem ich quarzstabilisierte 50Hz Schaltungen (Schwingquarzgenerator + Frequenzteiler auf 50Hz) gebaut habe. Damit habe ich Radiowecker aus dem Westen “nachgerüstet”. Im Westen gingen sie ausreichend genau, im Osten pro Tag etwa 20 Minuten nach. Es ist also wieder soweit, dass ich die Produktion wieder aufnehmen kann, mit dem Unterschied, dass die Bauteile (noch) besser verfügbar sind bis der grüne Traum von der Abschaffung der Überproduktion wahr geworden ist. Der genannte Industrie-Exodus findet ebenfalls konkret statt. Heute ging durch die Medien, dass in Deutschland keine nennenswerte Produktion von Akku-Zellen für die Elektromobilität stattfinden wird, u.a. wegen der exorbitanten deutschen Energiekosten. Das sind die ersten Auswirkungen, Herr Morgenthau, übernehmen Sie!

Ulrich Jäger / 05.03.2018

Ach, Frau Wendland! Machen Sie sich keine Sorgen! Unsere neue Obergrüne Annalena Charlotte Alma, die außer 3 Vornamen auch noch einen Abschluss als ??? vorweisen kann und als Energieexpertin gilt, weiß, dass das Speicherproblem grün-volatiler Energie gelöst ist und wir uns beruhigt zurücklehnen können: Das Netz ist der Speicher!! Das toppt noch die Aussage eines ihrer Brüder im Geiste mit den Kosten einer Eiskugel.

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