Der WDR trickst bis zum letzten Moment. Der Dokumentation über den zeitgenössischen Antisemitismus in Europa wird eine Worttafel vorangestellt, auf der das Haus den Zuschauern versichert, man habe sich immer gegen Antisemitismus engagiert. (Eine tolle Leistung, als ob eine öffentlich-rechtliche Anstalt die Wahl hätte und sich für Antisemitismus entscheiden könnte.) In den laufenden Film werden dann an drei Stellen Inserts eingeschnitten, in denen sich der WDR von der Doku distanziert.
Das ist ein in der deutschen TV-Geschichte einmaliger und einzigartiger Vorgang. Vor die Wahl gestellt, den Film zu senden oder nicht zu senden, hat sich das Haus klammheimlich und ohne Absprache mit den Autoren der Doku dafür entschieden, die Arbeit zu denunzieren und zu verfälschen.
Die Verantwortung dafür trägt in letzter Instanz der amtierende Intendant.

Wieso auch nicht? Schließlich kann man doch dem Zuschauer nicht zumuten, sich ein Bild zu machen und selbstständig zu denken. Auch die Zeit der Ausstrahlung ist hervorragend gewählt. Um die Zeit ist kaum noch jemand wach, der morgen arbeiten muss. Was mich gewundert hat, ist das man die Laberrunde nicht vorher veranstaltet, damit der Zuschauer gleich Bescheid weiß, was er beim sehen zu denken hat. Hinterher könnte man noch einen Gesinnungstest machen, ob es auch angekommen ist.