Clemens Wergin
Aber auch Barack Obama lässt nicht locker. Dessen Nahostpolitik war bisher ein einziges Desaster. Er hat die Mär der Europäer übernommen, wonach der Nahostkonflikt das zentrale Problem ist, an dem die Region krankt. Das war schon immer eine Projektion und entsprach nicht der Realität. Diese Fiktion ist aber von den arabischen Revolutionen vollens zerstört worden. Die Demonstranten haben deutlich gemacht, dass die durch die Diktaturen blockierte Entwicklung das Grundproblem dieser Weltgegend ist und dass sie sich nicht weiter vom Nahostkonflikt als Geisel nehmen lassen wollen. Und Obama macht trotzdem so weiter, als sei nichts passiert. Schlimmer noch: Gerade wegen der Revolutionen und deren ungewissen Ausgang spricht vieles dafür, den Konflikt erst einmal zu managen und abzuwarten, bis sich in der Region ein neues Koordinatensystem herausgebildet hat. Stattdessen macht Obama weiter damit, die israelische Regierung zu größeren Zugeständnissen zu drängen als die Palästinenser.
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