Theoretisch wie praktisch kann bei den nächsten Wahlen Erdogan nicht gewinnen, egal wer sein Gegner ist. Wie werden seine Anhänger in Deutschland darauf reagieren, vor allen Dingen die Grauen Wölfe, die hier besser organisiert sind als in der Türkei?
In der Türkei wäre mir Knast sicher, denn ich warne in Social-Media-Gruppen von deutschen Residenten in der Türkei, dass sie vielleicht am 14. Mai, wenn die Wahlen anstehen, ihre Wohnungen nicht verlassen, ja, sogar besser nicht in der Türkei sein sollten. Die Überlegung ist begründet. Die Fan-Boys von Erdogan sind bis in die Haarspitzen bewaffnet, damit geben sie schon des Öfteren im Internet an. Die Frage stellt sich schon, wofür das Ganze.
Krisen nutzen den Leadern, wenn sie gut gemanagt werden, aber schaden, wie im Fall von Erdogan, wenn man komplett versagt, wie jetzt während der Erdbebenkatastrophe im Südosten der Türkei. Seine Umfragewerte, die sowieso im Keller waren, sind mittlerweile im 2. Untergeschoss angekommen. Tendenziell geht es Richtung 3. Untergeschoss. Fußballfans, wie die von Fenerbahce Istanbul, die „Erdogan Rücktritt, Erdogan Rücktritt“ skandieren, werden nicht mehr ins Stadion gelassen. Wer laut wird, wird sofort von der Polizei mitgenommen.
Statt tröstende Worte an sein Volk zu richten, sagt er zum Beispiel: „Wir haben all jene uns gemerkt und aufgelistet. Zu gegebener Zeit werden wir uns diese vornehmen, die das Volk zur Aufruhr peitschen.“ Gemeint sind die, die Kritik an ihm verüben. Wie schwer der Staat versagt hat. Wenn alles nicht so traurig wäre, könnte man an den türkischen Nachrichten echt Spaß haben. Der Innenminister sagt doch tatsächlich: „Wir hatten uns auf ein mögliches Erdbeben in Istanbul vorbereitet, aber es traf uns woanders.“ Tatsächlich ist 1.500 Kilometer von Istanbul entfernt immer noch Türkei. Viel gravierender ist, dass man in der 20-Millionen-Metropole Istanbul auch nicht auf ein mögliches Erdbeben vorbereitet ist.
Ich sehe den Mob auf der Straße
Theoretisch wie praktisch kann bei den nächsten Wahlen Erdogan nicht gewinnen, egal wer sein Gegner ist. Während ich das schreibe, stelle ich mir parallel die Frage: Hast du jemals einen Alleinherrscher eine Wahl verlieren sehen? Genau das macht mir Angst. 2017, dem Jahr des Referendums zur Verfassungsänderung, die ihn zum Alleinherrscher machte, ließ er Millionen von ungültigen Stimmen für gültig erklären und schrieb diese, egal was draufstand, auf seine Haben-Seite.
Ich denke, der harte Kern der Fan-Boys wird durchdrehen, wenn Erdogan abgewählt wird. Als Trump II. wird er diese befeuern, indem er sagen wird, dass den Wahlen Betrug zugrunde liegt und dass er eigentlich gewonnen hat. Das ist dann das Signal für den Mob, auf die Straße zu gehen. Endlich werden sie die Gelegenheit bekommen zu schießen, zumeist nur in die Luft, aber garantieren kann man für nichts.
Auf der einen Seite kann man diese Menschen verstehen, ohne ihnen recht geben zu wollen. Fast zwei Jahrzehnte lang haben sie in diesem Mann einen Heiligen gesehen und ihn machen lassen, sodass er Land und Leute ausnahm mit seinen Seilschaften – und dann soll dieser Mann abgewählt worden sein? Ich für meinen Teil sehe den Mob auf der Straße. Für wie lange, weiß ich nicht.
Deutsches Schlachtfeld für die türkischen Wahlen
Wie werden seine Anhänger in Deutschland darauf reagieren, vor allen Dingen die Grauen Wölfe, die hier besser organisiert sind als in der Türkei? Werden sie das einfach so hinnehmen? Ganz sicher nicht, aber was werden sie tun? Kurz vor den Wahlen wird Deutschland sowieso zum Schlachtfeld für die türkischen Wahlen. Nicht weil hier was zu holen ist, nein, was hier passiert, kann in der Türkei gut für die Propaganda benutzt werden. Auch werden die Anhänger darauf eingestimmt, hellwach zu sein, zumal bei den Wahlen Betrug im Spiel sein könnte.
Dass der Mob schnell mal auf der Straße ist, habe ich in einem kleinen Umfang damals in Alanya erlebt. Es war ein türkischer Nationalfeiertag. Wie alle Menschen an diesem Tag, war ich mit der Familie im Stadtzentrum. Auf einmal bekam ich mit, wie man erzählte, dass sie sich da und dort treffen würden. Einer sagte: „Ich habe die Namen der kurdischen Unternehmen.“ Da war mir klar, wir mussten sofort nach Hause. Was dann passierte, konnten wir am nächsten Tag sehen.
Alle Läden, die den Kurden gehörten, waren in Brand gesteckt worden. Noch am Vorabend hatte mich ein befreundeter Restaurantbesitzer angerufen und gefragt, ob ich eine Türkei-Fahne hätte. Ich solle diese an seinem Laden gegenüber meiner Wohnung bitte festmachen, sodass man sehen kann, dass er kein Kurde ist. Für mich Zustände wie im alten Rom. Wo war ich nur gelandet? Der Mob war schnell da und ebenso schnell weg. Die Polizei wurde nicht aktiv, wird doch Erdogans Partei AKP von den Nationalisten mitgetragen.
Die Istanbuler Griechen waren ihnen ausgeliefert
Die Türkei hat schon einmal eine Ausnahmesituation erlebt, als der Mob am 6. und 7. September 1955 zum Pogrom von Istanbul bewegt wurde. Nationalisten waren von der Falschmeldung, dass das Geburtshaus des Staatsgründers Atatürk in Saloniki durch eine Bombe zerstört worden sei, angestachelt worden. In Wahrheit war eine Ladung Dynamit im Garten hochgegangen und hatte eine kleinere Explosion herbeigeführt. Da Atatürks Geburtshaus sich auf dem gleichen Gelände wie das türkische Konsulat befand, wusste man außerdem nicht genau, was mit dem Attentat bezweckt werden sollte, aber das war auch nicht so wichtig.
Das Pogrom soll um 18 Uhr losgegangen sein. Angeblich zogen 250.000 Menschen durch die Straßen (Siehe Foto oben). Wichtiger ist hier die Tatsache, dass auch wegen anderer Umstände gefrustete Istanbuler Bürger sich als Helfer, Täter oder Mitläufer daran beteiligten. Die muslimischen Bewohner Istanbuls sollen ihre Häuser mit der türkischen Flagge gekennzeichnet haben, damit sie nicht zum Opfer fielen. So wusste der marodierende Mob, welche Häuser zu schonen waren. Auch sollen einige sehr Fleißige an andere Häuserwände geschrieben haben: „Kein Türke.“ Diese Häuser waren für die Plünderungen freigegeben.
Die Istanbuler Griechen waren ihnen ausgeliefert. Die Türkei betrachtete sie als unwillkommenes fünftes Rad am Wagen, während Griechenland sie ignorierte. „Auch Griechenland hat diesen Menschen nicht geholfen. Die Istanbuler Griechen sind eine Minderheit in Einsamkeit“, konstatiert Eli Kovi von der Organisation Romion Praxeis, die jedes Jahr mit unterschiedlichen Veranstaltungen an die verhängnisvollen Tage im Jahr 1955 erinnert. Theofilos Lygkouris bringt es auf den Punkt: „Für die Türken waren wir Gavur (Ungläubige), für die Griechen hingegen türkische Samen.“
Die türkische Bevölkerung ist wütend auf alles und jeden
Die zwischen den Griechen und Türken seit jeher strittige Zypern-Frage wird zwar immer als ein Grund für das Attentat genannt, aber die Beobachter und Historiker sind fest überzeugt, dass alles vom Staat und den Geheimdiensten so gewollt und organisiert war.
Mord, Vergewaltigungen, schwerste Misshandlungen und sogar Zwangsbeschneidungen … Von 80 orthodoxen Kirchen waren über 60 beschädigt oder in Brand gesteckt worden. Auch christliche Friedhöfe wurden beschädigt. Die Polizei soll untätig geblieben sein, ja, sogar wohlwollend zugeschaut haben, heißt es.
Die Menschen des Kalibers, das diesen Mob ausmachte, weilen auch heute unter uns. Nicht nur sie sind zahlenmäßig stärker als damals, sondern auch jene, die als Mitläufer mitmachen würden. Die Gründe liegen auf der Hand. 20 Jahre Ära Erdogan, und die Tatsache, dass er, um an der Macht bleiben zu können, mit den türkischen Nationalisten einen Pakt schließen musste, haben einen bestimmten Kreis ihrer Anhänger und Unterstützer bis in die Haarspitzen bewaffnet. Diese stehen angeblich auf Abruf bereit, damit hat er schon vor Jahren gedroht. Ein kleiner Funke wird genügen, und es wird zu Plünderungen und Attacken auf Menschen kommen.
Die türkische Bevölkerung ist wütend auf alles und jeden im Land, kann aber keinen Dampf ablassen. Die Angst vor dem Polizeistaat des Herrn Erdogan ist allgegenwärtig. Er verbietet oppositionelle Reaktionen auf gewisse Ereignisse. Wer am Ende die Zielpersonen des Mobs sein werden, wird man sehen, wenn es so weit ist. Kurden, Touristen, Flüchtlinge sind mögliche Zielgruppen, wohingegen die Griechen (2.000 bis 4.000) im Lande nicht mehr so präsent sind. Die Millionen Flüchtlinge der letzten Jahre tragen ebenfalls nicht gerade für Harmonie und Verständnis unter der türkischen Bevölkerung bei. Ich habe es ausgesprochen. Die Hoffnung, dass es nicht eintreffen mag, ist natürlich größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. Allerdings gibt es noch die Variante, dass der Mob auf die Straße geht und mit den Schüssen in die Luft den Sieg von Erdogan feiert.

@ Ludwig Luhmann – „ dann lese ich von den Türken in Deutschland sehr selten fast nie,“ Vielleicht liegts daran, daß sie auf „Erdolfs“ Linie sind. Vielleicht liegts aber auch daran, daß sie Angehörige in der Türkei haben, daß sie zu Besuchen oder der ggf. anstehenden Bestattung der Eltern noch mal dorthin müssen. Und vielleicht liegts daran, daß sie in ihren hiesigen Communities möglichst in Ruhe lerben wollen. Und so wie hier die Beschäftigten „Rot-Chinesischer Polizeireviere“ unter den Augen der uns politisch Betreuenden aktiv sind, sind umso mehr der entsprechenden Einrichtungen mit „Kontakt“ zum türkischen Staat oder auch dem iranischen oder oder oder
hier unterwegs. Das Problem liegt also auch nicht nur im jeweiligen Ausland, sondern auch dort, wo „wir“ unserre staatliche Souveränität aufgegeben haben, „der Staat“ inzwischen weder die Äußere, noch die Innere Sicherheit zu gewährleisten bereit und in der Lage ist.
Noch als Anmerkung: Wenn der Iran einen deutschiranischen Kritiker aus Dubai entführen und zum Todes verurteilen kann, ist dies sicherlich im Bereich der EU, vor allem Schlands, nicht weniger möglich.
„Wie werden seine Anhänger in Deutschland darauf reagieren, vor allen Dingen die Grauen Wölfe, die hier besser organisiert sind als in der Türkei?“
Wieso sind überhaupt Graue Wölfe in Deutschland?
Werden sie in der Türkei politisch verfolgt? Nein?? Konsequenz??
Wer sagt denn, daß es Wahlen geben wird. Schweres Erdbeben und Ausnahmezustand, daher Wahlen derzeit nicht zu organisieren. Gehen Sie weiter, …. Erdolf wird sicherlich seinen schmucken Palast mit den historischen „Wächtern“ nicht freiwillig verlassen.
Die Überschrift klingt mir viel zu sehr nach Drohung. Eigentlich eine Frechheit!
Die Grauen Wölfe pflegen besonders gute Beziehungen zur CDU. Wahrscheinlich zum gegenseitigen Nutzen.
Erdogan wird mit Sicherheit alles dafür tun, an der Macht zu bleiben. Man erinnere sich an seine Auseinandersetzung mit F. Gülen. Da hat er mal eben so einen Putsch gefakt. Wo er das wohl gelernt hat? Ansonsten weine ich ihm keine Träne nach. Ob ein Nachfolger besser oder schlechter werden sollte, oder eine Art Bürgerkrieg ausbricht, ist mir einigermaßen egal. Die deutsche Regierungen, ob jetzt oder zuletzt, können gar nicht genug Geldempfänger ins Land holen. Offenbar schürt man gezielt Unruhen. Vielleicht sollten die einfach mal bei Erdogan schauen, wie man so etwas erfolgreich anzettelt. Während Corona waren ja auch alle Anlässe gerade gut genug um auf deutsche Unbotmäßige einzudreschen.
„Nationen“ lassen sich nach „Erhabenheit“ in einem Ranking anordnen. Diese Erhabenheit aggregiert die „Zivilisiertheit“ der Einzelnen zu einer Gemeinschaft in Schönheit oder in Hässlichkeit. Noch heute spricht die Welt nicht grundlos vom hässlichen Deutschen.