Deutsche Politiker lieben Quoten. Für Frauen gibt es sie schon, für Migranten werden sie gefordert, und da in drei Ost-Ländern gerade Wahlkampf ist, werben Linkspopulisten jetzt für eine Ost-Quote für den öffentlichen Dienst.
Sahra Wagenknecht kann entspannt auf den Herbst blicken. In drei ostdeutschen Bundesländern wird gewählt, und gleich dreimal ist der Einzug in den Landtag garantiert, teils sogar mit starken Werten um die 20 Prozent. Wagenknecht weiß, dass sie im Westen von solchen Ergebnissen nur träumen kann und spricht die ostdeutsche Seele direkt an. Ihr Bündnis fordert eine Ostquote, also die gezielte Berufung von Ostdeutschen in den Öffentlichen Dienst.
Studien kamen mehrfach zu dem Ergebnis, dass Ostdeutsche in den bundesweiten Eliten deutlich unterrepräsentiert sind. Neu ist so eine Forderung nicht. Linken-Politiker Gregor Gysi hatte sie bereits 2018 erhoben, und auch Migrationsforscherin Naika Foroutan spricht sich für das Konzept aus, da sie in Ostdeutschen ebenfalls Migranten erblickt.
Aber wer ist überhaupt ostdeutsch? Foroutan verweist auf drei Definitionen.
- 1. Wohnort
- 2. Geburtsort
- 3. Geburtsort mindestens einen Elternteils (analog zum Migrationshintergrund)
Damit kommt man auf einen Bevölkerungsanteil von jeweils 17, 20 oder 26 Prozent. Foroutan spricht sich für die Definition analog des Migrationshintergrunds aus und pocht daher auf eine Ostdeutschenquote von 25 Prozent. Gegen eine Frauenquote lassen sich viele gute Argumente ins Feld führen, aber zumindest ist die Unterscheidung in Mann und Frau sehr einfach (sofern man nicht die Biologie verleugnet). Die ostdeutsche Identität ist allerdings tatsächlich ein Spektrum.
Eine neue Neid-Debatte
Muss man bei der Benennung von Posten künftig zwischen verschiedenen Graden unterscheiden? Darf ein Wessi profitieren, wenn er nach Sachsen-Anhalt gezogen ist? Wird der Thüringer der vor dem Mauernfall geboren wurde, gegenüber dem Mecklenburger, der nach der Wende auf die Welt kam, bevorzugt? Hat ein „Wossi“ mit beiden Elternteilen schlechtere Chancen als der „reinrassige“ Brandenburger? Wie genau fällt eigentlich Berlin in dieses Schema? Und gibt es einen Bonus für den stärksten sächsischen Akzent? Denn warum sollte ausgerechnet ein Ostdeutscher, den man nicht als Ostdeutschen erkennt, von der Quote profitieren?
Zudem könnte eine Ostquote eine ganz neue Neid-Debatte aufmachen. Was ist eigentlich mit dem Anteil der Schleswig-Holsteiner in den bundesdeutschen Eliten? Sind sie über- oder unterrepräsentiert? Wenn dem so ist: Wirkt sich das für das Herzogtum Schleswig stärker aus als für das Herzogtum Holstein? Und was, wenn die Bewohner des einen östlichen Bundeslandes doch nicht so stark unterrepräsentiert sind wie die der anderen: Würden sie dann nicht doppelt von einer Quote profitieren?
Und warum nur bis zur Elterngeneration zurückgehen? Viele Deutsche haben Großeltern aus den alten deutschen Ostgebieten, vor allem Preußen und Schlesien. Diese gingen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aber vor allem nach Westdeutschland. Und wenn eine Migrantenquote kommt: Darf der ostdeutsche Syrer dann einmal als Ostdeutscher und einmal als Syrer antreten? Zudem stellt sich die Frage, wie die Quote denn auf Landes- statt auf Bundesebene umgesetzt werden soll. Muss erst ermittelt werden, wie viele Ostdeutsche im Saarland leben, bevor entschieden wird, wie fein man die dortige Quote justiert? (Und ja, das ist eine Anspielung auf Wagenknechts Wohnort.)
Ostdeutsche können es bis auf jeden Chefsessel schaffen
Sollte der Staat jemals wirklich eine Ostquote und damit eine verbindliche Definition von „ostdeutsch“ einführen, wäre dies vor allem Ausdruck eines Scheiterns. Die Väter (und Mütter) des Grundgesetzes hatten allen Widrigkeiten zum Trotz die Wiedervereinigung fest im Blick und hofften natürlich auf eine gesamtdeutsche Identität. Diese würde bei einer staatlichen Trennung nach Wessis und Ossis in sich zusammenfallen. Und erst recht dürfte es für Unmut sorgen, wenn ein Bewerber, der den Anforderungen nicht entspricht, nur dank seiner Herkunft auf dem Chefsessel landet. Quoten-Ossi wäre dann das neue Schimpfwort. Aber wie schlecht steht es um die Ostdeutschen tatsächlich? Immerhin waren doch schon die drei höchsten Ämter im Staat ostdeutsch besetzt.
In chronologischer Reihenfolge:
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundespräsident Joachim Gauck
Bereits hier stoßen wir auf das eingangs erwähnte Definitionsproblem, denn laut Geburtsort, nämlich Hamburg, wäre Angela Merkel eigentlich eine Westdeutsche, auch wenn sie ostdeutsch sozialisiert wurde. Die drei genannten Fälle zeigen, dass Ostdeutsche es prinzipiell bis auf jeden Chefsessel schaffen können, besondere statistische Aussagekraft haben sie allerdings nicht. Hier kommt der Elitenmonitor ins Spiel, der verlässliche Daten liefern will. Im Auftrag des Ostbeauftragten der Bundesregierung ermittelten die Universitäten Leipzig und Jena die personelle Zusammensetzung der bundesdeutschen Eliten. Der Monitor wurde bereits zweimal, nämlich 2018 und 2023, veröffentlicht. Er orientiert sich an der Definition qua Geburtsort.
Schlusslicht sind die Eliten in Justiz und Militär
Während der Anteil der Ostdeutschen 2018 bei 10,9 Prozent lag, war er bis 2023 auf 12,2 angestiegen. Das ist zwar gemessen an den 20 Prozent Bevölkerungsanteil ein niedriger, aber eben auch kein katastrophal niedriger Wert. Zudem ließ sich ein Anstieg feststellen. Ob dieser sich fortsetzt, bleibt abzuwarten, bis die nächste Edition des Elitenmonitors erscheint. Viel interessanter ist jedoch der Blick auf die einzelnen Untergruppen. Unter Politikern betrug der aktuelle Wert 21 Prozent. Das heißt, dass hier keinerlei Nachbesserungsbedarf besteht. In Verwaltung und Gewerkschaften wurden Werte von 14 und 13 Prozent erzielt. Im Wissenschaftsbetrieb waren die Eliten nur zu 8,2 Prozent ostdeutsch, allerdings war dort der größte Anstieg zu vermerken, denn 2018 betrug der Wert gerade einmal 1,6 Prozent.
Schlusslicht sind hingegen die Eliten in Justiz und Militär. Dort liegen die Werte einmal bei nur 2,1 Prozent und bei Null! Hier scheint der offenkundigste Fall einer Diskriminierung vorzuliegen. Und tatsächlich wurde in beiden genannten Bereichen auch am deutlichsten politisch gesäubert. Wenig verwunderlich: Für eine Karriere beim Militär oder dem Gericht war in der DDR Linientreue geboten. Allerdings sollten nach einem solchen Kahlschlag doch mittlerweile genug Talente nachgewachsen sein, oder etwa nicht?
Tatsächlich dürfte dies noch einige Zeit dauern. Wer zum Beispiel die Lebensdaten der ranghöchsten Generäle oder der Richter am Bundesverfassungsgericht bzw. Bundesgerichtshof studiert, stellt fest, dass diese relativ alt sind. Bei Bundeswehr und Deutscher Marine sind fast alle Offiziere in den 1960er Jahren geboren. Unter den höchsten deutschen Richtern sind auch eine Handvoll Geburtenjahrgänge aus den 70ern vertreten. Bei einer 1970 in der DDR geborenen Person lässt sich annehmen, dass die politische Sozialisierung im Sinne des Systems noch nicht völlig abgeschlossen war. Um bis in die Eliten vorzudringen, mussten diese Personen sich ab 1990 dann etwa 30 Jahre lang im Berufsleben bewähren.
Auch der Westen hat genug Problemfälle
Während an den höchsten Gerichten Ostdeutsche bereits vertreten sind, könnte etwa ab 2030 auch ein Wandel unter den Generälen und Admiralen der Bundeswehr einsetzen. Welchen Wert die ostdeutsche Beteiligung im kommenden Jahrzehnt erreicht, bleibt allerdings abzuwarten. Vermutlich wird aber weiterhin eine Lücke bestehen, und die Erklärung dazu liegt in unseren Genen. Jahrzehntelange Misswirtschaft in der DDR führte dazu, dass die ostdeutsche Industrie brachlag. Nach der Wende gingen vor allem die talentiertesten Ostdeutschen in den Westen, um dort kräftig Geld zu verdienen. Derartige Wanderbewegungen hinterlassen Spuren, auch auf der genetischen Ebene.
Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr erhob unter den jungen Rekruten auch stets die IQ-Werte. Dabei zeigte sich: Im Osten ist tatsächlich weniger Potenzial vorhanden als im Westen. Zur Ehrenrettung lässt sich immerhin noch sagen: Die Region Chemnitz hat viele Talente angezogen und überragt die meisten Regionen in Westdeutschland, während Bremen und das Ostfriesland (kein Witz) nur geringe Intelligenzwerte aufweisen. Der endgültige Beweis, dass die Migration der besonders Intelligenten den Genpool im Osten ausgedünnt hat, steht noch aus, aber zumindest für andere Nationen lässt sich dies tatsächlich zeigen. So florierten in England lange Zeit die Kohlefördergebiete, bis dort, ähnlich wie im Ruhrgebiet, das große Zechensterben einsetzte. In diesen Regionen erzielen die Bewohner schlechtere Ergebnisse im IQ-Test, und tatsächlich sind dort die Intelligenzgene rarer gesät.
Pauschal die Ostdeutschen als Opfer zu sehen, verkennt, dass auch dort manches richtig läuft und umgekehrt, dass auch der Westen genug Problemfälle hat. Auf der Karte der IQ-Werte lässt sich eben nicht nur ein Ost-West-Gefälle, sondern auch innerhalb des Westens ein Nord-Süd-Gefälle beobachten. Statt über eine Ostquote zu diskutieren, sollte man lieber andere Themen in den Fokus rücken.
Lukas Mihr, geb. 1985, ist Historiker und Journalist.
Thomas, ich bin Ossi und lebe seit 30 Jahren im Westen. Ich habe selten dümmere Menschen erlebt. Khemie, Physik, alles Fremdwörter. Aber im Bescheißen sind sie gut. Das ist praktisch die Grundlage des „Rechtsstaates.“ Das ist nicht die Mehrheit, aber der tonangebende Teil. Ich als Ossi komme hier mit Migranten besser zurecht, als mit Wessis. Diese Ansammlung aus Dummheit und Arroganz ist schon einmalig.
Seitdem ich die Diskussion über eine Ost-Quote verfolge, wird immer die hier vorgetragene Klassifizierung zur Feststellung der Herkunft in Ansatz gebracht – und die Unmöglichkeit einer diesbezüglich sauberen Festlegung.
Dabei gäbe es eine sehr einfache und eindeutige Methode, die jedoch regelmäßig keine Erwähnung findet: Die betr. Person entscheidet selbst, wie es um sie steht. So wird dies auch bei der Ermittlung der Nationalität (z. B. Sorben) praktiziert oder bei der Angabe des Geschlechts.
Migrantenquote: Manche meinen eine Migrantenquote würde die Integration fördern. Quatsch. Eine Migrantenquote würde die Integration sogar hindern. Wozu sollen sich die Migranten integrieren, wenn ihnen so oder so eine Quote zusteht? Nur eine bereits erbrachte Integrationsleistung darf belohnt werden. Die Belohnung erfolgt automatisch. Wer sich gut integriert, hat auch bessere Chancen auf einen guten Platz in der Gesellschaft. Es ist ein schwerer Fehler Staatsbürgerschaften, gut dotierte Stellen zu verschenken. Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul, da das Vieh eh nicht wertgeschätzt wird. Selbstverständlich geht es bei der Migrantenquote darum, das eigene Klientel gegen die autochthonen Deutschen auszuspielen. Es ist ein Versuch die Einheimischen zu entmachten und „heimatlos“ zu machen.
Viele der bundesdeutschen Elite vor 1990 waren Ostdeutsche, die noch vor dem Mauerbau, meistens bis 1953, die DDR verlassen hatten oder deren Nachfahren. Die sind aber größtenteils nun weggestorben oder zumindest im Ruhestand. Die Lücke entstand erst durch die Manifestierung der deutschen Teilung um 1961. Die 28 Jahre Trennung lassen sich dann auch erst in drei Jahrzehnten aufholen. Dann passt es auch wieder.
Jede Quote ist eine Inkompetentenquote. Quotenregelungen sind geeignet die Kompetenz auszuspielen. Man kann einen kompetenten Experten unter dem Vorwand einer Quote durch einen inkompetenten aber willfährigen Kandidaten ersetzen. Quotenregelungen würden „grüne Karrieren“ befördern. Ideale Voraussetzungen wären: einer Minderheit angehörend, grünes Parteibuch, grüne Gesinnung, 2 grüne Gehirnzellen.
Im Corona-ExpertInnenrat der Bundesregierung (19 Mitglieder) war kein einziger Ossi
Schlesier in dritter Generation.
Stellt euch mal bitte alle hinten an.
Ich lache über euch selbstgemachte Palästinensermöchtegernopfer!