Von Detlef Brendel.
Statt hochverarbeiteten Lebensmitteln will die Bundesregierung lieber hochregulierte. Durch sogenannte Reformulierung, also neue Rezepturen, geht uns der Staat auf die Geschmacksnerven.
Eine zunehmende Krise, die nicht unterschätzt werden sollte, betrifft die Ernährung. Wir haben keine Qualitätskrise der Lebensmittel und keine Gesundheitskrise infolge der Ernährung. Wir haben eine durch Ideologen, Medien und die Politik gesteuerte Vertrauenskrise. Angriffe von NGOs, also von nichtstaatlichen und angeblich den Verbraucher schützenden Organisationen, auf die Lebensmittelproduzenten sind zugleich Angriffe auf den hier angeblich zu nachlässig kontrollierenden und regulierenden Staat.
Den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir (Grüne), motiviert das, durch bislang kläglich gescheiterte Initiativen, Landwirte, die verarbeitenden Unternehmen, den Handel und nicht zuletzt die Verbraucher an die politische Kandare nehmen zu wollen. Er will durch grundsätzliche Änderungen der Ernährungskonzepte eine Neuordnung des kulinarischen Lebens erreichen. Dazu gehören staatlich verordneter Vegetarismus, Eingriff in bewährte Rezepturen durch die sogenannte Reformulierung, am Zuckergehalt von Lebensmitteln orientierte Strafsteuern und sogar Kommunikationsverbote, mit denen Marketing und Werbung für unliebsame Produkte unterbunden werden sollen. Auch in der Küche wird der angeblich mündige Verbraucher seiner Freiheiten beraubt und durch seine Vordenker angeblich beschützt. Er braucht in Wirklichkeit Schutz vor seinen Beschützern. Diese machen ihn krank, weil sie ihm seine Freiheit und Souveränität nehmen.
Die Verarbeitung von Lebensmitteln für die menschliche Ernährung ist eine in allen Kulturen auf der ganzen Welt gebräuchliche Praxis. Rohstoffe werden durch fantasievolle Rezepturen kombiniert, sie werden gekocht, gebraten, geräuchert, mariniert oder gepökelt. Das geschieht sowohl im Haushalt in der eigenen Küche als auch in größerem Maßstab in der Lebensmittelwirtschaft. Die Zubereitung sorgt nicht nur für geschmackvolle Produkte, sondern auch für deren Haltbarkeit und eine verbesserte Verfügbarkeit von Nährstoffen. Beim Thema Ernährung wird von ideologisch motivierten Aktivisten allerdings seit Jahren die Ernährungswirtschaft als Industrie diffamiert, die es aus Profitstreben in Kauf nimmt, die Verbraucher mit ungesunden Produkten zu versorgen und sogar zu schädigen. Warum sollte sie das tun?
Ultra-processed food – ein Begriff für den ideologischen Kampf
Ein neuer Begriff wird zunehmend populär: ultra-processed food, also hochverarbeitete Lebensmittel. Das soll signalisieren, dass ein Lebensmittel mit den eingesetzten Rohstoffen und deren natürlichem Ursprung nichts mehr zu tun hat. Es wird gezielt der Eindruck erweckt, bei diesen Lebensmitteln handele es sich um eine Industrieware, die nicht die Kriterien einer gesunden und ausgewogenen Ernährung erfüllen könne. Zutreffender ist der Begriff Convenience food, also vorgefertigte Lebensmittel, die in der heimischen Küche oder der Gastronomie die Zubereitung von Mahlzeiten erleichtern sollen oder direkt als verzehrfertige Lebensmittel zur Verfügung stehen. Und diese müssen keineswegs schlechter sein als das, was am privaten Herd gekocht wird. Ohnehin hängt die Gesundheit nicht von einzelnen Nahrungsmitteln oder einzelnen Zutaten ab, sondern von der Ausgewogenheit der Ernährung und vor allem dem gesamten Lebensstil, der deutlich mehr ist als eine Tiefkühlpizza. Für jeden Lebensstil und für alle sich verändernden Verbraucherwünsche gibt es verarbeitete Lebensmittel.
Ultra-processed food ist ein Begriff für den ideologischen Kampf gegen die Lebensmittelhersteller. Gesicherte Kriterien für diese Bezeichnung fehlen. Die in Brasilien entwickelte NOVA-Klassifikation zur Einteilung von Lebensmitteln nach ihrem Verarbeitungsgrad steht in der Kritik, weil das System ohne klar definierte Grenzwerte Klassifizierungen vornimmt. Eine Klassifikation ohne solche Werte ist ein Akt der Willkür, der wissenschaftlich nicht belastbar ist. Wer braucht Grenzwerte, wenn ganze Branchen in Misskredit gebracht werden sollen? So kann dann behauptet werden, solche Lebensmittel wären wegen mangelnder Biodiversität von Natur aus nicht nachhaltig und würden zu Krankheiten von Adipositas über Fettstoffwechselstörungen bis zu Depressionen beitragen. Ohne wissenschaftlich solide Kriterien sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt.
Wie willkürlich das System ist, hat eine Untersuchung im Jahr 2022 gezeigt. Die Studie „Ultra-processed foods: how functional is the NOVA system?“, veröffentlicht im Europäischen Journal of Clinical Nutrition, kam zu dem Ergebnis, dass dieses System keine zuverlässigen und funktionellen Lebensmittelzuordnungen zulässt. Französische Lebensmittel-Spezialisten konnten 120 Lebensmittel mit detaillierten Inhaltsangaben und 111 generische Lebensmittel ohne Zutatenlisten nur mit geringer Übereinstimmung zuordnen.
Der böse Zucker
Ohne ultra-processed food würden im Einkaufswagen viele Produkte fehlen. Schokolade, vorgefertigte Backwaren, Speiseeis, Brotaufstriche, Margarine und Kekse, um nur einige Beispiele zu nennen, würden der Ideologie geopfert. Die Verbraucher sollten sich nicht irritieren lassen – und den Begriff vergessen, um beruhigt einzukaufen. Es kommt auf den Tisch, was schmeckt. Über mangelnde Auswahl kann sich niemand beklagen. Die Hersteller orientieren sich an Trends in der Ernährung, Präferenzen der Konsumenten – auch wer z.B. vegan essen will, bekommt ein reichhaltiges Angebot –, traditionellen Rezepturen, ernährungsphysiologischen Bedürfnissen, strengen Kontrollen und nicht zuletzt am Geschmack..
Beim Thema Geschmack gelangt man schnell zum Reizwort für alle Ernährungsideologen: Zucker. Er soll die Ursache für eine fantasievolle Vielfalt von Krankheiten sein und vor allem der Grund für steigendes Übergewicht. Irritierend sind dabei die Fakten. 1982 betrug der Zuckerkonsum in Deutschland 36 Kilo pro Kopf und Jahr. Verglichen damit liegt er inzwischen niedriger, bei rund 33 Kilo. Parallel wird die Zunahme von Übergewicht und Adipositas beklagt. Eine Korrelation, die für den Zucker eigentlich Entwarnung geben sollte.
Weil er jedem schmeckt und in vielen Lebensmitteln vorkommt, eignet er sich ideal als Feindbild. So wird er diskriminiert und von seinen Gegnern als Industriezucker bezeichnet. In den Zuckerfabriken wird aus Pflanzen mit hohem Zuckergehalt wie der heimischen Zuckerrübe Zucker extrahiert. Wer schon einmal in der Küche Zuckerrüben zerkleinert, gewaschen, gekocht und durch mehrmaliges Kristallisieren bei hohen Temperaturen zu mehr oder weniger ansehnlichem Zucker verarbeitet hat, wird froh sein, ein Paket Haushaltzucker bequem kaufen zu können. Das ist ein Vorteil von processed food.
Die Suche nach chemisch erzeugten Ersatzstoffen
Die Hersteller von Lebensmitteln verwenden bei der Produktion von Ketchup bis zu fertigen Eintöpfen auch Zucker. Allerdings fügen sie diesen nicht zu, um ihre Kunden abhängig zu machen oder deren Geschmacksnerven zu manipulieren. Das ist eine industriefeindliche Verschwörungstheorie. Sie nehmen ihn dort, wo ihn auch eine Hausfrau oder ein Koch zur Verbesserung von Geschmack und Konsistenz der Speisen einsetzen würden. Und das betrifft nicht nur den Zucker in vielen Rezepten.
Allerdings kommen auch die traditionellen Rezepturen auf den politischen Prüfstand. Reformulierung heißt der aktuelle Terminus für staatlich beauftragte Küchenhilfen, die den Herstellern von Lebensmitteln vorschreiben sollen, wie ein politisch korrektes Fertiggericht zusammen zu rühren ist. Hier kommt vor allem das auf den Index unerwünschter Zutaten, was für Geschmack sorgt. Jeder Koch kennt die Geschmacksträger, ohne die ein Gericht relativ fad ausfallen würde: Zucker, Fett und Salz. Diese Zutaten sind zu reduzieren und im Rahmen der Reformulierung zu ersetzen.
Der Staat sorgt damit für eine neue Dimension von ultra-processed food, weil er mit gezielten Veränderungen bei der Zusammensetzung von Lebensmitteln massiv in die Freiheit der Verarbeitung bei den Herstellern eingreift und vor allem auch den Weg für Alternativen vorbereitet. Geschmacklich relevante Zutaten einfach nur wegzulassen, ist nicht die Lösung. Sie müssen substituiert werden, um Geschmack und Konsistenz zu erhalten. Also wird nach chemisch erzeugten Ersatzstoffen gesucht, die für die Menschen nicht zwingend verträglicher sein müssen. Die Produzenten werden z.B. genötigt, synthetische Süßmittel einzusetzen, um den Geschmack erhalten und auf die Packung „zuckerfrei“ schreiben zu können. Reformulierung ist in der Konsequenz keine Qualitätssteigerung, sondern ultra-regulated food. Wohl bekomm’s.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Novo-Argumente.
Detlef Brendel ist als Wirtschaftspublizist tätig und leitet eine Presseagentur. Er ist Autor des Buches „Schluss mit Essverboten!“, in dem er sich unter anderem kritisch mit der Bevormundung der Verbraucher beschäftigt.
Der Süßstoff Aspartam gilt als wahrscheinlich krebserregend. Ich bin mir nicht sicher, ob eine Bevölkerungsreduktion die wahre Absicht dieser Einmischung in unsere Essgewohnheiten ist, aber dem Altparteienregime traue ich inzwischen alles zu. Sicher ist aber, dass das Regime Strafsteuern auf alles, was gut schmeckt, erheben wird. Steuern, die genau so wie die Luftsteuern, von Jahr zu Jahr steigen werden, so lange, bis wir nichts mehr besitzen und glücklich sein werden. Das Regime braucht das Geld, um seine Paläste zu bauen, Lustreisen in ferne Länder zu machen und dreistellige Millionenbeträge an Diktatoren in aller Welt zu verschenken. Die Altparteienpolitiker brauchen den mit unserem Steuergeld erkauften Applaus ausländischer Diktatoren, weil sie die Buhrufe aus der eigenen Bevölkerung für ihre Misswirtschaft nicht mehr ertragen.
Ich halte weder etwas von staatlicher Einmischung noch von hochverarbeiteten Lebensmitteln. Zumindest nicht in großen Mengen.
Dann ist es eben „keine Qualitätskrise der Lebensmittel“ sondern eine Krise in der Logistik oder im Einzelhandel.
Obst und Gemüse sind überlagert und mittlerweile so teuer wie in Dänemark.
Die Supermärkte werden die gelbstichigen, bitter schmeckenden Salatgurken auch gar nicht mehr los.
Herr Brendel scheint genau die spiegelbildliche Wiedergabe der linksgrünen Ernährungsfaschisten zu sein. Und möglicherweise eng mit Lebensmittel- und Zuckerindustrie verwoben. Eigentlich könnte man den Artikel direkt unter „Bruche mer nit – fott damit“ klassifizieren. Was an 23gr Zuckerzusatz/100 gr (also gut 8 Würfel Zucker) in einem der bekanntesten Ketchup-Marken geschmacklich so toll sein toll, erschließt sich mir nicht. Es lasse ein jeder ‚mal Zucker weg und er/sie wird wahre Geschmacksexplosionen erleben. Das tue ich seit Anfang des Jahres. Ich brauche es einfach nicht. Zumindest fast. Die Kluntjes im Tee verwende ich als Genußmittel weiter. Und die Lebensmittelindustrie, ja das sind ganz feine Leute. Die machen das nur, um den Verbraucher zu beglücken, aber v.a. um mit billiger, gestreckter Ware Hochwertigkeit vorzutäuschen. Jüngster Clou: Eckes Granini mit seinen „zuckerärmeren“ 60% Säften. Ja, da ist tatsächlich kein Zucker reingekommen. Schlichtweg Leitungswasser wurde dem ganzen zugefügt, für 2,49 € die Flasche, statt Originalsaft für 2,89 €. Natürlich wieder nur zum Besten des Verbrauchers, nicht wahr, Herr Brendel? Das ist schon eine tolle Rasse, diese Lebensmittelhersteller.
Das ist sowas von lächerlich. Hat sich schon mal Jemand mit der Herstellung der „alternativen, so gesunden und umweltschonenden Hafermilch“ befaßt? Als da wäre: einweichen, pürieren, fermentieren, filtern. Calcium und „Stabilisatoren“ hinzufügen. Zum guten Schluß ultrahocherhitzen. Was auf die Produktion von „Mandelmilch“ und „Sojamilch“ mehr oder weniger auch zutrifft. Wobei letztere noch 20 Minuten gekocht werden muß, weil: verdauungsschädliche Giftstoffe müssen unschädlich gemacht werden. Hinzu kommt: wo fermentiert wird, da entsteht CO2 und Methan. Also insbesondere bei der Herstellung von Tofu. Statt die Kuh furzen zu lassen, furzt jetzt der großindustrielle Fermenter. Ich denke mal, die Aufbereitung von Kakerlaken, meist liebevoll als „Hausgrille“ umschrieben, dürfte ähnlich aufwändig sein, bevor sie zermörsert den verschiedenen Leckereien hinzugefügt werden können. Und: was muß mit der Sojabohne wohl angestellt werden, damit sie wie Fleisch texturiert ist, ein ähnliches Gefühl und einen ähnlichen Geschmack erzeugt wie ein echtes Schweineschnitzel? # Hoch lebe sie, „die alternative und so einfache Ernährung“. Wie gerne würde ich schreiben „die haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank“. Kann ich aber nicht. Weil: deren Schrank ist leer. Da ist nix, was fehlen könnte. Ein Loch ist da, wo nichts ist. Noch nicht mal mehr eine graue Zelle.
Homo Sapiens ist ein „Supercarnivore“. Die N15-Isotopenanalyse zeigt das eindeutig. Unsere biologische Nische ist tierisches Fleisch und vor allem tierisches Fett. Unsere Physiologie ist genau auf diese Art der Nahrung biologisch spezialisiert. Über Millionen von Jahren wurden wir auf diese Nahrung hin biologisch determiniert. Erst durch die Agrarrevolution hat sich das verändert – und das begann erst vor wenigen tausend Jahren. Wir sind auf diese Art der Ernährung biologisch nur sehr mangelhaft angepasst. Wir sind also auf „Processing“ angewiesen, weil das die einzige Möglichkeit ist, dass wir diese Art der Ernährung überhaupt verdauen können. Wir müssen Bohnen kochen um sie zu entgiften, wir müssen Getreide fein mahlen um die Stärke bioverfügbar zu machen. Wir müssen Pflanzen züchten, um die Rohfaser zu verringern und den Zucker zu erhöhen, damit sie überhaupt fähig sind, uns mit Nährstoffen zu versorgen. Alles, was wir heute essen ist ein Produkt aus menschlichem Bioengineering. Nicht davon haben wir in unserer Evolution als Jäger und Sammler gegessen. Die einzige Ausnahme ist Fleisch und Fett von grasgefütterten Wiederkäuern. Alle anderen Lebensmittel sind „ultra-processed-food“.
Sozialismus ist eine sehr fade Angelegenheit. Spaß am Leben ist darin nicht vorgesehen – Selberdenken und Selbermachen erst recht nicht. Für die Untertanen hat alles grau zu sein, während die asozialen Sozialisten und Kommunisten ihre Ärsche auf neuen 4.000 Euro-Sesseln plattdrücken (so, wie gerade im Kanzleramt). Weiter so, liebe Wähler, das „Gute“ wird gewinnen!