Gunnar Heinsohn / 15.07.2016 / 17:49 / 9 / Seite ausdrucken

Was Nizza und Brexit miteinander zu tun haben

Mohamed Bouhlel war weder Gallier noch Katholik, sondern Araber und Muslim. Seine Tat aber konnte er derart ungehindert nur als Franzose exekutieren. Nicht seine tunesische Herkunft, sondern seine französischen Papiere erlaubten ihm das Anmieten eines Schwerlasters als Tatwerkzeug.

Die hätten ihm auch freie Niederlassung auch in Brüssel, Wien oder Berlin ermöglicht. Gesinnungsgenossen können dort auch weiterhin auf Willkommen rechnen. Solange sie nicht arbeiten, werden sie menschenwürdig und zeitlich unbegrenzt aus den Börsen der Steuerzahler bezahlt. So haben sie Muße für alles Erdenkliche.

Richtung London allerdings können potentielle Massenmörder jetzt an der Einreise gehindert werden - zumindest solange sie noch kein britischer Bürger sind. Für den Wiedergewinn dieser Grenzhoheit haben viele Mitglieder des Leave-Lagers votiert. Der Brexit soll möglichst schnell einen Raum schaffen, der gegen Dequalifizierung, Terror, Judenverfolgung und Übergriffe auf Frauen oder Homosexuelle abgeschirmt werden kann.

Eine Besonderheit des Vereinigten Königreiches besteht nun darin, dass solche Ziele aus der eigenen Elite unterstützt werden, die sich Irrationalitäten nur schwer verführen lässt. Das verschafft Vorsprung gegenüber Nationen, in denen das Sinnvolle oft von Leuten vorgetragen wird, in deren Tross viele Unvernünftige mitmarschieren, deren Dämonisierung dann auch das längst Gebotene unmöglich macht.

Schutz vor äußerer und innerer Gewalt wird zum Standortvorteil

Auf den Inseln dagegen positioniert man sich durchaus planvoll für das weitere 21. Jahrhundert. Weil es noch deutlich ungemütlicher werden könnte, wird im globalen Wettbewerb Schutz vor äußerer und innerer Gewalt zu einem erstrangigen Standortvorteil. Zu den Nuklearraketen gegen Mächtige von Russland über Iran und Pakistan bis nach Nordkorea stellt man jetzt den Grenzschutz gegen kleinere Massaker-Planer.  

Noch hofft man auf dem Kontinent, dass dieser Schritt den Briten schwere Nachteile einträgt. Längst reibt man sich die Hände über den Zustrom englischer Könner und Spitzenfirmen. Doch jetzt noch vollmundige Brexit-Flüchtlinge könnten nach Nizza erst einmal innehalten. Bevor jemand seinen Aston Martin nach Berlin überführt, mag er sich daran erinnern, dass die beliebten Linksautonomen solche Boliden gerne abfackeln. Bevor jemand schon mal die Familie in den Sommer an die Côte-d'Azur vorschickt, mag ihm das Inferno an der Promenade des Anglais die Vorfreude trüben. Ob das Triumphgeheul über Albions Niedergang nicht doch etwas verfrüht angestimmt wurde?

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G. Cüsters / 17.07.2016

Achsoooo, die Britannier sind jetzt sicher vor Anschlägen, weil sie ihre Grenzen dicht machen. Interessante Logik. Jetzt, da man den Ausgang aus der EU gewählt hat, werden die Organisatoren des islamistischen Terrors hauruck vergessen, dass die Royal Airforce zu den Hauptverantwortlichen für den eingeäscherten Nahen Osten gehört. Jetzt wo Sie’s sagen, glaub’ ich’s auch…

Philipp Richardt / 16.07.2016

>>Weil es noch deutlich ungemütlicher werden könnte, wird im globalen Wettbewerb Schutz vor äußerer und innerer Gewalt zu einem erstrangigen Standortvorteil.<< Vor einiger Zeit las ich eine interessante Einschätzung eines Finanzanalysten in der WiWo. Seiner Meinung nach solle man Japan wirtschaftlich nicht abschreiben. Durch seine homogene Bevölkerungsstruktur wird es zu keinen ethnischen Schocks kommen wie in anderen westlichen Ländern und das Land dadurch einen relativen Vorteil erlangen.

Hans Brautlecht / 16.07.2016

Lieber Herr Heinsohn, ich empfinde es als klug und verständig, wenn Sie mit zunehmender Brisanz der Lage immer deutlicher werden, wo andere sich zurück ziehen. Vor allem aber halte ich es für entschieden und mutig. Wenn einem der Wind ins Gesicht weht, kann man zurückrudern oder standhalten und weitermachen. Das ist der Unterschied. Sie scheinen weiterzumachen. Danke!

Frank Jankalert / 16.07.2016

Das ist schon viel Wahres dran. Aber.. Auch die Briten haben kein Repzept, wie sie mit ihrer pakistanischen, karibischen und afrikanischen Einwanderung zurechtkommen. Alleine der “Familiennachzug”, den die Briten ja komplett zulassen, führt zu dramatischen sozialen Veränderungen, neben viel Kriminallität und Terrorgefahr. MIt dem “Sinnvollen” der “Unvernünftigen”  hat Herr Heinsohn den Nagel schon auf den Kopf getroffen. Natürlich ist die Gegenseite mindesten ebenso unvernünftig - aber eben an der Macht. Aber wer das Vernünftige auf ewig diskreditiert, der erntet das Desaster.

Jan / 15.07.2016

Correctement. Zum Glück habe ich schon den britischen Pass.

Josef Kneip / 15.07.2016

Die “Brexiter” dürften den Briten einen großen Dienst erwiesen haben. Sicher kann es eine ökonomische Delle geben. Diese dürfte aber kein Untergangszenario heraufbeschwören. Eher ein “Jetzt erst recht”. Vom Ballast der EU und der Unsicherheit sowie Konfusion des Kontinents befreit, könnten neue Kräfte mobilisiert werden. Auch andere Länder, die nicht der EU angehören, sind bisher nicht unter gegangen. Großbritannien wird eine “Marke” bleiben. Und die Schotten sowie abwanderungswillige Firmen werden es sich zweimal überlegen, die gesicherten Grenzen des Vereinigten Königreichs zu verlassen.

Anna Löw / 15.07.2016

Was diejenigen, die sich auf den Untergang Großbritanniens freuen, vergessen: Großbritannien verliert seine klügsten Köpfe nicht an den europäischen Kontinent. Die klügsten britischen Köpfe wandern seit Jahrzehnten nach Übersee aus, und zwar bevorzugt nach Kanada, Australien und in die USA. Definitiv wieder ein Artikel von Herrn Heinsohn, den ich sehr gerne gelesen habe.

H. Senftleben / 15.07.2016

Sehr geehrter Herr Heinsohn, ich würde mir wünschen, dass Sie, Ruud Koopmans, Bassam Tibi, Sabatina James, Michael Schmidt-Salomon, Thilo Sarrazin, Hans-Werner Sinn und Hamed Abdel-Samad einer Partei betreten - damit Menschen wie ich, die den derzeitigen Weg des politischen und medialen Mainstreams für falsch halten die Möglichkeit haben diese zu wählen. Es fehlen Politiker, die die Lage nüchtern nach Faktenlage analysieren und differenzierte und zielführende Lösungsansätze mit einer positiven Vision für unser Land verbinden. Ob nun alle klugen Wissenschaftler, Intellektuellen, Religionskritiker und Feministen gemeinsam in die FDP, SPD, CDU oder AfD eintreten (oder eine andere Partei gründen) wäre mir gleich, solange diese Partei durch sie zu einer vernünftigen Partei wird, die wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze und das Erbe der Aufklärung vertreten würde.

Dieter Kief / 15.07.2016

Leider perfekt.

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