Die Vertreibung des Schriftstellers Uwe Tellkamp aus der warmen Mitte unserer heimeligen Republik hinüber in die rechte Strafecke ist Anschauungsunterricht erster Güte. Warum der Autor des „Turm“ in die Ecke beordert wurde, hat die sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange auf wunderbar entlarvende Weise begründet.
Dass die meisten Migranten nicht vor Krieg und Verfolgung fliehen, sondern kämen, um in die Sozialsysteme einzuwandern, sei dem Schriftsteller zwar als „Privatmeinung“ gestattet. Öffentlich geäußert aber würden solche Parolen das gesellschaftliche Klima vergiften. Damit hat Frau Stange unfreiwillig, aber treffend das Problem angesprochen, das unsere Gesellschaft tatsächlich vergiftet. Es ist die Unterscheidung zwischen stumm zu bleibender Privatmeinung und gestatteter Meinungsäußerung.
Das Grundgesetz sieht diese Unterscheidung nicht vor. Es spricht von freier Meinungsäußerung. Also Äußerung. Nix stumm. Die private, also stumme Meinungsfreiheit, die ihre Grenzen dort findet, wo sie öffentlich geäußert wird, ist eine Erfindung der political correctness, also der letzten Jahre. Eva-Maria Stanges Parole von der „Privatmeinung“ und der vergiftenden Meinungsäußerung mag auf den ersten Blick wie blanker Blödsinn klingen, entspricht aber exakt dem Zeitgeist. Im deutschen Alltag wird längst zwischen unausgesprochener oder nur im vertrauten Kreis formulierter Meinung und dem, was man einer größeren Öffentlichkeit zumuten mag, streng unterschieden.
Vertreibung aus dem Klub der Lieben und Netten
Neu ist dieses Phänomen natürlich nicht. Es ist das Merkmal einer jeden Diktatur, ob rechts, ob links oder einfach nur despotisch. Wo es richtig hart hergeht oder herging, wandert(e) der unbotmäßige Meinungsäußerer ins Gefängnis. Wie etwa in der Türkei, um ein aktuelles, im Weltvergleich aber keineswegs herausragend schlimmes Beispiel zu nennen. So weit ist es bei uns zum Glück noch lange nicht. Hierzulande droht dem unbotmäßigen Meinungsäußerer nur die Vertreibung aus dem Klub der Lieben und Netten und die Versetzung in die Reihen der Schmuddelkinder. Wer etwas robuster gebaut ist, kann das verschmerzen. Der Sensible aber leidet wie ein Exilant, der sich nach der alten Heimat sehnt.
Historisch gesehen ist die Unterscheidung zwischen dem, was man sagen darf, und dem, was zu sagen nicht erlaubt ist, der Normalzustand. Erst die Aufklärung hat daran gerüttelt und schrittweise dazu geführt, dass Denken und Sagen (oder Schreiben) eine möglichst große Schnittmenge haben sollten. Oder wenigstens haben dürfen sollten.
Der Normalzustand vordemokratischer Zeiten wird meiner Meinung nach am besten in einem Volkslied aus dem 19. Jahrhundert beschrieben:
Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen.
Ja, so war das, als freie Gedanken nur Privatsache sein durften. Und als die Jäger mit dem Schießgewehr kamen, wenn die Gedanken nicht mehr als nächtliche Schatten vorbei flohen, sondern laut und deutlich oder gar schwarz auf weiß Gestalt annahmen.
Heute gehen die Jäger nicht mehr mit dem Schießgewehr in Stellung, sondern feuern den Bannstrahl der political correctness ab. Und da es sich bei den Jägern von heute oft um Jägerinnen mit Nanny-Zertifikat handelt, sage ich nicht, wie Marquis Posa: Sire, geben Sie Gedankenfreiheit! Sondern: Madam Stange und Co, lassen Sie uns, verflixt noch mal, unsere Redefreiheit!
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Noch ein Lied(text) : "Und wenn die Welt voll Teufel wär / und wollt uns gar verschlingen / so fürchten wir uns nicht so sehr / es soll uns doch gelingen. / Der Fürst dieser Welt, / wie sau´r er sich stellt, / tut er doch uns nicht ;/ das macht er ist gericht´;/ ein Wörtlein kann ihn fällen. Das Wort sie sollen lassen stahn / und kein Dank dazu haben;. .... / das Reich muss uns doch bleiben" (Martin Luther -Ein feste Burg ist unser Gott - 1529)
Gibt es "Satiriker" unter den Leserbriefschreibern ??? Wenn ja, dann wurde der Brief sehr gut getarnt, alle Achtung !
Unser gesamtes Politik/Medien-Kartell ist dazu verdonnert, die Bürger auf Linie zu bringen. Wer diese Linie vorgibt, wird im Dunkeln gehalten. Aber Dank der sozialen Medien ist doch durchgesickert, wer hinter all dem steckt, die Deutschland und Europa mit einem Multikulturalismus überziehen wollen zur Abschaffung von Identität, Kultur und Nation. Es sind Mächte, die von Merkel in Deutschland vertreten werden. Denen sie zu dienen hat. Durch ihre SED-geschärfte Dialektik ist sie wie geschaffen für dienen Auftrag. Dieser Auftrag lautet "Kampf gegen Rechts", da von dieser Seite die nachhaltigste Ablehnung dieser vorgesehenen Umvolkung zu erwarten ist. Das kostet natürlich viel Geld, da viele Leute in entsprechenden Positionen in diesen "Kampf" eingebunden werden müssen. Das geht nur mit Geld und Karriereversprechungen. So finanziert der Bürger sein "Maul-halten-müssen" und die Unterdrückung seiner Privatmeinung mit hunderten von Millionen auch noch selbst.
Die Gedanken sind frei, die Denkenden schon weniger, da kann man schon mal ein paar Tage in Abschiebehaft landen, wenn man als EU-Bürger vom Heimatland in ein anderes EU-Land fliegt, um eine öffentliche Rede am Speakers' Corner zu halten. So wie letztes Wochenende geschehen.
Ist die Genossin Stange nicht großmütig? Gnädig erlaubt sie den Bürgern, eine eigene Meinung zu haben, auch wenn sie nicht der offiziellen Ausrichtung entspricht. In einem Kommentar in der FAZ-Online vom 12.03.08 las ich unter der Überschrift "Ist die Mauer wieder da?"den Vorwurf, Tellkamp als ehemaliger DDR-Bürger würde mit seinen Äußerungen die deutsche Gesellschaft spalten. Man muss sich das einmal vorstellen. Die Bevölkerung Ostdeutschlands, die unter rechtsradikalen Generalverdacht steht, die als abgehängt, Pack, Schandfleck usw. beschimpft wird, würde die geistige Mauer in Deutschland wieder aufbauen, wenn sie ihre private Meinung öffentlich macht. In der DDR bekam ich selbst für einige Branchen Berufsverbot (hier EDV). Eine Personalchefin hat es mir dann doch verraten - ich hätte oft zu laut und mit den falschen Leuten gesprochen. Jedenfalls sollte dieses ganze niveaulose Geschrei Uwe Tellkamp nicht schaden und seinen Büchern höhere Verkaufszahlen bescheren. Nur Schade, dass Suhrkamp daran noch beteiligt ist. Ich las kürzlich von einem Kommentator, dass Tellkamps rechte Gesinnung besonders in seinem Frühwerk "Der Eisvogel" zum Ausdruck kommt. Ich habe dieses Buch sofort aus meinem Regal gezogen und werde es jetzt nach fast 10 Jahren noch einmal lesen.
Nein, lieber Mitleser Wolfgang Lang, wir sind auf geradem Weg in eine neofeudale Gesinnungsdiktatur, wir sin d bereits mitten drin, die Daumenschrauben sind angelegt, nun werden sie langsam zugedreht. Besonders schmerzhaft und schmerzlich für all jene, die Erfolg und Wohlstand der jungen Bundesrepublik mit gestalten, erleben und genießen durften, die "Jungen" (ab 1980 geborenen) kennen ja kaum etwas anderes.
"Wer etwas robuster gebaut ist, kann das verschmerzen. Der Sensible aber leidet wie ein Exilant, der sich nach der alten Heimat sehnt." Ich gestehe, ich leide wie ein Schweinehund, dass ich mit sehr vielen meiner früheren Freunde und auch Verwandten (Vater, SChwester) nicht über dieses Thema reden kann und ich auch mehr oder minder deutlich als fremdenfeindlich und rechts bezeichnet werde. Es tut verdammt weh, wenn so viel sozialen Kontakten wegbricht - entweder von meiner Seite aus, weil es einfach nichts mehr bringt, aber viel öfter von der anderen Seite aus - ohne auch nur den Versuch zu starten, eine gemeinsame Ebene zu finden. Als wäre mir plötzlich eine Maske vom Gesicht gefallen, und die hässliche, fremdenfeindliche Fratze nun zum Vorschein gekommen wäre. Und ja an schlechten Tagen muss ich deswegen sogar weinen, weil es so ungerecht und so FALSCH ist.