Die Aufführung, oft wohl genüsslich, performativer und von Inhalten weitgehend abgekoppelter Gewalt als Abschiebepolitik, wirklich eher mit einer Ackerschlägerei der Hooliganszene als mit zielgerichteten Polizeieinsätzen oder Demonstrationen dagegen verwandt, musste irgendwann einmal schiefgehen, und diesen Januar tat sie es zweimal innerhalb von zwei Wochen in Minneapolis.
Ich will die Fälle nur kurz schildern, denn es werden im Laufe der gerichtlichen Auseinandersetzungen in ihrem Nachspiel noch viele Beweismittel auszuwerten sein. Ein gemeinsames Muster, das den Narrativen beider Seiten widerspricht, scheint mir aber mit einiger Wahrscheinlichkeit erkennbar.
Renee Good
Der erste Fall war jener der Renee Good. Die fuhr laut Darstellung der Bundesregierung wohl der Einwanderungspolizei hinterher, um sie zu beobachten und vielleicht zu filmen. Das ist soweit ein von den Gerichten recht eindeutig bestätigtes Recht der Amerikaner unter dem ersten Verfassungszusatz; man darf die Aktivität der Polizei in der Öffentlichkeit als besonderen Gegenstand öffentlichen Interesses beobachten und dokumentieren. Die Polizei behindern darf man allerdings nicht. Laut anderer Darstellungen hat sie ihren Sohn zur Schule gefahren und wollte heimfahren. Da stand sie dann, aus welchen Gründen auch immer, mit ihrem Auto auf einer Straße, diagonal, aber so, dass man vorbeifahren konnte und hupte, das wohl eindeutig als Protest gegen die Polizei. Dann eskalierte es schnell.
Der Ablauf ist in verschiedenen Videos dokumentiert: aus Sicht des Polizisten, der Good dann erschoss, aus Sicht von Goods Frau Becca außerhalb des Fahrzeugs sowie aus Zeugensicht.
„Hol dir ein großes Mittagessen!“
Ein Einwanderungspolizist parkte sein Fahrzeug vor dem Goods, ging um ihren Wagen herum. Good, die keine Gesichtsverhüllung oder dergleichen trug und auch sonst zivil auftrat, sagte zu ihm: „Alles in Ordnung, Mann. Ich bin nicht sauer auf Dich.“ Weniger freundlich sagte ihre Frau: „Zeig Dein Gesicht. [… Ich bin] US-Bürgerin, ehemalige verf**kte Veteranin.“ Und dann etwas später: „Willst du dich mit uns anlegen? Willst du dich mit uns anlegen? Ich sage: Hol dir ein großes Mittagessen, großer Junge.“ Deeskalation geht anders, aber strafbar war soweit wohl nichts, außer vielleicht unnötigem Hupen und verkehrsbehinderndem Halten, das die Vorbeifahrt jedoch nicht blockierte und Sache der kommunalen Polizei wäre.
Ein weiterer Einwanderungspolizist, der dazugekommen war, wies Good an: „Steig aus dem verf**kten Auto.“ Auch das war nicht gerade deeskalierend, und es ist nicht offensichtlich, dass ein Sachverhalt vorlag, der ihn berechtigte, Good anzuhalten. Jedenfalls setzte Good etwas zurück, der erste Einwanderungspolizist ging dann nach etwas vorne links des Wagens, Good schlug die Räder nach rechts ein und fuhr in geringem Tempo los. Der Polizist, der, wenn er überhaupt in der Fahrtrichtung des Autos war, leicht einen Schritt zurück hätte machen können, gab in schneller Folge drei Schuss auf Good ab, an denen sie verstarb.
Trotz in der ganzen taktischen Ausrüstung der Polizisten hoffentlich vorhandener Ausrüstung zur Blutstillung bei Schussverletzungen leistete sechs Minuten lang niemand Good Hilfe und einem anwesenden Arzt wurde der Zugang zu ihr verweigert. Eine Stimme, die laut Stimmanalyse der New York Times zum Schützen gehört, sagt „verf**te Schl**pe“.
Vom Auto mitgeschleppt
Über die Motivation des Polizisten kann man nur spekulieren.
Beide Seiten haben sich ein verbales Geplänkel geliefert. Je nach exakter Position des Polizisten mag Good den Polizisten, der geschossen hat, genötigt haben. Gegenüber einem anderen Polizisten, der zurecht oder nicht versuchte, ihre Autotür zu öffnen, mag sie einen tätlichen Angriff begangen haben, der in Amerika schon durch bloße Berührung, auch ohne Verletzung oder deren Absicht, realisiert ist. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sie ihr Auto ernsthaft als Waffe nutzen würde. Die Intensität der vorangegangenen verbalen Auseinandersetzung war beim besten Willen nicht so, dass davon ein Polizist zur tödlichen Weißglut getrieben würde. Die Richtlinien der Bundesbehörden schreiben klar vor, dass Feuerwaffen zum Anhalten eines Fahrzeugs nur im äußersten Ausnahmefall bei tödlicher Gefahr zu verwenden sind, nicht, wenn man einfach aus dem Weg gehen kann.
Die wahrscheinlichste Erklärung scheint mir zu sein, dass der Polizist Jonathan Ross, der auf Good schoss, im vergangenen Jahr bei einer Festnahme knapp fünfzig Meter von einem Auto mitgeschleppt wurde. Er erlitt zwar keine allzu schweren Verletzungen, aber das hätte auch anders ausgehen können. Da scheint es mir plausibel, dass er in Sekundenbruchteilen mehr unterbewusst als durch Abwägung entschieden hat, dass ihm und seinem Kollegen das kein zweites Mal passieren wird. Wenn diese Erklärung zutrifft, handelt es sich weder um einen kaltblütigen Mord noch um erlaubte Notwehr, sondern um einen unterbewussten Irrtum in einer von beiden Seiten aufgeheizten Situation.
Alex Pretti
Recht ähnlich scheint sich die Sache beim zweiten in Minneapolis Erschossenen, Alex Pretti, zu verhalten. Der wurde am 24. Januar getötet. Auch in diesem Fall verfügen wir über gutes Videomaterial und eine detaillierte zeitliche Darstellung des Ablaufs.
Pretti wollte wohl das Vorgehen der Grenzpolizei filmen – wie gesagt, soweit ein verfassungsmäßiges Grundrecht – und die hat ihn zurückgedrängt, während sie jemanden anderen festnahm. Eine andere Frau, die wohl auch die Szene aus mehr Nähe beobachtet hat als der Polizei recht war, wurde von der Polizei weggestoßen, wohl ohne verbale Aufforderung zuvor. Die hielt sich dann an Pretti fest. Eine weitere Frau mischte sich ein, wurde auf den Boden gestoßen, und dann besprühte ein Polizist Pretti mit Pfefferspray, aus direkter Nähe und aus einer Dose größer als Bärenspray, ohne ersichtlichen Grund.
Pretti wollte der zu Boden Gestoßenen helfen, woraufhin sich mehrere Polizisten auf ihn warfen, eher unstrukturiert, als wollte man den Ballträger im Football zu Boden bringen. Ein Polizist nahm Pretti seine verdeckt getragene Pistole direkt aus dem Holster, ohne dass Pretti nach ihr gegriffen hatte. Jemand rief: „Er hat eine Waffe!“ Dann fiel ein Schuss. Ungefähr eine Sekunde später gab ein anderer Polizist aus seiner Pistole drei Schuss auf den am Boden festgehaltenen Pretti ab, dann noch sechs weitere wohl von einem anderen Polizisten. Pretti verstarb.
„Losgegangen!“
Es scheint aus den Videos sehr wahrscheinlich, dass der erste Schuss unbeabsichtigt aus Prettis Pistole in der Hand des Polizisten kam, der sie ihm abnahm. Pretti hatte einen gültigen Waffenschein, und in Minnesota gibt es kein Verbot des Waffentragens bei Demonstrationen. Pretti hat auch zu keinem Zeitpunkt nach seiner Waffe gegriffen. Die New York Post spekuliert, dass der Schuss auf eine Fehlfunktion der verwendeten Pistole, einer Sig Sauer P320, zurückzuführen sein könnte. Die steht zwar tatsächlich im Verdacht, solche Fehlfunktionen zu haben, was der Hersteller kategorisch bestreitet, aber in einigen Videos wird dies demonstriert. Sie ist jedenfalls wohl mit weniger eingebauten Sicherheitsreserven ausgestattet als viele vergleichbare Pistolen.
Allerdings muss dieser Defekt, wenn er denn existiert, bei der großen Verbreitung dieses Modells eher selten sein. Im bekanntesten Fall eines Todes, der dieser Fehlfunktion zugeschrieben wurde, und wegen dessen die Luftwaffe die Pistole zeitweilig aus dem Dienst genommen hat, hat sich ein Soldat schuldig bekannt, darüber falsch ausgesagt zu haben. Tatsächlich hatte er mit der als entladen angenommenen Waffe gespielt und den Abzug betätigt, woraufhin sie genau das tat, was sie bei Abzugsbetätigung tun soll.
Eine wesentlich wahrscheinlichere Variante scheint mir zu sein, dass der Polizist, der Pretti entwaffnet hat, einfach mit dem Finger auf den Abzug kam oder irgendetwas im Abzug verhakt hat. Pretti hatte auch ein Luxusmodell der Waffe, bei dem es nicht unüblich ist, den Abzug nochmals vom Tuner knackiger machen zu lassen, was die Präzision erhöhen kann, aber auch das Risiko einer Fehlbedienung. Wie sagte schon Karl-Heinz Kurras, ob zutreffend oder Schutzbehauptung? „Die ist mir losgegangen!“
„Gun!“
Was dann passierte, kann ich mir aus eigener Erfahrung vorstellen. Bei einem für den Waffenschein vorgeschriebenen Wiederholungskurs hatte ich eine Trainerin, die hauptberuflich Polizisten ausbildet. Der Kurs hat eine vorgeschriebene Mindestdauer, und nach dem Beschießen des vorgeschriebenen statischen Ziels war noch Zeit übrig. Also sollten wir, um uns die Zeit zu vertreiben, aus recht kurzer Distanz auf ihr Kommando alle zusammen den jeweiligen Pappkameraden vor uns aus dem Holster gezogen beschießen. So weit, so normal.
Das verwendete Kommando erschien mir weniger normal. Wo alle Welt das Wort „Feuer!“ oder meinethalben „Los!“ oder unter Sportlern das piepsende Zeitsignal der Zeiterfassung verwendet, war das Kommando zum Schießen bei ihr „gun!“ Es soll also geschossen werden, wenn jemand ausruft, dass jemand anders eine Waffe habe. Da fiel mir schon damals ein gewisser Fehler in der Logik auf, denn es waren vielleicht fünfzehn Leute mit einer „gun“ anwesend, die allesamt nette Leute und keine Ziele waren. Dieses Zauberwort, inhaltlich eine Warnung vor einer beobachteten Waffe, wurde dann zum Kommando, auf das die Teilnehmer zusammen innerhalb von Sekunden 75 Schuss auf das erstbeste Ziel abgaben. Die Ausrufe „fun!“ oder „done!“ oder „gone!“ hätten vermutlich dasselbe Resultat erzeugt.
Unverdiente Schüsse
Dieses Kommando scheint in der Polizeiausbildung, aber nur in der, in Amerika weit verbreitet, und damit eine Konditionierung, dass man, wenn jemand eine Warnung vor einer Feuerwaffe ausruft, erst schießt und dann denkt. Bei der Truppe gibt es dagegen das Konzept, „sich den Schuss verdienen“, also gerade wenn es brenzlig ist, trotzdem erst sicherzustellen, auf was man schießen will und dass man in einer Position ist, das zu tun, ohne auf den Falschen, insbesondere die eigenen Leute, zu schießen. Erst denken, dann schießen.
Damit kann man sich dann mit einiger Wahrscheinlichkeit erklären, was in dem Polizisten vorgegangen sein mag, der Pretti erschoss: Die Situation war angespannt und unübersichtlich, und zwar gerade durch das chaotische Verhalten der Polizei zuvor. Einer der Polizisten entdeckte Prettis Waffe, nahm sie ihm ab und gab dabei – durch Defekt oder wahrscheinlicher durch Betätigung des Abzugs – einen Schuss ab. Ein anderer Polizist rief das Zauberwort. Damit waren zwei Schlüsselreize gesetzt, auf die die Polizisten, die dann geschossen haben, konditioniert waren, und das Programm lief ohne weitere Überlegung ab.
Terroristen?
Es scheint mir also wahrscheinlich, dass es sich bei beiden Tötungen um reflexartige Fehlleistungen handelte, die sowohl aus der langfristigen von Politikern beider Seiten forcierten Eskalation als auch aus der unmittelbaren Eskalation vor Ort resultierten. Diese Erklärung ist aber auf eine Weise unbefriedigend, die nicht in die Narrative beider Seiten passt.
Auf Seiten der Regierung war die instinktive Erklärung, dass Good und Pretti gefährlichste Individuen gewesen sein müssen, die von der heldenhaften Polizei gerade noch rechtzeitig neutralisiert wurden. Heimatschutzministerin Noem beschrieb Renee Good noch am Tag ihres Todes, offenbar ohne jedes Bemühen um Abklärung der Faktenlage, als jemanden, die „einen Akt des einheimischen Terrorismus“ begangen habe, und dass sie „versuchte, einen Polizisten zu überfahren“. Das widerspricht ganz offensichtlich dem Ablauf, den sich jedermann auf Video ansehen kann. Nötigung oder tätlicher Angriff ohne Verletzungsabsicht, vielleicht, Verkehrsbehinderung von mir aus, vielleicht sogar noch Behinderung der Polizei, aber Terrorismus sieht dann doch anders aus.
Mord und Massaker?
Für die Tötung Prettis blieb Noems Erklärung auf derselben Schallplatte mit Sprung. Vor einem Bild seiner Pistole erklärte sie, er sei ein „einheimischer Terrorist“ gewesen, der im Auftrag des Gouverneurs von Minnesota und ehemaligen Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Walz gehandelt habe, was jetzt aufhöre. Bovino behauptete: „Das sieht wie eine Situation aus, in der ein Individuum maximalen Schaden anrichten und Polizisten massakrieren wollte.“ Auch dafür geben die Videos, die sich jedermann selbst ansehen kann, nicht das geringste Indiz her. Bovino führte lediglich an, dass Pretti „Magazine voller Munition“ besessen habe. Was denn sonst? Das Tragen einer leeren Pistole wäre offensichtlich nicht zielführend.
Auf Seiten der Linken gab es eine Reaktion spiegelbildlich zu derjenigen der Regierung. Die Pressestelle des kalifornischen Gouverneurs Newsom mit Ambitionen auf das Präsidentenamt schrieb auf X: „Staatlich. Geförderter. Terrorismus.“ Damit war man sich mit Noem immerhin einig, dass es sich um Terrorismus handle, nur dass man ihn der anderen Seite anlastet. Die New Yorker Gouverneurin Hochul nannte es „Mord“. Der Abgeordnete Eugene Vindman schrieb in einer Pressemitteilung, Pretti sei „hingerichtet“ worden. Auch diese Darstellungen entbehren, so wie die der Regierung, nicht nur jeder sachlichen Grundlage, sondern tun nicht einmal so, als ob es eine gäbe.
„So einfach ist das“
Mit der Tötung Prettis und den Reaktionen der Politik auf sie ist aber, natürlich von allen Seiten unbeabsichtigt, eine Lage geschaffen, in der Rechte, Linke und Gemäßigte alle zusammen sauer sind.
Nachdem sich die Verbindung von Pretti mit Terrorismus beim besten Willen nicht halten ließ, verfielen einige Regierungsbeamte, auch der Präsident, darauf, dass Pretti doch wenigstens irgendwie selbst schuld sei, weil er eine Feuerwaffe getragen habe. Kash Patel, der Chef des FBI, meinte: „Man kann nicht eine Feuerwaffe, geladen, mit mehreren Magazinen zu irgendeinem Protest bringen, wie man will. So einfach ist das.“ In Patels Vorstellung vielleicht schon, in der Rechtslage aber nicht. Ob es weise ist, steht auf einem anderen Blatt, aber verboten ist es in Minnesota, wenn man den Waffenschein hat, offenbar nicht. Präsident Trump versuchte sich mit einem ähnlichen Argument: „Man kann keine Feuerwaffen haben. Man kann nicht mit Feuerwaffen [zu einem Protest] laufen.“
Alle sind sauer
Die Linken waren ohnehin schon sauer. Nun sind es auch die Konservativen, denen das Recht auf Waffenbesitz das Palladium des Grundrechtskatalogs und der Republik ist. Senator Massie aus Kentucky merkte an: „Eine Feuerwaffe zu tragen, ist kein Todesurteil; es ist ein verfassungsmäßig geschütztes gottgegebenes Recht, und wenn man das nicht versteht, dann hat man nichts in der Rechtspflege oder der Politik zu suchen.“ Die auf Waffen spezialisierten Bürgerrechtsorganisationen äußerten sich ähnlich deutlich. Ohne die Waffenbesitzer geht es für republikanische Kandidaten, dazu noch populistisch orientierte, nicht.
Aber nicht nur die Linken und Rechten sind sauer, es reicht auch der Mitte. „Die Leute haben genug“, meinte der Polizeichef von Minneapolis. Der republikanische Gouverneur von Oklahoma, Kevin Stitt, stellte das gesamte Programm der Einsätze in Frage: „Die Amerikaner mögen das, was sie sehen, nicht. […] Niemand mag es, wenn die Bundesbehörden in seinen Staat kommen. Was ist jetzt gerade das Ziel? Ist es, jeden einzelnen Ausländer abzuschieben? Ich glaube nicht, dass es das ist, was die Amerikaner wollen.“ Der einflussreiche Podcaster Joe Rogan, dem Trump viel zu verdanken hat, vielleicht sogar seine Wahl, hat sogar im Flüsterton suggeriert, dass das Chaos um die Einwanderungspolizei gewollt und dazu gedacht sein könnte, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von den Epstein-Akten und der Verwicklung prominenter Politiker in dessen Missbrauchsring abzulenken. Es reicht.
Abtritt
Der Tod Alex Prettis und die vollkommen realitätsfremden Reaktionen der Regierung auf ihn waren vermutlich der Kulminationspunkt der von beiden Seiten rein performativen Auseinandersetzungen um den Einsatz der Einwanderungspolizei weniger zur Durchsetzung des Ausländerrechts als vielmehr zur Demütigung linker Städte.
Donald Trump, der immer noch mehr Gespür für seine Wähler hat als viele seiner Mitarbeiter, hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt. Er will in Minnesota „ein wenig deeskalieren“. Am Montag vermeldete er von einem Telefongespräch mit Gouverneur Walz, den er sonst eher beschimpft hat: „Es war ein sehr gutes Gespräch und wir schienen tatsächlich auf derselben Wellenlänge zu sein.“ Bovino und ein Teil seiner Grenzschützer sollen abgezogen werden, Bovino vermutlich bald in die Pension, und Homan soll sich der Sache annehmen. Kristi Noem gilt als angezählt. Auf dem Vorhersagemarkt Polymarket wird eine Wahrscheinlichkeit von 39 Prozent bepreist, dass sie das erste der aktuellen Kabinettsmitglieder sein wird, das demissionieren muss. Außer Pam Bondi liegen alle anderen bei fünf Prozent oder darunter.
Ich würde darauf tippen, dass Trump und Walz sich auf einen Handel einigen, bei dem die Einwanderungspolizei einige bekannte Kriminelle mitnehmen darf und dann ihre Operation im Bundesstaat weitgehend beendet. Das können beide Seiten als Sieg verkaufen. Trump hat sich mittlerweile auf seinem Truth-Social-Dienst den kommenden Vorwahlen zugewandt. Von denen geht es dann auf die Zwischenwahlen im November zu, bei denen die Amerikaner traditionell die gerade regierende Partei abstrafen, und Straßenschlachten, gar mit Toten, dürften da ungelegen kommen. Die TACO-Regel gilt auch hier, und wie man sich nach wilden Zollankündigungen und den Börsenreaktionen im Kreis gedreht hat, dürfte das auch bei der Abschiebung illegaler Ausländer der Fall sein.
Lesen Sie Was ist in den USA los? (1) Die irren Gründe einer Eskalation hier.
Beitragsbild: Chad Davis, [1], CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Nun ja.
Wer das so sehen will und darstellt, den erwarte ich eher im Spiegel oder in der Rheinischen Post.
Die unfassbare Doppelmoral wird beim Vergleich der Fälle Rittenhouse und Pretty deutlich. Pretty war berechtigt die Waffe zu tragen. Er verletzte kein Gesetzt, was ihm magaseitig unterstell wird. Er nahm an einer Demo quasi vor seiner Haustür teil. Die öffentlich zugänglichen Videos zeigen, dass er sie a) auf niemanden richtete b) dass er entwaffnet war, als er erschossen wurde-in der Hand von mehreren bewaffneten ICE Kopfgeldjägern. Pretty wird jetzt lügenbasiert eine Mitschuld an seiner Ermordung angedichtet. Rittenhouse dagegen fuhr bewaffnet in den Nachbar-Bundesstaat, um an Orte zu gehen, die zuletzt Schauplätze gewalttätiger Ausschreitungen waren. Er war nicht berechtigt als damals Minderjähriger diese Waffe zu tragen. Er wurde vom Maga-Universum als Held gefeiert, nachdem er 2 Menschen erschossen hatte.
Auf „apnews“ wird das Video ordentlich analysiert, was in good old germany leider nicht stattfindet. Man sieht bei der Festnahme eine geladene Waffen in seinem Gürtel. Nach der Festnahme folgt ein weiteres Video, wo Pretti wieder völlig unbeschadet ist.
Die Festnahme sieht martialischer aus, als sie war.
Obwohl vor wenigen Minuten erschienen, man muß das Video suchen.
Tja, der Kuschelkurs mit der Tagesschau ist jetzt wohl vorbei vorbei?
Herr Oltmanssohn: „Ein Toter mit Bart und Rucksack – und die doppelte Moral. Warum manche Opfer Gesichter bekommen – und andere nicht mal einen Namen“. Dort beschreibt er, wie die „richtigen“ Opfer medial beschrieben werden. Und die „falschen“ Opfer verschwiegen werden.„ Über Frau Goods Ermordung war auf diesem Blog nichts zu finden. Ebenso über den zweiten Erschossenen. Von den in ICE – Gewahrsam zu Tote gekommenen liest man hier auch nichts. Bis gestern die Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr begann. Kann ja nicht sein, dass das wieder so lange wie bei Floyd dauern.
Was ich vergebens suche, sowohl im Text als auch im Auditorium: Empathie. Da war Hayali bei Kirk eine Trauerrednerin dagegen.
Hier liegt die einseitige Verbreitung einer ( politisch eingefärbten ) Laienmeinung vor. Kann man machen, hätte ich aber nicht bei Achgut erwartet, eher bei den MSM wo dies ja auch geschieht.
Woran liegst also? Schlauer wird der Leser, wenn er sich die Uni des Autors mal näher ansieht. Die University of Pennsylvania (Penn) gilt eher als linksliberal. Die Mehrheit der Studenten identifiziert sich als Liberal oder links der Mitte.
Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 stimmten 81,6 % für Kamala Harris, nur ca. 16% für Trump. Quelle: Gemini.
Die Frage ist doch jene grundsätzliche, die uns hier auch bewegt: Akzeptieren wir die demokratischen Spielregeln oder akzeptieren wir sie nicht. Respektieren wir den Staat im Grundsatz oder negieren wir ihn, wie es die Antifa bei uns größtenteils tut. Wollen wir die echte demokratische Auseinandersetzung – auch mit Demonstrationen und Aktionen zu bestimmten Themen, mit Aufklärung. Oder glaubt jeder, er könnte das Recht in die eigene Hand nehmen, wenn es ihm nicht gefällt. Im Prinzip trennt dies das modernes Staatsverständnis vom Stammesdenken. Die letzten 10 Jahre waren für viele von uns schwer zu ertragen. Aber da wir die demokratische Grundordnung akzeptieren, überlassen wir die Ausübung staatlicher Gewalt nah wie vor der Polizei. Das heißt nicht, dass man nicht auch mit der Polizei diskutieren kann, das habe ich auch schon getan. Aber das Vorgehen der linksliberalen Demonstranten in den USA haben mit diesem Demokratieverständnis in meinen Augen nichts mehr zu tun, sie nehmen das Recht in die eigene Hand. Und man lenkt kein Auto in Richtung eines Menschen und man fährt schon dann nicht los, wenn jemand nahe beim Auto steht. Und wenn die der Beamte sagt, man solle aussteigen, dann tut man das. Und man kann anschließend gegen unrechtmäßiges Verhalten eines Vollzugsbeamten vorgehen, dann wird das geklärt. Man soll doch bitte die Kirche im Dorf lassen und verstehen, was noch ziviler Widerstand und was schon gewaltsame Provokation ist. Und soweit ich weiß, war der ICE-Beamte, der im ersten Fall schoss, in einer solchen Szene schon einmal überfahren worden. Wenn man Menschen überfährt, ist das noch demokratischer Widerstand? Es ist wie in Deutschland – es gibt längst keine gute Art mehr mit der militanten Antifa umzugehen, denn sie lassen es gar nicht zu. Sie provozieren gewalttätig und generieren sich nachträglich als Opfer. Das Muster ist wohlbekannt.
Die Darstellungen Ihres Autoren überzeugen nicht. In ellenlangen Detailschilderungen, geradezu detailversessen, geht er daran, die staatliche Gewalt zu idiotisieren. Am Ende ist man von den, oft abwegigen und sachlich überflüssigen Details, erschlagen, denkt ein bisschen schlicht, ja, der arme Kerl. Ja, man darf in den USA Waffen tragen. Wer aber in einer politisch orchestrierten und mit Steuergeld finanzierten Versammlung mit klarer Freund-Feind-Kennung mit einer durchgeladenen Waffe randaliert, hat die Ursache für seine Tod selbst gesetzt. Da liegt der (juristische) Knüppel beim (juristischen) Hund.
Alle möglicherweise falschen Reaktionen der ICE sind dadurch erklärt. Der Mann wollte Krawall. Er hat seinen Tod sozusagen billigend in Kauf genommen. Ohne Waffe wäre ihm nichts passiert; außer vielleicht ein paar Veilchen. ER wollte Krawall, Krieg.
Tragisch und dumm. Und solche Figuren gehen auf Demos.
Die Waffe des Krankenpflegers ist zudem ein technisch überzüchtetes Gerät, dessen Mechanismus fehleranfällig ist; auf hunderstel Millimeter genau gefertigen Waffen ist nicht zu trauen. Zur Verwendung bei Rangeleien ungeeignet.
Und das schlimmste: Im US-System mit „Jury“ könnte mit einem teuren Anwalt ein Amtsträger, ganz im Sinne Ihres Autoren, verurteilt werden.