Gastautor / 06.12.2018 / 14:00 / Foto: Jeremy Thompson / 20 / Seite ausdrucken

Was habt Ihr aus meinem Italien gemacht?

Von Alberto Noceti

Kennen Sie die Geschichte von „Pinocchio“ und „Il gatto e la volpe“, der Katze und dem Fuchs, die Pinocchio hinters Licht führen wollten? Bestimmt. Und kennen Sie die Neufassung? Die geht so:

Es sind die beiden „Onorevoli“, die „Ehrenmänner“ Matteo Salvini und Luigi Di Maio, die derzeit im „Bel Paese“, im schönen Italien also, die politischen Fäden ziehen. Patrioten? Weit gefehlt. Sie können ihr Land gar nicht lieben, weil sie blind in sich selbst verliebt sind. Darum schneidern sie sich ein auf ihre moralischen Maße gestutztes Volk zurecht, das sie frech „die Italiener“ nennen. Sie verachten alle von den Gründervätern – darunter Alcide De Gasperi – gesetzten Meilensteine auf dem Weg zu einem demokratischen Europa.

Mit grenzenloser Eitelkeit, Entrüstung und Selbstgefälligkeit behaupten sie, schuld am Elend der Italiener seien der Euro, Frau Merkel, Herr Juncker, Brüssel, überhaupt Europa. Nur nicht die italienische Politik. Und trotzig-rotzig wie verwöhnte Kinder rufen sie: „Wir gehen unseren Weg weiter!“. Aber wohin?

Nur bis an den Rand des Abgrunds oder noch den letzten selbstmörderischen Schritt darüber hinaus? Italiener, die ihr Land mehr lieben als ihr eitles Ego, sind entsetzt ob solcher Arroganz. Wenn es mit Europa bergab geht, würde Italien noch schneller abstürzen – und das ahnen die sogenannten einfachen Leute. Nein, sie wissen es. Und sie fragen: Was habt Ihr aus unserem Land gemacht? Hören Sie sich mal bei uns um, von Mensch zu Mensch, also Aug‘ in Aug' und Herz an Herz – und trauen sie nicht der Katze und dem Fuchs.

Alberto Noceti, 64, lebt und arbeitet als Dolmetscher und Übersetzer in München. Er hat u.a. Arbeiten von Wolf Biermann ins Italienische übertragen.

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Leserpost (20)
Peer Munk / 06.12.2018

Wieder einmal wird Europa mit EU verwechselt, das sind aber zwei völlig unterschiedliche Dinge. Hat der Autor nicht nachgedacht oder ist es Absicht?

Udo Knoblauch / 06.12.2018

Als treuer, täglicher Leser und Pate von achgut.com muss ich einen Artikel ohne jeglichen Erkenntnisgewinn konsumieren. Keine Analyse, kein Hintergrund; einfach stumpfe sozialdemokratische Propaganda. Bitte nicht wieder.

beat schaler / 06.12.2018

Ein ziemlich einfacher “Aufsatz würde ich mal anständig sagen. Die Italiener, so sympatisch sie mir auch sind und so gut wie ihr Essen doch ist, so sehr ich ihre Art mag, aber sie haben seit langer Zeit zu vieles unerledigt gelassen. Zudem sind sie selber verantwortlich, dass sie in die Währungsunion und die EU eingestiegen sind. Dass die EU Schuldenwirtschaft und dasEuropäische Finanzsystem, allen voran nun das italienische da steht wo es ist, ist sicher auch am heutigen EZB-Chef, der über viel zu viele Fäden verfügt, an denen er bisher einfach ziehen konnte. Wenn Italien aus dem Euro aussteigen würde, dann bekäme die festgefahrene Wirtschaft eigene Möglichkeiten. Es gibt da sehr viele Hätte und könnte wenn und aber. Dass das aber von den von Ihnen genannten Ehrenmännern verursacht oder gar zu verantworten sei, ist schlicht und einfach Fake News. Etwas zu einfach, geehrter Herr Noceti. Aber, vielleicht können Sie ja noch etwas zur Umstimmung der Deutschen beim Migrationspakt erreichen, dass nicht die nächste Idiotie der Selbstzerstörung über uns schwappt. Die Veränderungen kommen so oder so und ziemlich sicher in aller Härte. b.schaller

Martin Lederer / 06.12.2018

Wäre ich Italiener, wäre ich derzeit stolz auf mein Land und mein Volk. Ich bin aber Deutscher. Und seit einige Jahren verachte ich mein Land und mein Volk. Dieses absolute opportunistische, oberstreberhafte Mitläufervolk! Abgesehen von materiellen Dingen gibt es auch so etwas wie Ehre. Nur eben nicht in Deutschland.

Richard Löwe / 06.12.2018

Übersetzer von Wolf Biermann. Altkommunist vermutlich auch. Toller Aufsatz. Am tollsten war die Länge.

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