Henryk M. Broder / 25.03.2016 / 11:35 / Foto: uritours / 7 / Seite ausdrucken

Was gibt es an der Uni Kassel? Veganes Essen, vegetarisches Essen und Klos für alle

Der Stifterverband ist eine "Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen, die als einzige ganzheitlich in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Innovation berät, vernetzt und fördert"; er setzt sich dafür ein, "dass junge Menschen ihre Talente entfalten können" und fördert eine "bessere, chancengerechte Bildung". Der Stifterverband fördert auch "die Qualität der akademischen Forschung und Lehre, die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft sowie den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit". Eines der Ziele ist es, "die Forschungs- und Innovationssysteme sowie technologische Leistungsfähigkeit zu verbessern", außerdem werden "Gründungsaktivitäten an Hochschulen" unterstützt.

Falls Sie wissen möchten, was das alles in der Praxis bedeutet, dann tun Sie sich bitte diesen Beitrag im Deutschlandfunk an. Es geht um die Uni Kassel. Sie ist eine von fünf Hochschulen, die soeben vom Stifterverband für "vorbildliches Diversity-Managment" zertifiziert wurden. Das Zertifikat, für das die Unis ein aufwendiges Audit-Programm durchlaufen müssen, bezieht sich nicht auf wissenschaftliche Leistungen. Es geht um Wichtigeres, u.a. was es in der Mensa zu essen gibt. "Es gibt veganes Essen, vegetarisches Essen, dann noch mal Fit-Essen, oder was auch immer." Zum vorbildlichen Diversity-Management gehört auch das Thema "Geschlechtergerechtigkeit". Ein "Mentoring-Programm" soll helfen, "die gläserne Decke zu durchbrechen, die etwa Migrantinnen von Spitzenjobs in der Wirtschaft noch trennt".

Auch andere Trennwände sollen beseitigt werden. Derzeit werde im "Komplex Diversity" über ein Thema "heiß diskutiert". Es sind "diese Uni-Sex-WCs", damit jeder dort hingehen kann, "wo er sich zugehörig fühlt". Die Frauenbeauftragte der Uni Kassel verweist in diesem Zusammenhang auf die "fließenden Grenzen zwischen den Geschlechtern", es gebe  eben nicht "nur männlich und weiblich, da gibt es eben viel dazwischen, das ist Realität, da müssen wir uns auch mit auseinandersetzen".

Ja, das müssen wir, unbedingt. Und wenn demnächst Nobel-Preise in der Disziplin "vorbildliches Diversity-Managment" verliehen werden, wird auch die Uni Kassel ausgezeichnet werden. Dafür, dass sie es geschafft hat, die "gläserne Decke" zu durchbrechen, die eine akademische von einer Bedürfnisanstalt trennt.

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Bernd Fischer / 26.03.2016

Jörg Frosch@ Eigentlich wollte ich den Broder für seinen guten Beitrag loben….....ich habe mich aber ent·schie·den Ihren Beitrag noch mehr zu loben, was aber nicht gegen Broder spricht.  

Max Mertens / 26.03.2016

Das ging schon anno 1970/71 in Kassel los, als die Gesamthochschule noch kaum gegründet war. An der damals bald zur Integration in jene anstehenden Hochschule für bildende Künste wurde von Aktivisten der linken Couleur heftigst um die gesellschaftliche Relevanz gefochten und geschwurbelt. Ein bedeutsames Ergebnis damals war auch die Einrichtung einer Kinderkrippe in Räumen der Akademie, erstritten unter der Leitung einer Professors für Architektur und einiger seiner Studenten, unter denen vor allem die Studentinnen von besagter Einrichtung profitieren konnten und wollten. Kassel war in derlei Dingen einfach schon immer mit an der Spitze.

Erich Haug / 26.03.2016

Hallo Herr Broder weiß nicht was Ihr anschreiben gegen die Tugenden an heutigen Unis soll. Denken Sie positv! Die Konstruktion einer Frauen- und Männertoilette haben wir ja schon erfolgreich hinter uns. Wenn Sie aber an die vielen tausend Geschlechtsmöglichkeiten und die daraus resultierenden Spezialtoiletten dazwischen denken, ist deutsche Ingenieurskunst und Gelder für Entwicklungsprogramme in hohem Maße gefordert. Vielleicht sind auch schon Toilettenhochhäuser mit Chiperkennung angedacht. Die Zukunft liegt segensreich vor uns !!!!!

Andreas Rochow / 26.03.2016

Man möchte fragen, ob die rührige Universität Kassel auch über einen Männerbeauftragten verfügt. Aber selbstverständlich ist das eine Frage, die sich nicht gehört! - Was aber heute vielleicht noch als spleenig und als genderaktivisisch widerstandslos belächelt wird, wird zeigen, welche ideologischen Strömungen das deutsche akademische Klima zunehmend vergiften. Themen, zu denen der Ausschluss jeglichen Widerspruchs untrennbar dazugehört, sollten in der Demokratie eigentlich nichts zu suchen haben,  besonders nicht an steuerfinanzierten Universitäten.

Stefan Fischer / 25.03.2016

Ich freue mich, daß die Universität Leipzig auch am, übrigens kostenpflichtigen, Audit-Programm teilnimmt. Da ist man beschäftigt, weg von der Straße und kann die dafür eingesetzten Mittel nicht für womöglich Schlimmeres ausgeben.

Günter Lüdeking / 25.03.2016

Verstand zertifizieren und dann so einen Blödsinn einfach sein lassen lassen? “Diversity-Management”. Ansonsten haben die keine anderen Probleme ? Ich komme da nicht mehr mit.

Jörg Frosch / 25.03.2016

Hallo Herr Broder, na, das haben Sie ja wieder herrlich auf den Punkt gebracht, dass man die akademische von der Bedürfnisanstalt trennt. Sehr schön! Als ich seinerzeit an einer FH studierte, war der Platz für mehrere WC-Kabinen für Männlein und Weiblein (und das dazwischen) einfach nicht da, die Hochschule war frisch entstanden. Also wurden 4 Kabinen für alle gebaut, plus zwei Kabinen mit PP-Becken. Fertig, ohne Brimborium, ohne große Preisverleihungsveranstaltung. Dies geschah in Abstimmung mit der (damals noch normalen) Studentenschaft, weil man ja als gelernter Europäer die Kabinentür ohnehin schließt. Diese ganze Pseudowissenschaftsduselei, dieses um sich selbst kreisen geht mir gehörig auf den Wecker. Wissenschaftliche Arbeit scheint kaum noch möglich oder gar gewünscht zu sein. Ich meine damit richtige Wissenschaft, nicht diese Faschings"wissenschaft”, die mittlerweile im Wissenschaftsbetrieb ein sichselbst erhaltendes System darstellt. Man vergleiche nur mal die Anzahl der Lehrstühle für Gender Mainstreaming und den ganzen daran angeknüpften Mumpitz mit der Anzahl der Lehrstühle für Physik oder andere richtige Wissenschaften. Eine ehemalige Bekannte von mir (sie redet nicht mehr mit mir) ist an der HU Berlin in diesem Transgenderdingensinstitut “tätig” und als wir noch miteinander redeten, konnte sie mir nicht konkret sagen, inwiefern die Neudeutung von Wörtern (siehe Neusprech in “1984”) den modernen Frauen auf ihrem Weg nach oben weiterhilft. Auf meinen Einwand hin, dass es ja auch womöglich am falschen Studienfach liegen könnte, dass die Frauen weniger Leitungstätigkeiten in produzierenden Betieben innhaben, musste ich mir erstmal einen längeren Monolog üder das Patriarchat, den Kapitalismus und überhaupt die Schlechtigkeit der Welt anhören. Schlagworte wie “Eigenverantwortung”, “Forscherdrang” oder “Erfindergeist” haben in der Denkweise dieser Steuergeldempfänger keinen Platz, “Eigenverantwortung” ist sogar vom Teufel selbst! Es ist ja immer wieder die gleiche Denkweise, egal ob Genderdingensvermittler, Hausbesetzer, “Aktivist gegen Irgendwas” oder anderer Leistungsempfänger: die Leistungserbringer und deren böser kapitalistischer Staat haben den Mund zu halten, wenn sie beschimpft werden, und ansonsten immer schön die Penunze rüberzuschieben. Nunja, mal sehen, wie lange das Geld reicht.

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