Gastautor / 06.11.2016 / 14:01 / Foto: Pete Sheffield / 8 / Seite ausdrucken

Was für die Kinderehe spricht

Von Thomas Baader.

Die erzliberale ZEIT schreibt: Eine pauschale Aberkennung solcher Ehen ist aus unserer mitteleuropäischen Sicht zwar konsequent und trifft die Meinung des Mainstream. Aber der Schutz der Frauen wird damit außer Kraft gesetzt. Das heißt, die Ehe, die das Mädchen in ihrem eigenen Herkunftsland geschlossen hat, fand unter anderen sozialen und rechtlichen Bedingungen statt. Deshalb müssen diese Ehen im Einzelfall gründlich geprüft werden. Und das nicht, um den Frauen zu schaden, sondern um sie zu schützen. Und wenn der Bundesjustizminister Heiko Maas mit seinem Gesetzesvorhaben in diese Richtung lenkt, dann handelt er genau richtig.

Daraus könnte eine Serie werden. Im Wochentakt geht es weiter mit: "Was für die Sklaverei spricht", "Was für die Zwangsprostitution spricht", "Was für das Schlagen von Kindern spricht", "Was für die Genitalverstümmelung spricht", "Was für Pädophilie spricht"...  

In einem protestantischen Pressedienst war neulich zu lesen, das Verbot der Kinderehe in Deutschland entspreche keineswegs den familienpolitischen Vorstellungen in anderen Teilen der Welt. Man müsse dabei auch an die Folgen für die Homo-Ehe denken, die in vielen Staaten ebenso unerlaubt wäre wie bei uns die Kinderehe: Es geht hier allein um die Frage, ob die Rechtsakte ausländischer Staaten annulliert werden sollen. Das hat innerstaatliche und völkerrechtliche Konsequenzen. Innerstaatlich bedeutet die Annullierung die strafrechtliche Verfolgung der Ehemänner wegen sexuellen Missbrauchs. Die Jugendämter wären gezwungen, die betroffenen Mädchen wegen Kindeswohlgefährdung aus diesen Familien herauzunehmen. Völkerrechtlich könnten andere Staaten entsprechend handeln. So widersprechen "eingetragene Lebensgemeinschaften" homosexueller Paare dem Recht in vielen anderen Staaten. Sollen sie bei deutschen Staatsbürgern auf ihrem Hoheitsgebiet ebenfalls diese Ehen annullieren? Mit der Rechtsfolge einer Verfolgung wegen des dort geltenden Strafrechts zur Verfolgung Homosexueller?

Aber es gibt auch Menschen, die von den Vorteilen der Kinderehe nichts wissen wollen. Frühverheiratungen sind eine Menschenrechtsverletzung. Minderjährige können die Folgen einer Heirat noch nicht abschätzen. Oft sind diese für die jungen Frauen verheerend. Mädchen, die jünger als 15 Jahre sind, sterben fünf Mal häufiger bei der Geburt ihrer Kinder als Frauen in den Zwanzigern. Schwangerschaft ist für 15-19-jährige Frauen weltweit Todesursache Nummer eins. Außerdem sind sie besonders gefährdet, in ihrer Ehe häusliche und/oder sexualisierte Gewalt zu erfahren.

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Leserpost

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Volker Kaneke / 07.11.2016

Der Leserbrief von Stefan Oxman spricht mir aus der Seele. Besser könnte ich meine Gemütsverfassung nicht beschreiben. Es gibt offensichtlich keine Idiotie, die man nicht mit wohlgesetzten Worten begründen kann.

Jürgen Ritter / 07.11.2016

Das ist nicht mehr mein Land. Was derzeit an außen- wie innenpolitischem Murks veranstaltet wird, bereitet mir tiefe Sorgen. Der Verlust an Autorität, Glaubwürdigkeit und Staatlichkeit, die Ablehnung gegenüber der politischen Nomenklatura sind irreparabel. Man wendet sich mit Ekel ab - und auch im Zorn, denn man erkennt, dass man den Auflösungsprozessen nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Stephan Oxmann / 06.11.2016

Sowas ist mir einfach zu viel. Früher habe ich mich regelmäßig aufgeregt und auch mal entsprechende Kommentare im Internet verfasst. Inzwischen bin ich an einen Punkt gelangt, an dem ich einfach keine Massenmedien mehr konsumiere,  mich allenfalls auf die Lektüre von relativ neutral gehaltenen ausländischen Newstickern beschränke, weil mir der alltägliche Wahnsinn schlicht und einfach meine Kapazitäten übersteigt.  Ich kann es kaum noch glauben und mein Empörungsreflex stumpft bedrohlich ab. Ist das schon ein erstes Zeichen von Verblödung, wenigstens von geistiger Verrohung? Verblöden möchte ich nämlich nicht. Da mache ich nicht mit. Medienabstinenz als Selbstschutz, quasi. Eine bessere Idee habe ich momentan nicht, wie ich damit umgehen soll. Gut jedenfalls, dass es noch Medien wie die “Achse” gibt!

Gabriele Klein / 06.11.2016

....Es geht hier allein um die Frage, ob die Rechtsakte ausländischer Staaten annulliert werden sollen….. Also das ist schon ein Ding, Das Problem der Kinderehe tritt vorrangig im Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten unkontrollierten Massenflucht in unser Land auf.  Der Flüchling ist allerdings nur einer im Sinne der Genfer Konvention wenn er vor einem System flieht das Menschenrechte verletzt….... Und jetzt auf einmal der Rekurs auf Reziproke Anpassung zwischen Flucht und Gastland die halt nur etwas “unterschiedlicher” Rechtssysteme haben?  Wenn das “Rechtssystem” vor dem die Leute hierher fliehen als Partner für Abkommen rechtlicher Art in Frage kommt , dann würde ich sagen haben diese Leute logischerweise keinen Fluchtgrund mehr ......  Einen Fluchtgrund sehe ich nur für Menschen die Rechtssysteme fliehen, die mit den Menschenrechten nicht kompatibel sind und die sich somit für “Abkommen” respektive Rechtspraktiken von vornherein disqualifizieren.

Gisela Tiedt / 06.11.2016

Wir werden uns in naher Zukunft noch mit einem anderen Problem auseinander setzen müssen: der Ehe zwischen Verwandten. Auch in Deutschland ist eine Ehe zwischen Cousin und Cousine erlaubt. Dass das hier kein ernsthaftes Problem ist, hängt mit der geringen Neigung von Deutschen zusammen, solche Ehen zu schließen. Wo es aber ein Normalfall ist, steigt die Anzahl behinderter Nachkommen.

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