Die Debatte über den brutalen Angriff auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz nimmt immer absurdere Züge an. Inzwischen ist kaum noch davon die Rede, dass diese Gewalt generell inakzeptabel sei. Keine Spur mehr vom Nachdenken darüber, inwieweit der staatlich geförderte Ausgrenzungskurs gegenüber jedem, der auch nur einer Nähe zu irgendeiner AfD-Aussage verdächtig war, mit verantwortlich dafür sein könne, dass AfD-Vertreter in manchen Teilen der Gesellschaft als legitime Angriffsziele gelten. Jetzt geht es meist nur noch darum, ob die AfD und Angriffs-Opfer Magnitz den Überfall übertreiben und instrumentalisieren könnten, während das doch eigentlich gar nicht so schlimm gewesen sei. Als Zuschauer, Leser und Hörer bekam man zuweilen den Eindruck, dass alles nicht so schlimm sei, wenn kein Kantholz als Waffe benutzt wurde, wie ursprünglich berichtet wurde.
Plötzlich diskutierte man allerorts darüber, ob die Täter nun in Tötungsabsicht oder doch nur mit dem Ziel einer schweren Körperverletzung gehandelt hätten. Zuweilen klang es so, als ob Letzteres mehr Verständnis verdienen würde. Eine zentrale Rolle spielten bei der Bewertung des Vorgangs logischerweise die Aufnahmen von Überwachungskameras, die bekanntlich vor Kurzem veröffentlicht wurden. Und sie sind nun umstritten, wie beispielsweise die Welt berichtet.
„Nach dem Angriff dreier unbekannter Täter auf den AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz streiten die Polizei und die Bremer AfD über die von den Sicherheitsbehörden veröffentlichten Video-Sequenzen, die den Tathergang dokumentieren. Während die Polizei der Hansestadt betont, dass es sich bei dem veröffentlichten Filmmaterial um das Original-Video handele, und jeden Manipulationsverdacht für abwegig erklärt, hegt die AfD Zweifel an der Aussagekraft der Bilder.“
Eine Lücke ist vorhanden
Das am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bremen veröffentlichte Video würde „nur die Anfangs- und Endsequenzen der Tat“ zeigen, habe die AfD demnach moniert. Die „mangelnde Qualität“ lasse zwar zu, „den Einsatz eines Kantholzes auszuschließen“, doch ob der Angriff möglicherweise mit einer anderen Waffe ausgeführt worden sei, werde mit dem Video nicht beantwortet. In der Welt heißt es weiter:
„Wenige Stunden [nach der Veröffentlichung] bedauerte die Bremer Polizei auf ihrem Twitter-Kanal „eine zunehmend unsachlich geführte Diskussion um das Video zur Öffentlichkeitsfahndung im Fall #Magnitz“. Sämtliche, vor allem in den diversen sozialen Medien erhobenen Manipulationsvorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage.“
Es mag sein, dass niemand die Aufnahmen gezielt nachbearbeitet hat, doch ist es augenscheinlich tatsächlich so, dass in dem präsentierten Video einige Sekunden des Tatablaufs fehlen. Auf den Bildsprung weist beispielsweise ein junger Bremer recht genau hier auf YouTube hin. Was nach einem Schnitt aussieht, muss freilich keiner sein. Es kann auch sein, dass diese Sekunden schon in der Aufzeichnung gefehlt haben. Aber eine Lücke ist auf jeden Fall vorhanden, wie ja auch die Bremer Staatsanwaltschaft einräumt:
„Der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft Frank Passade verwies auf Anfrage von WELT AM SONNTAG darauf, dass die Videos von Bewegungs-Überwachungskameras stammten, die Bilder nur aufnähmen, wenn sie „ein bestimmtes Maß an Bewegung“ registrierten.
Dadurch entstehe womöglich der unzutreffende Eindruck, das Material sei an entscheidender Stelle geschnitten worden. Passade verwies darauf, dass Magnitz als Opfer der Tat jederzeit sämtliche aufgezeichneten Bilder des Tatabends anschauen könne.“
Ob diese Erklärung zur Lücke stimmig ist, lässt sich nur sagen, wenn man weiß, in welchem Bereich die Bewegungsmelder eine Aufzeichnung auslösten. Manchmal können es auch einfach peinliche technische Fehler sein, alles ist möglich. Nur lässt sich in der Tat angesichts dieser Lücke mit dem Video auch nicht beweisen, dass es keinen Einsatz einer Waffe oder eines waffenähnlichen Gegenstands gegeben hat. Es sind solche vollmundigen Aussagen, die die Zweifel nähren. Die beklagte „zunehmend unsachlich geführte Diskussion um das Video“ wurde erst auf der Basis dieser Zweifel möglich. Egal welche Ursache der Bildsprung an der heiklen Stelle hat, der Versuch, eine Aussage aus dem Video abzuleiten, die nur ohne eine solche Lücke tragbar wäre, hat einfach einen schalen Beigeschmack.
Dieser Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Egal wie geschlagen wurde, heftige Bewegungen aktivieren funktionierende Sensoren. Das feine Bremen kann nicht anders als zu sagen: Ich stinke nicht.
Und was ist mit dem Bauarbeiter, der dazwischen gegangen ist und Schlimmeres verhindert hat? Der ist doch in so einem Fall auch Zeuge. Oder ist er spurlos verschwunden, so ganz klammheimlich? Der müsste evtl. durchaus einen Gegenstand gesehen haben. So langsam stinkt das Alles. Werden neuerdings Delikte mit Tötungsabsicht legalisiert, wenn es der politischen Ideoligie nützt? Wenn das so wäre, na dann, schöne Grüße aus dem Jenseits von Adolf H.
Ich habe mir das Video auch angesehen und mich gewundert, dass noch niemand die Lücke thematisiert hat, die da ganz offensichtlich zu erkennen ist. Man sieht den Tathergang erst, als Magnitz bereits im Fallen ist. Magnitz und der Täter sind praktisch eins, keine Annäherung an das Opfer ist zu erkennen. Das ist gelinde gesagt sehr merkwürdig. Außerdem verstehe ich nicht, wie in einigen Medien über einen Raubüberfall - und damit ein unpolitisches Motiv - spekuliert werden konnte. Die Täter hätten in diesem Fall ja wohl ihr Opfer nach Geld durchsuchen müssen.
GAR nichts fehlt da. Videosequenzen werden aus „keyframes“ (diese enthalten ein vollständiges Bild) und aus „intraframes“ (diese zeichnen nur Veränderungen zum letzten „keyframe“ auf) kompiliert. Wenn zwei geschnittene Sequenzen zusammengefügt werden, dann endet die vorlaufende mit „intraframes“ und es beginnt die nachlaufende mit einem „keyframe“. „Keyframes“ und „intraframes“ lassen sich mit einer Videosoftware wie z. B. AviDemux 2.60 schrittweise ansteuern und es zeigt sich, dass die Handelnden nicht plötzlich mit einem „keyframe“ eingeblendet werden, sondern in einer Folge von „intraframes“ auftauchen. Das verzögerte Erscheinen der Handelnden in der Sequenz von „intraframes“ ist ein Artefakt, das sich aus der Technik ergibt. Das folgende Bild zeigt das Auftauchen der Handelnden in einem „intraframe“, wobei diese auch noch halbtransparent sind. In einem „keyframes“ (Vollbild einer Videosequenz) wäre die Halbtransparenz nicht vorhanden.
Der springende Punkt ist, dass in der Anfangssequenz des zweiten Videos der Täter bereits auf Magnitz draufhängt. Ob davor bereits Angriffe stattgefunden haben, lässt sich nicht sagen. Wenn ich mir das Video ansehe, sehe ich auch keinen Fußtritt in den Rücken und mindestens zwei Schläge, dabei scheint der Täter auch etwas in der Hand zu halten. Was es ist, kann ich nicht sagen, da müsste ich die Bauarbeiter fragen, Mit Sicherheit kann aber niemand, weder Journalisten noch Justiz, aus diesem Video ableiten, dass kein Schlaggegenstand genutzt wurde.