Ulrich Sahm, Gastautor / 08.08.2015 / 23:56 / 7 / Seite ausdrucken

Was einen hinterhältigen Anschlag von einem unmenschlichen Terrorakt unterscheidet

Ulrich W. Sahm

2011 drangen zwei Palästinenser aus dem Dorf Awarta bei Nablus in das Haus der Familie Vogel in der Siedlung Itamar ein und schlachteten die schlafenden Menschen mit Messern ab, drei Kleinkinder und deren Eltern.

2015 haben bislang unbekannte Täter, mutmaßlich „extremistische Juden“, durch offene Fenster Brandbomben in zwei Familienhäuser im Dorf Duma bei Nablus geworfen. Das eine Haus war leer, so dass niemand zu Schaden kam. Im anderen Haus verbrannte das 18 Monate alte Baby Ali Dawabsche. Die Eltern und ein kleiner Bruder erlitten lebensgefährliche Verbrennungen, denen der 29 Jahre alte Vater wenig später erlag. Die Täter ließen es darauf ankommen, dass sie Menschen töten oder verletzen. Welche der beiden Mordtaten ist moralisch abscheulicher?

Fragen wir beim Auswärtigen Amt in Berlin nach. Dort wird sauber differenziert. Nicht die jeweilige Tat steht im Vordergrund, sondern die Täter. Das wiederum führt zu einer extrem diplomatischen Wortwahl in den offiziellen Verlautbarungen. Der folgende Vergleich besagt alles:

Zu dem „Anschlag“ auf die Fogel-Familie in der Siedlung Itamar erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am 12.3.2011: “Ich verurteile diesen grausamen und hinterhältigen Anschlag. Für solche Taten gibt es keine Rechtfertigung. Die Täter müssen schnell gestellt und zur Verantwortung gezogen werden. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.”

Das Auswärtige Amt erwartete zwar, dass die Täter gestellt werden und zur Verantwortung gezogen werden, sah aber die palästinensische Autonomiebehörde nicht in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass dies geschieht.

Zu dem Brandanschlag, bei dem ein palästinensisches Baby ums Leben gekommen ist, erklärt das AA in Berlin: „Die Bundesregierung verurteilt diesen unmenschlichen Terrorakt in aller Schärfe. Die Brutalität, mit der die Familien in ihren Wohnhäusern mit Brandsätzen angegriffen wurden, ist schockierend. Wir trauern mit den Familien um den Tod des kleinen Kindes. Wir begrüßen es, dass die israelische Regierung diese Tat mit unmissverständlichen Worten verurteilt hat und der Verfolgung der Täter höchste Priorität einräumt.“

Wenn Palästinenser Juden „grausam und hinterhältig“ ermorden, ist man in Berlin weder von dem „unmenschlichen Terrorakt“, noch von der „Brutalität“ geschockt. Es handelt sich nur um einen „Anschlag“ und nicht um Terror. Statt Trauer gibt es nur „Gedanken”, die “den Angehörigen der Opfer“ gelten.

Wenn jedoch (mutmaßlich) Juden ein palästinensisches Baby töten, handelt es sich um einen „unmenschlichen Terrorakt“ von schockierender Brutalität.

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Leserpost (7)
Axel Wahlder / 11.08.2015

Grausamkeit ist halt menschlich und Terror - wohl brutal. Schockierende Brutalität ist übergrausam und, folgerichtig, unmenschlich.

Lambert Matthes / 10.08.2015

Ich habe meinen Tee wegen Unwohl-Sein nicht mehr zu Ende trinken können, als ich den Kommentar von Hrn. Kaacksteen (hier unten oder oben) las. Dem Text von Hrn. Sahm kann ich auch beim schlechtesten Willen nicht entnehmen, dass er den Anschlag/Terrorakt A.D. 2015 nicht verurteilt. “Mit zweierlei Maß messen”, das ist doch das, worum es in dem Text geht, und den meisten Lesern (so hoffe ich) ist die Darstellung von Hrn. Sahm sehr einleuchtend. (Übrigens bin ich auch der festen Überzeugung, dass die beiden Untaten von denen die Rede ist, von Juristen im direkten Vergleich doch etwas unterschiedlich - zu Recht - gewertet würden). Ich habe mich gefragt, wie kommt das, dass das AA (‘wir stehen fest an Israels Seite’ und ähnliche Sonntagssprüche) solche Erklärungen abgibt. Vielleicht müsste man nur wissen, wer denn der Autor / Autorin (oder zumindest ‘Ausschmucker /Ausschmuckerin’) dieser Erklärung ist; auch hinter den Verlautbarungen des AA stehen ja konkrete Menschen. Und da fällt mir ein, dass eine Sprecherin des AA eine gebürtige Palästinenserin ist, eine SPD-Parteibuchfrau und m.E. Quoten-Migrantin. Ein Schelm, der sich etwas dabei denkt.

Francesco Salatino / 09.08.2015

Terroristische Attacken von radikalen Juden gegen Palästinenser sind sehr selten,  umgekehrt ist der palästinensiche Terror gegen Juden und Israelis fast täglich. An den islamischen Terror hat man sich gewöhnt, wie an Unfalltote auf Strassen und Autobahnen.  Palästinenser und Hamas sind Meister der Propaganda und nutzen die Lage aus, um ihren Hass und Vernichtungswillen (gemäß Koran) zu rechtfertigen.

Daniel Oehler / 09.08.2015

Jeden Tag werden in Syrien und Irak sowohl Sunniten als auch Schiiten von Extremisten aus dem anderen Lager verjagt, vergewaltigt oder ermordet. Leider haben wir uns an hohe Opferzahlen gewöhnt und ein Ende ist nicht in Sicht. Bei den zwanghaft auf Palästina fixierten zählen zwei von jüdischen Extremisten getötete Palästinenser mehr als Hunderttausende Opfer islamistischer Gewalt in Syrien und Irak. Die Fratze des modernen Antisemitismus zeigt sich an solchen Dingen. Wem es ernsthaft um seinen Mitmenschen geht, bewertet die Ernsthaftigkeit eines Konfliktes nach der Zahl der Opfer, nicht nach dem Umfang der Beteiligung von Juden.

Thomas Klingelhöfer / 09.08.2015

Danke für das Aufzeigen von Heuchelei und “double standards”, Herr Sahm. Die dahinter aufscheinende Gesinnung der Akteuer könnte Anlaß zur Sorge sein.

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