Venezuelas Präsident Nicolás Maduro verkündet am 24. Oktober 2013 den Aufbau eines Viceministerio para la Suprema Felicidad Social del Pueblo: „Ich habe es nach unserem Kommandanten [Hugo] Chávez [1954-2013] und unserem [Simon] Bolivar [1783-1830] benannt.“ Es soll alle Behörden zur Beseitigung der Armut koordinieren und schafft dafür begehrte Positionen in der längst überdehnten Bürokratie.
Witzbolde lassen nicht auf sich warten: „Es sind kaum 24 Stunden her seit der Gründung des ‚Vizeministeriums für das Höchste Soziale Glück des Volkes‘ und schon fühle ich mich glücklich“, kommentiert der Komiker Luis Chátaing. „Ich hoffe, dass Maduro eines Tages ein Vizeministerium für Bier gründet, um mich und alle Säufer glücklich zu machen“, träumt der Bananenverkäufer Victor Rey. „Erst dachte ich, dass Maduro einen Scherz gemacht hat (...), heute aber sah ich, dass es wahr ist, er hat ein Amt für das Glück geschaffen.“
Seit 2013 ist Venezuelas Pro-Kopf-Einkommen von knapp 8.000 auf gut 3.000 US-Dollar gefallen. Was das für die zu beglückenden Armen bedeutet, lässt sich besser über Kaufkraft (Dollar pro Kopf) einschätzen. Bei ihnen geht es von knapp 19.000 auf gut 11.000 herunter. Dieser Niedergang trifft eine Bevölkerung, die seit der neuen Behörde von gut 30 auf knapp 33 Millionen Einwohner zulegt, von denen aber bald 2,5 Millionen im Exil leben.
Der junge Gegenpräsident Juan Guaidó (*1983) dürfte sich hüten, den verzweifelten Landsleuten Glück in Aussicht zu stellen. Das Land wird die dafür erforderlichen Mittel nicht mehr verdienen können. Die heimischen Ölreserven sind zwar groß, aber schon Maduro scheitert 2017 mit seinen Appellen an die OPEC, die Weltölpreise hochzutreiben. Jeder neue Regierungschef wird es noch schwerer haben, weil Russland und Saudi-Arabien – als größte Energie-Exporteure der Welt – soeben beschlossen haben, das Kaputtkonkurrieren der US-Shale-Fracker durch Preisunterbietung einzustellen.
Die USA kommen als zuvor größter Abnehmer nie mehr zurück. Gerade sie aber verfügten über die Spezialraffinerien für Venezuelas schwefelreiches Petroleum, das nach jüngsten globalen Regelungen etwa für das Betreiben von Schiffen nicht mehr erlaubt ist. Alternativen zu Rohstoffen gibt es kaum. Die Automobilproduktion liegt seit 2014 still. Für einen Hightech-Sektor, in den man gegen weiteres Absinken doch aufsteigen müsste, gibt es kein Personal. Auch weniger bizarr regierte Nachbarn geben diesbezüglich keine Hoffnung. So führt etwa Brasilien beim Pro-Kopf-Einkommen gegen China im Jahre 1980 mit 4:1. Heute nähert man sich einem 5:1 für das Reich der Mitte (errechnet). Das setzt eine durchschnittliche Cognitive Ability von rund 100 gegen 80 in Lateinamerika (1).
Eine politische Wende würde schon viel erreichen, wenn sie die Regierungskriminalität beendet und die Stimmung in der Karibik aufhellt; denn Venezuela steht mindestens so repräsentativ für die Gesamtmalaise Lateinamerikas wie für seine lange Reihe an Operetten-Diktatoren.
Gunnar Heinsohn (*1943) lehrt seit 2010 Kriegsdemographie am NATO Defense College (NDC) in Rom. Am 23. Oktober 2018 hat er in Stavanger die Grundsatzrede zum 15. Geburtstag des Joint Warfare Center (JWC) der NATO gehalten.
(1) Gunnar Heinsohn, “Security Implications of Demographic Trends”, NATO Defense College (NDC), course 133, 16-01-2019
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""Venezuelas Präsident Nicolás Maduro verkündet am 24. Oktober 2013 den Aufbau eines Viceministerio para la Suprema Felicidad Social del Pueblo"" - DAS Glücksministerium. Auch DE hat ein solches schon sehr lange, es heisst hier Wirtschaftsministerium und sein Apostel ist ein Hr. Altmaier.
Wie definiert man denn die dafür notwendigen "Glücks-Einheiten" (Happiness-Units)? Denn ohne Glücks-Statistiken kann ein "Glücksministerium" nicht den Erfolg oder Misserfolg eigener Maßnahmen überprüfen. Dazu müssen irgendwelche Glücks-Einheiten aufsummiert und mit Unglücks-Einheiten (Misery-Units) gegengerechnet werden.
Lieber Herr Heinsohn, das machen die Leute in Buthan besser und zurückhaltender als die Blechkommunisten Venezuelas. Für Buthans Gesellschaft gilt ohne große Herausposaune Glück als das erste gesellschaftliche und persönliche Lebensziel. Nö, reich an materiellem sind die auch nicht, aber sie kommen gut klar und hängen auch definitiv keinen Heilsversprechen nach. Die Sozialisten behaupten ja grundsätzlich, sie hätten den Stein der Weisen im Enddarm gebunkert. Und führen dann eine Gesellschaft nach der anderen ins Chaos. Dabei sind linke Einflüße auf die Gesellschaft eigentlich auch sehr wichtig. Aber das endmeinungsmäßig totalitäre und autoritäre kriegen sie nicht aus ihren Genen.
Bei uns heißt dasselbe Ministerium "Umweltministerium", in dem eine glückliche Verblödete weiterhin behaupten darf, alle Grenzwerte würden überschritten. Wir sollten weniger auf Venezuela zeigen als uns an die eigene Nase zu fassen.
Alle Schaf, die blöken "Frieden", werden ihn vom Metzger kriegen (aus dem 30j. Krieg)
Mathematik und Naturwissenschaften werden in Deutschland von den meisten Politikern abgelehnt. Vermutlich weil sie den Widerspruch zwischen den Narrativen der Rot-Grünen Weltverbesserer, zu denen zwischenzeitlich auch die CDU/CSU zu rechnen ist, und der Realität aufzeigen. Dem Kampf gegen Rechts wird nunmal alles untergeordnet. In Anlehnung an die Weissagung: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ kann man sagen: "Erst wenn das letzte Kraftwerk stillgelegt, das letzte Unternehmen pleite und der letzte Betrieb geschlossen ist, werdet ihr erkennen, dass Harz IV Empfänger keine Steuern zahlen."
Venezuelas Lage ist nicht zu vergleichen mit der Deutschlands. Wir haben ~1.500 Mittelstandsbetriebe, die auch Weltmarktführer sind (Schrauben-Würth z.B.) Sonst gibt es noch Zehntausende gute Firmen. Deren Innovationskraft ist vorbildlich. Eine Geld-Abhängigkeit von Rohstoffen gibt es nicht. Fehlendes Personal wird durch neue Technik (noch) ersetzt. Sozial-Maßnahmen verhindern wirkliche Armut. Korruption ist hier eher gering, die Sicherheit noch hoch. Ergo , faktisch unnormal ggü. der Welt. Vergleichbares gibt es ohnehin nur in westlichen Demokratien. Aber, wir leben m.E. von Reserven aus der Zeit vor der Regierung Merkel. Es gibt die AfD, die Risse in der Politik sieht und Änderungen will. Dieser Machtkampf war in der in der alten BRD unbekannt. Die Altparteien sind irritiert bis ins Mark. Die kolportierten Probleme, wie bei der Bahn, bei der Energieversorgung, den Straßen- und Brückenzuständen usw. sind fast immer Luxusprobleme. In vielen anderen Ländern funktioniert dagegen -- fast -- nichts. Das Vertrauen in die deutsche Politik, Verbesserungen zu bewirken, ist leider -- fast -- weg !