Felix Schnoor, Gastautor / 23.08.2012 / 11:09 / 0 / Seite ausdrucken

Was bracht der Mensch zum Leben?

Felix Schnoor

Wenn Linke ihre „Umfairteilungspläne“ rechtfertigen wollen, argumentieren sie häufig, dass sie ganz, ganz viele Reiche kennen, die gern einen höheren Beitrag zum Allgemeinwohl leisten würden. Da wird dann regelmäßig auf Leute wie Warren Buffett oder den Hamburger Reeder Peter Krämer verwiesen.

Wenn das also ein Argument sein soll, dann kann man es ja auch einfach umdrehen: Von meiner ersten Million trennen mich etwa 999.000. Ich bin ein armer Student. Und ich bin gegen eine höhere Besteuerung der sogenannten Reichen. Warum, will ich am Beispiel der Forderungen der Linkspartei erklären.

Die Vorsitzende Katja Kipping fordert eine Gehaltsobergrenze von 40 000€ im Monat. Alles, was darüber hinaus geht, würde zu 100% dem Fiskus zugeführt werden. Denn: „Ab 40.000 Euro im Monat gibt es kein Mehr an Lebensgenuss.“

Woher sie das weiß, sagt sie nicht. Schaut man sich ihre Vita an, erscheint es recht unwahrscheinlich, dass sie schon einmal annähernd so viel Geld verdient hat. Bisher lebte sie – wie sich das für eine anständige Linke gehört – überwiegend auf Kosten des Steuerzahlers. Vielleicht fehlt ihr ja auch einfach nur die Fantasie, um sich vorzustellen, was man mit so viel Geld alles anfangen könnte. Dafür verdient sie Mitleid. Bei Günter Jauch ergänzte Kipping dann, dass sie sich gern von „Reichtumsexperten“ (anscheinend gibt es so etwas) überzeugen lassen würde, dass die Gehaltsobergrenze zu niedrig ist. Gott sei Dank.

Die ideale Einkommensuntergrenze hat die gebürtige Dresdenerin natürlich auch gleich parat: 1050€.

Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Präzision Linke immer wieder angeben können, wie viel Geld ein Mensch zum Leben braucht. Ihr grob gestricktes Menschenbild kommt bei derartigen Vorschlägen gut zur Geltung: Alle Menschen sind gleich und haben die gleichen Bedürfnisse. Und wenn sie nicht gleich sind, werden sie gleich gemacht.

Aber: Wenn Leistung und die Übernahme von Verantwortung nicht marktgerecht belohnt würden, würden immer weniger Menschen bereit sein sich anzustrengen. Das Resultat wäre dann, dass Führungspositionen von mittelmäßigen und häufig korrupten Leuten übernommen würden. Oder von Paarteifunktionären, wie es im Ostblock der Fall war.

Und das wäre der Anfang vom Ende des Wohlstands. Wenn das spätere Einkommen von vorneherein begrenzt ist, werden potenzielle Unternehmensgründer auch nur begrenzt Zeit und Geld in ihr Projekt investieren. Ganz sicher aber würden Investitionen ausbleiben und somit Arbeitsplätze vernichtet werden. Und das beträfe dann nicht nur die Reichen, sondern auch die Armen, die so in die Abhängigkeit des Staates getrieben würden.

Außerdem: Durch die hohe Einkommensuntergrenze von über 1000€ würde der Arbeitseinsatz der Menschen weiter untergraben werden. Warum soll ich mich anstrengen, wenn ich auch ohne etwas zu tun, gutes Geld vom Staat erhalte? Es ist allerdings fraglich, was dieses Geld dann noch wert wäre.

Derartige Regelungen führen dazu, dass Innovationen, Vielfalt, Freiheit und Wohlstand auf der Strecke bleiben, zu Gunsten eines sozialistischen Einheitsbreis.

Nicht anders verhält es sich mit den Vorschlägen der Ikone der sozialistischen Bewegung in Deutschland und Autorin von Werken wie „Freiheit statt Kapitalismus“, Sahra Wagenknecht: Nur durch eine Vermögensabgabe (besser: Enteignung) der Millionäre könne Gerechtigkeit hergestellt werden. Bei Sandra Maischberger sprang ihr gestern der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, zur Seite, der fleißig aufzählte, wo in diesem Land unzählige Milliarden fehlen würden und weshalb dieser Vorschlag quasi alternativlos wäre.

Es ist Zeitverschwendung sich genauer mit seinen Aussagen zu beschäftigen. Stellen Sie sich einfach die folgende Frage: Angenommen, es würde zu der geforderten Vermögensabgabe kommen, würden dann Leute wie Ulrich Schneider verschwinden? Natürlich würden sie es nicht, sie würden stattdessen neue Forderungen stellen.
All jene Forderungen aus der linken Ecke der Republik haben zum Ziel, den “kleinen Mann” in die Abhängigkeit des Staates zu treiben und den einheitlichen und kontrollierbaren Menschen zu kreieren, um die Machtbasis der Verwalter auszuweiten.

So lange der Staat Steuergelder in Rennstrecken, Flughäfen und Konzerthäusern verbrät, ist der Ruf nach Steuererhöhungen unverschämt. Einmal davon abgesehen, dass Steuererhöhungen höchstens kurzfristig dem Staat mehr Einnahmen verschaffen (siehe Laffer-Kurve), könnte der Staat so viel Geld einnehmen wie er will, Politiker würden damit niemals auskommen. Wenn es um die Gründe für neues Schuldenmachen geht, sind die ansonsten so trostlosen Technokraten kreativ wie kaum ein Unternehmer. Fragt man den gemeinen (linken) Politiker, ob der Staat mehr Geld bräuchte, wird er mit einem klaren „Ja“ antworten.

Genau wie ein Heroinsüchtiger auf die Frage, ob mehr Stoff die Lösung seines Problems wäre.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Felix Schnoor, Gastautor / 14.03.2020 / 06:05 / 76

Coronavirus: Beten mit Scholz

Von Felix Schnoor. „Regierung sagt unbegrenzte Kredite zu“, so liest man aktuell auf allen Nachrichtenportalen. Es geht um die Bundesregierung und die Sprache, die diese…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 18.01.2015 / 10:06 / 3

Der Euro auf dem Weg zur Ramschwährung

Von Felix Schnoor Die schweizer Nationalbank gibt auf. Sie wird den seit über drei Jahren vorhandenen Mindestkurs von 1,20 CHF gegenüber dem Euro nicht weiter…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 12.06.2014 / 14:42 / 11

Taxistreik: Konkurrenz unerwünscht

Felix Schnoor Demonstrationen und Streiks in Berlin, London, Paris und vielen anderen Metropolen Europas und der Welt – die Furcht der Taxifahrer -und unternehmer vor…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 11.12.2013 / 15:03 / 1

Verzockt!

Felix Schnoor 168 Millionen Euro an Steuergeldern hat das Land Nordrhein-Westfalen mit griechischen Staatsanleihen verzockt, berichtet der Kölner Stadtanzeiger.  Mit diesem Geld sollten eigentlich spätere…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 12.10.2013 / 21:45 / 9

Was ist mitfühlender Liberalismus?

Felix Schnoor Auf einen mitfühlenden Liberalismus möchte der designierte FDP-Vorsitzende Christian Lindner in Zukunft setzen, um seine Partei wieder wettbewerbsfähig zu machen. FDP-Ehrenvorsitzender Genscher gibt…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 03.10.2013 / 07:55 / 1

Uncle Sam’s wirkliches Problem

Felix Schnoor Eine Last-Minute-Einigung im US-Haushaltsstreit blieb dieses Mal aus. Dies hat nun einen sogenannten Government Shutdown zur Folge. Glaubt man den Medien des Okzidents…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 31.03.2013 / 16:51 / 0

Freibier für alle, der letzte zahlt

Felix Schnoor Stellen Sie sich vor, Sie besuchen mit zehn guten Freunden Ihr Lieblingslokal. Es ist klar, dass jeder seine Bestellung selbst zahlt. Sie schauen…/ mehr

Felix Schnoor, Gastautor / 19.03.2013 / 21:31 / 0

Nach Zypern die Sintflut

Felix Schnoor  Groß war die Aufregung, als bekannt wurde, dass die Sparer mit ihren Einlagen am Rettungspaket für Zypern beteiligt werden sollen. Darauf hatten sich…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com