Der populäre deutsche Karikaturist Dieter Hanitzsch versteht die Welt nicht mehr: „Als Protest gegen TTIP habe ich heute am ‚Sonntagsstammtisch‘ [des Bayerischen Rundfunks] diese Karikatur mit der ‚Krake TTIP‘ gezeigt. Unerwartet wurde mir von Zuschauern Antisemitismus und Verwendung von Methapern antijüdischer Nazi-Propaganda vorgeworfen. Meine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen ist: Es erfüllt den Tatbestand der schweren Beleidigung, mir im Zusammenhang mit dieser Karikatur Antisemitismus und Verwendung von Stürmer-Metaphern vorzuwerfen. Ich behalte mir rechtliche Schritte dagegen vor. Was an dieser Karikatur antisemitisch sein soll, erschließt sich mir wirklich nicht. Dass die Nazis die Krake als Vehikel für ihre antijüdische Propaganda benutzt haben, kann doch nicht bedeuten, Kraken in der Karikatur grundsätzlich als antisemitisch zu verstehen und sie damit quasi zu verbieten! ‚Die Metapher der Krake gehört spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts zum Repertoire der Karikaturisten. Sie dient als Sinnbild für eine erdrückende, alles an sich raffende Übermacht.‘ (aus einem medienwissenschaftlichen Aufsatz)“
Bemerkenswert ist zunächst einmal die ostentative Naivität, mit der sich Hanitzsch auf seiner Facebook-Seite äußert. Eigentlich sollte man ja davon ausgehen dürfen, dass jemand, der als politischer Karikaturist seine Brötchen verdient, sich erstens schon einmal mit dem wohl bekanntesten aller Kraken-Cartoons – jenem von Josef Plank aus dem Stürmer von 1938 nämlich – und dessen antisemitischem Gehalt beschäftigt hat (der sich mitnichten darin erschöpft, dass die Nationalsozialisten eine vermeintlich unschuldige Symbolik zweckentfremdet haben). Und dass ihm zweitens die Debatte nicht entgangen ist, die es unlängst um die Kraken-Karikatur gab, die sein Kollege Burkhard Mohr von Facebook-Chef Mark Zuckerberg angefertigt hatte (für die Süddeutsche Zeitung übrigens, die auch zu Hanitzschs Auftraggebern respektive Abnehmern zählt). Insofern mag man ihm weder seine Verwunderung noch seine Ahnungslosigkeit so recht abnehmen. Mehr
... und nicht nur das, die Zeichnung ist auch ein Plagiat. Sie lässt keine eigene Idee erkennen, was dann wieder zur schon geäußerten Kritik passt.
Danke, Herr Feuerherdt, danke, mena-watch, wieder habe ich heute etwas gelernt: Der "Stürmer" hat irgendwann einmal eine Krake gezeichnet, also hat "Krake" seitdem gleichbedeutend mit "antisemtisch" zu sein? Da hat der Herr Hanitzsch ja noch mal Glück gehabt, dass keiner auf die Idee kam. "Krake"' sei islamophob, was in der heutigen aufgeheizten Atmosphäre schnell mal zu beruflicher und gesellschaftlicher Ächtung führen kann. Genau diese Befürchtung wird Herr Hanitzsch haben und deshalb gegen diese Unterstellung des Antisemitismus' rechtlich vorgehen wollen. "Krake" assoziiere ich, Jahrgang 1957, weniger mit dem " Stürmer" sondern eher mit "Datenkrake". Was da z.B. mit Patientendaten in unserem Gesundheitswesen bereits praktiziert wird, wenn Krankenkassensachbearbeiter sich erdreisten, Ärzte und Patienten über Krankschreibungen und Verordnungen "beraten" zu wollen und was künftig per gesetzlichem Zwang über die elektronische Gesundheitskarte vernetzt werden soll, gruselt mich viel mehr, als der hundertneunundneunzigste Nazi- oder Antisemitismusvergleich.
Hier muss man dann doch etwas differenzieren. Wenn man einen Juden als Krake mit Hakennase zeichnet ist das unzweifelhaft eine antisemitische Karikatur. Einfach nur eine Krake zu zeichnen mit US Hütchen auf und der Aufschrift US Konzerne bedient antiamerikanische Klischees, wird aber wohl kaum von der Masse der Bevölkerung mit Antisemitismus assoziiert. Vor allen dann nicht wenn das Vergleichsmaterial vor 80 Jahren in einer Zeitschrift publiziert wurde die praktisch niemand der heutigen Bevölkerung je gelesen hat. Wir werden zwar mit wöchentlichen Hitler Nachrichten von Spiegel und Co. genervt aber die Propagandabildchen aus dem Stürmer sind in den Köpfen wirklich nicht mehr präsent.