„Volksfront überm Büchertisch“ überschrieb die FAZ ihren Bericht über die Buchmesse oder - korrekter Büchermesse - „Seitenwechsel“ in Halle am Wochenende. Der Teaser fasste die Sichtweise der Autorin prägnant zusammen:
„Organisierter Angriff auf den Rechtsstaat: Wie Wertkonservative, Rechte und Rechtsextreme sich unter dem Vorwand der Kultur während der Büchermesse ‚Seitenwechsel‘ in Halle an der Saale am Wochenende in den Armen lagen.“
Beim Lesen solcher Zeilen muss ich mich fragen, ob ich wirklich auf der gleichen Veranstaltung auf dem Hallenser Messegelände weilte wie die Autorin. Ich konnte nicht wahrnehmen, dass dort der Angriff auf den Rechtsstaat organisiert wurde, eher die Klagelieder über den Niedergang des Rechtsstaats und die Sehnsucht nach seinem Erstarken. Außerdem kann ich versichern, dass alle, mit denen ich an diesem Wochenende in den Armen lag, gesichert nicht rechts- oder anderweitig politisch extrem waren. Natürlich fanden sich in dieser Messehalle unter Ausstellern und Besuchern auch so einige, in deren Armen ich weder liegen, noch sie jemals in den Arm nehmen möchte. Aber das ist normal und war auch auf jeder früheren Buchmesse so, die ich in meinem Leben besucht habe. Interessant wird es in einem solchen Fall, wenn ein kultivierter Streit gelingt.
Aber ausgerechnet manche journalistischen Prediger der Vielfalt vermochten selbige auf dieser lange im Vorfeld angefeindeten Buchmesse nicht zu erkennen. Im Tagesspiegel hieß es:
„Die laut Veranstaltern ‚vielfältige und farbenfrohe Buchmesse‘ vereinte das gesamte Spektrum der extremen Rechten – von der AfD-nahen Identitären Bewegung und ihr nahestehenden Verlagen bis hin zu Publikationen aus dem Umfeld der ehemaligen NPD (jetzt ‚Die Heimat‘).
Keine Splittergruppe war zu abseitig, um nicht doch mit einem Stand vertreten zu sein – als hätte Hieronymus Bosch ein Wimmelbild der extremen Rechten gemalt.“
Alle Schattierungen
Immerhin bei nd-aktuell.de – also einem Medienbetrieb, der aus dem SED-„Zentralorgan“ Neues Deutschland hervorgegangen ist – gesteht der Berichterstatter zu, dass sich dort nicht nur „extreme Rechte“ tummelten:
„Und ja, das Spektrum der Buchmesse bildet alle Schattierungen der deutschen Rechten ab. Vom Sturmzeichen-Verlag des Neonazis Sascha Krolzig, der die Zeitschrift ‚Nationaler Sozialismus Heute‘ herausgibt, bis zum liberalen Blog ‚Achse des Guten‘. Dementsprechend breit ist auch das Angebot an Veranstaltungen jenseits des reinen Bücherverkaufs.“
Ja, breit war das Angebot, allerdings scheint der Kollege hier nicht ganz auf dem neuesten Informationsstand gewesen zu sein, denn auf der Startseite von „Seitenwechsel“ stand schon vor Messebeginn unübersehbar, dass der Verlag Sturmzeichen kein Aussteller war.
„Entgegen verschiedener Veröffentlichungen hatte der Verlag zu keiner Zeit eine Zulassung zur Messe. Er gelangte über eine unzulässige Datenmanipulation im Ausstellerportal eines Ausstellers kurzzeitig ins digitale Ausstellerverzeichnis. Die Messeleitung hat umgehend beide Unternehmen von der Messe ausgeschlossen.“
Auch ein Zeit-Kollege schien etwas vorurteilsbehaftet zu dieser neuen Buchmesse gegangen zu sein:
„Normalerweise denkt man vor einem Messebesuch nicht über seine Kleidung nach. Am Wochenende nun war ich auf der Buchmesse ‚Seitenwechsel‘ in Halle an der Saale. Ich ziehe eine grüne Bomberjacke an und eine Fred-Perry-Beanie, das wird ja wohl reichen, um nicht weiter aufzufallen. Und es klappt, auf dem Weg zur Buchmesse, auf der sich rechte Verlage versammeln, werde ich von den Teilnehmern der linken Gegendemonstration als ‚Faschoschwein‘ angeschrien.“
Zumindest konnte er das Feindbild der Gegendemonstranten bedienen. Unter den zahlreichen Messebesuchern, die ich gesehen hatte, fielen Bomberjacken nun gerade nicht auf. Es herrschte die Kleidungsvielfalt, die man bei einem Messebesuch erwartet.
Die Staatsvertragssender reproduzierten die gleichen Vorbehalte, der regionale MDR im Ton nur zuweilen etwas moderater:
„Die Veranstaltung ‚Seitenwechsel‘ gilt als umstritten, weil neben konservativen und rechten Ausstellern auch Akteure der rechtsextremen Szene anwesend waren. Darunter befanden sich der Verlag Antaios, der seit 2024 vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextrem" eingestuft wird, und der Jungeuropa Verlag des Aktivisten der Neuen Rechten Philip Stein. Aufgrund des Ausstellerverzeichnisses wurde die Veranstaltung in der Öffentlichkeit als ‚rechte Buchmesse‘ wahrgenommen. Bekannte oder etablierte Publikumsverlage hatten nach Angaben der Veranstalter abgesagt.“
Eine Demonstration
„Umstritten“ reicht ja heutzutage als Chiffre für die Empfehlung, sich dort möglichst nicht sehen zu lassen, wenn man nicht in den Verdacht einer falschen Gesinnung kommen will. Umso deutlicher das Zeichen, dass 6.000 Besucher setzten, als sie die Messehalle augenscheinlich zeitweise an ihre Kapazitätsgrenzen brachten.
Insofern war es natürlich doch mehr als nur eine Buchmesse, denn es war eine Demonstration von Menschen, die sich nicht von fördermittelfinanzierten Organisationen im volkserzieherischen Ton vorschreiben lassen wollen, wohin sie gehen dürfen und wohin nicht. Laut den Buchmessen-Leugnern diente die Messe vor allem der weltanschaulichen Erbauung von Rechten aller Art und nicht den Büchern. Aber – zur Freude der Aussteller – ein Großteil der Besucher wollte Bücher kaufen. Von etlichen vertretenen Verlagen hörte man am Sonntagnachmittag, dass sie überraschend viel verkaufen konnten. Das Buch war also tatsächlich Kerngeschäft der Büchermesse.
Kurioserweise ist aber genau das das beinahe revolutionäre Signal von „Seitenwechsel“. Wenn Institutionen wie etablierte Buchmessen plötzlich auf Ausgrenzung statt Austausch setzen, dann lassen sich Alternativen schaffen. Hier hat es mit Susanne Dagen eine bekannte und engagierte Buchhändlerin mit ihren Mitstreitern gewagt, ohne Unterstützung durch staatliche Fördermittel eine eigene Buchmesse zu organisieren. Und die ist ein Publikumserfolg bei einem Publikum, das Bücher kauft. Damit ist es eben nicht nur, wie es viele Medienvertreter gern hätten, ein Bekenntnisprojekt. Sondern wirklich eine ersthafte Buchmesse.
Natürlich haben die meisten naserümpfenden Berichterstatter unter den Kollegen es nicht versäumt, darauf hinzuweisen, wie klein und unbedeutend diese Hallenser Büchermesse doch im Vergleich zu den großen Branchentreffen in Frankfurt und Leipzig wäre. Das ist natürlich richtig, aber die einen sind traditionsreiche Veranstaltungen, getragen von starken Schultern und begleitet von großer politischer Unterstützung, und die andere hatte mit viel Gegenwind, politisch unterstütztem Gegenprotest und Drohungen gegen Akteure vor ihrem ersten Anlauf zu kämpfen. Und dieses Debüt war ein Erfolg. Es wäre zu schön, dieser Aufbruch im Buchmesse-Markt würde irgendwann wieder zu dem führen, was ich etwas wehmütig vermisse: eine Buchmesse, auf der sich die gesamte Publikationslandschaft in ihrer vollen Breite darbietet, die nicht Interessantes versteckt und einen vom Ärgerlichen nicht verschont. Eine, die die Freiheit lebt, aber eben auch aus dem gesamten politischen und publizistischen Spektrum angenommen wird.
Ja, ich höre mit solchen Träumereien jetzt auf und freue mich erst einmal darüber, dass es „Seitenwechsel“ gibt und damit einen neuen Anlaufpunkt für freiheitsliebende Leser. Und das ermutigende Beispiel, was sich doch alles auf die Beine stellen lässt. Denn solcher Gründergeist ist ja derzeit äußerst rar im Lande. Auch das gehört zu der Wirklichkeit, die viele der Buchmessen-Leugner vielleicht nicht verstehen.
Sie verstehen wahrscheinlich auch die Sehnsucht nach kultureller Selbstvergewisserung nicht, die wahrscheinlich viele der Messebesucher umtreibt. Die wächst nämlich, wenn Beliebigkeit, solange man ihr – in einen ideologischen Rahmen gepackt – ein „Vielfalt“-Etikett anheften kann, immer mehr zu einer Art Leitkultur ausgerufen wird.
Der Zeit-Berichterstatter titelte: „Buchmesse ‚Seitenwechsel‘: Und abends singen sie ‚Kein schöner Land‘“. Das klingt, als wäre das anrüchig. Dabei war es einfach nur ein schöner Moment.
Die nächste „Seitenwechsel“-Büchermesse findet nach Angaben der Veranstalter am 7. und 8. November 2026 statt.


Großes Kompliment an Frau Dagen, das war eine Klasse-Veanstaltung, einfach imponierend. Dass die Veranstaltungsräume zu klein waren und man deshalb teilweise Probleme hatte, bestimmte Autoren zu hören und zu sehen, zeigt eigentlich nur, wie groß die Nachfrage ist. Nächstes Mal, wenn man weiß, wie groß das Publikumsinteresse ist, wird das bestimmt besser sein. Toll, wie viel da an Lesungen und sonstigen Veranstaltungen geboten wurde, das braucht sich vor keiner der großen (und tödlich langweiligen) Buchmessen zu verstecken. Das Publikum hatte etwas überwiegend Gesetztes, Antikrawalliges. Als Wessi bemerkte man, dass der Osten selbstbewusst den Ton angab, was ok ist, der Osten hatte dort eben auch jede Menge gute und mutige Autoren (und Entertainer auf hohem Niveau wie U. Steimle) zu bieten. (Nicht nur) wir haben kiloweise Bücher eingekauft und es hatte den Anschein, als sei das Ganze auch ökonomisch ein Erfolg. Kulturell war es das sowieso. Die Nörgler und Hetzer aus dem Establishment lernen nun, dass der Drop-Out mißliebiger Autoren und Verlage zum Auslöser einer kraftvollen kulturellen Gegenbewegung wird. Langhans und Merz habens gemerkt und sind sich einig, links ist vorbei – Seitenwechsel eben.
Wer möchte die im Bild Kultur verwahrlosten Gestalten noch sehen, die überschreiten jede Schmerzgrenze und Achtung der Bürger vor deutscher kultureller Entwicklung haben die eh nicht, Hauptsache über den roten Teppich latschen, was ist aus Bayreuth und Wagners Erben geworden, die Kultur Banausen hofieren? Ich war nie dort, aber ich glaube kaum, das sie Wagner verstehen, noch den Inhalt der Oper, .die Falschheit dieser Darsteller ist kaum zu übertreffen, die auf schlau machen, es aber nicht sind. Der ESC der letzten Jahre it genauso unterirdisch verkommen, da wünscht ich mir Wunder gibt es immer wieder oder Feuer zurück und Ein kleines Lied vom Frieden. Nicht jeder muss Pauken Richards Fan sein, aber wir haben eine so große Musik und Kulturgeschichte, auf die man auch stolz sein kann, besonders fauchen diese Antichristen gegen Johann Sebastian Bach, der eine wundervolle christliche Kulturgeschichte hinterlassen hat, bloß nicht christlich jaulen sie auf. Die sind eher auf dem Niveau von Wadde hat denn Du da , neugierig auf erotische Gelüste.
Gratulation an Frau Dagen, die Buchmesse kann, auch von mir. Früher war selbst die Frankfurter Buchmesse, lang, lang ist es her, ein Spiegel der Meinungsvielfalt und Völkerverständigung, heute eine Buchmesse zum Fremdschämen, wo sexuelle Schweinereien und Co. ausgezeichnet werden, aber keine herausfordernde Literatur gegen die öffentliche Prostitution. Der Literatur Kritiker der erbost seinen Preis zurück gab, da war die Buchmesse noch relativ zahm und nicht zensiert, der trifft den Nagel immer mehr auf den Punkt, damals war sie noch keine politische Propagandamesse. Schwebt jetzt das Henkerbeil über Menschen die ihre deutsche Sprache lieben und eine Meinung haben, wenn man das was früher mal Anstand war, wie in Halle, ist den großen Messen Frankfurt /Leipzig abhanden gekommen.
Andersdenkende als Leugner abzuqualifizieren ist Sache des Altparteienkartells und der Mainstream-Presse. Man braucht sich diesen Schuh nicht anzuziehen.
Lieber Herr Grimm, Sie schreiben: „Ich konnte nicht wahrnehmen, dass dort der Angriff auf den Rechtsstaat organisiert wurde …“. Natürlich konnten Sie das nicht sehen, Sie zeigen ja keine „Haltung“ und verteidigen „Unsere Demokratie“ nicht. Schade, dass Halle so weit weg von meinem Wohnort ist!
Schön wenn sich die Unterste Schubladenklasse, der Vermeintlichen „guten Demokratie“ ihre Mäuler über etwas zerreißen, wo kein Bedarf einer Diskussion besteht. Man kritisiert, um ihre Säuerliche Gülle halt ohne Verstand ausgebracht zu haben.
Das ist so was von dämlich und albern, was die besonders Linien Treuen in diese Buchmesse hinein interpretieren wollen, weil eine Buchmesse auch unterschiedliche Meinungsvielfalt als Meinungsaustausch repräsentieren sollte und keine Einheitspropaganda. Die deutsche Sprache gehört zu Deutschland, die hat selbst die pikierte linke ND Opposition zu dieser Buchmesse noch drauf, während besonders westliche Propaganda Verlage nur noch mit Gender Kiki Sprache unsere deutsche Sprache zur Idiotensprache verstümmeln, was besonders den Gender Aktivisten nicht passt, die lieber Alpenprawda und sonst was lesen. Was hat LSBQT Sexterrorismus in der deutschen Sprache verloren, nix. Die deutsche Sprache ist Ausdruck unserer großen kulturellen Entwicklung mit vielen Ausdrucksmöglichkeiten. Die EKD ist der deutschen Sprache nicht mehr mächtig, wo selbst Martin Luther ein Genie deutscher Sprache und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten war. Eben dem Volksmund auf das Maul geschaut und sich nicht künstlich einen abgebrochen für Quack, Quack Kleingeistsprache. Sie erfinden immer neue Begriffe als Sprachpolizei, wie Flinta und machen aus guter deutscher Sprache einen kaum verständlichen Sprachsalat auf Kindergarten Niveau, all die Gegner einer ordentlichen Buchmesse mit ordentlichem Wortschatz, was so gar nicht in das Propaganda Gebrüll passt. .