Wer eine intelligente Antwort auf diese Frage haben will, dem empfehle ich den Aufsatz von Wolfgang Weimer:
Sozialdemokratisch sein hieß für eine lange Phase des 20. Jahrhunderts: auf der Seite des Fortschritts stehen.
Seit zwanzig, dreißig Jahren aber haben sich die linken Parteien Europas vor allem als Retardierungsinstanzen profiliert. Sie wollen den Modernisierungsschub der Globalisierung im Wesentlichen bremsen, sind technologieskeptisch geworden und stehen damit nicht mehr aufseiten der avantgardistischen Evidenz. Man wittert um die SPD ein Milieu der Bedenken und Ängste, keines der Verheißungen und Visionen. Vor allem die Gewerkschaften wirken dabei wie steinerne Trutzburgen des Antimodernismus. Es ist also nicht Kurt Beck, der die Partei von der stolzen Volkspartei zur 30-Prozent-„Heulsusentruppe“ (Steinbrück) hat degenerieren lassen. Die SPD zerfällt nicht von oben, sondern von innen.