Roger Letsch / 16.08.2018 / 06:14 / Foto: Stefan Klinkigt / 88 / Seite ausdrucken

Warum wollen so viele grün wählen?

Mit Erstaunen nimmt man neuerdings zur Kenntnis, dass die Grünen in den Umfragen aller Meinungsforscher von einem Umfragehoch zum nächsten schweben und egal, mit wem man über dieses Phänomen spricht, niemand kann sich das wirklich erklären. Am wenigsten die Grünen selbst, auch wenn sie das gern als Erfolg ihrer Politik darstellen. Nun muss man auf Umfragen nicht viel geben, wenn sie auf ein paar tausend Befragungen von Wählern beruhen, die bereit sind, über ihre politischen Präferenzen Auskunft zu geben, oder diese geschickt hinter vermeintlich wohlwollenden Antworten verbergen. Aber man muss sich damit befassen, gerade weil es die Politiker selbst tun, indem sie aus guten Umfragen Ambrosia saugen und aus schlechten Hausaufgaben ableiten. Nun haben die Grünen eine Stammwählerschaft, die irgendwo zwischen knapp unter fünf und zehn Prozent der Wähler liegt. Aber wie setzt sich der sagenhafte Zuwachs von 5 Prozent zusammen?

Union und SPD haben sich mit den Koalitionsjahren aneinander glatt geschliffen und ausgerieben, während die Grünen immer nur die eigenen Positionen abgeräumt, verändert oder gleich ganz über Bord geworfen haben. Man denke nur an die Aufweichung des Umweltschutzes zugunsten der Energiewende. Das erweckt den Eindruck von Weiterentwicklung und Reife, während die Koalition nur noch eines vermittelt: Müdigkeit. Und während sich derzeit bei den Koalitionsparteien offensichtlich eine gewisse Ernüchterung in Sachen Energiewende, Klimaziele und anderer grün gestrichener Münchhausiaden einstellt und die Begeisterung spürbar nachgelassen hat, sind es die Grünen, die lautstark die Einhaltung der Zielvorgaben fordern.

Man möchte bei CDU, CSU und SPD an so manches Versprechen am liebsten nicht mehr erinnert werden, hat es aber komplett versäumt, dem Wähler gegenüber einzugestehen, dass die Projekte krachend scheitern mussten. Aus Feigheit oder aus Kalkül? Ein wenig von beidem, denke ich. Die Kanzlerin steht derzeit mit der Migrationskrise derart im Feuer, da möchte man ungern gleich nachschieben, dass auch die Energiewende ein Flop ist.

Gut erinnert man sich noch daran, welche Häme über ihr ausgeschüttet wurde, als sie ihr erklärtes Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, klammheimlich kassieren musste. Union und SPD treten deshalb heute nur noch halbherzig gegen Klimawandel und für Energiewende ein und müssen sich dafür von den Grünen für gebrochene Versprechen schelten lassen. Sowas passiert, wenn eine Regierung mangels eigener die Ideen ihrer Opposition umzusetzen versucht, deren utopischen Charakter zu spät erkennt und nun durch sanftes Betätigen der Bremse versucht, zu retten, was noch zu retten ist.

Die Grünen können in dieser Sache Vollgas fahren – ihr Fuß drückt ja nur auf ein virtuelles Gaspedal, während die Koalition den Widerstand der Realität spürt. Das trifft insbesondere die SPD, die bürgerlicher als die CDU und klimafreundlicher als die Grünen sein wollte, jedoch krachend an beiden Zielen scheiterte. Es ist deshalb nur logisch, dass sie nun aus mehreren Wunden blutet und Wähler in alle Richtungen verliert, besonders in Richtung der Grünen.

Lupenreiner Lobbyismus wird verziehen

Grünen Politikern lässt der Wähler Egoismen durchgehen, für die ihm bei anderen Parteien jedes Verständnis fehlt. Simone Peter etwa, die in der Causa Ronald Profalla und dessen raschem Wechsel von der Politik in die Wirtschaft noch empört davon sprach, dass man für Politiker „Karenzzeiten von mehreren Jahren“ brauche, wechselte jedoch selbst schon einen Monat nach ihrem Weggang als Parteichefin in den Lobbyverband „Bundesverband Erneuerbare Energien“ (BEE), ohne dass die Sympathisanten der Grünen das irgendwie bedenklich fanden.

Wir erleben gewissermaßen ein Revival des Märchens vom „guten braunen und dem schlechten weißen Zucker“, nur dass der gute Zucker in unserer Geschichte der grüne sein soll. Doch auch der BEE ist nichts als eine Lobbyorganisation eines Industriezweiges, noch dazu eines, der mit der grünen Partei geradezu symbiotisch verbunden ist. Der Irrglaube, grüner Lobby-Zucker sei irgendwie besserer als anderer und grüne Lobbyarbeit sei immer zum Wohle der Allgemeinheit, hat sich bereits ähnlich verfestigt wie die alte Legende, Spinat enthalte besonders viel Eisen.

Doch selbst als feststand, dass diese Behauptung auf einem Missverständnis beruhte, wollte uns Frau Göring-Eckardt noch mit „einmal die Woche Spinat mit Ei“ beglücken. Zum Glück ist Spinat nicht schädlich für Leben und Umwelt, was man von manchen Ideen der Grünen leider längst nicht mehr behaupten kann. Im nicht eben windreichen Hessen zum Beispiel verwandelt die schwarz-grüne Landesregierung nun den Reinhardswald – Grimms Märchenwald – in eine Industrielandschaft. Alles im Namen der Energiewende.

Und wem, wenn nicht den Grünen, die sich in ihrer Frühzeit an jeden Alleebaum ketteten, dem die Axt zu nahe kam, wäre es zuzutrauen, „minderwertigen Wald“ innerhalb eines Naturschutzgebietes für ein Opfer auf dem Altar der Erneuerbaren Energien auszuwählen? Da die Energiewende politisch immer noch nicht in Frage gestellt wird (und wenn, dann von der falschen Partei), sagt man sich, „lass das die Grünen machen, die kennen sich mit sowas aus”. Grüne haben in den Augen vieler Wähler offenbar eine Art fest eingebauter ethischer Goldwaage, der man blind vertrauen könne. So ist etwa „Kein Mensch illegal” – es sei denn, er ist israelischer Siedler. Auch ist „Jeder Baum schützenswert” – außer, er steht der Energiewende und der hochsubventionierten Windenergie im Weg, für welche grüne Ex-Politiker wie Frau Peter ökologische (also gute) Lobbyarbeit leisten.

Erzogen von grünen Lehrern nach grünen Lehrplänen

Auch verordnete Grausamkeiten, die Politikern für gewöhnlich Wählergunst kosten, erträgt der deutsche Wähler – erzogen von grünen Lehrern nach grünen Lehrplänen – viel besser, wenn sie von Grünen verkündet werden. Denn während Politik und Stromnetzbetreiber unter den Bürgerprotesten stöhnen, mit denen sie bei der Planung der gigantischen Nord-Süd-Stromtrassen konfrontiert sind, regt Grünenchef Habeck an, diese Planungen erheblich beschleunigen zu wollen, denn „…der Ausbau sei zwar ein großer Eingriff in die Natur – aber für ein hochindustrielles Land nötig. Das müsse den Bürgern gut kommuniziert werden.“ Und wenn Habeck dem Bürger dabei „in die Augen schauen“ will, klingt das nach Einschüchterung. Ist es aber natürlich nicht! Bei Grünen heißt das „Überzeugen“. Und das ist ja was Gutes! Und Annalena Baerbock bekennt im Sommerinterview, dass sie nicht die Absicht habe, den Bürgern vorzuschreiben, was sie zu essen hätten – den Erzeugern der Lebensmittel jedoch, besonders den Viehzüchtern, möchte sie durch Regulierungen und Verbote schon gern Daumenschrauben anlegen. Alles im Sinne von Überzeugung und Volkserziehung, versteht sich.

Wie mit Zuckerguss übergießt die Presse den neuen Parteichef Robert Habeck mit allerlei Lob. „Höhenflug mit Habeck“ oder „Grünen-Chef Robert Habeck: Krass, cool, alles supergeil“ wie der Spiegel sich bescheiden ausdrückt. Und wenn Habeck mit Plastiktüte zum Interview erscheint, jazzt man ihn anderenorts gleich zum Rebellen und Nonkonformisten hoch. Ein bisschen Engholm (ohne Pfeife) und ein bisschen „Prinz Charming”, eloquent, lässig, kann lange Sätze und kann sie auch mühelos abschließen, kurz: eine Idealbesetzung für die „Sein-oder-nicht-sein“-Hamlet-Monologe, die er im Auftrag seiner Partei so gern führt. Habecks Aufgabe in der Öffentlichkeit ist es, Rationalität zu verkörpern, dabei möglichst unkonkret zu bleiben und wie ein „elder statesman“ zu wirken. Es liegt auch eine gewisse Faszination darin, zu beobachten, wie Habecks Äußerungen die leicht irren Aussagen seiner Co-Vorsitzenden Baerbock zudecken. Auf die Wählergunst scheint die Kombination aus „Cool“ und „Wahnsinn“ jedenfalls Eindruck zu machen.

Wenn Baerbock im Interview etwa behauptet, ein sicheres Herkunftsland sei nur, wenn es dort „Verfolgungsfreiheit für alle Menschen“ gäbe, klingt das zwar nach Ponyhof und Stuhlkreis – ebenso wie ihr legendäres Bonmot, „das Netz ist der Speicher“mit dem sie die Energiewende für durchgerechnet und machbar erklärte. Doch all diese Phrasen halten keiner Prüfung stand, nicht mal der oberflächlichsten! Kriminelle genießen üblicherweise nirgends Verfolgungsfreiheit, religiöse Brandstifter sollten auch keine genießen und das Netz ist eben doch nicht der Speicher, egal, was das Einhorn-Orakel dazu sagt.

All diese Einwände erreichen die Grünen selbst jedoch nicht, denn die sind schon auf den nächsten Marktplatz gezogen und verkaufen ihre Tinkturen als Wundermedizin. Dieser Wundermedizin vertrauen momentan scheinbar 15 Prozent der Wähler, sie wollen nicht hinter die Phrasen sehen, sie ziehen die Verheißungen einer grünen Utopie der immer dystopischer werdenden Realität vor. Und ist es nicht so, dass die Wähler schon von beinahe allen verarscht wurden, nur von den Grünen scheinbar noch nicht? Scheinbar ist hier das Stichwort, denn dieser schöne Schein zerschellt an der Realität.

Politische Kapital aus Sommerloch und Sommerwetter

Dass nämlich beinahe alle politischen und wirtschaftlichen Katastrophen der letzten Jahre aus grünen Ideen entstammen, blendet man einfach aus. Ebenso, dass der einzige grüne Regierungschef in einem Bundesland, Winfried Kretschmann, mit den Utopien seiner Parteitheoretiker so gar nichts anzufangen weiß, weil er ein in der Wolle gefärbter Konservativer ist. Wenn dann noch drei Wochen Sommerhitze hinzukommen, erinnert sich der Wähler an die Tinktur, die ihm jahrelang angepriesen wurde. „Haben die Grünen nicht immer von Hitze und Erderwärmung gesprochen? Ging die Hitzewelle nicht erst zurück, als die Grünen und ihre Lobbygruppen Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel forderten? 

Ich übertreibe hier sicher etwas, aber die Grünen sind in der Tat die einzige Partei, die in diesem Jahr aus der Kombination aus Sommerloch und Sommerwetter politisches Kapital schlagen konnte, während sich die Regierungsparteien vor allem Geldforderungen der Landwirte gegenübersehen, die Linke mit sich selbst und die FDP mit etwas besonders Wichtigem beschäftigt ist: sich möglichst lautstark von der AfD abzugrenzen.

Ein weiterer verstärkender Aspekt für das grüne Umfragehoch ist, dass die Milieus, aus denen Journalisten und grüne Politiker stammen, sich stärker überschneiden, als dies mit jeder anderen politischen Partei der Fall ist. Es dürfte nicht leicht sein, diese Präferenz bei der Ausübung des Berufes immer im Blick zu behalten, obgleich man dies tun müsste.

Man schaue sich vergleichend die „Sommerinterviews“ des ZDF mit Annalena Baerbock von den Grünen und Alexander Gauland von der AfD an. Nur die Intros, das genügt. Ich zähle hier mal ein paar psychologische Trigger auf, die das Intro zum Interview mit Baerbock visuell würzen: eine bunt bemalte Fassade, Sonnenblume, Annalena Baerbock und Robert Habeck überlebensgroß und lachend Arm in Arm auf eine Hochhausfassade gespiegelt, die Olsenbande, Atlas, der die Weltkugel trägt … da werden der Buntheit, Verantwortung, Spaß und Größe bereits optisch Wege bereitet, bevor auch nur das erste Wort gesprochen ist. Zum Vergleich die Trigger im Intro zum Gauland-Verhör: Burgzinnen und Wehrtürme, eine Abrisswohnung, „schiefer Turm“, Wetterfahne nach rechts mit der Aufschrift „1732“, ein mit dem Finger zustoßender Gauland. Ein jeder verknüpfe die Metaphern nach Gusto, positiv ist sicher keine davon. Baerbock wird mit einfühlsamem Geplauder begrüßt, bekommt Stichworte der Art „Ihr Kollege Robert Habeck sagt ja, es läuft im Moment richtig Bombe für die Grünen“, während Gauland ein Platz angewiesen wird und es gleich in medias res geht.

Klebrige Sympathiekundgebungen und Stichwortgebereien

Das sind alles Kleinigkeiten, die kaum auffallen, und das sollen sie wohl auch nicht sofort. Sie wirken unbewusst. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie den Medienmachern immer auffallen, wenn sie sie benutzen. Doch zu jedem Zeitpunkt ist vollkommen klar, wem die Sympathien zufliegen mögen und wem man Verachtung zeigen soll. Das ist im Privaten legitim, im journalistischen Umfeld sorgt es für mangelnde oder zu große Distanz zur Nachricht und zum Thema der Berichterstattung. Es war übrigens ausgerechnet ein Kollege der ARD, „Mr. Tagesthemen“ Hanns Joachim Friedrichs, der sagte: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

Von dieser professionellen Distanz ist heute jedoch gerade im Umgang mit den Grünen kaum noch etwas zu spüren. Was ich mir wünschte, wäre deshalb nicht etwa ein herzlicherer Umgang mit AfD-Politikern, sondern eine gleichermaßen professionelle Distanz zu allen. Gerade zu den Grünen, denn hier werden die medialen Sympathiekundgebungen und Stichwortgebereien langsam klebrig. Man will doch sicher nicht, dass es nach zukünftigen Wahlergebnissen vergleichbare Einseitigkeits- und Manipulationsvorwürfe gibt wie im Fall der Wahl des US-Präsidenten! Aber Lobhudelei sollte ja ohnehin nicht das Hauptgeschäft öffentlich-rechtlicher Medien sein, dafür bezahlen die Bürger ja ohne Ansehen ihrer politischen Präferenz die sogenannte „Demokratieabgabe”. Als Ansporn für die schreibende und sendende Zunft hier gleich noch ein Zitat, diesmal von Dieter Hildebrand: „Politiker muss man nicht achten, man muss auf sie achten.“ Das sollte uneingeschränkt für alle Politiker gelten.

Ich schätze, dass all diese Punkte zusammengenommen und die Wahrnehmung der Grünen in der Öffentlichkeit den Anstieg von 5 Prozent in der Wählergunst gut abbilden. Und dennoch sind Umfragen natürlich zu feiner Sand, als dass sich darauf ein Kanzleramt bauen ließe. Und auch die Antworten auf die Fragen der Meinungsforscher sind vor allem eines: unverbindlich und möglicherweise auch unehrlich und ausweichend. Denn weil sämtliche Utopien der Grünen – vom Atomausstieg bis zur Windkraft – ohnehin schon offizielles Regierungsprogramm sind, fühlt es sich für einige besonders leichtgläubige Menschen womöglich so an, als wären die Grünen eine Art moralischer Instanz jenseits der Regierung. Man könne doch nichts falsch machen, wenn man sich in unsicheren Zeiten auf jene beruft, deren Ideen als einzige nie ernsthaft in Frage gestellt werden. Weder von den Medien, noch von den anderen Parteien. Außer der Partei der Schwefelbuben, aber das ist eine andere Geschichte.

Dieser Beitrag erscheint auch auf Roger Letschs Blog Unbesorgt

Foto: Stefan Klinkigt

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Helene Kaiser / 16.08.2018

Den Umfragewerten der Grünen Glauben zu schenken halte ich für bekenklich, denn es sieht doch sehr nach eine “Gewichtung” der Umfrageergebnissen aus. Denke ich doch sofort an den Schulz Zug und seinem Umfragehöhenflug.

herbert binder / 16.08.2018

Was die Karikatur betrifft, das muß wohl der erste Moment gewesen sein, nachdem sie durch das Nadelöhr gegangen ist.

P.Steigert / 16.08.2018

Es ist die Weiterentwicklung des deutschen Untertanentums. Die Deutschen möchten die braven Untertanen der Medien sein. Frauen signalisieren heute durch grünes Denken (wie Vegetarismus) ihre Tugend.

Stefan Zorn / 16.08.2018

Wenn mir meine Tochter angesichts einer politischen Äußerung meinerseits mit dem Gesichtsausdruck maximaler Empörung ein nicht enden wollendes Stakkato linksgrüner Weltverbesserungsideologie entgegenfaucht, dann schleicht mir mittlerweile als erstes das Wort “Volksempfänger” ins Hirn…

Gabriele Kremmel / 16.08.2018

Die Grünen werden in den Medien nicht nur positiver dargestellt, sie sind auch in der Berichterstattung und in Talkshows - gemessen an ihrem Wähleranteil- erheblich überrepräsentiert. Dazu kommt, dass die Perfidie, diffuse aber existenzielle Ängste in die Hirne der Menschen zu pflanzen immer ihre Früchte trägt. Das wusste schon die Kirche und nutzte das für ihren schwunghaften Ablasshandel. Ich bin immer wieder verwundert darüber, wie unkritisch viele normale Leute (nicht ungebildet, mitten im Leben stehend, des Lesens mächtig und mit Internet versorgt) das “Narrativ” von der Erderhitzung übernommen haben, und zwar aufgrund dieses ersten einmal wieder richtig heißen Sommers seit Jahren. Sie fabulieren von Waldbränden, die es noch nie gegeben haben soll und plappern die Bedrohungsszenarien der Grünen nach. Das sind auch Leute, die wie ich bereits in ihrer KIndheit noch in der Schule vor falschem Verhalten gewarnt wurden, das Waldbrände auslösen kann. Hitzewellen und Trockenheit im Mittelalter, aber auch in den 1950er Jahren, heiße Sommer in unserer Jugend, die alle Dekaden einmal vorkamen werden völlig ignoriert. 1983 erinnere ich mich genau an einen noch heißeren Sommer (der begann schon Mitte Mai mit 30 Grad und mehr). Genau 20 Jahre später, 2003 wiederholte sich das. Aber dieser Sommer ist jetzt der Beweise für eine rasende Erderhitzung. Mich hat ganz ernsthaft eine junge Frau vor Jahren gefragt, ob wir in 50 Jahren alle verbrennen müssen, deswegen wollte sie keine Kinder bekommen. Die hysterische Klima-  und Umweltindoktrination wirkt einfach bei den Menschen, vermutlich weil sie irrationale und unbewusste Überlegensinstinkte anspricht.

Matthias Böckelmann / 16.08.2018

Die Grünen erleben mal wieder, dass ungeplante Ereignisse Ihnen helfen. So war es mit Fukoshima bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und so könnte es auch jetzt mit dem heissen Sommer 2018 bei den kommenden Wahlen in Bayern und Hessen funktionieren. Rückenwind durch Klimawandel, “bewiesen” durch Sommerhitze und Dürre. Frau Merkel hat das auch begriffen, daß man auf diese Weise Dinge beschleunigen kann: Fukoshima war ihr Argument für den Atomausstieg - wahrscheinlich war sie damals nicht schnell genug, sich den Vorteil vor den Grünen zu sichern. Wer weiß, was Sie sich jetzt noch einfallen lässt, um die Hitzewelle für sich zu nutzen? Wahrscheinlich hat sie noch keinen Plan - da ist sie ja verlässlich. Ach ja, wie wäre es eigentlich mit dem Ausstieg aus dem Bau von Autobahnbrücken und dem Abriss der bestehenden? Sind die Grünen noch gar nicht drauf gekommen, die hängen noch im Dieselqualm.

Joachim Lucas / 16.08.2018

Abgesehen davon, dass diese Frau Roth in der Karikatur Ihres Artikels genauso aussieht wie früher manche Tanten, die mit ihren feuchten Küssen ihre kleinen Neffen beglückten, sind die Grünen (wie ich sie auch an meinem Wohnort erlebe) eine reine “Wünsch-dir-was”-Truppe und Moraltrompeten, die den eigenen Bauchnabel zur Weltkugel erklärt haben. Wie sagte schon Macchiavelli in “Der Fürst”: “Es gibt drei Arten der Intelligenz: die eine versteht alles von selber, die zweite vermag zu begreifen, was andere erkennen, und die dritte begreift weder von selber noch mit Hilfe anderer. Aber weil’s immer so schön klingt bei den Vergrünten, macht Deutschland eben die Begegnung mit der dritten Art.

Bernhard Freiling / 16.08.2018

Das mag ganz sicher eine durchaus zutreffende Deutung der Ergebnisse von “Wen würden sie wählen, wenn…” - Umfragen sein. Meine Deutung, für die ich nicht beanspruche, sie sei besser (allenfalls lustiger?), sieht etwas anders aus. Sie basiert darauf, daß die überwiegende Anzahl der “Medienschaffenden” linksrotgrün angehaucht ist (Das bringt mit sich, daß die AfD regelmäßig im negativen Zusammenhang genannt oder im günstigeren Falle einfach totgeschwiegen wird). Und so stelle ich mir dann die telefonische Umfrage, die zu 15 oder mehr Prozenten Zustimmung zu den Grünen führt, vor: Interviewer: “Stellen Sie sich vor, nächsten Sonntag wäre Bundestags- (Landtags-) Wahl. Wen würden Sie dann wählen?” Befragter: “AfD (oder auch SPD oder CDU oder was auch immer).” Interviewer: “Könnten Sie sich vorstellen, bestimmte Voraussetzungen unterstellt, auch einmal “die Grünen” zu wählen?” Befragter: “hmm, ähh, rrrhmmmmmm, na ja, also unter ganz bestimmten Voraussetzungen könnte ich mir das möglicherweise vorstellen”. Interviewer: “Ich danke Ihnen für die Beantwortung der Fragen”, sprachs, macht das Kreuz bei “den Grünen” und versieht seine Umfrage mit dem Hinweis, diese besässe einen Ungenauigkeitsspielraum von 3%-Punkten, oder, wie unlängst durch Emnid in Bayern geschehen: 55% der Wähler seien sich aber noch nicht ganz sicher. M.E. sind diese 15 oder mehr % für die Grünen kein realer Spiegel des Wählerverhaltens. Die Auswahl an manipulativen Fragen scheint grenzenlos. Die Befragten werden meiner Meinung nach auf die 15 oder mehr %  zu den Grünen hinmanipuliert, genau so wie im Frühjahr 17 die Befragten - zum bereits als Versager angetretenen Schulz - zu 35 oder mehr Prozent Zustimmung hinmanipuliert wurden.

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