Anabel Schunke / 23.01.2020 / 06:19 / Foto: Achgut.com / 271 / Seite ausdrucken

Warum wir keinen Partner finden

Es ist knapp drei Jahre her, als Dr. Eckart von Hirschhausen in der WDR-Sendung „Kölner Treff“ erklärte, weshalb bei der Partnersuche am Ende immer zwei Gruppen übrig bleiben würden: Schlaue Frauen und dumme Männer. 

Der Arzt und Kabarettist veranschaulicht dies anhand zweier gezeichneter Hügel, die jeweils das männliche und das weibliche Geschlecht darstellen sollen. Ganz oben die Traumprinzen und -prinzessinnen und dann geht es immer weiter abwärts. Dies wäre prinzipiell erst einmal kein Problem, so der Mediziner, so lange sich jeder auf seiner Ebene einen Partner suchen würde. Da Männer in der Praxis jedoch weniger Probleme hätten, sich „nach unten zu orientieren“, käme es zu einer Schieflage, die am Ende dazu führe, dass schlaue Frauen und dumme Männer übrig blieben, was in der Sequenz für allgemeines Gelächter sorgt.

Ja, natürlich sind Hirschhausens Aussagen polemisch. Natürlich handelt es sich um eine komödiantische Überzeichnung. Aber der wahre Kern ist unbestreitbar.

Der kurze Ausschnitt wird seitdem jedenfalls rege im Internet geteilt. Ich persönlich verschicke ihn immer gerne, wenn ich von Männern gefragt werde, warum denn „eine Frau wie ich“ Single sei oder weshalb ich häufig Männer daten würde, die angeblich nicht mit mir mithalten könnten.

Ja, ich bin 31 Jahre alt und Single. Das ist das Alter, in dem andere um einen herum größtenteils schon verheiratet sind und ein oder zwei Kinder haben. Das Alter, in dem man spätestens anfängt, in Gedanken nachzurechnen, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass man, selbst wenn der Traumprinz heute noch vor der Tür steht, frühestens wohl erst mit 33 bis 34 heiraten wird oder das erste Kind bekommt. Und dass sich diese Grenze mit jedem Jahr weiter nach hinten verschiebt, bis man vielleicht eines Tages sagen muss: Jetzt ist es zu spät. Weil ich kein Mann bin und wie Richard Gere auch noch mit 70 Jahren Kinder in die Welt setze. Weil ich nicht Janet Jackson heiße und dank künstlicher Befruchtung mit 50 Jahren noch Mutter werde. Und weil ich das so spät auch gar nicht wollen würde. Weil ich zu den Frauen gehöre, die Kinder immer nur in Verbindung mit dem richtigen Mann haben wollten. 

Beziehung wird durchweg als Belastung wahrgenommen

Dabei liegen meine Probleme, würde ich behaupten, woanders als bei den klassischen „Problemfällen“, von denen man die Allerschlimmsten irgendwann bei „Schwiegertochter gesucht“ bestaunen darf. Nein, ich habe kein Problem damit, Männer kennenzulernen. Ich habe nur ein Problem damit, sie zu halten. Auf Afterwork-Partys, im Club, bei Tinder. Überall an diesen Orten, die Singles wie mir, die klassische Partnerbörsen für einen Ort für Weirdos und Verzweifelte halten, bleiben, lerne ich Männer kennen, aber es klappt nicht. Dazu kommt, dass ich Freiberuflerin bin und größtenteils im Home Office arbeite, also auch eher selten über den Beruf Bekanntschaften schließe. Ja, auch ich würde mir eine filmreife Begegnung im Supermarkt eher wünschen als ein Tinder-Date, aber so etwas passiert eben zumeist wirklich nur im Film. 

Jedenfalls habe ich es bis jetzt auf keine Beziehung gebracht, die länger als ein Jahr hielt, was bei einem selbst unweigerlich irgendwann die Frage aufwirft, woran es liegt und was man ändern müsste, um endlich aus dieser „Fuckboy-Spirale“ herauszukommen. Denn das ist das wahre Problem, das wir Frauen heutzutage haben. Jeder Mann will nur noch Spaß. Beziehung ist den Männern meiner Generation und der nachfolgenden nämlich mittlerweile viel zu anstrengend und wird durchweg als Belastung wahrgenommen.

Die Gründe hierfür sind im Wesentlichen drei. Zum einen hat es etwas mit Erziehung und vorgelebten Werten zu tun. Wir leben in einer Gesellschaft, in der mittlerweile jede zweite Ehe geschieden wird. Seit Mitte der neunziger Jahre ist der Anteil der Kinder, die bei nur einem Elternteil aufwachsen, um 50 Prozent gestiegen. In größeren Städten ist der Anteil besonders groß. In Berlin wuchs 2017 schon jedes dritte Kind nur mit Mutter oder Vater auf. In Hamburg und Bremen sind es 27 Prozent und jedes Jahr kommen 100.000 neue „Trennungskinder“ hinzu. 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Männer, die ich in meinem Leben gedatet habe, durch die eigenen familiären Erfahrungen teils erheblich in ihrem Vermögen, eine eigene funktionierende Beziehung zu führen oder auch führen zu wollen, unterschieden. Partner oder Dates, die selbst nur bei einem Elternteil aufwuchsen, waren zumeist deutlich desillusionierter oder distanzierter, was Liebe und Beziehung anbelangt. Waren sie dies nicht, versuchten sie im Umkehrschluss mitunter etwas zu kompensieren und scheiterten an ihren eigenen Erwartungen, es besser zu machen als die Eltern.

Was in allen Fällen gegenüber jenen Partnern, die wie ich, in einer intakten, harmonischen Familie aufgewachsen sind, fehlte, war der tiefe intrinsische Glaube an die Liebe, den man in der Ausprägung zumeist weder als Scheidungskind besitzt, noch als jemand, der in einer zerrütteten Ehe aufgewachsen ist. Der Wille, es zu schaffen, mag da sein. Die Anleitung dafür wurde von zu Hause allerdings nicht mitgeliefert. Das muss nicht immer ein Problem sein, und am Ende schaffen es auch genug Scheidungskinder, selbst eine intakte Beziehung zu führen. Aber die Werte, die ich allein durch die Ehe meiner Eltern vermittelt bekommen habe, habe ich in der Ausprägung immer auch nur bei jenen gefunden, die dies auch zu Hause erlebt haben. Diese Partner waren deutlich offener, wenn es darum ging, die Vorzüge einer Beziehung zu sehen und bereit zu sein, in diese auch angemessen zu investieren. 

Als seien wir das Maß aller Dinge

Den zweiten Punkt halte ich jedoch für noch viel ausschlaggebender. Ich glaube, dass wir Frauen, vor allem diejenigen unter uns, die sich wie ich optisch und intellektuell für eine einigermaßen „gute Partie" halten, den kulturellen Wandel um uns, der sich schon vor einiger Zeit vollzogen hat, schlicht nicht mitbekommen haben. Stattdessen benehmen wir uns immer noch so, als seien wir das Maß aller Dinge, das Geschlecht, das die Fäden zieht und über Erfolg und Niederlage bei der Partnersuche entscheidet. 

Das hat natürlich vor allem damit zu tun, dass es für lange Zeit in der Menschheitsgeschichte genauso lief. Salopp ausgedrückt: Wer als Mann Sex wollte, musste bereit sein, in eine Partnerschaft zu investieren. Ohne Beziehung oder gar Heirat lief nichts. Dafür sorgten die gesellschaftlichen Konventionen oder eben die Kirche. Heute verhält es sich gänzlich anders. Nie war es so einfach, an unverbindlichen Spaß ohne jegliche Verpflichtung zu kommen. Etwas, was, evolutionär betrachtet, der männlichen Natur deutlich mehr entgegen kommt als der weiblichen. Und so ist es heute zumeist die Frau, die sich bemühen muss, um einen Mann für eine Beziehung zu begeistern und an sich zu binden. 

Das trifft natürlich freilich nicht auf alle Männer zu. Ausnahmen sind, wie gesagt, diejenigen, die auf Grundlage eigener Werte vom Konstrukt der Beziehung/Ehe/Familie überzeugt sind und jene, die vielleicht nicht ganz oben auf Eckart von Hirschhausens Männerhügel stehen. Der nicht so attraktive Mann, der weniger Erfolgreiche, weniger Gebildete muss sich nach wie vor bemühen. Denn Frauen, das haben wir gelernt, orientieren sich gerne nach oben. Nach unten verirrt sie sich nur, wenn der Einsatz stimmt. 

Was uns zurück zum Dilemma der Frauen bringt, die ganz oben auf Hirschhausens Frauenhügel stehen. Die wollen sich zumeist nicht nach unten, sondern auf Augenhöhe orientieren. Auch weil sie mit allem anderen schlechte Erfahrungen gemacht haben (warum erkläre ich noch). Der Mann auf Augenhöhe, der im Gegensatz zu ihr jedoch kein Problem damit hat, sich „nach unten“ zu orientieren, weiß indes sehr genau, dass er sich als rares und begehrtes „Alphamännchen“ die vermeintliche Anstrengung, die so ein „Alphaweibchen“ mit sich bringt, gar nicht geben muss, um an sein Ziel zu kommen.

Während Attribute wie Intelligenz, beruflicher Erfolg und Co. bei Männern durchweg positiv wahrgenommen werden, wirken sie bei Frauen gemeinhin attraktivitätsmindernd. Eine intelligente Frau gilt per se als anstrengend. Eine beruflich erfolgreiche Frau kratzt am zarten Männerego. Eine überdurchschnittlich attraktive Frau erfordert in der Vorstellung vieler Männer einen erhöhten Aufwand aufgrund erhöhter männlicher Konkurrenz. Und am Ende liegt sie beim Sex vielleicht nur wie ein Seestern da, weil sie selbst der Überzeugung ist, sich für nichts und niemanden bemühen zu müssen. Was soll die Anstrengung also, wenn man eine Stufe niedriger viel besser angehimmelt wird? 

Diejenigen im Club, die am seltensten angesprochen werden

Als Mann lachen Sie jetzt vielleicht oder sind sauer, weil Sie sich stets für jemanden hielten, der auf intelligente Frauen steht, aber das haben meine Ex-Partner und Affären auch immer behauptet. Am Ende scheiterten meine Beziehungen jedoch nie an trivialen Dingen, wie Betrug, sondern immer daran, dass das Ego meiner Partner nicht ausreichte, um sich neben mir wie der tolle Kerl zu fühlen, den ich selbst in ihnen sah. Und wussten Sie, dass es Studien darüber gibt? Dass Männer in einer Studie nachweislich sogar räumlich von jenen Frauen abgewichen sind, von denen ihnen gesagt wurde, dass sie in einem Test besser abgeschnitten hätten als sie? 

Dabei ist es nicht wichtig, ob die Frau tatsächlich unterwürfig oder dominant erscheint. Ich bin nicht dominanter als andere Frauen oder behandele meinen Mann wie einen idiotischen Hund, den ich an der Leine hinter mir herziehe. Das können andere Frauen viel besser. Letztlich zählt für den Mann nämlich nur, wer in Gedanken über dem anderen steht. Und das muss zumindest in Bezug auf die Intelligenz und den beruflichen Erfolg immer er sein. Die Frau kann ihn gerne dafür anmotzen, dass er wieder mit seinen Kumpels abhängt. So lange er den höheren Bildungsabschluss oder mehr Geld auf dem Konto hat, ist das egal.

Umgekehrt ist das Problem, dass viele der Attribute, die man uns „guten Partien“ zuordnet, nicht stimmen. Zumeist sind wir diejenigen im Club, die am seltensten angesprochen werden. Vielfach wollen wir gar nicht der dominante Part in der Beziehung sein, sondern eine Schulter zum Anlehnen haben. Oft ist es uns gar nicht so wichtig, dass der Partner gut verdient oder Akademiker ist. Meist scheitert unsere Beziehung nicht daran, dass wir „zu hohe Ansprüche“ haben, sondern dass der Partner sich nicht gut genug neben uns fühlt. Feststeht: Ein allzu großes Gefälle macht beide Seiten nicht glücklich. Das hat auch nichts mit Arroganz zu tun. Aber was sollen wir tun, wenn sich auch die Männer, die vermeintlich auf Augenhöhe sind, lieber „nach unten“ orientieren?

Der dritte und letzte Punkt umfasst den Wandel unserer Gesellschaft und Werte an sich. Nie zuvor stand die individuelle „Work-Life-Balance“ so im Fokus. Insbesondere erfolgreiche Männer legen oft weniger Wert auf die emotionale Zuneigung, die man durch eine Beziehung bekommt. Ihr Job steht an erster Stelle, danach kommen die Kumpels, und besser als Mutti ist sowieso keine. Sie bemerken, dass sie keine feste Partnerschaft in ihrem Leben, das ihnen sowieso anstrengend genug erscheint, brauchen. Schon gar keine mit einer Partnerin, um die man sich bemühen muss. Der Rest der Männer tickt ähnlich, ist aber, öfter als der Alphamann, schlicht und ergreifend mit seinem Leben ohne Beziehung schon genug überfordert.

Was bedeutet das für uns Frauen?

Manche von uns werden vielleicht das Glück haben, dass sich die ewige Floskel der Freunde und Bekannten, man würde „auch noch den Richtigen finden“ doch noch irgendwann erfüllt. Schließich gibt es irgendwo da draußen auch Männer, die keine Angst vor starken Frauen haben.

Die anderen von uns werden so lange tindern und durch Clubs ziehen, wie man mit den jüngeren Frauen noch mithalten kann und sich dann anschließend, wenn die Eierstöcke vertrocknet sind, fünf Katzen kaufen. 

Am Ende wird man uns dann Egoismus, Karrieregeilheit und abermals zu hohe Ansprüche unterstellen, weil wir keine Kinder mit dem Analphabeten bekommen haben, den Schwiegertochter gesucht noch übrig gelassen hat. Aber auch das wird die Welt und Deutschland verkraften. Sie sollte sich nur nicht mehr fragen, weshalb gut ausgebildete, attraktive westliche Frauen keine Kinder bekommen. 

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Winfried Kellmann / 23.01.2020

Die Existenzberechtigung des Mannes ergibt sich aus der Wertschätzung durch die Frau. Der Sammler oder Jäger mit reicher Beute sorgt für die temporär hilflose Frau und die Kinder bzw. die Horde. Er ist nicht zum Kinderkriegen auf der Welt. Er muß Leistung versprechen, um erfolgreich bei der Brautwerbung zu sein. Je höher in der Hierarchie, desto begehrter, weil umso mehr Schutz kann er anbieten und desto vielversprechender wird die soziale Position der Kinder sein. Anzunehmen ist, daß, je hierarchischer die menschliche Gesellschaft wurde, desto wichtiger geriet diese Eigenschaft. Er will also bewundert werden und notwendig sein. Er begreift weibliche Kritik leicht als berechtigte Fudamental-Kritik an seiner Existenz überhaupt. Der Feminismus weiß um diese Schwäche und nutzt sie weidlich aus, indem er ständig subkutan auf diesem Klavier spielt. Laut Peter Jordan stammen wir von doppelt soviel Frauen, wie Männern ab. Jede Sozial-Beziehung ist ein Bündnis gegen den Tod. Nicht nur gegen den eigenen, sondern auch den der Nachkommen. Man möche unsterblich sein in den Seelen der anderen, um die Illusion zu nähren, länger als der Tod zu sein. Bis daß der Tod Euch scheide! Wenn dann noch eigene Kinder da sind, ist man nicht allein. Das vergessen die heutigen Selbstverwirklicher: Der Mensch will, besonders vorm Tod, nicht vereinsamt sein. Er stirbt früher, wenn er einsam ist. Was das mit Ihrem Text zu tun hat, Frau Schunke? “Was in allen Fällen gegenüber jenen Partnern, die wie ich, in einer intakten, harmonischen Familie aufgewachsen sind, fehlte, war der tiefe intrinsische Glaube an die Liebe..” Stattdessen immerwährende Party der endlos pubertierenden.

Reinhart Max / 23.01.2020

Wie auch immer Frau Schunke, mit Ihrem Artikel haben Sie mit Sicherheit eines der kompliziertesten Themen unserer Zeit angesprochen. Bei der Menge an Zuschriften sollten Sie sich überlegen ob Sie nicht einen eigenen Blog draus machen wollen oder wenigstens eine Serie.

RMPetersen / 23.01.2020

Ein aufmunternder Kommentar: Es wird schon werden! Es gibt unendlich viele geeignete Partner, man müsste allerdings ggf. die Ansprüche senken. Eine Frage: Wollten wirklich die Männer sich trennen (- weil sie eine Intelligente Frau nicht ertragen konnten, wie Sie darstellen), oder waren Ihnen nach einiger Zeit die Männer nicht gut genug? Meine Erfahrung nach einem langen Leben: Wenn man liebt, sind die Schwächen des Partners zu ertragen. Wenn diese immer grösser erscheinen, sollte man sich trennen. Dann ist die Liebe ohnehin zu Ende.

Heinz Gerhard Schäfer / 23.01.2020

Sehr geehrter Frau Schunke, - erfolgreiche Männer mögen sehr wohl auch sehr erfolgreiche Frauen! Alles andere ist ein weibliches Vorurteil gegenüber Männern! Sehen Sie sich bitte nicht nur die Scheidungsquoten an! Fragen Sie einmal, wer mehrheitlich zuerst zum Scheidungsanwalt geht, und aus welchen Motiven! Und wenn Sie das Berücksichtigen wird klar, warum viele Männer keine feste Bindung mehr wünschen, trotz harmonischem Elternhaus. Ein gemeinsames Leben mit einer festen Partnerin ist für Männer heutzutage mit einem hohen finanziellen Risiko (bis über die Rente hinaus) verbunden. (Hormone oder Schmetterlinge im Bauch hin oder her!) Das ist zwar unschön, aber letztlich alles! Fragen Sie Helen Smith, PhD, (MEN ON STRIKE, Why Men Are Boycotting Marriage, Fatherhood, ... and WHY IT MATTERS). Gilt nicht nur für die USA, sondern gerade auch für Schland.

Lisa-Karin Leigenbruch / 23.01.2020

Zu dem Thema gibt es ja einiges zu sagen. Es spielt sich in den unterschiedlichen Milieus auch unterschiedlich ab. Erschreckend ist jedoch, dass sich der Mainstream in Politik und Medien nicht damit befasst. Dort möchte man lieber, dass frisch eingetroffene Frauen aus Syrien und Afrika die nächste Generation in die Welt setzen. Weil das Land sich sonst nicht schnell genug verändert.

A. Goertz / 23.01.2020

Liebe Frau Schunke, ohne Frage sind Sie eine kluge (und zwar sowohl im Sinne von gebildet aus auch intelligent, was zwei Paar Schuhe sind) und attraktive Frau. Und suchen Ihren Partner für’s Leben in Clubs und über Tinder. Ernsthaft? Was erhoffen Sie Sich denn in diesem Wohnzimmern der spontanen Bedürfnisbefriedigung zu finden? Und statt sich selbst ehrlich zu machen und sich zu fragen “was kann und will ich in einer Beziehung geben und was möchte ich dafür bekommen” lamentieren Sie hier über gesellschaftliche Verwerfungen, die Schuld an ihrem Dilemma sind. Sie schreiben, Männer orientieren sich eher nach unten als Frauen. Dafür muss man aber erstmal Kriterien für Unten und Oben definieren. Ich kenne (gut verdienende) Akademiker, die wohnen mit 40 noch bei Mama und haben kein wesentliches Erspartes, weil man natürlich gerne, häufig, lange und teuer an den exotischen Plätzen der Welt urlaubt und sich alle 3 Jahre ein schickes neues Auto gönnt. Und ich kenne Handwerker, die sind in diesem Alter glücklicher Papa zweier Kinder, das Haus ist abbezahlt (maroder Altbau wurde günstig gekauft und mit viel Eigen- und Freundesleistung schmuck renoviert -man ist vielleicht selber Elektriker und kennt Dachdecker, Fliesenleger, Fensterbauer sowie Gas/Wasser/Schei*e-Experten seit Jahrzehnten aus Sportverein und Freiwilliger Feuerwehr. Dafür geht der Familienurlaub an die Nord- oder Ostsee, alle paar Jahre mal nach Malle oder Fuerte, und als Familienkutsche hält ein gebrauchter Fiat Doblo oder Citroen Berlingo her. Tja, der eine macht im Club ‘ne Menge her mit seinem BMW-Schlüssel und den beeindruckenden Fotos aus Neuseeland, das Bild bricht aber spätestens zusammen, wenn die Frage “zu mir oder zu Dir” aufkommt. Und der andere ist seit 10 Jahren vom Markt. Oben, Unten? Frau Schunke, auch bei der Partnerwahl gelten die wahren Worte ihres Kollegen Dushan Wegner: ordnen Sie Ihre Kreise (und klären sie Ihre Prioritäten).

HaJo Wolf / 23.01.2020

Über 200 Kommentare, das war mir jetzt zu viel zu lesen. Meine Feststellung: viele Frauen wollen heute die besseren Männer sein, wenigstens gleich gut im Job, natürlich gleich gut in der Bewältigung der Alltagsprobleme, gleich stark (mental, emotional) wie der Mann, kurz, die Emanzipation ist von vielen, zu vielen Frauen gründlich missverstanden und missbraucht worden. Solche Frauen will Mann nicht, es sei denn, Mann ist ein linksgrüner (Habeck & Co). Männer und Frauen sind nicht gleich (gottseidank!) und sollten es auch nicht versuchen. Frau will keinen weichgespülten Schlappschnuffi, Mann will keine abschreckende Emanze. Wo Mann oder Frau im Hügel steht, spielt keine Rolle. Dumm f***t gut stimmt übrigens auch nicht, liebe Männerwelt. Im Gegenteil. Vielleicht, liebe Anabel (ich erlaube mir einfach diese persönliche Ansprache) liegt es auch daran, dass Sie sich mit jeder Enttäuschung mehr unter Druck setzen. So wird das nix. Machen Sie’s wie ich: geießen Sie das Single-Leben, es hat unbestreitbar auch Vorzüge. Warten Sie nicht auf den Mr. Right. Der kommt irgendwann, wenn Sie nicht damit rechnen. Suchen Sie keine Ersatzmänner (es sei denn, für einen ONS, aber dann werfen Sie den Typen vor dem Frühstück wieder raus). Leben Sie. Der Rest ergibt sich. Viel Glück, viel Freude!

Miriam Jäger / 23.01.2020

Hallo Frau Schunke, ich bin grundsätzlich ganz Ihrer Meinung und bewundere Ihre Offenheit. Trotzdem möchte ich anmerken, vor nicht allzu langer Zeit vom Gegenteil (wo???) gelesen zu haben: Männer suchen sich immer mehr Frauen mit gleichwertigem Bildungsabschluss, was dann bedauerlicherweise zu noch mehr Ungleichheit in der Gesellschaft führe. Weiterhin Ihre treue Leserin, MJ

Peter Olhöft / 23.01.2020

Sehr geehrte Frau Schunke, bin 46 Jahre, verheiratet und habe ein paar Kinder. Das ist tatsächlich der schönste Zustand. Warum treffen sich Paare und bleiben zusammen oder auch nicht? Ich habe keine Antwort. Jedoch sind wir, da es ja um die Erzeugung von Nachwuchs geht, zunächst einmal biologische Wesen. Das heißt m.E. dass der Verstand, auf den Sie so stolz sind, hier keine Rolle spielt. Man sagt, dass man sich riechen können muss. Zunächst spielen rein körperliche Aspekte eine Rolle. Und wahrscheinlich sind wir Männer von der Natur her so gestrickt, dass wir Frauen mit einem Körperbau attraktiv finden, der sexuelles Vergnügen und unterbewusst eine gute Annahme und Versorgung unseres Erbgutes verspricht. Ich behaupte mal, für diese höchstwichtige Qualität sind wir gerne bereit, einen Intellekt hinzunehmen, der eventuell, wie sage ich das jetzt, eher auf der Talseite (um in Ihrem Bild zu bleiben) zu finden ist. Aber ein Mann möchte sich mit seiner Frau sicherlich nicht ständig über Atomphysik - oder Politik - unterhalten. Ein Mann möchte von seiner Frau geliebt und angenommen werden. Und dafür braucht es eben keinen Intellekt sondern ein intuitives Verständnis für den Mann. Wir Männer sind eigentlich nur arme Irre, die in Suche in der Welt herumlaufen. Erst die Frau gibt uns Ziel und Heimat. Und somit wünsche ich Ihnen einen Mann, der Sie trotz Ihres hervorragenden Intellektes annimmt und dem Sie Heimat sein können.

Ivonne Beck / 23.01.2020

Sehr geehrte Frau Schurke, obwohl meine Partnersuche bereits viele Jahre zurückliegt und ich schon damals ähnliche Probleme, wie Sie heute, hatte, den richtigen Partner zu finden, um eine Familie zu gründen, muss ich im Nachhinein feststellen, meinen Mann habe ich erst gefunden, als ich die Suche nach dem „richtigen“ Partner aufgegeben hatte und mich damit abgefunden hatte, für immer alleine zu bleiben. Die Männer, die ich kennen gelernt habe und die mich interessant fanden, entsprachen nicht meinenWünschen und Männer, die mir gefielen, habe ich mich absolut unnatürlich und seltsam benommen, so dass diese mich nicht besonders anziehend fanden. Schließlich lernte ich meinen Mann kennen, und er kam für mich, obwohl ich ihn wirklich toll fand, überhaupt nicht in Frage, weil er in meinen Augen viel zu jung war. Und genau das war der Schlüssel. Ich habe mich in seiner Gegenwart immer normal und natürlich verhalten, eben So wie ich war, mit all meinen „Macken“ und habe auch ihn so akzeptiert, wie er war, übrigens bis heute. Wir haben es sogar geschafft, noch ein Kind zusammen zu kriegen, obwohl ich eine sog. Spätgebärende war. Inzwischen ist unser Sohn volljährig, und wir immer noch zusammen. Ich glaube, das Wichtigste ist, das Leben so zu nehmen, wie es ist. Wenn man einem Partner findet, ist es o.k., wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung. Ansonsten sollte man sich möglichst so verhalten, wie man ist und auch anderen Menschen gegenüber Toleranz zeigen. Nur so ist es auch möglich, nach der ersten Verliebtheit noch viele Jahre durchzuhalten, auch wenn es viele Dinge gibt, die einen am Partner vielleicht nicht gefallen. Man selbst ist ja schließlich ebenfalls nicht perfekt und ohne Fehler.

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