Fundstück / 04.07.2013 / 21:31 / 7 / Seite ausdrucken

Warum Snowden zum Idol wird

Zitiert aus cicero.de:
Die Stilisierung von Edward Snowden zum Märtyrer der Wahrheit ist ein Symbol für die Krise des kritischen Journalismus. Die zunehmende Verehrung von Whistleblowern ist eine Begleiterscheinung der Politikverdrossenheit.

Die Welt hat einen neuen Messias. Gewissermaßen über Nacht wurde Edward Snowden, ein bis dahin gänzlich unbekannter Systemadministrator, der für die National Security Agency der Vereinigten Staaten von Amerika tätig war, zu einem modernen Heiligen befördert, der „uns“, wie vielerorts zu lesen war uns ist, von unserem Unwissen über die miesen Praktiken der USA „erlöst“ hat…

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Leserpost

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Susanne Baumstark / 05.07.2013

Ausschließlich vom Fall Snowden ausgehend das Whistleblowing pauschal zu verunglimpfen wird der Sache nicht gerecht. Dafür hätte der Autor auch erst einmal definieren müssen, was er unter Whistleblowing versteht. Mit dem Begriff Whistleblower sind ursprünglich Personen gemeint, die etwa als Angestellte in Unternehmen, Pflegeheimen etc. Missstände erkennen und – erst! – nach erfolgloser Dialogsuche mit der Betriebsleitung firmenexterne Wege gehen, um auf Beseitigung dieser Missstände hinzuwirken. Achtung und Vertrauen wird in diesen Fällen nicht zerstört, weil diese Tugenden dort von vornherein nicht vorzufinden sind – sonst wäre es zu diesen Missständen auch nicht gekommen. Dass es einer Menge Mut bedarf, diesen Weg zu gehen, während sich sämtliche Kollegen wegducken und den Mund halten, steht außer Frage.

Klara Kornfehlt / 05.07.2013

Von “glory” ist eben nur noch “hallelujah” übrig. Das gefällt vielen nicht. Am wenigsten denen, die ständig “Freundschaft” in jeden Satz einbauen. Die “Konsensrepublik” erleuchtet heller, ohne vermeintlich böse Worte. Ganz klar, ein Geheimdienst ist eben genau das, von dem alle wissen müssen, was er zu sein hat. Ohne Überraschung!

Johannes Torker / 05.07.2013

Und plötzlich waren wir ein drittklasse Partner. Hätte man, dass nicht vorher ahnen können? War ein strategischer Blickwechsel vom Atlantik hin zum Pazifik kein Hinweis, dass die USA auf die EU nicht ewig wartet? Warum hat sich eigentlich kaum jemand Gedanken gemacht wie wir die USA ständig behandeln und welche Rhetorik wir anschlagen? Ist es denn seriös empört zu sein wenn uns beste Freund stets zur Seite steht? Sei es 40 Jahre beim in Schach halten der UDSSR, sei es beim Kampf gegen drittklasse Diktatoren am Balkan in den 90ern oder als die EU Gaddafi los werden wollte und schnell klar wurde, dass wir dazu alleine praktisch nicht in der Lage sind. Zusätzlich müssen sich US-Vertreter im Fernsehen gebetsmühlenartig anhören was Amerika nicht alles verbrochen haben soll, dass “wir” gegen ihre Art von Gesetzen sind. Natürlich wirkt es auch nicht heuchlerisch wenn die eigene Energiesicherheit im Nahen Osten kaum bewerkstelligt werden kann wir den Amerikanern Irak vorhalten und gleichzeitig fast jeder Cent mehr an den Tankstellen eine Krise auslöst. Beste Freunde leben vom Geben und Nehmen. Wenn man allerdings stets nur nimmt und fast nie etwas gibt ist es schon ein starkes Stück sich aufzuregen wenn der beste Freund einen nur noch als drittklasse Partner einstuft.

Hubert Appenrodt / 05.07.2013

Die USA haben guten Grund, Deutschland zu überwachen, schließlich kamen Sloterdijks harmlose Hochhausflieger aus Hamburg. Hamburgs Politiker aller Senats-Parteien behelligen niemanden, sobald er die Suren des Korans wortwörtlich auslegt und danach handelt, was bis auf den heutigen Tag niemanden sonderlich interessiert, im Falle der New Yorker Twin Towers mit einer Aufmerksamkeit, als sei lediglich jemand in China mit einem Fahrrad gegen die chinesische Mauer gebrettert. Zudem ist Deutschland, wohl einmalig in der Welt, das Land, das Massenmördern (u.a. aus Ruanda und Algerien), insbesondere arabischen Kopfabschneidern (u.a. sogenannte Rebellen aus Syrien), uneingeschränkt und mit Wohlwollen Asyl gewährt. Diesem Land, vor allem seit dem politischen Erweckungsjahr 1968 in ewiger Kontinuität stehend, ist zutiefst zu mißtrauen!

Martina Maier / 05.07.2013

Welche Enthüllungen waren es denn überhaupt? Das seit dem Jahr 2001 vermehrt E-mails gescannt werden und der Datenverkehr beobachtet wird? Mich erschreckt eher die Tatsache, wie unwissend oder auch anmaßend diese Heldenverehrer sind. Von Sprüchen wie “Das Internet gehört uns allen” oder “Verletzung des “Deutschen” Datenschutzgesetzes” bis hin zur “kapitalistischen Weltverschwörung der Amis” kursiert jede erdenkliche Meinung über diese Situation. Der aufgeklärte Bürger, der durch Google zu günstigen Sonderangeboten findet, weiß allerdings nicht, dass bereits seit mehr als 30 Jahren schon alleine durch das Spionageprogramm Echelon, die internationalen Kommunikationswege beobachtet werden. Dies war schon x-mal in der Presse und ein bisschen Googlen würde auch diese Weisheit ans Tageslicht bringen. Der gleiche Bürger regt sich aber auf, wenn die Kanzler das Wort “Neuland” in Bezug auf das Internet gebraucht. Dieser Ausspruch erhält in dem Zusammenhang tatsächlich einen Sinn. Die Kanzlerin gibt es allerdings wenigstens zu. Die Heldentumgesellschaft bildet ihren eigenen Geschmack und bei “Bedarf” zum Helden deklarieren. Dabei spielt Recht eine untergeordnete Rolle, denn sonst würde man - wie ja schon oben bemerkt - den Datenklau bezgl. der Steuersünder-CD genauso mies bewerten, wie die Spionage fremder Länder. Aber Steuersünder waren schon immer diejenigen, die weder zum Helden werden, noch eine Lobby haben. Sie gehören der Meinung nach vieler zu den Asozialen und da ist jedes Mittel recht, wenn es hoch kommt auch teeren und federn. Da wird auch kein Asylrecht gefordert, weil sie ja Verbrecher sind und das Gesetz des Landes gebrochen haben. Terroristen, Kinderschänder und Gewaltverbrecher sind anscheinend gesellschaftsfähiger und nicht der Rede wert und rechtfertigen natürlich auch kein scannen von täglich 20 Millionen E-mails auf verdächtige Wörter. Mehr ist es sowieso nicht, denn welcher Mitarbeiterstab wäre nötig um diese Menge von Mitarbeiterflut einzeln zu sichten und auszuwerten?

Aron Sperber / 05.07.2013

Einen jungen amerikanischen Überläufer mit Profilierungsneurose hatte es ja schon einmal gegeben. Nur wurde die Geschichte von den damaligen Medien bei weitem nicht so aufgebauscht, sodass Lee Harvey Oswald, als er sich im realen Sozialismus langweilte, die Rückkehr nicht verwehrt blieb. Wenigstens dieses Problem dürfte es bei Snowden nicht geben. Soll er doch bleiben, wo er ist.

Maria-Anna Konietzko / 04.07.2013

Ein wenig merkwürdig ist es schon, wie jemand, der seinen Arbeitgeber hintergeht und dessen Daten verrät bei uns zum Helden wird, genauso wie die diversen schweizer Bankangestellten,  die unseren Finanzbehörden geklaute Daten ihrer Arbeitgeber überließen, und von der Politik dafür mit hohen Millionenbeträgen aus dem Säckel der Steuerzahler belohnt wurden. Politik und Presse feiern Snowden für seine Aufdeckung unserer Überwachung durch die NSA , wenn aber der Gesetzgeber im Laufe der letzten Jahre das Bankgeheimnis fast völlig abgeschafft und das Finanzamt in unseren Konten herumschnüffelt, der Bürger gläsern wurde, interessiert das fast nicht. Und abschließend: die Aufgabe von Geheimdiensten ist nun mal Spionage zum Wohl des eigenen Landes, unabhängig von Freund und Feind, und das weiß auch jeder. Empörender ist da eher die entsprechende Tatenlosigkeit der eigenen Dienste. Der Schutz des Landes nach außen ist eine der wenigen Aufgaben, die der Staat wahrnehmen sollte, aus den meisten der von ihm an sich gerissenen Tätigkeiten sollte er sich dafür dringend zurückziehen.

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