„Warum die Künstler fast alle links sind, kann ich auch nicht verstehen.“ Dies sagte Heiner Lauterbach vor ein paar Wochen. Ich möchte versuchen zu erklären, warum das so ist. Viele Kunstformen sind extrem kostenintensiv. Oper, Theater, Film, große Orchesterproduktionen beschäftigen Dutzende Schauspieler, Musiker, Techniker, Bühnenbauer und Kostümbildner. Besonders deutlich wird dies, wenn man ein Musical besucht. Musicalkarten sind für gewöhnlich sehr teuer, und das, weil ein Musical eben besonders personalintensiv ist.
Bei der Oper ist das hingegen anders, dort gibt es deutlich günstigere Karten, aber warum ist das so? Eine Oper ist nicht weniger personalintensiv als ein Musical, aber der Unterschied zwischen den meisten Musicals und den meisten Opern ist, dass die Opernhäuser in Deutschland staatlich subventioniert werden. Der reale Preis ist bei der Oper genauso hoch oder gar höher als beim Musical, nur zahlt einen Großteil dieses Preises nicht der Besucher, sondern der Steuerzahler. Beim Musical bezahlen nur jene Menschen, die hingehen. Bei einem subventionierten Opernhaus jedoch zahlen alle Bürger, auch diejenigen, die nie eine Aufführung besuchen.
Das ist der Kernpunkt. Es gibt Kunstformen, die sich am Markt nur schwer oder gar nicht tragen können. Diese Kunst ist strukturell auf Umverteilung angewiesen.
Früher war der Staat nicht demokratisch, sondern monarchisch organisiert. Wer über Ressourcen verfügte, entschied über Kunst. William Shakespeare stand unter dem Schutz von Elizabeth I. Molière wurde von Louis XIV. gefördert. Damals entschied der Hof, was gefördert wurde. Heute entscheidet das Parlament über Kulturhaushalte. Der Mechanismus ist strukturell ähnlich. Wer das Geld verteilt, beeinflusst das kulturelle Feld, und Abhängigkeit erzeugt immer auch Nähe.
Wenn man die Kunst dem freien Markt überlässt
Nicht-subventionierte Theater müssen mit subventionierten Häusern konkurrieren. Ein freies Theater muss seine Eintrittspreise so kalkulieren, dass sämtliche Kosten gedeckt sind. Ein staatlich gefördertes Haus kann die Preise künstlich niedrig halten, weil der Großteil der Kosten bereits über Steuern gedeckt wird. Das verzerrt den Markt. Der Staat greift damit nicht nur unterstützend ein, sondern er verändert die Spielregeln. Besonders problematisch wird das für neue Künstler ohne institutionelle Kontakte, kleine freie Ensembles und unabhängige Produzenten.
Das gilt übrigens auch für Künstler aus sogenannten marginalisierten Gruppen. Ein Staat, der sich zur Aufgabe erklärt hat, Künstler mit gewissen Eigenschaften, wie zum Beispiel Migrationshintergrund, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit, zu unterstützen, tendiert dazu, eben jene Menschen zu unterstützen, die so sind, wie es sich die Finanzierungsinstitution wünscht. So entsteht nicht Theater von marginalisierten Gruppen, sondern Theater von marginalisierten Gruppen, die sich so verhalten, wie es der Geldgeber möchte.
Staaten, die glauben, sie müssten migrantisches Theater fördern, verstehen nicht, dass das nicht ihre Aufgabe ist. Migranten machen nämlich selbst am besten migrantisches Theater, und am besten, wenn es keine ideologische Wettbewerbsverzerrung am Markt gibt. Jede Gruppe macht ihre Kunst am besten selbst, das heißt frei und ohne politische Gremien, die definieren, was förderwürdig ist.
Gerade in den USA kann man sehen, wie positiv es sich auf die Kultur und vor allem auf die Vielfältigkeit der Kultur auswirkt, wenn man die Kunst dem freien Markt überlässt. Jazz, Blues, Broadway, all diese Kunstformen entstanden nicht primär aus staatlichen Programmen, sondern aus urbaner Freiheit. Minderheiten konnten dort kulturell sichtbar werden, weil sie direkt ein zahlendes Publikum erreichen konnten. Ein Dollar ist nämlich ein Dollar wert, und zwar unabhängig davon, ob er von einem Schwarzen, Weißen, Juden, Christen, Mann oder Frau ausgegeben wird. Der Markt diskriminiert nicht nach Identität, sondern nach Nachfrage.
An den USA kann man auch erkennen, wie tödlich es für die Kunst sein kann, wenn ideologische Konzepte überhandnehmen, denn gerade Hollywood, Netflix und viele andere Anbieter von Filmen und Serien erleben gerade einen massiven Publikumsschwund und ernten harte Kritik, weil sie Geschichten nicht mehr erzählen, um eben Geschichten zu erzählen und das Publikum zu unterhalten, sondern um Haltung zu transportieren, Ideologien zu propagieren und vermeintliche Diversität zu fördern. Dabei fördern sie eben nichts weiter als ihre eigenen Ideologien, ihre eigenen Haltungen, Überzeugungen und das, was sie für divers halten.
Je stärker Kunst vom Staat abhängt, desto stärker gerät sie in politische Abhängigkeit
Wer beruflich von staatlicher Förderung abhängt, hat ein objektives Interesse daran, politische Kräfte zu unterstützen, die diese Förderung sichern oder ausbauen, und linke Parteien definieren sich nun mal historisch und ideengeschichtlich stärker über das Prinzip der Umverteilung durch den Staat. Das ist sogar ihr Kern. Laut linker Überzeugung soll der Staat seine Ressourcen einsetzen, um soziale Gerechtigkeit, Ausgleich, kulturelle Förderung, Umweltziele und andere höhere Ziele zu verwirklichen. Konservative, liberale und libertäre Menschen hingegen betonen stärker Eigenverantwortung, private Initiative, freiwillige Kooperation und Marktmechanismen.
Auch konservative Menschen wollen Gerechtigkeit, Frieden und Hilfe für Bedürftige. Der Unterschied liegt jedoch im Instrument. Linke setzen stärker auf staatliche Umverteilung, Rechte und Liberale stärker auf individuelle Verantwortung und freiwillige Strukturen. Wenn also ein Künstler möchte, dass seine Kunst aus Steuermitteln finanziert werden soll, dann passt das strukturell eher zu linken Programmen.
Je stärker Kunst vom Staat abhängt, desto stärker gerät sie in politische Abhängigkeit. Ich habe es schon sehr oft erlebt, dass Kollegen von mir, die Förderanträge ausgefüllt haben oder sich um Subventionen beworben haben, ganz genau wussten, welche Begriffe sie in ihre Anträge zu schreiben hatten, welche Inhalte sie zu bearbeiten hatten und vor allem, wie sie sie zu bearbeiten hatten, um an die Fördergelder zu kommen. In der Kunst herrscht eben das alte, aber immer noch hochaktuelle Sprichwort: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“
Wenn man Kunst wirklich emanzipieren will, muss sie sich aus der strukturellen Abhängigkeit vom Staat lösen, um faire Wettbewerbsbedingungen für alle zu schaffen. Genau diesen freien Markt aber möchten viele linke Künstler nicht, vermutlich, weil sie befürchten, sich auf dem freien Markt nicht behaupten zu können, weil sich eben viel zu wenige Menschen für ihre Kunst interessieren.
Das ist nämlich der Hauptunterschied zwischen linken Menschen und Kapitalisten. Wenn ein Kapitalist sein Produkt nicht loswird, dann versucht er, es besser zu machen. Wenn ein Sozialist sein Produkt nicht loswird, dann zwingt er die Leute, es zu finanzieren. Und wenn ein Staat dann diesen Zwang anwendet, muss er diese Gewalt immer rechtfertigen, und zwar am besten mit hohen Idealen. Er braucht also Plattformen, die erklären, warum die Gewalt für das Gute und das Schöne und die hohen Ziele notwendig ist. Diese Plattformen bieten Theater, Kinos und andere Kulturräume. So wäscht eine Hand die andere, es sind halt nur immer linke Hände.

Leider beschränkt sich die Abhängigkeit vom Geldgeber und der vorauseilende Gehorsam bei der Antragstellung nicht auf die Kunst. Mittlerweile ist auch die Wissenschaft intensiv damit infiziert. Wer nicht „Klima“ oder „Gender“ in seinen Antrag schreibt, ist draußen – auch wenn das Thema damit nichts zu tun hat. Besonders schön ist das bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), einem der größten Geldverteiler. Hier ist das Vergabeverfahren besonders intransparent und entsprechend ist es ratsam, seinen Antrag extra devot zu schreiben…
maciste grüß euch. hanns johst hat es auf einen satz gebracht. ich bin rechts. battle on.
Ludwig von Mises untersuchte in „Die Wurzeln des Antikapitalismus“ die Ressentiments verschiedener Gesellschaftsschichten gegenüber dem Laissez-Faire-Kapitalismus, dabei bekommen Filmstars und Bühnenhelden und auch Hollywood-Autoren eigene Kapitel. Die Crux ist, daß im Kapitalismus der Verbraucher Souverän ist und die Freunde der Musen nicht unbedingt den Wert ihrer Produkte einschätzen können, wie etwa ein Seifenfabrikant. Mehr als 80% können überdies nicht auskömmlich als Musiker oder Schauspieler existieren. Diese Rollenunsicherheit macht die Theater und Künstlerszene anfällig für totalitäre Versprechungen und Mises postulierte, daß entauschter Ehrgeiz eine große Rolle spielt, bei der Präferenz sozialistischer Weltdeutungen. Es gibt immer jemanden, der besser ist; über diese Anomalie haben sich bestimmt viele geäußert, aber die Gründe, die in diesem Werk aufgeführt sind, etwa das die Sozialphilosophie des kleinen Mannes postuliert, daß Reichtümer zwingwnd Ursache der Armut Anderer seien, macht die Untersuchung zeitlos und hat in der Aufzählung der Ursachen bislang wenig Staub angesetzt.
Wie hier richtig kommentiert gab es auch zu Königs Zeiten durchaus kritische Geister, welche keineswegs brav folgten. Michelangelo war wohl auch ein sehr autonomer Künstler, einer, bei dem die Bezeichnung allerdings auch zutrifft. Ich bin mir nicht sicher, ob es nur ! die Alimentation ist, die zweifellos eine Rolle spielt. Bei manchen hege ich den Verdacht, dass sie nicht zu dem wurden, was sie sind, sondern dass sie schon über eine bestimmte , allgemeine Disposition verfügten, welche sie nun ausleben. Es gibt es durchaus materiell unabhöngige Figuren zuhauf, welche dem Wokismus und vor allem einem bestimmten Bild frönen, Feudalismus inklusive. Die Ausfälle z.B. der Herren de Niro und Clooney dürften weniger ihrer Alimentation geschuldet sein, als dieser speziellen Disposition derjenigen, die sich für diesen Job entscheiden. Von gewissen psychischen Störungen abgesehen, welche kompensiert werden müssen.
Frei nach H.E.:
Es gibt Theater, die erfreuen sich Subventionen und es gibt Theater, die erfreuen das Publikum.
Tja , es gibt eben heutzutage kaum noch Andrew Carnegies , besonders in Deutschland . Der Kammermusiksaal der Philharmonie wurde mit Steuergeldern und Spenden gebaut , und nicht vom Geld der Gebrüder Albrecht allein , was nicht weiter schlimm ist , denn Trump kauft ja auch eher Golfplätze und baut selten Konzerthäuser . Höchstens Casinos , klingen wahrscheinlich besser . Müßte man eigentlich auch als Verfasser von auf edel gesalbten Primaneraufsätzen zum Thema „ Links – Rechts, Rechts- Links“ verstehen . Aber ganz sicher bin mir nicht bei Ihnen , Herr Buurmann .
Der Applaus ist das Brot des Künstlers.