Dieter Prokop, Gastautor / 03.09.2019 / 12:00 / Foto: Pixabay / 60 / Seite ausdrucken

Warum ist die Banane grün? Ein Szenario zur nächsten Bundesregierung

Warum die Banane krumm ist, fragte am Wahlabend im Fernsehen natürlich niemand – aber die Frage, warum ein Großteil der Wähler und Wählerinnen die AfD gewählt hatte, wurde mit einem ähnlich staunenden Habitus gestellt. Allerdings war, anders als gegenüber der Banane, am Wahlabend das Staunen geheuchelt, denn sowohl die Politiker als auch die Journalisten kannten die Ursache genau, zeigten aber nach außen ein totales Erstaunen. Die Ursache war wieder einmal die Migrations- und Klimapolitik: die Nicht-Existenz eines nüchternen, realitätstüchtigen, kostenbewussten, verantwortungsethischen Handelns seitens der Regierungsparteien. Die Folgen für CDU und SPD sind bekannt.

Die aufregendste Deutung an diesem Wahlabend war, dass der Vorsitzende Gauland in der Talkshow von Anne Will die AfD zur „größten bürgerlichen Volkspartei in der Opposition“ erklärte. – Bürgerlich! Die AfD! Es war klar, dass dieser „Tabubruch“ öffentliche Aufmerksamkeit erregen würde, aber dass es so schnell passierte, war doch bemerkenswert. Noch am Abend stellte nämlich Wiebke Binder, Moderatorin der Dresdner Wahlabend-Sendung, dem CDU-Vertreter Marco Wanderwitz die Frage, ob er sich in Sachsen statt des Dreier-Bündnisses von CDU, SPD und Grünen nicht auch eine Zweierkoalition vorstellen könne, „eine bürgerliche“, die wäre ja auch mit der AfD möglich. Das war eine Frage, die jeder Journalist in der gegebenen Situation fragen muss. Aber sie hatte, statt z.B. „Koalition mit den Rechtspopulisten“ das Wort „bürgerlich“ verwendet! – wehe dem, der dieses Wort im Zusammenhang mit der AfD in den Mund nimmt! Die Journalistin wurde mit einem Shitstorm und Kollegen-Distanzierungen überschüttet. 

Bemerkenswert war es auch, wie bei Anne Will der Grünen-Chef Habeck immer mehr die Haltung des Denkers von Rodin annahm: den Kopf gesenkt, ein nachdenklicher treuer Blick, nachdenkliche Stirnfalten, und den Wuschelkopf nachdenklich aufgestützt. Dass er dann nicht nachdenklich sprach, sondern die üblichen Floskeln von sich gab, fiel als Kontrast zu dieser Denker-Performance auf.

Außerdem war es bemerkenswert, dass die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer nirgendwo auftauchte. Keinerlei Statement von der Vorsitzenden der CDU an diesem Wahlabend! Das war seltsam. Einen Moment lang konnte man vermuten, dass eine Parteivorsitzende, wenn sie an einem  Wahlabend nicht im Fernsehen auftritt, dem Dilemma nicht gewachsen ist, vor dem ihre Partei steht. 

Eine Parteivorsitzende, die sich am Wahlabend nicht zeigt

Das Dilemma sieht so aus: Kanzlerin Merkel will bei der Bundestagswahl 2021 die schwarz-grüne Koalition erreichen. Alle wissen, dass das nur auf Kosten von Wählerstimmen für die CDU erreichbar ist und daraus eventuell sogar eine grün-schwarze Koalition werden könnte, mit Habeck als Bundeskanzler. Dennoch blieb die Parole der CDU auch am Wahlabend immer noch die „klare Kante“: die demonstrative und mit vielen Diffamierungen verbundene Ablehnung einer schwarz-blauen Koalition.

Faktisch befindet sich die CDU in der Falle: Wenn sie Schwarz-Grün anstrebt, verliert sie Wähler an die AfD. Sollte sie Schwarz-Blau, anstreben, verlöre sie Stimmen an die Grünen. Kramp-Karrenbauer hätte hierzu am Wahlabend Stellung beziehen oder zumindest eine gewisse Offenheit gegenüber beiden Optionen andeuten können – und vielleicht auch müssen, schon deshalb, weil sie damit ihre künftige Verhandlungsposition gegenüber den Grünen hätte stärken können. Da war jedoch die Kanzlerin vor. Aber kann 2021 eine Parteivorsitzende Kanzlerin werden, die sich an einem Wahlabend nicht zeigt und nicht wenigstens ein paar Phrasen von sich gibt, die Optionen freihalten und zugleich alle Gegensätze übertünchen? Besteht nicht gerade darin die Kunst einer Kanzlerin? 

Kramp-Karrenbauer meldete sich erst am nächsten Morgen, am 2.9. im Morgenmagazin, und da zeigte sie rhetorisch die gute alte „klare Kante“.

Seit dem 2.9.2019 ist damit klar: die Situation am Wahlabend der Bundestagswahl 2021 wird dieselbe sein wie 2019 in Sachsen: nach einer gewaltigen Diffamierungskampagne wird die AfD – nicht zuletzt wegen der ihr zuwandernden Protestwähler, die die Diffamierungskampagne widerlich finden – die zweitstärkste Partei. Doch wird ein anderer Teil der Wählerinnen und Wähler die CDU wählen, um die Welt vor der „Wiederkehr des Faschismus“ zu retten. Dann wird Kramp-Karrenbauer Kanzlerin.

Oder bei den Grünen vermischt sich bis 2021 die weltfremde Hysterie gegenüber einem „neuen Faschismus“ – weltfremd, weil zum Beispiel Kurz und Salvini keine „Faschisten“ sind, hinter ihnen stehen doch keine Gestapo-Mörderbanden! – mit dem hysterischen, quasi-religiösen Klima-Katastrophismus zu einer publizistisch hochaktiven Weltrettungs-Bewegung, unterstützt von NGOs und Influencern. Dann wird Habeck Kanzler.

Und die CDU mit ihrer klaren Kante darf dann mit der AfD um den Titel „bürgerliche Oppositionspartei“ ringen.

 

Dieter Prokop ist Professor em. für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Er schrieb mehrere Bücher über Europa. Sein neuestes Buch heißt „Europas Wahl zwischen Rhetorik und Realität.“

Foto: Pixabay

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Karla Kuhn / 03.09.2019

Herr Dairie, Sie sind göttlich, ich lach mich schief, rattern wie ein Maschinengewehr, herrlich ! Jetzt kann ich gut schlafen.

Karla Kuhn / 03.09.2019

“Wenn die Bundesregierung Deutschland einen fundamentalen Richtungswandel in Richtung rot-grün vollziehen würde, dann wäre unsere Arbeit der letzten 40 jahre umsonst gewesen. (…) Das Leben der zukünftigen Generationen würde auf dem Spiele stehen. (…) Wir stehen doch vor der Entscheidung: bleiben wir auf dem Boden trockener (…) bürgerlicher Vernunft und ihrer Tugenden oder steigen wir in das buntgeschmückte Narrenschiff Utopia ein, indem dann ein Grüner und zwei Rote die Rolle der Faschingskommandanten übernehmen würden”, so Strauß.  Quelle: You Tube Franz Josef Strauß 1986.. LEIDER scheint Söder auch im “GRÜNEN REIGEN” mitzutanzen. Damit scheint die CSU auch KEIN Bollwerk mehr gegen die Rot Grünen Kommunisten Wahn Traümereien zu sein ! Für mich gibt es nur den “Boden trockener, bürgerelicher Vernunft und ihrer Tugenden”  TRAURIG und SCHADE zugleich, daß es keine Politiker ala Strauß und Schmidt mehr gibt ?? Oder hat sich doch irgendwo einer versteckt und traut sich nicht raus ??

HaJo Wolf / 03.09.2019

Die CDU ist längst keine Partei der bürgerlichen Mitte mehr, dafür hat IM Merkel gesorgt. Grün.schwarz ist der endgültige Untergang und Rückfall in vorindustrielle Zeiten. Die nächste Bundestagswahl muss die AfD als stärkste Kraft sehen, um die keine Partei bei der Regierungsbildung herum kommt. Es muss auch Aufgabe der Autoren hier auf Achgut sein, jedes AfD-Bashing zu unterlassen und für eine starke Alternative zu sorgen. Die bedenklich unappetitlichen Figuren in dieser Partei werden sich mit der Zeit und mit dem Erstarken selbst ad absurdum führen und verschwinden. Ich trete morgen in die AfD ein. Weil ich keine Alternative für eine bürgerliche Mitte sehe.

Karla Kuhn / 03.09.2019

AKK Kanzlerin ? Habeck Kanzler ?? Malen Sie ja nicht das Scheckgespenst schon jetzt an die Wand !!  Habeck der bis heute nicht weiß, WAS er mit DEUTACHLAND anfangen soll oder AKK, die sich nicht mal sehen läßt, eine Frau OHNE RESPEKT vor dem VOLK,  das ihr mit seinem Steuergeld auch die Diäten bezahlt.  Falls es dazu kommen sollte, weil die Politiker, auch wenn sie verloren haben sich mit aller Macht eine Koalition zusammenbasteln, dann müssen die Menschen aber wirklich ihre WESTEN anziehen, müssen ja nicht gelb sein, auch blau ist eine schöne Farbe, klar und beruhigend. In meinem Bekanntenkreis gehen immer meht JUNGE, GUT AUSGEBILDETE Leute ins Ausland, das Karusell dreht sich immer schneller. Von einer guten Frendin sind gleich zwei Söhne hintereinander weg.  Ich kann alle dies jungen Menschen sehr gut verstehen, warum sollen sie ihre Steuern in einem Land lassen, wo das deutsche Volk als “diejenigen, die schon länger hier leben” betitelt werden ? Wo AfD Wähler teilweise zu NAZIS erklärte werden und die WAHREN NAZIVERBRECHEN damit ganz furchbar relativiert werden ?? Die NAZIZEIT und die STASIZEIT wurden BEIDE NIE richtig aufgearbeitet. Nazis waren in der Bundesregierung und die SED des UNRECHTSSTAATES DDR wurde einfach in die Linke umgewandelt, mit vorher paar Umwegen.  KRETSCHMER KANN NUR eine MINDERHEITSREGIERUNG anstreben oder eine KOALITION mit der AfD. ALLES andere wäre GEGEN den WÄHLERWILLEN und würde sich RÄCHEN !! Sein “Geschwätz” von gestern muß er nicht mehr ernst nehmen, hat ja früher sogar Merkel zugegeben. !!

sybille eden / 03.09.2019

Richtig Herr Wagner, -  eigentlich scheissegal wer diesen links-grünen Saustall als “Kaiser oder König” regiert. Denn die unglaublich langen Regierungsjahre des Kohls und Merkel drücken doch beim Dtsch. Wähler nicht anderes aus, als die SEHNSUCHT nach einem ewigen Kaiser/Kaiserin ! Mit lebendiger Demokratie hat das doch nichts zu tuen ! Also eine grüne,schwarze oder rote Autokratie ist völlig egal, Hauptsache eine gottgleiche Führung muss her !

sybille eden / 03.09.2019

Lieber Herr Eugen Richter ! Die Wurzeln dieser grünen “Bewegung” liegen viel weiter zurück als sie denken! Antworten darauf finden sie in einem Buch von EUGEN RICHTER ( ! ) mit dem Titel ” Sozialdemokratische Zukunftsbilder ” von 1906 ! Gibts bei Amazon. Schönen Gruss.

John Sheridan / 03.09.2019

“Sollte sie Schwarz-Blau, anstreben, verlöre sie Stimmen an die Grünen.” Bei der derzeitigen “Gemengelage” (Negativzins, Arbeitsplatzabbau, Kulturelle Überfremdung, CO2-Steuer, usw.) würde ich da deutliche Zweifel anmelden. Der Greta-Hype geht dem Ende zu, der Klima-Hockeyschläger wurde öffentlich “hingerichtet”, man(n) könnte vieles mehr aufzählen, es gibt maximal 20%-Klimahörige a la Melonengrüne, kommt die Rezession, sind es noch 2%.

Michael Hinz / 03.09.2019

@Roger Wegert @ all “Zwei oder drei Monate, dann hat sie die Amtdauer ihres früheren Mentors Kohl überdauert - genau das, was sie will, um unsterblich zu werden.” Toller Beitrag Herr Wegert, alles richtig bis auf die Conclusio:  Es interessiert nicht Geld, Ruhm, Ehre, auch nicht die eigene (historische) Unsterblichkeit. Das wäre alles nicht schlimm. Ich glaube, jemand will dieses Land und uns sterben sehen. Der alte Kommandant sah, nachdem seine größenwahnsinnige Politik gescheitert war, das deutsche Volk als das schwächere an, das seinen Untergang verdient habe. Der neue Kommandant verfolgt(e) weder eine größenwahnsinnige noch irgendeine Politik, sondern von Anfang an nur die größtmögliche Schwächung respective die Zerstörung dieses Landes. Sollte ich nicht hoffentlich unrecht behalten, werden künftige Historiker am meisten darüber staunen, wie (genial) einfach das alles war.

Sepp Kneip / 03.09.2019

Ich weiß nicht wie es kommt, dass bei Wahlen bis kurz vorher eine Partei vorne liegt und in den letzten Tagen ein Umschwung zugunsten der einer der Etablierten eintritt. Sei’s drum. Nach diesen Wahlen im Osten ist nichts mehr so, wie es vorher war. Man kann die Ergebnisse nicht wegleugnen. Die AfD wird auch im Westen jetzt nicht mehr nur als die von den Etablierten stigmatisierte Nazi-Partei angesehen werden. Wenn so viele Leute die AfD wählen, hat das einen Grund. Dieser Grund ist der durch die Etablierten verursachte Zustand dieses Landes. Den will man nicht mehr länger.

Heinz Gerhard Schäfer / 03.09.2019

Je tiefer sich die Rezession entwickeln wird, deren Anfänge wir zur Zeit in Deutschland und Europa erleben, je höher die Probleme der sozialen Umverteilung bei wegbrechendem Steueraufkommen, desto zahlreicher werden Wähler die AfD 2021 wählen. Schwarz-Grün ist daher noch lange nicht ausgemacht.

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