Worauf basieren die Medienberichte, wonach eine „gesunde Ernährung“ vor Corona schütze? Eine Kausalevidenz liegt nicht vor – aber es klingt so hübsch.
Es war zu erwarten, so sicher, wie England entscheidende Elfmeterschießen versemmelt: „Gesunde Ernährung schützt sowohl vor einer COVID-19-Ansteckung als auch schweren Verläufen der Corona-Infektion“. Meldungen in diesem Tenor sind derzeit fast überall zu lesen. Auf den Virusschutz-Teller gehören – was auch sonst – viel Obst und Gemüse, idealerweise eingebettet in die achso-gesunde mediterrane Ernährung. Natürlich alles faktenbelegt mit „neuen wissenschaftlichen Studien“. Doch hier muss man – mal wieder – klar konstatieren: Für die kolportieren Behauptungen, „gesunde pflanzenbasierte“ Kost könne vor SARS-CoV-2 schützen, existiert keine einziger Beweis.
Doch worauf basieren diese Medienberichte, wenn keine Kausalevidenz vorliegt? Ganz einfach: Wie immer handelt es sich dabei nur um sehr schwache Korrelationen, die in ihrer Aussagekraft, oder besser -schwäche, extrem limitiert sind und keine Ursache-Wirkung-Beziehungen zulassen. Ein kleiner „Refreshing-Exkurs“ zu den elementaren Unterschieden schafft schnell Klarheit – mit einer Ausnahme.
Dazu starten wir gleich mit einer noch ganz frischen „RWI-Unstatistik des Monats“ (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen) vom 30. Juni dieses Jahres, die da lautet: „Pflanzenkost hilft gegen Corona.“ Hintergrund der Klarstellung der Statistikexperten war ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Coronainfektionen, den eine kleine Studie (bei der 95 Prozent der Teilnehmer Ärzte waren) beobachtet hat – und über die zahlreiche Medien in „leicht verzerrt-überhöhter Form“ berichteten. Klar ist: Dieser Zusammenhang existierte in der Untersuchung tatsächlich: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Coronainfektion einen schweren Verlauf nehme, war in dieser kleinen Studie bei den Ärzten mit einer pflanzenbasierten Ernährung sichtbar kleiner.
Das Kernproblem allen „Wissens“ zu gesunder Ernährung
Aber es gibt das „große Aber“ – und das erklären die RWI-Forscher wie folgt:
„Das heißt aber nicht, dass die Ernährung die Ursache für einen milderen Krankheitsverlauf sein muss, wie es etwa das Deutsche Ärzteblatt in seiner Online-Ausgabe suggeriert: 'Studie: Ernährung beeinflusst Verlauf von COVID-19'. Es handelt sich hierbei um den klassischen Fall [sic!] eines unbegründeten Rückschlusses von Korrelation auf Kausalität. So steigt mit zunehmendem Konsum von Softgetränken das Risiko für einen Kreislaufkollaps. Aber nicht, weil der Konsum von Softgetränken einen Kreislaufkollaps begünstigt, sondern weil bei sommerlicher Hitze mehr Softgetränke konsumiert werden und die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses steigt.“
Die vollständige Lektüre dieser lesenswerten Unstatistik des Monats sei wärmstens empfohlen, denn sie verdeutlicht erneut das Kernproblem allen „Wissens“ zu gesunder Ernährung!
Und das lautet: Rückschlüsse aus Beobachtungsstudien bleiben in der Regel reine Spekulation. Außer Hypothesen nichts gewesen – stattdessen dominiert Glaskugellesen. Da 99 Prozent der Myriaden Ernährungsstudien eben auf diesen Beobachtungen basieren, fehlen Beweise im Sinne valider Kausalevidenz sowohl für gesunde Ernährung im Allgemeinen als auch für ungesunde Lebensmittel oder gar einzelne Inhaltsstoffe im Speziellen. Das ist auch der Grund, warum die sieben großen ökotrophologischen Fachorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die „Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel“ unisono kategorisch ablehnen (die „sieben auf einen Streich“-Statements sind hier nachzulesen). Da dieses Wissen essenziell und nicht nur wichtig ist, um Ernährungsmeldungen korrekt einzuordnen, hier nochmal der Satz der Sätze:
(Warum das so ist, das finden kritische Hinterfrager in einer kompakten Übersicht hier.) Dafür liefern sie aus Sicht der Ärzte-Zeitung etwas ganz anderes, und zwar einen nicht zu unterschätzenden sozialen Benefit: „Studien zum Einfluss der Ernährung haben zwar einen geringen wissenschaftlichen Wert – dafür sind sie methodisch in der Regel einfach zu schlecht. Aber sie liefern immerhin einen gewissen Unterhaltungswert und eignen sich damit für den nächsten Party-Small-Talk. Schließlich spekulieren viele Menschen leidenschaftlich gerne darüber, welche Diät die gesündeste ist.“
Das ist doch was Schönes – und kann elementar zum Wohlbefinden beitragen, denn: Lachen ist gesund. Wer kennt diese Weisheit nicht. Lachen Sie doch einfach herzhaft, wenn Sie beim nächsten Mal lesen: „Mediterrane Ernährung schützt vor Corona.“ Aber genießen Sie Ihre herzhaften Spaghetti Bolognese con aglio, olio e peperoncino mit einem großen Glas Vino Nobile de Montepulciano trotzdem, wenn Sie richtig Hunger haben und Ihnen das mediterrane Mahl wahrlich mundet.
Viel Schokolade hält Schweizerinnen schön schlank!
Und als lukullisches Highlight, als Dessert kredenzen wir natürlich: Schokolade, der Digestif wird Kaffee. Warum? Natürlich, weil beides „supergesund“ ist! Sie zweifeln? Dann lesen Sie gerne die entsprechende Titelstory im ernährungswissenschaftlichen Fachmedium des VFED e.V. Aktuell passend dazu wurde jüngst am 7. Juli, dem Welttag der Schokolade, folgende Statistik verkündet: Schweizer essen am meisten Schokolade. Und jetzt raten Sie mal, wo die dünnsten Frauen in Europa leben … richtig, in der Schweiz (das hat die Universität Zürich beobachtet). Da drängt sich doch geradezu folgende „freigeistige Korrelation“ auf: Viel Schokolade hält Schweizerinnen schön schlank! Aber hallo, so einfach geht es natürlich nicht. Sie wissen das jedoch jetzt und können den essenziellen Unterschied von Korrelation und Kausalität lockerleicht erklären. Abschließend schließen wir den Kreis zu Corona, denn getreu dem Motto „Ausnahmen bestätigen die Regel“ gibt es doch ein natürliches Lebensmittel, das vor COVID-19 schützt:
Zum einen gilt frischer Knoblauch als eines der stärksten Antibiotika aus der Natur, nicht umsonst wurde und wird es auch ehrfurchtsvoll „Russisches Penicillin“ genannt. Frisch gepresster Knoblauch killt nahezu alle Keime wie Bakterien, Pilze und – Viren. Wobei der wissenschaftliche Beleg für eine direkte Wirkung versus SARS-CoV-2 natürlich fehlt – auch wenn die Chinesen zu Beginn der Pandemie lastwagenweise Tonnen von Knoblauch in die ersten betroffenen Regionen transportierten (welchen Grund wird es wohl gehabt haben?).
In diesem Fall bleibt es bei einer grundsätzlichen Plausibilität der biochemischen Wirksamkeit, mehr ist aktuell nicht zu holen. Aber hinzu kommt eine zweite „Wirkung“ von Allium sativum Linné: Nach dem Verzehr großer Mengen frischen Knoblauchs halten die meisten Menschen weiten Abstand von den Knoblauchessern, mindestens 1,5 bis 2 Meter – und Abstand halten ist, wie Sie wissen, einer der drei wichtigen AHA-Regeln zum Schutz vor Corona. Der wäre damit für die Duftknolle bestätigt, wenn auch indirekt. Knoblauch ist darüber hinaus auch eine der elementaren Zutaten pflanzenbasierter mediterraner Kost – da war doch was mit COVID-19… aber das nur am Tellerrande erwähnt.
Beitragsbild: Pixabay
Zum Thema „gesunde“ Ernährung kann Dr. Gunter Frank sicher auch viel beitragen, ich habe seine Bücher darüber mit großem Interesse gelesen und würde mir sehr wünschen wenn dieses Thema hier auch mal zum Thema wird. Das interessiert bestimmt viele.
Udo Pollmer hat mal den Satz geprägt: „Ernährungsberatung ist Gewalt von Frauen gegen Frauen“.
Da ist was Wahres dran, finde ich.
„Da 99 Prozent der Myriaden Ernährungsstudien eben auf diesen Beobachtungen basieren, fehlen Beweise im Sinne valider Kausalevidenz sowohl für gesunde Ernährung im Allgemeinen als auch für ungesunde Lebensmittel oder gar einzelne Inhaltsstoffe im Speziellen.“ Jetzt wüßte ich nur gerne von Ihnen wo sie die magischen 99 Prozent herbeziehen. Wo ist ihr wissenschaftlicher Grundlage hierfür? Zu Covid: wissenschaftliche Studien im klassischen Sinn zur chemischen Wirkung pflanzlicher Stoffe finden Sie zu Hauf z.B. unter dem Stichwort Covid + Quercetin oder Lactucopikrin (Intybin) oder Thymol, oder Myricitin, Apigenin oder Luteolin, oder curcumin. Einer brasilianischen Studie (momentan nicht zur Hand) entnahm ich dass diverse dieser Stoffe anscheinend bessere Werte erzielten die Zellanbindung von SarsCov 2 zu verhindern als Remdesivir (ich bin allerdings kein Chemiker, alles was ich sicher entnehmen konnte, war dass diese Stoffe so schlecht nicht scheinen….) Aber da sie teils kostenlos in fast jedem Garten und Hinterhof den jätenden Gärtner zu rVerzweiflung treiben hat eine Pharma natürlich kein gesteigertes Interesse hier teure Studien durchzuführen, diese gelten eher der Vernichtung. Ansonsten empfehle ich zum Thema Essen und Gesundheit: „The difference a healthy plate can make auf Harvard. edu.
In einer umfassenden wissenschaftlichen Studie wurde nachgewiesen, daß grüne Haare gegen böse Corona-Viren helfen sollen. Habe heute bei der CSD-Parade schon viele mit diesen Haaren gesehen ! Endlich, da mach ich mit… und kannendlich wieder fressen, was mir schmeckt !
Meine persönliche Statistik: Ernährung, die mir gut tut verringert meine Infektanfälligkeit. Habe es ausführlich und reproduzierbar getestet. Damit reduziert eben diese Ernährung höchst wahrscheinlich auch die Wahrscheinlichkeit an Sars Cov XYZ zu erkranken. Nur was mir gut tut meiner Frau nicht gut. Pfeifen Sie auf die „Empfehlungen“ probieren Sie einfach aus, was Ihnen gut tut.
Es gibt keine „gesunde Ernährung“. Solange Sie nicht mehr essen als sie verbrauchen machen Sie alles richtig. Der menschliche Organismus kommt mit den unterschiedlichsten Ernährungsformen aus: von der fett-und proteinreichen, aber praktisch kohlehydratfreien Kost der Eskimos bis hin zu der ballaststoffreien Kost der Massai, welche sich praktisch ausschließlich von dem Milch und Blut ihrer Rinder ernähren. Nur eine dauerhaft vegane Lebensweise geht mit Mangelerscheinungen einher. Also bitte, „ernähren“ Sie sich nicht, essen Sie was Ihnen schmeckt solange bis Sie satt sind und dann hören Sie auf. „Ernährung“ verhält sich zum „Essen“ wie „Fortpflanzung“ zu „Sex“, wenn der Spaß dabei verloren geht werden Sie krank.
Bei dem Titelbild überkommt mich direkt heftiger Brechreiz, vielen Dank !
Das Glaskugellesen erspare ich mir, es raubt mir nur wertvolle Lebenszeit.Unverständlich ist mir auch, wie man zwei Kapitel über diese überaus stinkende Feldfrucht schreiben kann. Das leg ich mich doch lieber in die Sonne….
Also dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung u. Gesundheit gibt kann man ja selbst testen. Kenne in meinem Umfeld keinen einzigen Diabetiker der sich gesund ernährt hätte. Auch meine ich von gewissen Krankheiten gehört zu haben als direkte Konsequenz des Mangels bestimmter Stoffe. Aber das mit Skorbut, Rachitis und so ist natürlich kein wissenschaftlicher Beweis dass es da gewisse Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme und Gesundeheit d.h. Krankheitsresistenz geben könnte. Also, wie wärs denn damit, wenn Pferde und Rinder gewisse Pflanzen fressen, dann fallen Sie tot um? Wetten daß? (Auch ohne Studie) .Oder damit: so mancher hat den Giftbecher nicht überlebt…… Ich weiß, ich argumentiere hier am extremen Ende, aber scheint wichtig ehe ich die verwerfliche Mutmaßung antrete, dass das Prinzip eines Zusammenhangs am extremen Ende nahelegt, dass es vielleicht „mittig“ beim durchschnittlichen Konsum, d.h. bei Fleischbällchen, Rinderwahn u. Co. auch so sein könnte. Also ich lernte mal als Kindim Bio Untericht in d. Grundstufe bei konservativem Lehrern (die Grünen gabs noch gar nicht) warum es im Fleisch grundsätzlich mehr Giftstoffe gibt als in Pflanzen. Es ist eine ganz einfache Rechnung: Je höher das Wesen das Sie verzehren in der Fresspyramide angesiedelt ist je mehr Gift verzehren Sie. Beim Verzehr eines Fleischfressers bekommen Sie beides ab, etwaiges Gift in den Pflanzen, plus Giftstoffe des Tieres an sich und das des Tieres das wiederum dieses Tier gefressen hat. Dass ein klug Ernährter bei jeder Krankheit bessere Karten haben sollte als jener der es nicht ist sollte eigentlich einleuchten, auch ohne Studien die, so das offene Geheimnis unter den Experten, zu 80% eh nichts taugen. Auf einen Beweis (und ich mein jetzt einen empirischen) dass jene die in ihren Laboren für harte Fakten sorgen ehrlich wart ich bis heute leider vergeblich.