Henryk M. Broder / 27.07.2014 / 08:11 / 6 / Seite ausdrucken

Warum es ok ist, Juden nicht zu mögen

Ein Amtsträger, in dessen Person beide Karrieren zusammenkommen, hat vor Kurzem Antisemitismus als “eine massenmordende Bestie” definiert. “Und deswegen dürfen wir nicht zulassen, dass man den Begriff des Antisemitismus für alles und jeden inflationiert ... Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben!” So gesehen fängt der Antisemitismus bei mehreren Millionen Toten an. Alles unterhalb dieser Marke ist kein Verbrechen, sondern allenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Oder eine minimalinvasive Bedrohung, die man ignorieren kann. “Es stehen nicht unmittelbar pogromähnliche Zustände vor der Tür”, meinte ein österreichischer Politikwissenschaftler vor Kurzem in einem TV-Programm. http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article130594653/Es-gibt-ja-genug-Gruende-uns-Juden-nicht-zu-moegen.html

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hildegard behrendt / 28.07.2014

Herr Broder,  jedes Wort ist richtig. Aber selbst unter denen,  die Ihnen hier auch zustimmen sind immer noch einige, die nicht begreifen, dass der Islamismus von Hamas, ISIS , Boko Haram und den Horden auf dem Ku’damm und anderswo zunächst zwar gegen Juden, aber im nächsten Schritt gegen die gesamte westliche Lebensart geht. Israel zu unterstützen,  ist Überlebenswichtig für die westliche Welt. Wann begreift sie das?

George Urbanski / 28.07.2014

Da lassen Sie, Herr Adam, den entscheidenden Punkt in der damaligen Beschneidungsdebatte weg: Es ging einzig um KINDER, u.a. jüdische UND muslimische! Insofern ist Ihr Kommentar völlig absurd! Beste Grüße George Urbanski

Dirk Ahlbrecht / 27.07.2014

Ganz großes Kino, Herr Broder. Für Sätze wie beispielsweise “Man wünscht sich fast, einer dieser Feuerwerkskörper möge dort landen, wo solche Sätze geschrieben werden, nur um zu sehen, wie gelassen die Fachleute für angewandte Pyrotechnik darauf reagieren.” muss man Sie einfach mögen.

Torsten Lange / 27.07.2014

Die Strategie der Hamas geht sukzessive auf, weil sie auf die Hilflosigkeit des Westens, abzulesen am ratlos-verzeifeltem Gesicht unseres Außenministers und seiner   “Es gibt nur eine politische Lösung”- Dauerschleife, setzt. Es reicht eine sich ständig reproduzierende Kombination von Provokation und kurzfristigem Waffenstillstand bei gleichzeitiger Inkaufnahme hoher Verluste der eigenen Bevölkerung, um die öffentliche Meinung in Europa zu steuern. Die Truppen, die sie dort hinter sich bringt wachsen an: Bürgerliche Presse, öffentliche Diskurse über das Nachdenken, wie weit man nun denn gehen darf, wenn es um das Existenzrecht Israels geht, von Arabern und linken Ideologen organisierte Massendemos,  geistig Eingebunkerte, denen zum Juden reflexhaft Assoziationen wie Spekulation , Christusmörder und schmierigem Wortverdreher friedmannscher Ausprägung einfallen und - was am meisten Sorge macht - das breite Publikum im TV-Sessel, das das alles nicht mehr versteht und irgendwann einmal die Nase voll haben wird von dem, was sich “da unten” abspielt. Und angesichts der vielen toten Kinder in Gaza denkt, ob da nicht doch irgendwas dran ist, am jüdischen Störenfried und dem Recht der Palästinenser auf was auch immer. Es geht hier nicht primär um Antisemitismus, es geht eher um eine Spielart von schleichender Dekadenz im Westen. Für Juden in Europa und Israel zunehmend lebensgefährlich!

Lukas Adam / 27.07.2014

Man fragt sich wo die Leute sind, die sich vor gar nicht so langer Zeit um die körperliche Unversehrtheit und das Lustempfinden von beschnittenen Juden gesorgt haben. Wo sind die alle hin? Natürlich kann man die Beschneidung ablehnen und sich sogas für ein Verbot einsetzen. Wenn man sich jedoch um die körperliche Unversehrtheit von Juden sorgt, dann sollte man konsequent sein. Oder ist der Penis eines Juden wichtiger als dessen Leben? Eine Talkshow hat damals die nächste gejagt, in denen sogar Frauen (die einen eigenen Penis haben?) sich eingebildet haben, sie könnten mitreden. Warum gibt es jetzt keine Talkshows? Sogar der Kinderkanal hat eine Sendung geschaltet, in der von einer Frau (mit Penis?) erklärt wurde, wie man als Kind zum Mann wird. Warum erklärt der Kinderkanal nicht mal, dass man als Mann keine Judenkomplexe haben sollte? Der deutsche Wir-müssen-die-Juden-retten-Fetish erstreckt sich scheinbar nur auf ein paar Centimeter Haut.

Martin Unger / 27.07.2014

Sehr geehrter Herr Broder, Ihre Definition des Antisemitismus überzeugt durch ihre Klarheit und Einfachheit. An ihr sollten sich alle messen, die sich zum Gazakonflikt äußern. An ihr sollten sich aber auch alle jenen messen, die sich zu allen anderen Konflikten nicht äußern. Denn Sie sind allein durch ihr “nicht äußern” schon heuchlerische und parteiische Dulder von Krieg, Massenmord und Antisemitismus. Und das alles sollte doch nie wieder geschehen, oder? Danke für die Definition. Martin Unger

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