Derzeit deckt die erzeugte Solarenergie tagsüber den größten Teil des Strombedarfs Deutschlands – obwohl nicht einmal 40 Prozent der installierten Leistung abgerufen werden. Wozu soll diese dann noch verdoppelt werden?
Deutschlands Tagesbedarf an Elektroenergie schwankt i.d.R. zwischen ca. 45 GW (Grundlast) und 85 GW (Spitzenlast). Letzten Freitag, 30. Mai 2025, hatte Deutschland um 13:00 Uhr einen Leistungsbedarf von 71,8 Gigawatt (GW), wie man dem Internetportal electricitymaps.com entnehmen kann. Davon wurden 81,94 Prozent (58,9 GW) durch die beiden Hauptsäulen der deutschen Energiewende, Windenergie, 29,74 Prozent (21,4 GW) und Photovoltaik, 52,2 Prozent (37,5 GW), bereitgestellt.
Kohle- und Gaskraftwerke trugen zu diesem Zeitpunkt nur 7,55 Prozent (6,49 GW = 3,39 GW aus Kohle + 2,04 GW aus Erdgas) zum Leistungsbedarf bei, obwohl zur Gewährleistung der Netzstabilität von 50 Hz immer – je nach Lastkurve – mindestens 15–20 GW Großkraftwerksleistung (Kohle/Gas) laufen sollten. Nur diese beiden Erzeugungsarten – die Kernenergie wurde ja in Deutschland bereits erfolgreich eliminiert! – können das aufgrund der Massenträgheit der riesigen Turbinen/Generatoren leisten. Windräder sind dazu nicht in der Lage, außerdem drehen sie sich nicht mit konstanter Geschwindigkeit. Solaranlagen haben überhaupt keine beweglichen Teile – sie erzeugen Gleichstrom, der lediglich mit netzfolgenden Wechselrichtern gewandelt wird und nicht synchronisierfähig ist. Der Vollständigkeit halber seien hier noch die Erzeuger Biomasse 6,49 Prozent (4,66 GW) und Wasserkraft 2,54 Prozent (1,83 GW) genannt; beide Erzeugungsarten spielen jedoch in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.
Wie aus der Grafik von electricitymaps.com ersichtlich, beträgt derzeit in Deutschland die installierte Leistung der beiden „Hauptsäulen der Energiewende“ Solarenergie 101 GW und Windenergie 73 GW – zusammen also 174 GW. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sollen diese Erzeugerkapazitäten bis 2030 durch Zubau/Repowering mehr als verdoppelt werden (Windenergie, onshore auf 115 GW und Photovoltaik auf 215 GW !!!). Ich kann nicht erkennen, welchen Nutzen das für Funktionsfähigkeit und Stabilität unseres Stromnetzes haben soll. Umso deutlicher treten allerdings die Risiken und Gefahren eines weiteren Zubaus dieser volatilen Erzeuger zutage.
Da gemäß EEG Wind und Photovoltaik uneingeschränkten Einspeisevorrang haben, bedeutet das Folgendes: Im Fall eines wolkenlosen Sommertages („Hellbrise“) deckt nun bereits die derzeit erzeugte Solarenergie den größten Teil des Bedarfes im Spitzenlastfall – obwohl, wie o.g. Beispiel zeigt, noch nicht einmal 40 Prozent der installierten Leistung abgerufen werden. Wozu also soll die installierte Leistung dann noch einmal verdoppelt werden? Mir fallen dazu die Bürger von Schilda ein, die hätten doch einfach nur größere Eimer und Säcke benutzen müssen, um ausreichend viel Licht in ihr fensterloses Rathaus zu schaffen.
Da die notwendige Residuallast (der Teil der Stromerzeugung, der nicht aus volatilen Quellen generiert wird) im o.g. Beispiel im Prinzip auf Null sinkt, drosselt man nun die Grundlasterzeuger Kohle/Gas auf ein Minimum herunter und riskiert damit in sträflich leichtsinniger Weise, dass auftretende Schwankungen der Netzfrequenz bei Lastwechseln durch diese gedämpft werden können und so ein plötzlicher Frequenzabfall innerhalb weniger Sekunden zum Blackout führen kann. Besonders problematisch dabei ist u.a., dass die Millionen privater Solaranlagen direkt ins Niederspannungs-Verteilnetz einspeisen und es bis heute keine zentralen Steuerungs- und Abschaltmechanismen dafür gibt. Hat man denn aus dem „Iberout“ vor wenigen Wochen wirklich nichts gelernt?
Dazu schrieb Frank Bosse auf KlimaNachrichten am 5. Mai 2025 im Artikel „Über die ‚Unmöglichkeit‘ eines ‚Iberout‘ in Deutschland“:
… Zitat „Netzinformationsdienst“: „Ein Stromnetz lässt sich mit den heute überwiegend eingesetzten, ’netzfolgenden‘ Wechselrichtern allein nicht stabil betreiben. Diese stabilisieren das Netz nicht von sich aus und können unter ungünstigen Umständen aus regelungstechnischer Sicht Schwingungen sogar verstärken. Rotierende Generatoren wirken dem durch ihre physikalischen Eigenschaften, insbesondere ihre Schwungmasse, entgegen und dämpfen solche Schwingungen. Netzfolgende Wechselrichter benötigen eine stabile Spannung und Frequenz als Referenz (Führungsgröße), der sie folgen können. Konventionelle Generatoren liefern diese Referenz und stabilisieren das Netz durch ihre Schwungmasse. Sie synchronisieren sich und das Netz und helfen dabei, Spannung und Frequenz stabil zu halten.“ (...)
(...) Das würde bedeuten: In Spanien wurde zum Zeitpunkt vor dem „Iberout“ ca. 60% der verbrauchten Leistung durch EE (Wind und Solar) erzeugt. Auch Windkraft kann nicht nennenswert stabilisieren, die vielen sehr kleinen Turbinen (im Vergleich zu Großkraftwerken) der Anlagen sind dazu ebenso nicht in der Lage. Eine Schwelle vor dem technisch möglichen „Tipping Point“. Der Präsident der Netzagentur Klaus Müller sagte am Abend des Vorfalls der Tagesschau, dass ein solches Ereignis in Deutschland sehr unwahrscheinlich ist...
…mit Verlaub, Herr Bundesnetzagenturpräsident Müller: In meinem o.g. Beispiel wurden in Deutschland am 30. Mai 2025 um 13:00 MESZ ca. 82 Prozent (!) der verbrauchten Leistung durch Wind & Solar erzeugt. Was passiert, wenn die großen rotierenden Systeme in Großkraftwerken fehlen und wie es mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem „Iberout“ am 28. April 2025 kam, hat mein Achgut-Kollege Manfred Haferburg im Artikel „Die Stromversorgung im Zweifrontenkrieg“ beschrieben.
„Die Netzfrequenz fiel schlagartig um dramatische 1,5 Hz ab. Daraufhin schalteten sich alle Stromerzeuger in Spanien und Portugal automatisch ab. Die Schutzsysteme des Netzes funktionierten, und eines davon unterbrach die Grenzkuppelstellen der Hochspannungsleitungen zu Frankreich und Deutschland – was wohl Europa vor dem ganz großen Blackout rettete. Man kann es auch so beschreiben: Die vielen großen rotierenden Massen der französischen Kernkraftwerke verhinderten durch ihre dämpfende Trägheit das Durchbrechen des spanischen Frequenzabfalls auf den Rest von Europa.“
Sollte es also in Deutschland – wie von der Bundesnetzagentur angekündigt – bis 2030 zur Verdoppelung der Kapazitäten von Windenergie (onshore) auf 115 GW und Photovoltaik auf 215 GW kommen, dann wird m.E. das Problem endgültig nicht mehr beherrschbar sein. Es ist eigentlich ganz einfach zu verstehen: Elektroenergie ist wert- und nutzlos, wenn sie nicht bedarfsgerecht erzeugt wird. Allein dieser Umstand macht eine hundertprozentige Stromerzeugung auf Basis volatiler Quellen unmöglich. Daran ändert sich auch nichts, wenn Energiewende-Märchenfee Claudia Kemfert jubelnd verkündet: „Wir haben Speicher noch und nöcher“.
Dem Blackout einen Schritt näher: Netzfrequenz, heute, 2. Juni 2025, 10:03 MESZ
Stefan Klinkigt, Baujahr 1956, geboren und aufgewachsen in Sachsen, studierte damals Bauingenieurwesen (mit Abschluss als Dipl.-Ing.). Lebt nach 26 Jahren Rheinland seit 2015 wieder in Sachsen und arbeitet als bildender Künstler, Kommunikationsdesigner und Fotograf. Für Achgut als Autor, Lektor und Karikaturist tätig. Streift mehrmals in der Woche mit der Kamera in der Sächsischen Schweiz herum.

p.s.: Ich habe auch mal eine Kaffeemaschine auf 380 Volt laufen lassen, der Meinung, dass dann der Kaffee schneller fertig ist. Aus Schden wird man klug. Verlief wie ein Gemälde von Salvadore Dali… sah schick aus, aber funktionsunfähig… schade eigentlich…
So, hier. Ich habe jetzt mal meinem Saugroboter die „Hellbrise“ gegeben. Es hat genervt, dass der nach 20 Minuten leer war. Also Netzkabel gelötet und begeistert. Saugt schneller und besser als je zuvor. Allerdings roch es nach kurzer Zeit bereits nach Überlastung. Dann nicht mehr. Ab in die Tonne… Hellbrise.
@A. Ostrovsky „@M. Schöntag …“ –
Mir war schon bewusst, dass Sie Stromverbraucher meinen. So sind meine Aussagen auch zu verstehen. Warum Sie Stromverbraucher nicht lustig finden, kann ich wiederum nicht nachvollziehen. Aus meiner (subjektiven) Sicht liefern sie überhaupt erst einen Grund zur Bereitstellung einer Stromversorgung. Die Problematik von Solar- und Windenergie sehe ich darin, dass ein bestehendes, gut funktionierendes System mit zunehmendem Einsatz dieser neuen Energieerzeuger zunehmend instabiler und fragiler wird und ich diese Effekte gerne in einer vorher erfolgten Technikfolgenabschätzung analysiert haben wollte, deren Ausbleiben ich bemängele. Dann fragten Sie noch, wiese ich glauben würde, Kompetenz für eine entsprechende Bewertung zu haben. Nun, ich habe nach einem (mit der Note Gut abgeschlossenen) Physik-Studium über zwei Jahrzehnte lang technische Systeme entwickelt und getestet. Aus diesem Grunde glaube ich daran, den hier erörterten Sachverhalt in den Grundzügen kompetent beurteilen zu können. Den Rest Ihrer Anwürfe (Unverständnis technischer Systeme, Nichtbegreifen des Problems, Unverständnis, Nichtbegreifen, Hetze (ach herrje), Ideologie (ich lass das mal in klein stehen) interpretiere ich als echtes Genöle und ignoriere das mal geflissentlich.
@Emil.Meins : >>Ostrovsky, warum gehen Sie den Mitleser Schöntag so aggressiv an?<< ## Weil er mich agressiv angeht. Ich habe technische Fakten zur Debatte gestellt, er antwortet in unsachlichem Stil >>Was könnte der Solarstrom doch so schön sein, wenn es nicht diese ekligen Verbraucher im Netz gäbe. Sollen sie halt mit dem zurechtkommen, was sie geliefert bekommen. Oder mit den Worten von Fr. Kemfert: aus einem nachfrageorientierten Markt wird halt ein angebotsorientierter Markt. Ist diese Haltung nicht etwas dekadent?<< So einen Zusammenschnitt von Verdrehung, Unterstelleung und Behauptung muss ich mir nicht bieten lassen, weder von ihm, noch von anderen. Er versteht nicht, dass negative differenzielle Widerstände von Verbrauchern eine schwere Quelle der Instabilität sind. Und Sie verstehen es auch nicht. OK, da kann man nichts machen. Das hatte ich versucht, zu beschreiben, aber ich habe keine Hoffnung, dass auch nur einer der Kommentatoren hier das genauso sieht. WARUM lassen sich dann aber alle über technische Sachverhalte aus, glauben Technologien fachmännisch gegeneinader abwägen zu können. Das THEMA HIER LAUTET STABILITÄT der Stromversorgung. Wer davon nichts versteht, soll nicht andere belehren! Das ist so SELBSTVERSTÄNDLICH, dass ich nicht verstehen kann, warum gerade die, die es NICHT VERSTEHEN, und ihr Unverständnis auch noch laut in die Gegend schreien, die Meinungshoheit beanspruchen!
Es gibt keinen Zweifel: OHNE SPEICHER wird die „Energiewende“ scheitern, weil das tatsächlich eine untauglicher Versuch ist. Den Übertragungsnetzbetreibern wurde gesetzlich verboten Pumpspeicherwerke zu betreiben, ich meine, es war aus kartellrechtlichen Gründen!! Die Leute, die den ökonomischen und rechtlichen Rahmen schaffen und am Ende für die Preise verantwortlich sind, haben ein dysfunktionales Gesamtsystem geschaffen. Übertragungsleitungen wurden nicht gebaut, obwohl es keinen Zweifel gab, dass die unabdingbar sind. Trotzdem wird von einem IRRENHAUSSYSTEM Strom an österreichische Betreiber von Pumpspeicherwerken zu negativen Preisen verkauft, der von norddeutschen Wind- und Solaranlagen im Überfluss erzeugt wird, DEN MAN ABER NICHT NACH ÖSTERREICH bekommt. Deshalb werden im Norden die Anlagen gestoppt und dafür im Süden Kohlekraftwerke hochgefahren, die dann für Österreich den Strom zum negativen Preis erzeugen müssen. In einer normalen Welt, hätte man den Ösis den Strom einfach nicht verkaufen dürfen, den man nicht zu ihnen hin bekommt. BGB Unmöglichkeit zur Leistung. Das interessiert die Irren aber nicht, die fahren mit der Dampfwalze über alle Logik und suchen dann Fehler in anderen Bereichen. OHNE SPEICHER, wenigstens 20GWh, wird das scheitern, Aber nicht, weil PV oder Wind-Strom falsch ist, sondern weil IHR nicht damit umgehen könnt. Wenn Mäxchen mit der Sandform früher zum Milchladen gegangen ist und 10 Liter Milch kaufen wollte, hat ihn die freundliche Tante hinter dem Tresen wieder heim geschickt. Heute werden die 10 Liter in das Sandförmchen gefüllt und dann ist das Geschrei laut, was das für eine Sauerei ist. So geht es sonst nur in der Anstalt zu!
Ostrovsky, warum gehen Sie den Mitleser Schöntag so aggressiv an? Kompetenz und Wissen sind schön, aber sie sollten nicht mit Überheblichkeit einhergehen. Ich habe Ihre Kommentare bisher eigentlich als relativ vernünftig eingeschätzt, habe aber den Eindruck, daß Sie in letzter Zeit immer unleidiger werden. Durchatmen, die Herztabletten einnehmen, und ein Gläschen trinken….. Es gibt immer Leute mit anderer Meinung, und wenn sie die vernünftig vorbringen, sollte man sich nicht im Ton vergreifen. Danke!
>>Es ist eigentlich ganz einfach zu verstehen: Elektroenergie ist wert- und nutzlos, wenn sie nicht bedarfsgerecht erzeugt wird.<< ## Genau das ist ja nicht wahr. Elektroenergie wird unter den Bedingungen des realexistierendenm Plansystems wertlos, wenn sie bedarfsgerecht erzeugt wird. Nur wenn absolute Unterdeckung (im PLAN einen Tag vorher) herrscht, hat der Day-Ahead positive Werte. Je näher man an die bedarfsgerechte Erzeugung kommt, umso weniger wird die Elektroenergie wert. Das ist falsch, obwohl es die Marktregeln, wie aus dem Bilderbuch abbildet. Das Bilderbuch ist aber für Naivlinge. Das ist das Problem. Es kann aber nicht immer und überall Unterdeckung des Bedarfs herrschen. Irgendwer muss deshalb auch Strom liefern, wenn es sich nicht lohnt.
Und ganz wichtig: In Spanien hat es am 28.04.2025 KEINE SCRAM-Meldung gegeben. Diese Meldung wäre aber für vier KKW verpflichtend gewesen, wenn die KKW alle vier in den ungeplanten NOT-HALT gegangen wären. Es gibt dafür nur eine Erklärung: Die Anlagen waren um 12:32 bereits sicher heruntergefahren. Allerdings behaupten der Ministerpräsident und der Stromversorger, sie wären bis 12:32 gelaufen und dann „vom Netz gegangen“. Also gibt es hier eine Diskrepanz zwischen Dichtung und Wahrheit. Irgendwer hat systematisch falsch gespielt. Und ich habe sogar einen Verdacht!