Die sogenannten politischen Eliten im neuen Deutschland sind offenbar sehr darauf bedacht, wie weiland die Majestäten, öffentlich erhoben zu werden aus dem gemeinen Volkskörper. In der alten Bundesrepublik war bei Politikern eher ein gewisses Understatement und gelegentlich demonstrative Volksnähe angesagt. Wie auch das Bewusstsein, dass es zur Stellenbeschreibung eines Regierenden in einem freiheitlichen Land gehört, auch groben Spott und lautstarke Häme der Regierten mit einer gewissen Gleichmut zu ertragen. Spöttisch wurde eher das kleingeistig personenkultische Gehabe der kommunistischen Despoten auf der anderen Seite von Mauer, Stacheldraht und Todesstreifen betrachtet. Doch mittlerweile hat sich im seit 35 Jahren vereinten Deutschland da etwas gewaltig verändert. Ohne damit gleich wieder DDR-Vergleiche anzustellen, fühlt es sich für manch älteren Zonen-Sozialisierten immer häufiger so an, als sei der Westen inzwischen stark verostet, nein nicht „verrostet“, wie mir die Autokorrektur der Textverarbeitung vorschreiben will, ich meinte wirklich verostet.
Aus dem Majestätsbeleidigungsparagraphen wurde vor einigen Jahren ein Politikerbeleidigungs-Paragraph. Und inzwischen wird bekanntlich massenhaft wegen despektierlicher Äußerungen übers Spitzenpersonal deutscher Parteien auf der guten Seite der Brandmauer ermittelt. Um diesen Paragraphen herum entwickelt sich eine Abmahnwirtschaft, und Kritiker deutscher Spitzenpolitiker dürfen wieder Ermittlungsverfahren und Hausdurchsuchungen fürchten.
So lassen sich nicht regierungskonforme Bürger vielleicht davon abschrecken, etwas Negatives über Teile des Politpersonals zu sagen, das trotz allem immer noch für sich in Anspruch nimmt, zur Kaste der demokratisch legitimierten Volksvertreter zu gehören. Aber wer hilft gegen mangelnden Zuspruch? Wo bleibt das Positive? Was tun, wenn die Regierten sich nicht gut regiert fühlen und deshalb den Regierenden Jubel und Applaus verweigern? Diktatoren und Autokraten wissen das. Für Ehrungen und Auszeichnungen können doch Machthaber einfach selbst sorgen. Unter den Matadoren Unsererdemokratie scheint sich offenbar die Ansicht zu verbreiten, dass moderne Demokraten auch von klassischen Autokraten viel lernen können.
Angela Merkel beispielsweise bekam gestern Abend vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Staufermedaille in Gold verliehen. Dass das die höchste Auszeichnung des Landes ist, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Seit sie das Kanzleramt verlassen hat, bekommt sie alle paar Monate einen der jeweils höchsten Verdienstorden verliehen. Würde sie die zu jeder der Auszeichnungen dazugehörige Medaille tragen, könnte sich ihr Outfit diesbezüglich bestimmt schon mit der Ordensbrust eines sowjetischen oder nordkoreanischen Generals messen.
Hat jemand etwas falsch gemacht?
Die Ex-Kanzlerin, die entspannt zuschauen kann, wie ihre Nachfolger das Land mit der Fortsetzung ihrer Politik konsequent auf Talfahrt schicken, bekam zuerst das Bundesverdienstkreuz in der absoluten Premium-Fassung und dann – Bundesland für Bundesland – die jeweils höchsten Staatspreise verliehen. Am 9. Dezember 2025 war nun Baden-Württemberg dran.
Der scheidende grüne Ministerpräsident in Stuttgart ließ es sich allerdings nicht nehmen, seinem Preis ein ganz besonderes Geschmäckle zu geben. Während andernorts einfach allgemein all ihre sogenannten Verdienste gepriesen wurden, habe Kretschmanns Staatskanzlei mitgeteilt, Merkel erhalte die Staufermedaille explizit für „ihren herausragenden politischen Einsatz während der Corona-Pandemie“.
Andere Politiker üben sich derzeit eher darin, eine wirkliche Aufarbeitung dadurch auszubremsen, dass sie in zahnlosen Enquete-Kommissionen Fehler eingestehen, manche Maßnahmen bereuen und erklären, jetzt aber nur nach vorne schauen zu wollen, um all diese Fehler vielleicht beim nächsten Mal nicht zu machen. Ihnen ist offenbar insgeheim klar, dass, angesichts des immensen Schadens durch ihr wissentlich falsches Handeln, durchaus auch die Rolle als Angeklagte angemessen wäre. Allein die bewusste Irreführung, die sich mit den RKI-Protokollen belegen lässt, böte dazu wohl hinreichend Anlass. Noch lieber, als beim Corona-Thema zu beschwichtigen, wählen die einst Verantwortlichen das Beschweigen.
Doch der alte Kretschmann ist da aus anderem Holz geschnitzt. Er lässt „ihren (Merkels) herausragenden politischen Einsatz während der Corona-Pandemie“ als auszeichnungsreif lobpreisen und sich damit selbst gleich mit von jeder diesbezüglichen Schuld freisprechen. Angela Merkels Geschmack dürfte er getroffen haben, sie hat erklärtermaßen Probleme, zu erkennen, dass sie etwas falsch gemacht haben könnte. Kretschmanns Landmann Wolfgang Schäuble hatte vor fast genau drei Jahren in einem Handelsblatt-Interview gesagt:
„Ob Frau Merkel unter den großen Kanzlern einzuordnen sein wird, das ist vielleicht noch zu früh, um das abschließend zu beurteilen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie auch jetzt in Bezug auf Russland nicht sagen kann, dass wir Fehler gemacht haben.“
Das war keine überraschende Aussage, nicht nur in Bezug auf Russland. Schon nach der Wahl 2017, als die AfD erstmals als stärkste Oppositionspartei in den Bundestag einzog, hörte man von ihr den Satz: „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten.“
Kein Standbild mehr aus Beton
Nun trägt Angela Merkel den Stauferorden, und manch Zuschauer der Zeremonie hat sich vielleicht gefragt, ob Angela Merkel eigentlich jetzt schon aus allen Bundesländern die höchsten Auszeichnungen erhalten hat oder ob noch welche fehlen? Aber selbst wenn, irgendwann ist das deutsche Ordensportfolio aufgebraucht, denn es muss immer die höchste Auszeichnung sein. Man kann der Ex-Kanzlerin nicht mit niederrangigen Ehren kommen. Können ihre Nachfolger dann einfach aufhören, sie auszuzeichnen?
Man könnte für sie neue, höhere Auszeichnungen erfinden. Als in der DDR der Karl-Marx-Orden als höchste Auszeichnung den Spitzengenossen oft genug verliehen worden war, kreierte die SED-Führung 1975 den Orden „Held der DDR“, der fortan als neue höchste Auszeichnung an die Parteiführer verliehen wurde. Als die DDR unterging, hatte Erich Honecker den Helden-Titel schon zweimal verliehen bekommen. Bei längerem Bestehen des SED-Staates wäre wohl bald eine neue Auszeichnung vonnöten gewesen.
Es gibt natürlich auch andere Wege, jemanden zu ehren. Ein Denkmal beispielsweise. Hierzulande gilt zwar immer noch die ungeschriebene Regel, dass Denkmäler nur für Verstorbene errichtet werden. Aber wir haben Zeitenwende, da ließe sich vielleicht davon abweichen? Schließlich waren es nicht nur finstere Diktatoren, denen Denkmäler zu ihren Lebzeiten gesetzt wurden. Auch Otto von Bismarck wurde schon zu Lebzeiten mit Denkmälern geehrt, sogar noch in seiner Amtszeit als Reichskanzler. Das erste öffentliches Bismarck-Standbild, das ihn in ganzer Größe zeigt, wurde 1877 in Bad Kissingen aufgestellt. Da hatte der Mann noch 13 Jahre Amts- und 21 Jahre Lebenszeit vor sich.
Selbstverständlich sollen hier jetzt keine Vergleiche zwischen Otto von Bismarck und Angela Merkel angestellt werden. Das Beispiel zeigt nur, dass lebenden Politikern schon Denkmäler aufgestellt wurden und das kein Kulturbruch wäre. Zumal die Idee nicht ganz neu ist, denn es gab schon ein Merkel-Denkmal in Deutschland. Der Künstler Wilhelm Koch hatte zum Ende ihrer Amtszeit in Etsdorf in der Oberpfalz ein Reiterstandbild der Kanzlerin aus Beton aufgestellt. Allerdings wies es qualitative Mängel auf. Nach zwei Jahren brach es zusammen. Man darf halt nicht am Material sparen.
Fortschrittlich bei der Selbstdarstellung
Also wenn die Orden für Merkel aufgebraucht sind, könnte man ein Denkmal doch in Erwägung ziehen. Und was jetzt noch absurd und nach Satire klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.
Folgende gestrige Meldung aus dem Soziotop unserer neuen Polit-Majestäten hätte ich bis vor Kurzem auch für Satire gehalten:
„In einem internen Schreiben hat das Außenministerium von Johann Wadephul allen Auslandsvertretungen aufgetragen, in Zukunft neben dem Foto des Bundespräsidenten auch eines von ihm aufzuhängen, berichtet ‚Table.Briefings‘. Es solle aber nicht irgendein Foto sein und auch die Größe ist nicht frei wählbar. In dem Brief wird genau beschrieben, in welchem Format das beigefügte Bild ausgedruckt und gerahmt werden soll. Diese Neuerung habe nach Informationen von ‚Table.Briefings‘ in mancher Botschaft für Irritationen sorgt. Einige Diplomaten fragten sich, was wohl los gewesen wäre, wenn Annalena Baerbock ‚sich das getraut hätte‘.“
Unsere derzeitige politische Führung ist zwar nicht in der Lage, Wege zu finden, auf denen sich Deutschland aus den vielen Krisen, in denen es steckt, wieder herausführen lässt. Aber in puncto eigener Selbstdarstellung sind frühere Selbstbeschränkungen konsequent aufgegeben worden.
Beitragsbild: Donatas Dabravolskas - Own work, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Corona-Täter versuchen, sich durch gegenseitige Lobhudeleien gegen Strafverfolgung zu immunisieren. Dem gleichen Zweck dient das weitere Verabreichen von modRNA-Injektionen. Folgende Anklagepunkte stehen im Raum: Eine Übersterblichkeit von ca. 100.000 Menschen allein in Deutschland, parallel zu den Impfkampagnen der Jahre 2021 und 2022. Hunderttausende schwere (wohl unheilbare) Impfschäden. Geburtenrückgang infolge von Fehlgeburten, beginnend ca. 9 Monate nach Beginn der Impfungen bei jüngeren Jahrgängen. Anstieg der Ausfallzeiten wegen Krankheit um ca. 50% (von 10 auf 15 Arbeitstage/Jahr) seit Beginn der modRNA-Injektionen.
Noch ein Nachtrag zu meinem Kommentar über Kretschmann und Daniel Cohn-Bendit unten: Daniel Cohn-Bendit – damals bei der Alternativen Liste in West-Berlin aktiv – setzte sich 1981 für eine Bundestagskandidatur von Dieter F. Ullmann ein, der Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft „Schwule, Päderasten und Transsexuelle“ (BAG SchwuP) der Grünen war, obwohl (!!) dieser damals wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Gefängnis saß. (Ullmann wurde mehrmals wegen Kindesmissbrauchs verurteilt und saß ab 1980 wiederholt im Gefängnis. Er betrieb dann mit Fred Karst von 1986 bis 1995 den „Falckensteinkeller“, einen Berliner „Kinderfreizeittreff“, wo ebenfalls sexuelle Übergriffe auf Kinder stattfanden.) Die Berliner Alternative Liste setzte sich in ihrem Landeswahlprogramm 1981 für eine Teil-Legalisierung von „Sex“ mit Kindern ein, so dass „nur Anwendung oder Androhung von Gewalt oder Missbrauch eines Abhängigkeitsverhältnisses bei sexuellen Handlungen unter Strafe zu stellen sind“, angebliche „freiwillige“ sexuelle Handlungen mit Kindern jedoch erlaubt sein sollten. Cohn-Bendit hat sich für die Bundestagskandidatur (!) eines Pädokriminellen eingesetzt, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt war, also erwiesenermaßen Kindern Leid angetan hatte. Aus meiner Sicht wirft das doch Fragen auf. Hinzu kommt dann noch, dass er eine Zeitlang die presserechtliche Verantwortung für das Frankfurter Stadtmagazin PflasterStrand hatte, in der auch Artikel mit pädophilen Inhalten veröffentlicht wurden. (Vgl. dazu die Artikel im SPIEGEL und Tagesspiegel – archive[punkt]ph/NFhqX sowie archive[punkt]ph/AIq0t – und den ausführlichen Wikipedia-Beitrag zur Pädophilie-Debatte bei den Grünen archive[punkt]is/1pB mit vielen Literaturhinweisen).
„Derweil lässt Deutschlands Außenminister seine Porträts in allen deutschen Botschaften aufhängen – vielleicht damit ihn dort niemand vergisst.“ Einen mehrfach aufzuhängen, anstatt alle nur einmal, halte ich für äusserst unfair.
Diese gegenseitige Beweihräucherung und Ordenverleihorgien sind ein sicheres Zeichen für den Niedergang und eigentlich nur noch lächerlich. Das kann einem fast leid tun. Wie das Aufhängen von Bildern „bedeutender“ Amtsträger, in den Amtsstuben. Hatten wir Alles schon mal.
Passt doch. Die Stauferdynastie endete mit der Enthauptung des letzten Staufers und nachfolgender Fremdherrschaft in Deutschland.
@ Ostrovsky – Mittlerer Ring West: Ja, eine totale Farce. Die Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA9), ist seit dem 1. Juli 2025 Leonie Lobinger (Bündnis 90/Die Grüne), vorher Anna Hanusch (Bündnis 90/Die Grüne). Die Immobilien sind nicht direkt am Ring, doch gleich dahinter, hochpreisig (Neuhausen, Nymphenburg, sowie Nymphenburger Strasse Richtung Koenigsplatz. Mercedes Benz hat dort seine Hauptniederlassung fuer MUC. Noch Fragen? Konsequent waere, das Teil zu sperren und fuer Lastenfahrraeder freizugeben. Ernsthaft konsequent waere aber, wenn der aeussere Ring von der AB Stuttgart zur AB Salzburg dort weitergefuehrt wuerde. Aber Sie koennen ganz sicher sein, dass die Gemeinden Gauting bei Sta und weitere das verhindern wuerden, weil dort exakt dieselbe Clientele wohnt. Bis sie die Arbeitsplaetze verlieren, ruehrt sich in deren Veggiehirnen nix – es ist doch so schoen, sein Krammsel auf dem Lastenfahrrad vorwaerts zu bewegen. Die haben das bestellt.
,,Es gibt natürlich auch andere Wege, jemanden zu ehren. Ein Denkmal beispielsweise.‚‘
Auf einem Denkmal kacken Tauben. Wie wärs mit einer Straßenwidmung? (Natürlich die mit Schlaglöchern )