Gastautor / 14.01.2015 / 08:58 / 24 / Seite ausdrucken

Wann reden wir über die ostdeutsche Gesellschaftskrise?

Von Benjamin Frick

Ein populärwissenschaftliches Werk über die Folgen der Zuwanderung avancierte zum meistverkauften Sachbuch der Nachkriegszeit, ein Berliner Bezirksbürgermeister wurde zum Medienstar, ein seines Katzenmotivs überdrüssiger Schriftsteller landete mit seiner Polemik über den Kult um Zuwanderer und andere Stammtischzielscheiben einen Bestseller. Es sei dahingestellt, inwieweit der schrille und derbe Ton vieler Mahner und die oft trotzige und aggressive Opferhaltung ihrer Anhänger zur Problemlösung beitragen. In Wirklichkeit streiten nur wenige die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Einwanderung bestimmter islamischer Milieus ab.

Andererseits schweigen wir die sozialen Probleme der neuen Bundesländer lieber tot. Sie sind unser wahres Tabu-Thema, wohl weil sie wirklich gar nichts mit Einwanderung zu tun haben. Es geifert sich eben leichter etwa über Neukölln oder die bevorstehende Islamisierung Dresdens, während Marzahn die einzige NO-GO-Area Berlins ist und unser Land immer noch an den Nachwehen der Wiedervereinigung zu leiden hat.

Schon die Glaubwürdigkeit der Hooliganaufmärsche gegen den Salafismus war zweifelhaft. Normalerweise sorgen diese Retter des Abendlandes rund um Fußballspiele für bürgerkriegsähnliche Zustände und verursachen Millionenkosten, die auch der afghanische Gewürzhändler von Nebenan wie seinen Solidaritätszuschlag ohne Murren mitbezahlt. Ebenfalls in Dresden von Anfang an mit dabei sind über 300 gewaltbereite Hooligans. Und ähnlich wie Hogesa hat Pegida mit den Folgen der muslimischen Immigration nur vordergründig zu tun. Pegida ist der Indikator einer Gesellschaftskrise.

Statt der Gefahr des Islamismus sehen sich Sachsen und andere Ostbundesländer nämlich ganz anderen Bedrohungen ausgesetzt: geringen Erwerbsquoten, hoher Arbeitslosigkeit, der Abwanderung der Jungen und Qualifizierten, der Überalterung der Gesellschaft und der Hoffnungslosigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen, die nie richtig im wiedervereinigten Deutschland ankamen. Zum Beispiel im sächsischen Hoyerswerda manifestieren sich all diese Phänomene. Mit über 70.000 Einwohnern einst eine kinderreiche und die jüngste Stadt der DDR, zählt der für rassisch motivierte Ausschreitungen bekannt gewordene Ort heute nur noch knapp 34.000 Einwohner.

Nach einem massiven Bevölkerungsschwund sind in Ostdeutschland die prekären und traditionellen Milieus im innerdeutschen Vergleich überrepräsentiert. Die einen zeichnen sich durch starke Ressentiments und Zukunftsängste aus und suchen nach Orientierung und Teilhabe, während die anderen, sicherheits- und ordnungsliebend, versuchen, fest in ihrer kleinbürgerlichen Welt der DDR zu verharren. Beide projizieren die Wut über ihre Situation und ihre Ängste auf „das System“ und Fremde und sehen durch die mögliche Zuwanderung einerseits ihre Zukunft und andererseits ihr gewohntes Umfeld, ihre Sicherheit und die öffentliche Ordnung bedroht. Dabei gibt es in den neuen Bundesländern bisher keine signifikant hohe Immigration und keinen Islamismus. Sachsen fällt eher auf durch 1.635 rechtsextremistische Straftaten (2013), 13 Todesopfer rechter Gewalt seit 1991 und einige NO-GO-Areas in Plattenbauvierteln und ländlichen Regionen, in die sich Ortsfremde lieber nicht verirren sollten.

Als ich Ende der 90er Jahre bis Anfang unseres Jahrtausends in Ostdeutschland studierte, traf ich in manchen Gegenden und Vierteln auf Feindseligkeit und Trübsal, die ich bis zum heutigen Tage in dieser Häufung und Tiefe nirgendwo anders wahrnahm. In meiner Universitätsstadt waren viele Austauschstudenten außerhalb des Zentrums in einem Wohnheim untergebracht. Der Weg ins Zentrum und zurück glich oft einem Spießrutenlauf für all diejenigen, die für die meistens arbeitslose und häufig alkoholisierte Plattenbaubevölkerung nicht als Deutsche mit der erwünschten Gesinnung zu identifizieren waren. Selbst Südeuropäerinnen waren im besten Fall mit fremdenfeindlichen Pöbeleien konfrontiert, derweil manch ihrer Begleiter erleichtert war, mit groben Vorwürfen zum ausländischen Umgang davongekommen zu sein oder etwa nur das gewohnte „Wessis raus!“ zu hören. Während zweier Auslandssemester in einer französischen Großstadt jobbte ich als Fremdsprachenassistent auf einem lycée im banlieue mit sehr hohem Migrantenanteil. Das war ein erholsamer Club Méditerranée im Vergleich zur bedrückenden Tristesse einiger ostdeutscher Gegenden.

Im oben beschriebenen Kontext lässt sich die Pegida-Bewegung verorten. Und selbstverständlich dürfen resozialisierte Straftäter, Hooligans, Rentner, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose - Sachsen hat bei über 4 Mio. Einwohnern lediglich 1,8 Mio. Erwerbstätige, der Rest kommt mehr oder weniger mit staatlichen Transfergeldern über die Runde - und besorgte Bürger ihre Meinung äußern und demonstrieren, gegen die Flüchtlingspolitik und gegen die Islamisierung, und oftmals für einen stärkeren und fürsorglicheren Staat - was nicht verwunderlich ist, da viele unter ihnen in der DDR sozialisiert sind. Nur was ändert das an ihrer Situation und an ihren eigentlichen Problemen?

Nun traf sich die insolvente Unternehmerin und AfD-Sprecherin Frauke Petry, die auf Facebook mal gerne auf den Einfluss der Bilderberger und auf die Einbindung deutscher Medien in Nato- und US-Strukturen hinweist, mit den Organisatoren Pegidas und sieht deutliche Schnittmengen. Alexander Gauland bezeichnete Pegida sogar als “natürliche Verbündete” der AfD. Das deutet nicht auf eine Lösung der ostdeutschen Gesellschaftskrise hin. Die Lage vieler ostdeutscher Bürger wird sich nicht durch die brandgefährliche politische Institutionalisierung ihrer aus der Krise resultierenden Frustrationen und Ängste verbessern, sondern indem sich Gesellschaft, Politik und die betroffenen Bürger ihrer Krise stellen und sie lösen.

Bis dahin werden beispielsweise auch die 37,7 % aller Münchner mit unmittelbaren ausländischen Wurzeln den Aufbau Ost und ihre zahlreichen, am Tropf des Sozialstaates hängenden Mitbürger aus dem Osten weiterhin wesentlich mitfinanzieren - im dritten Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung. Nach dem Fall der Mauer vergaß die westdeutsche Politik doch glatt, den Schwestern und Brüdern aus Ostdeutschland klarzumachen, dass sie sich mit einem Einwanderungsland wiedervereinigten.

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Dirk Lorenz / 16.01.2015

Als Ostdeutscher mit ostsächsischer Abstammung (Jahrgang 1972) bedanke ich mich für Ihren bemerkenswerten Beitrag, Herr Frick.

Jens Pochandke / 16.01.2015

Frick, Sie haben Angst um den Verlust Ihrer westdeutschen Identität. Mich haben auf meinem Weg aus ostdeutschem Berufsverbot in eine wunderbare Zukunft immer auch kluge, warmheruige, weltoffene Westdeutsche begleitet. Daher verbietet sich für mich ein billiger Rückschluss von ihnen auf alle deutschen Mitbürger. Ostdeutsche haben den Westdeutschen die Erfahrung vorraus, daß sich mit Mut, Klugheit und Initiative gesellschaftliche Mißstände beheben lassen. Das macht der heutigen Nomenklatura Angst. PS. Achgut rulez!

Ben Frick / 15.01.2015

Zusammenfasst einige Anmerkungen zu den bisher freigeschalteten Kommentaren: 1. Ein paar Kommentatoren beschwichtigen die Lage einiger ostdeutschen Plattenbauviertel und NO-GO-Areas. Dazu ein sehr trauriges Ereignis: In einer Dresdner Plattenbausiedlung des Stadteils Leubnitz-Neuostra wurde am Dienstagmorgen dieser Woche ein 20 Jähriger Eritreer tot aufgefunden. Todesursache waren Messerstiche. Bisher ist nicht aufgeklärt, ob es sich um einen Mord mit fremdenfeindlichem Motiv handelte. In der vergangenen Woche traten Einheimische gegen die Wohnungstür der Asylbewerber und verunstalteten den Hausflur mit Hakenkreuz-Schmierereien. Werden Pegida-Anhänger und Sympathisanten jetzt auch sagen: „Ich bin Khaled“? so wie sie das für die Karikaturisten und Satiriker einer französischen, linksliberalen Satirezeitschrift taten, die zu Todesopfern des Islamismus wurden. 2. Zur Pegida-Studie der TU Dresden: Aus der nicht-repräsentativen Studie lassen sich Tendenzen ableiten, die meinen Thesen nicht widersprechen. Im Text hatte ich nirgendwo geschrieben, dass die Mittelschicht nicht bei Pegida mitläuft. Sie überschneidet sich sogar teilweise mit den traditionellen Milieus. Laut der Sächsischen Zeitung verweigerten rund zwei Drittel der Befragten jegliche Auskunft gegenüber den Interviewern – vielleicht handelte es sich in ihren Augen um „Lügenforscher“. Es stellt sich dann schon die Frage nach der Aussagekraft der Studienergebnisse, insbesondere was die soziodemographischen Merkmale der Befragten angeht.  Folgende Tendenzen lassen sich aus der Studie u.a. ableiten: a) Auch die östliche bürgerliche Mitte scheint von Abstiegs- und Zukunftsängsten betroffen zu sein. b) Die These aus meinem Text, dass es bei Pegida nur vordergründig um die Gefahr des Islamismus und um die Folgen der Immigration geht, wird bestätigt. Nur 5% der Befragten gaben als Grund den Protest gegen religiös oder ideologisch motivierte Gewalt an, nur 15% sahen grundlegende Vorbehalte gegen Zuwanderer und Asylbewerber. Dagegen sind 54% mit der Politik unzufrieden und 20% kritisieren Medien und Öffentlichkeit. c) Mit der christlich-abendländischen Tradition, die Pegida zu verteidigen vorgibt, scheint es unter den Demonstranten nicht so weit her zu sein. Denn 73% der Befragten gaben an, konfessionslos zu sein. Warum treten diese Demonstranten dann nicht in die Kirche ein, besuchen Gottesdienste oder lesen die Bergpredigt, um etwas für ihre verteidigungswerte Tradition zu tun? Oder verstehen Pegida-Teilnehmer unter christlich-abendländischer Tradition die Verfolgung imaginärer Bedrohungen im Sinne der Hexenjagden bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts? d) Politik- bzw. Parteienverdrossenheit: 62% der Befragten gaben keine Parteienverbundenheit an, 17% die AfD, immerhin 4% die NPD und 3% die Linke, nur 9% die CDU und jeweils 1% die Grünen, die SPD und die FDP. 3. Zur Zahl der Erwerbstätigen: Die marginal Beschäftigten hatte ich herausgerechnet. Selbständige, die mit Sozialleistungen überleben, sind allerdings enthalten. Bei den Statistiken zur Erwerbstätigkeit wird gerne getrickst, um Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Jeder kann sich das auf Homepage des statistischen Landesamtes Sachsen genauer anschauen und nachvollziehen. 4. Ob wir es Gesellschaftskrise nennen oder anders: geringe Erwerbsquoten, hohe Arbeitslosigkeit, die Abwanderung der Jungen und Qualifizierten, die Überalterung der Gesellschaft, die Hoffnungslosigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen und Ressentiments sowie Zukunftsängste vieler Bürger sind Tatsachen. Entweder man kann sie akzeptieren und selbst aktiv werden oder man äußert seine Meinungen zu den Bedrohungen des Islams, der Zuwanderung, der USA, Israels, der Bilderberger, des Großkapitals, der Lügenpresse, der Politik, des Staates oder Westdeutschlands etc. 5. Wir sehen uns also zwei isolierten Herausforderungen gegenüber: a) Islamismus, v.a. in westdeutschen Großstädten und in Berlin b) nennen wir es „ostdeutsche Gesellschaftskrise“ c) soziale Probleme in westdeutschen Bundesländern nicht ausgeschlossen

Gert Morales / 15.01.2015

Die Dinge, die der Autor gesehen haben will, hat er ganz sicher auch gesehen. Aber eine Stadt herauszupicken, die in der Tat eine mehr als ungünstige Entwicklung bedingt durch massive Entindustrialisierung durchmachte (Duisburg?, Salzgitter?), ist etwas unlauter. Ich erinnere mich noch gut an Herrn Broders Ausführung zur Verelendung der westdeutschen Provinz (Bad Hauheim). Ich will gar nicht darüber klagen, wenn jemand eine Meinung äußert, die mir nicht gefällt (wie manch andere achse-Leser, die ihrem Paten-Geld nachtrauerten als es jemand wagte, Pegida zu kritisieren). Nein, bitte keine Meinungs- und Gesinngungshegemonie, das wäre mir zu wieder. Das bekomme ich schon auf SPON und Zeit. Streiten sie sich! Aber jede Kritik an Pegedia war stets abgewogen und fundiert, hat für mich Aspekte hinzugefügt, die mir bis dahin unbekannt waren. Damit konnte man sich kritisch auseinandersetzen. Hier jedoch wird aus dem Besuch einer unbekannten ostdeutschen Universitätsstadt for ~10 Jahren ein Fall für die Gruppensoziologie gemacht. Das entspricht nicht dem Achgut-Standard, den ich so sehr schätze. Fühl ich mich beleidigt, weil ich Ossi bin? Mitnichten. Ich komme sehr viel rum (IT) und kenne fast alle Schmuddelecken Deutschlands. Die oft genannten Beispiele Neukölln & Co. sind ja nur die Spitze des Eisberges. Und die Berichte, die ich von Kölner und Berliner Kollegen von Schulhöfen (nicht sog. Problembezirke) ihrer Kinder bekomme, sind beängstigend. Wenn ich dann erzähle, dass meine 7-Jährige Tochter, den Schulweg in Jena alleine geht, bekomme ich nur staunende Blicke. Und übrigens: Auch die allermeisten Ossis möchten auch nicht in Hoyerswerda leben, wie man es sich bei der Bevölkerungsentwicklung vielleicht selbst schon denken kann.

Anja Krupop / 14.01.2015

Herr Frick, es gibt nicht DIE sozialen Probleme Ostdeutschlands, was ist denn das für eine undifferenzierte Gleichmacherei. Wenn Sie über Neukölln reden, dann sind das Probleme in Neukölln und eben nicht in München Schwabing. Wohlweißlich oder dummerweise verraten Sie nicht, wo Sie studiert haben. Ich bezweifle nicht, dass Sie dort derartige Verhältnisse vor mehr als 10!!! Jahren antrafen, aber das zu verallgemeinern ist völlig unzulässig und schon wieder grob fahrlässig. Vielleicht war es ja Hoyerswerda, aber das ist EBEN nicht Dresden! Dresden ist eine weltoffene Stadt mit vielen willkommenen Ausländern! Ihr Kontext passt vorne und hinten nicht. Dresden hat viel Nachwuchs, keine Überalterung, kaum Arbeitslosigkeit, freundliche, neugierige Menschen. Und PEGIDA. Vielleicht lesen Sie das Interview mit dem Politikwissenschaftler Werner Patzelt: MDR Sachsen online - “Patzelt: Viele Menschen empfinden Pegida als Befreiung” Und ein anderer Wissenschaftler kommt zu dem Schluss: Der typische Pegida-Demonstrant ist gut ausgebildet und aus der Mittelschicht. Er verdient eher mehr als der Durchschnitt und ist um die 48 Jahre alt. Also nix mit Verlierer und Trostlosigkeit und Hartz IV und unzufriedene Rentner! Und wenn bei 25.000 ein paar Rechtsextreme mitlaufen, 300 bis 400 etwa, leiten Sie daraus die Gesinnung aller ab? Ist das zulässig?? Aber noch etwas anderes erschient mir wichtig, da ich selbst ins Muster des typischen Demonstranten passen würde: Ein Dresdner über 40 hatte seine Schulausbildung in der DDR. Das heißt, er ist in jedem Falle politisch gebildet, denn ihm wurde die Hegelsche Dialektik beigebracht. Vielleicht durchschaut er daher viel eher, was schief läuft in der Politik? Vielleicht kommt er viel schneller und treffsicherer als Westdeutsche zu der Erkenntnis, dass das Hätscheln des Islam und das Leugnen islamischer Parallelwelten einen politischen und wirtschaftlichen Grund hat? Cui bono, Herr Frick, so haben wir denken gelernt in Dresden. Seit Merkel mit hochrangigen Wirtschaftsvertretern durch die Golfstaaten reiste, ist Appeasement angesagt, wir wollen doch das Kapital der Scheichs nicht vergraulen, wo es doch so ein scheues Reh ist (Karl Marx).  Aber das macht die Politik weder den Brüdern und Schwestern noch sonst einem Bürger klar, wäre ja auch gar zu peinlich, zu sagen: Der Islam gehört zu Deutschland genauso wie die (oder wegen der) Ölmilliarden vom Golf! Grüße aus Dresden!

Dieter Neubauer / 14.01.2015

Ich wohne selbst seit 4 Jahren in Marzahn und kann mich nur immer wieder über die Aussagen wundern, dieser Bezirk sei eine No Go Area. Das war er vielleicht mal vor 10 Jahren (genauso wie angrenzende Bezirke es vielleicht waren). Vor meinem Umzug habe ich ~15 Jahre in Friedrichshain gewohnt und kann was Rechtsradikalität angeht keinen Unterschied wahrnehmen. Was ich wahrnehme ist eher, dass in vielen Gegenden Marzahns die russische Community dominant ist, in einigen wohnen auch hauptsächlich vietnamesischstämmige Menschen. Ich habe in der gesamten Zeit, in der ich hier wohne nicht einen Bomberjacken-Glatzen-Neonazi gesehen, auch wenn man sich diese nach Lesen von Artikeln wie dem obigen wohl als allererstes vorstellen soll. Ich arbeite in der Innenstadt und habe aufgrund sportlicher Aktivitäten fast jedes Wochenende in verschiedenen Stadtbezirken zu tun und ein Großteil aller gewalttätigen Auseinandersetzungen in dieser Stadt habe ich eher in Innenstadt-Stadtteilen wahrgenommen. Darin waren auch sogut wie nie blonde Männer auf Bahnhöfen involviert, sondern eher Schwarzhaarige. Ich würde persönlich eher Neukölln und die angrenzenden Bezirke als No Go Area für mich ansehen, zumindest Nachts. Den Menschen, der nachts in diesen Gebieten alleine und komplett ohne Angst mit der U Bahn fahren kann, müsste mir auch erstmal jemand zeigen, in Marzahn sitzen zu diesen Zeiten hauptsächlich noch vergleichsweise ordentlich aussehende Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nun frage ich mich, ob die Erfahrungen des Autors in Ostdeutschland und Frankreich genauso “wahr” sind, wie die in Bezug auf Marzahn im selben Artikel. Damit steht und fällt die Argumentation dieses Artikels und die heutige Studie der TU Dresden widerspricht sogar dem indirekten Vorwurf, die aktuellen islamkritischen Vorgänge in Dresden stammten alleine von Arbeitslosen aus Plattenbauten.

Reinald Wunderwald / 14.01.2015

Bitte die Analyse der Zusammensetzung der PEGIDA Teilnehmer, erstellt durch die TU Dresden lesen, dann sieht alles ganz anders aus! Das sind Mittelständler und keine Harzer die da demonstrieren.

Hildegard Behrendt / 14.01.2015

War der Autor in Dresden? Seine Ausführungen beschreiben einen ganz anderen Pegidaspaziergang, als ich ihn am 12.01.2015 dort erlebt habe. Die gewaltbereiten Hooligans konnte ich nur am Straßenrand, abgeschirmt durch die Polizei, entdecken. Wären die Polizisten nicht dagewesen, wäre es sicher zu Zusammenstößen provoziert durch die Antifa gekommen. Ich bin an verschiedenen Stellen im Zug mitgelaufen, aber nirgends war auch nur ein Funken von Gewalt und auch keine Naziparolen zu entdecken. Die Atmosphäre unter den Spaziergängern war entspannt, unverkrampft und man kam leicht ins Gespräch. Die Mischung war ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Alte, Junge, Studenten und Arbeitnehmer der unterschiedlichsten Berufe. Auch der Weg zum Auto war gefahrlos. Übrigens auch der Weg zum Beginn der Veranstaltung.  

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