
Dummheit und verletzter Stolz. Sagte doch Flintenuschi heute, dass die Ukraine sehr nahe an der Aufnahme in die EU stünde, aber noch nicht soweit wäre. Damit bestätigt sie die Einschätzung Putins. Wer jetzt noch an Frieden vor einer Kapitulation der Ukraine glaubt, ist naiv. Und an einen Sieg der Ukraine kann ich auch nicht glauben. Der Münchener OB ist vom selben Schlag. Dummheit und Stolz, Leute werft Teddybären.
Gergiew ist in der Vergangenheit wohl immer mal wieder durch mehr als nur moderate Putin-Affinität unangenehm aufgefallen. Das unschuldige Opfer, als das ihn manche sehen ist er ganz sicher nicht. Jedoch hat man ihn bisher immer weiterhin beschäftigt. Zum jetzigen Konflikt hat er meines Wissens noch kein Statement abgegeben, sodass es keinen wirklich nachvollziehbaren Grund gibt, ihn jetzt plötzlich mit A***tritt zu feuern. Aber so ist das heute. Hauptsache Zeichen setzen!
Natürlich darf sich der Dirigent zu Putin und natürlich seiner Heimat bekennen. Ihm falsche Bekenntnisse abzuverlangen, zu denen er eh nicht steht wäre idiotisch und verlogen. ABER: Genau so dürfen wir uns gegen den Aggressor Putin, seine Unterstützer und Anhänger bekennen und diese auch boykottieren. Übrigens trägt ein Veranstalter auch das finanzielle Risiko, im Falle das Publikum boykottiert ihn. Die Veranstaltungsbranche hat in den letzten 2 Jahren auch ohne Putin und seine Versteher schon genug gelitten. Und das Argument, Putin hätte das Land aus dem Sumpf gezogen, klingt fast als würde man Hitler auf den Bau von Autobahnen reduzieren. Und zu Netrebko @ Dieter Franke Zitat Netrebko: „Es ist nicht richtig, Künstler oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu zwingen ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit zu äussern und ihr Heimatland anzuprangern“. Da hat sie wohl Recht. ABER: Frau Netrebko hat wohl ein Problem mit der Erinnerung an 2012 als sie eine Petition von 500 russischen Künstlern, Wissenschaftlern und Sportlern zur Wiederwahl Putins unterschrieben und 2014 protestierte sie bei der Übergabe in Donezk mit dem Separatistenführer Oleg Zarjow, in den ostukrainischen Gebieten mit einer Separatistenflagge. Und heute, wo es unbequem wird, will sie wieder nur eine unpolitische Künstlerin sein? Und an den Autor: Ja man hätte schon 2014 die rote Linie aufzeigen sollen. Diese verpasste Chance macht es aber nicht falsch, sie jetzt um so deutlicher zu zeigen.
Mein Mitleid mit einem, der einen professionellen Gangster verehrt, hält sich in Grenzen.
Tja, habe gerade gelesen, dass auch Anna Netrebko (aus denselben Gründen) nicht mehr an der Bayerischen Staatsoper auftreten darf. Eine regelrechte Gesinnungssäuberei. Erinnert an dunkelste Kapitel. Auch wenn man sich heute - wie damals im übrigen auch - moralisch auf der richtigen Seite wähnt. Nichts gelernt würde ich sagen. Die moralischen Saubermänner von heute sind vom gleichen Schlage wie die Vorzeigenazis damals. Es hatte den Übermoralischen aus München nicht gereicht, dass AN unter anderem geschrieben hat: “Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört und Menschen in Frieden leben können.” Sie habe auch viele Freunde in der Ukraine und “der Schmerz und das Leid [...] brechen mir das Herz.” Denn sie hat - völlig zutreffend - hinzugefügt: “Ich möchte allerdings anführen, dass es nicht richtig ist, Künstler oder irgendeine öffentliche Person zu zwingen, ihre politischen Ansichten öffentlich zu machen und ihr Vaterland zu beschimpfen.” Mit würden da so viele zivilisatorische Errungenschaften wie die (auch negative - niemand muss sich zu etwas äußern) Meinungsfreiheit, die Kunstfreiheit und die Berufsfreiheit einfallen, die hier verletzt sein könnten - und sei es, weil sie über zivilrechtliche Generalklauseln eine Drittwirkung auf das jeweilige Vertragsverhältnis entfalten. Aber Freiheit ist hierzulande kein Wert mehr. Moralisch sich selbst Überhöhende wähnen sich über dem Recht stehend. Ihre Moral allein soll den Handlungskorridor der anderen bestimmen. Die Freiheiten aus dem Grundgesetz scheinen zu Schönwetterparolen verkommen zu sein, die nichts gelten. Im Krieg. Und immer ist irgendein Krieg. In der Ukraine oder überall, wenn - wie gegen Windmühlen - gegen das Corona-Virus gekämpft wird.
Einmal rein aus juristischer Perspektive: die von OB Reiter ausgesprochene Kündigung ist schlicht und einfach rechtswidrig und daher nichtig. Herr Gergiev könnte die Stadt München vor Gericht regelrecht vorführen; er hat mindestens Anspruch auf seine volle vertragliche Vergütung, ohne dafür noch etwas leisten zu müssen. OB Reiter hat in voller Kenntnis der Nichtigkeit seiner Kündigung und daher vorsätzlich gehandelt und ist damit persönlich haftbar für den Schaden, der der Stadt München entsteht, wenn sie für die rechtswidrige Kündigung Schadensersatz leisten muß. § 48 BeamtStG ermöglicht es der Stadt München, ihn in Anspruch zu nehmen. Die Opposition im Münchner Stadtrat sollte prüfen, ob ggfs. eine solche Inanspruchnahme erzwungen werden kann.
Ich finde es allmählich schlimm, dass die “political corectness” immer mehr in Sport, Kunst und Kultur Einzug hält. Wie ein Krebsgeschwür. Ist ja inzwischen schon so ähnlich wie in Chinas Kulturrevolution. Da gabs keinen Künstler mehr, der nicht mit vollen Lungen Mao und die Partei verherrlichte. Für München ist das ein Armutszeugnis. Die Stadt fällt in kulturelle Provinzialität zurück. Absolut spießbürgerlich. Hoffentlich erstreiten seine Anwälte einen fetten Schadenersatz vor Gericht!
Jetzt muß sich jeder Russe in in unserem höchstmoralischen Staat lebend, erklären was er politisch in punkto Putin denkt. Schweigt er wird er abgeschoben. Bekennt er Sympathien für seinen Präsidenten droht Haft. Das neue deutsche Glaubensbekenntnis!
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