Was ist ein Nationalpark, und wie geht man mit menschlichen Eingriffen um, die im Grunde vollkommen unvermeidlich sind? Die Waldbrände des Sommers 2022 haben die gravierenden Gefahrenpotenziale offengelegt, welche durch die Festsetzung von Teilen der Sächsischen Schweiz als Nationalpark hervorgerufen wurden und werden.
Am 15. April fand eine Begehung der Waldbrandflächen statt, an der Vertreter der Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz, Mitglieder des Stadtrates von Hohnstein und der Nationalparkverwaltung teilnahmen.
Anliegen der im letzten Jahr gegründeten Bürgerinitiative ist es, die jahrhundertelang gewachsene Kulturlandschaft zu erhalten – im Gegensatz zum derzeitigen Konzept des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“, was allerdings nichts anderes als eine gigantische Verwilderung und Verwahrlosung der Wälder in dieser großartigen Landschaft bedeutet, in der jegliche gestalterischen Leistungen der Menschen komplett abgelehnt werden.
Die Rechtsgrundlagen des Nationalparks Sächsische Schweiz sehen einen unberührten Naturraum vor, aus welchem der Mensch vollständig zurückgedrängt und damit touristische Nutzung ausgeschlossen ist. Das Gebiet der Sächsischen Schweiz ist allerdings eine jahrhundertealte Kulturlandschaft und war bereits bei der Umwidmung in einen Nationalpark vor über 30 Jahren keine reine, unberührte Natur mehr. Schon deshalb musste das Konzept des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ zwangsläufig irgendwann scheitern.
Die komplexen Problemfelder, die nun sehr deutlich zutage treten, sind unter anderem die unterlassene Waldpflege mit dem Verbleib riesiger Mengen an Totholzbeständen mit massiver Brand- und Windbruchgefahr, die dadurch erschwerten Rettungs- und Löschmaßnahmen im Brandfall sowie die Verwahrlosung oder Zerstörung von kulturellen Artefakten, Wegverbindungen und Gebäuden.
Im Folgenden dokumentieren wir hier die Pressemitteilung der BI Naturpark vom 19.4.2023:
„Begehung mit der Nationalparkverwaltung zu den Waldbrandflächen in der Sächsischen Schweiz – Rundgang durch die Ergebnisse einer Praxis der Verluste
Am 15. April fand eine Begehung der Waldbrandflächen durch Vertreter der Bürgerinitiative und Mitglieder des Stadtrates von Hohnstein sowie der Nationalparkverwaltung statt. Bei der vierstündigen Tour durch das Schmilkaer Revier kam es zu einem intensiven Austausch aller Beteiligten, bei dem sich die Argumente diametral gegenüberstanden.
Die Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz kritisiert grundlegend den Versuch, die sensible Kulturlandschaft der Sächsischen Schweiz unter das Schutzkonzept eines Nationalparks zu stellen. Die flächendeckende Anwendung des Prinzips „Natur Natur sein lassen“ ist eine Praxis der Verluste.
Die verheerenden Folgen des Nationalparkkonzepts zeigen sich nicht nur an den vier Standorten, die bei der Führung mit der Nationalparkverwaltung aufgesucht wurden. So wurde am ersten Standort das Waldbild am Hang des Wurzelweges kurz nach dem Ortsausgang von Schmilka in Richtung Großer Winterberg als Idealbild einer urwüchsigen, wilden Elbsandsteinnatur präsentiert. Bemerkenswerterweise zeigt sich hier ein Kulturwald, der bereits vor Widmung des Gebietes als Nationalpark in dieser Form bestand und nicht Ergebnis des Prinzips „Natur Natur sein lassen“ ist. In unmittelbarer Nähe zum Ort findet sich der Einfluss von Kulturleistungen und keine von Menschen unberührte Natur. Gerade diesen naturnahen Kulturwald gilt es zu verlieren, sollte weiterhin die uneingeschränkte Anwendung des Nationalparkkonzepts praktiziert werden.
An den Kehren der Winterbergstraße gingen die Vertreter der Nationalparkverwaltung auf die Entstehung des Brandes sowie dessen Übertritt von der Böhmischen auf die Sächsische Schweiz ein und verwiesen auf die günstige Fügung der Wetterverhältnisse und die geringe flächenmäßige Ausbreitung des Waldbrandes zugunsten der sächsischen Seite. Hierbei entstand der Eindruck, dass die weiter bestehende Gefahrensituation unterschätzt wird. Spiegeln wir die abgebrannten Flächen der tschechischen Seite, hätten wir einen kompletten Verlust des Gebietes Großer Zschand zu verzeichnen. Ob die Auswirkungen weiterer Brandgeschehnisse noch drastischer ausfallen, ist für die Bürgerinitiative jedoch keine Frage von Glück oder Unglück, sondern abhängig vom Einsatz gezielter Schutzmaßnahmen, zu denen insbesondere die Reduzierung des Totholzbestandes sowie ein klimaresilienter Waldumbau zählen. Dazu gehört aber auch die Auseinandersetzung mit der Frage, ob das Nationalparkkonzept angemessene Reaktionen auf derartige Herausforderungen in der Kulturlandschaft leisten kann oder ob nicht der Naturpark das ehrlichere Schutzkonzept für die Sächsische Schweiz darstellt.
Der vorletzte Standort war der Grenzweg, dessen strategische Bedeutung als entscheidender Rettungsweg während des Waldbrandes von der Nationalparkverwaltung nicht wahrgenommen wird. Die Relevanz eines ungehinderten, grenzüberschreitenden Aktionsradius für Feuerwehren und Rettungskräfte bleibt damit unbeachtet. Die Nationalparkverwaltung zeigte an diesem Standort einen Zusammenschnitt der Aufnahmen einer Wildkamera, um die scheinbar geringen Ausmaße des Brandverlaufes an dieser Stelle zu dokumentieren. Sollte damit die Dramatik des Waldbrandes relativiert werden? Für die Bürgerinitiative bleibt jeder Waldbrand ein katastrophales Ereignis, das eine immense Zerstörung der Pflanzen- und Tierwelt mit sich führt. Das Argument einer natürlichen Erholung der Brandflächen ist unbestritten, aber allein die noch unbekannten Auswirkungen beispielsweise auf Felsstrukturen und Kleinstlebewesen sind inakzeptable Kollateralschäden, die vermieden werden müssen.
Am letzten Standort, dem Weg zur Wildnis, wurde versucht, die vermeintlich positiven Auswirkungen des Prinzips „Natur Natur sein lassen“ auf die Sächsische Schweiz aufzuzeigen. Die fragliche Auswahl eines Areals, welches aufgrund seiner Beschaffenheit nicht repräsentativ für die gesamte Sächsischen Schweiz ist, wurde mit der Begründung einer fehlenden anderen Vergleichsfläche abgewehrt. Es entsteht der Eindruck, dass die Nationalparkverwaltung hier allein mit dem Prinzip Hoffnung agiert. Welches Waldbild wir in Zukunft erhalten werden, ist noch völlig unklar. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf den Böden ehemaliger Fichtenmonokulturen wieder hauptsächlich Fichten nachwachsen, konnte nicht widerlegt werden.
Zusammenfassend zeigte die Begehung einmal mehr, wie verlustreich die Praxis „Natur Natur sein lassen“ für die Kulturlandschaft der Sächsischen Schweiz ist und in der Zukunft noch sein wird. Die Nationalparkverwaltung erfasst den problematischen Kern ihrer Konzeption nicht und versucht trotz massiver Verluste im Naturraum, ein positives Image des Nationalparks zu verbreiten.
Die Problematik der Nationalparkkonzeption angesichts des enormen Ausmaßes abgestorbener Fichtenbestände, die Eventualität eines ursächlichen Zusammenhanges zwischen Brandintensität und einem mit Totholz angereicherten Wald wird von der Nationalparkverwaltung nicht reflektiert. Für diese haben alle Baumarten gleichermaßen gebrannt. Damit wird unterschlagen, dass die Totholzbestandteile zu einer erheblichen Intensität des Brandes geführt haben und höchstwahrscheinlich im Zusammenhang mit der Entstehung von Flugfeuern stehen. Die Frage, inwieweit ein 30 Meter breiter Schutzriegel um gefährdete oder gefährdende Objekte tatsächlich wirksam ist, konnten die Vertreter der Nationalparkverwaltung nicht beantworten.
Bürgerinitiative
Naturpark Sächsische Schweiz
Sprecherin Hanka Owsian“
Weitere Infos:
https://www.naturpark-saechsische-schweiz.de
Titelbild:
Brandgebiet am Großen Winterberg im Bereich Fremdenweg/Lehmhübel
Fotografie © Stefan Klinkigt
Artikel, die wir zu dieser Thematik bereits veröffentlicht haben:
Neues vom Streit um den Nationalpark Sächsische Schweiz
Sächsische Schweiz: Der Nationalpark-Frevel
Brände in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz

Wieder einmal ein Beispiel dafür, dass hochbezahlte Verwaltungsangestellte nichts oder weniger vom Thema verstehen, als sie zugeben wollen. Da wurden wieder radikal Fakten geschaffen, die eine Wende unmöglich machen. Letztendlich brennt der Wald wegen deutscher Verbrennerautos und Plastiktrinkhalmen.
Das Grüne Credo: Die „Natur“ ist gut und ihr Feind ist der Mensch. Gretatistisch übersetzt, bedeutet „Zero Carbon“ die fast vollständige Eradikation der Menschheit. Die Georgia Guidestones waren kein Witz.
Mit ähnlichen „Argumenten“ wurde vor der Einrichtung des Nationalparks Bayerischer Wald 1970 versucht, die Einrichtung zu verhindern. Es wurde gehetzt, desinformiert, Anschläge ausgeführt . Dann hatte der Borkenkäfer in den Altbeständen ganze Arbeit geleistet, durch die Naturverjüngung hat sich inzwischen ein strukturreicher prächtiger Wald entwickelt: Natur Natur sein lassen. Den Borkenkäfer gibt es dort immer noch, aber in wesentlich geringerem Umfang. Inzwischen sind mehr als 50 Jahre vergangen und es wird immer noch auf dem platten Verhinderungs-Niveau von damals argumentiert. Horst Stern, einer der Wegbegleiter des Bayerischen Nationalparks, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er den Artikel lesen könnte. Sein Fernsehbeitrag „Bemerkungen über einen sterbenden Wald“ aus 1997 ist immer noch sehenswert (google hilft). Menschen wie Horst Stern fehlen heute, wenn es um die fachliche (!) Naturschutzdiskussion geht. Es gibt zwar viele Personen im Naturschutz, aber nur wenige Persönlichkeiten. Wer einen Naturpark will, will noch mehr Tourismus, ein Nationalpark ist eine ganz andere Schutzkategorie, wenn man das Nationalparkgesetz an den Schutzzielen orientiert. Der Satz: „Die Rechtsgrundlagen des Nationalparks Sächsische Schweiz sehen einen unberührten Naturraum vor, aus welchem der Mensch vollständig zurückgedrängt und damit touristische Nutzung ausgeschlossen ist“ kann so nicht stimmen. In allen Nationalparks gibt es strengere Kernzonen und weniger streng geschützte Zonen für die Nutzung samt Tourismusentwicklung. Ganz nebenbei: In der Sächsischen Schweiz wurde gerade ein großer Waldbrand verhindert, der durch ein illegales Lagerfeuer entstand.
„Natur Natur sein lassen“ ist genau richtig, denn die Natur braucht uns nicht. Die war schon da, als es uns – und auch keine Bürgerinitiative Naturpark Sächs. S – gab. Geht woanders spazieren oder bleibt in eurem Schrebergärtchen, aber laßt der Natur freien Lauf. Wildkatze, Luchs, Wolf usw., die vermissen die Touris / Spaziergänger, die überall ihren Müll hinterlassen, bestimmt nicht.