Was die schweren Waldbrände dieses Sommers mit dem Klima zu tun haben. Und was nicht.
Selbstverständlich hängt die Waldbrandgefahr mit dem Klima zusammen, allerdings nicht mit dem fiktiven Weltklima, sondern mit konkreten regionalen Klimata. In den Gebieten mit typischem Mittelmeerklima (regelmäßig sehr trockene Sommer und feucht-milde Winter) gehören Waldbrände sogar zum normalen ökologischen Stoffkreislauf. Zumal dort Pflanzen wie die dornige Zwergeiche Quercus cocifera gedeihen, deren Samen erst nach einem Feuer keimfähig werden. Deren sexuelle Vermehrung ist also auf Waldbrände angewiesen. Neben einem schmalen Küstensaum rund ums Mittelmeer gibt es Mittelmeer-Klima auch in Kalifornien, in der Kap-Region Südafrikas und an den Südspitzen Australiens.
Schon vor Jahren haben wir auf dieser Plattform darauf hingewiesen, dass die dem Feuer zum Opfer fallende Waldfläche von Jahr zu Jahr je nach den jeweils vorherrschenden Niederschlags- und Windverhältnissen enorm schwanken kann. Wenig Einfluss hat hingegen die jeweils erreichte Lufttemperatur von 40 °C und mehr. Dann schon eher die mit der Sommerhitze nach langer Regenpause einhergehenden Trockenheit. Und vor allem die starken Winde (Tramontane und Mistral), die zwar unregelmäßig wehen, aber zur Grundausstattung des südfranzösischen Klimas gehören. In diesem Sommer wehten diese Winde wegen des schlechten Wetters in West- und Mitteleuropa etwas länger als im langjährigen Durchschnitt.
Immerhin hält die Trockenheit in der Region Languedoc zwischen Rhône und spanischer Grenze nun schon jahrelang an. Der angrenzende südliche Teil des französischen Zentralmassivs, die Cevennen, bekam hingegen reichlich Regen ab. Diese Verschiebung des Niederschlagsmusters hat wahrscheinlich mit der Ablösung der Westwinddrift durch ein meridionales Muster der Windströmungen und somit mit dem Wechsel der nordatlantischen Meereszirkulation zu tun, aber wenig bis nichts mit der Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur. Dennoch versuchten staatsabhängige Forscher und Massenmedien ihr ahnungsloses Publikum glauben zu machen, die Erderwärmung sei die Hauptursache großflächiger Waldbrände.
In Spanien und Portugal sollen die Flammen bis Mitte August schon an die 100.000 Hektar Wald und Heide samt den davon umschlossenen menschlichen Siedlungen verschlungen haben. Ein Feuerwehrmann kam dabei ums Leben. Besonders schwer betroffen scheint die spanische Provinz Kastilien-Leon. Deren Einwohner werfen ihren Behörden vor, zu wenig in die Waldbrand-Vorsorge investiert und die Anschaffung schweren Löschgeräts vorgezogen zu haben, um bei den Wählern mehr Eindruck zu schinden. Im mediterranen Nachbarland Frankreich muss man bis in die 1970er und frühen 80er Jahre zurückgehen, um vergleichbar traurige Meldungen über die Waldbrand-Statistik zu finden. Nach einer Kommission des französischen Senats gehen im langjährigen Mittel 90 Prozent aller Waldbrände auf menschliche Aktivtäten zurück. Hauptursache der Flächenbrände waren in den 1960er und 70er Jahren nach Angaben der zuständigen Staatsanwälte gezielte Brandstiftungen, um in attraktiven Gegenden Bauland für Luxusvillen und Feriensiedlungen zu schaffen. Doch damit ist infolge einer Gesetzesänderung inzwischen Schluss. Man bekommt in Frankreich auf abgebrannten Waldflächen nur in sehr seltenen Ausnahmen eine Baugenehmigung. Dafür gibt es heute neue Anreize für Spekulationen.
Anfang August 2025 fielen dem Feuer im Département Aude zwischen Narbonne und Carcassonne innerhalb von zwei Tagen nicht weniger als 17.000 Hektar Wald- und Buschland zum Opfer. Es handelt sich dabei überwiegend um nicht bewirtschafteten lichten Kiefern- oder immergrünen Eichenwald mit Dornengestrüpp als Unterholz, bekannt als „Garrigue“. In eine schwarze Mondlandschaft verwandelt wurden aber auch etwa 2.000 Hektar Kulturland. Es gab mindestens ein Todesopfer. Hinzu kommen mindestens 5.000 Hektar frisches Brachland, das mit trockenem Gras und anderen z.T. mannshohen Pionierpflanzen bewachsen war. Diese Brachflächen brennen wie Zunder und gelten bei den Einheimischen als Lunten für Flächenbrände und wurden daher bisher weitgehend vermieden.
Entstanden sind diese Brachflächen erst seit dem letzten Jahr, weil die Pariser Regierung, um das Überangebot auf dem Weinmarkt zu reduzieren, in Absprache mit der Brüsseler Kommission die Zahlung attraktiver Prämien für die Rodung von Rebflächen ausschrieb: Wer Weinstöcke ausreißt und die Rebfläche mindestens sechs Jahre lang brachliegen lässt, bekommt je Hektar 4.000 Euro Entschädigung aus einem EU-Fonds, mit dem negative Folgen des Ukraine-Krieges für Landwirte kompensiert werden sollen. Auch in anderen Départements, die vom Weinbau geprägt sind, wurden Rodungsprämien in vergleichbarer Höhe ausgeschrieben. Die betroffenen Winzer nennen diese kurzfristig lukrative Selbstmordaktion „Arachage Ukraine“. Immerhin gibt es dabei eine Obergrenze von 280.000 Euro je Weinbaubetrieb. Es gab aber wohl etliche Betriebe, die wegen der Absatzflaute auch Flächen rodeten, für die sie nicht entschädigt wurden. Deshalb ist die seit 2024 gerodete Fläche wahrscheinlich erheblich größer als die angegebenen 5.000 Hektar.
Eile war geboten. Bis zum 13. November 2024 mussten die Anträge auf Entschädigung bei den zuständigen Behörden eingegangen sein. Bis zum 4. August 2025 mussten die Winzer die Rodungen beim Zollamt nachweisen. Es gab einen Wettlauf um die Prämien. Obwohl ihnen höchstwahrscheinlich bewusst war, dass sie damit die von Brüssel gewollte Abwicklung der herkömmlichen Landwirtschaft in Frankreich und ganz Westeuropa beschleunigten, beteiligten sich fast alle infrage kommenden Winzer an dem Wettlauf. Zu verlockend war die Aussicht, sich mit der Rodungsprämie ein renoviertes Haus, einen Swimming Pool oder ein neues Auto leisten zu können. Verdrängt wurde dabei die schon länger bekannte Tatsache, dass Weinberge in der bewaldeten Region eine wichtige Rolle als Riegel gegen die Ausbreitung von Waldbränden spielen und die Schönheit der Landschaft prägen. Gepflegte Weinberge gelten nicht von ungefähr seit dem Mittelalter als Inbegriff der Kulturlandschaft.
Nur wenige Gewächse des Languedoc gelten allerdings als edel. Insofern ist es verständlich, dass die Aufgabe von Weinbergen vielen nicht leidtut. Ideal wäre es, für die Brachflächen eine Nutzungsform zu finden, die in ökologischer und ästhetischer Hinsicht dem Weinbau zumindest gleichkommt. Doch das Gegenteil scheint sich anzubahnen. „Rein zufällig“ decken sich die in diesem August abgebrannten Flächen mit projektierten riesigen Solarparks. Denn es gibt im Languedoc an etwa 300 Tagen im Jahr Sonne satt. Dabei würde die grüne Landschaft, so weit das Auge reicht, durch glitzernde Scheiben ersetzt.
Bislang hat sich die örtliche Bevölkerung erfolgreich gegen diese überflüssige, aber profitable, weil politisch korrekte Verunstaltung ihrer Heimat gewehrt. Aber nun sind diese Flächen verkohlt und scheinbar frei für unbeliebte Nutzungen. Da liegt der Verdacht nahe, dass da jemand von der grünen Solarmafia nachgeholfen hat. Tatsächlich nimmt die zuständige Staatsanwaltschaft in Montpellier den Verdacht ernst, dass die Feuersbrunst, die am 5. August entlang der Départementalstraße 212 zwischen den Gemeinden Ribaute und Langrasse ausgebrochen ist, „eine kriminelle Ursache hat“.
Edgar L. Gärtner ist studierter Hydrobiologe und Politikwissenschaftler. Seit 1993 selbstständiger Redakteur und Berater, als solcher bis 1996 Chefredakteur eines Naturmagazins. Bis Ende 2007 Leiter des Umweltforums des Centre for the New Europe (CNE) in Brüssel. In Deutschland und in Südfrankreich ist er als Autor und Strategieberater tätig. Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Institutes für Klima und Energie (EIKE)
@ L. Luhmann Eigentlich wollte ich nie wieder mit Ihnen reden. Aber ich stimme Ihnen mal zu. / Groß verhält sich zu Klein, wie Lang zu Kurz, Dick zu Dünn, Dumm zu Schlau, usw. Und dazwischen sind unendlich viele Grautöne. Es gibt ja nicht nur Schlau und Dumm, sondern auch das Mittelmaß. Ohne die Fähigkeit zum Vergleich ist der Denkapparat unnütz. Alle Gesetze beruhen auf Unterscheidung. Platon sagt: Denken ist Urteil bilden. Und wie bildet man sich ein Urteil? Indem man „diskriminiert“; „diskriminieren“ ist Latein und bedeutet NICHT: „herabsetzen“, sondern „scheiden, unterscheiden“. Was bedeutet es wohl, wenn es ein Gesetz gibt, das Diskriminierung unter Strafe stellt? Hey, der hat mich unterschieden?
@Leo Hohensee : >>@Dietmar Herrmann – wegen solcher Beiträge im Forum wie Ihrem deshalb liebe ich AchGut. Die eigene Denke wird konfrontiert mit Kenntnisreichtum und / oder auch gemahnt, auch selbst nach weiteren Gesichtspunkten zu suchen. Ihr Beitrag, Dieter Hermann, weitet auf jeden Fall den Blick. An anderen Stellen muss ich immer wieder feststellen, dass die Achse durch die Vernachlässigung des Forums solche wichtigen Wirkungen bedingt durch Leserbeiträge mittlerweile stark verhindert. beste Grüße<< ## Ich stimme mit Ihnen weitgehend überein, auch was die sporadischen Aktualisierungen des Forums betreffen. Andererseits sehe ich da auch einen großen Arbeitsaufwand und schaue mir die Macher der Achse an, wem ich das täglich von 6:00 bis 23:59 zumuten soll. Das ist das Problem. Vielleicht sind unsere Erwartungen dort einfach übertrieben? Nur was das Argument von Dietmar Herrmann und klein Erna betrifft, bin ich anderer Meinung. Wenn dort, wo heute „Windmühlen“ stehen noch der ehemals vorindustrielle Wald stehen würde, wären auch dort die Scherkräfte bis in die Wolkenhöhe vorhanden. Die Krankheit unseres ach so aufgeklärten Denkens ist die völlige Missachtung der Vergangenheit. Die Idee, die Landschaft müsse aus kahlen Flächen bestehen hunderte Kilometer in jeder Himmelsrichtung und ohne Bebauung und ohne Vegetation ist abseitig. Trotzdem immer den Vergleich zu ziehen, trotz häufiger Warnungen auch von mir, so als wäre dort ohne die Windmühlen kein Windwiderstand, ist zunehmend ermüdend. Die Laminarität gab es schon zur Zeit der Saurier! Da jetzt drauf herum zu reiten, als wäre das ganz neu, ist lächerlich. Jede Ortschaft bietet dem Wind einen stärkeren Widerstand, als eine „Windmühle“. Das muss man bitte langsam auch anerkennen. WKA reduzieren die Windgeschwindigkeit nur etwas, während eine Häuserfront den Wind am Boden nahezu still stehen lässt. Und ob 200 Meter höher oder tiefer bei 10km Stratosphärenhöhe wirklich die Wirkung haben?
@Dr. Eberhard Schmidt, ja natürlich ist mir das bekannt, Herr Doktor. Es geht doch nicht um Licht, sondern Wärme! Nicht das Sie auf die Idee kommen, ein Brennglas vor ein Glühwürchen zu halten und damit den Walden zünden wollen.
Die 300 Brandstifter in Griechenland sind ja nur der Tropfen auf dem heissen Stein. Die Meldung kam auch über MSN und ist eigentlich eine brandheisse Bombe mit der Sprengkraft, die Klimakirche samt Fundament zu vernichten. Statt dessen übertrifft sich die Jubelpresse gegenseitig mit Fussball-Plattheiten. Oder hackt auf Donald Trump herum. Trump hält sein Versprechen nicht ein, die Akten zu veröffentlichen? Welches war denn Merzens Versprechen, mit dem er auf Wählerbetrug ging? Wir neigen natürlich alle dazu, unseren Standpunkt etwas schöner zu färben, und Unbequemes bleibt schon mal liegen. Aber die Richtung sollte doch stimmen. Hier haben wir es nicht mehr mit Schönfärberei, sondern Realitätsverleugnung zu tun, mit platten Lügen, falschen Heilsversprechen, nebulöser Wirklichkeitsverzerrung, aufgefrischt mit Banalitäten. Das verstrahlt zudem die anderen Steckenpferde der Parteien, und wie auf Kommando meldet sich wieder Genosse Klingbeil mit Verbotsforderungen zu Wort. Was man auf der Straße so sieht, und liest, und trifft, mir ist schleierhaft, wie man sich derart verlieren kann? Was haben die die letzten 30 Jahre gemacht? Mit diesem Doofvolk hatte es die SPD ausgesprochen leicht. Das war geradezu ein Geschenk auf dem Weg in die Hölle. „Weh denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer! denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat.“ Apk 12, 12
Heutige Meldung in diversen Medien (Tagesschau, Deutschlandfunk, Spiegel): <Waldbrände: Griechenland geht mit aller Härte gegen Brandstifter vor, schon mehr als 300 Verhaftungen>. In Frankreich, Spanien und Portugal wird’s nicht viel anders sein, Brandrodung, um nutzbare Freiflächen zu gewinnen. in Griechenland haupsächlich für noch mehr Hotelanlagen. Aber machen wir uns nichts vor, schuld ist überall der „Klimawandel“. Boah, hat der viele „Agents Provocateur“ hier unten, die ihm bei der Arbeit behilflich sind!
@L. Luhmann : >>Man kann und muss alles mit allem „vergleichen“, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen allen existierenden Objekten zu erkennen. Vergleichen bedeutet nicht, dass man etwas gleichstellt! Ein Vergleich ist etwas anderes als eine Gleichstellung.<< ## Ich frage mal direkt. Sie haben auch komplett resigniert, wie ich? Oder?
@Walter Weimar / 23.08.2025: Sie wissen aber schon, daß Glühwürmchen KALTES Licht aussenden. oder? Klar. Tut mir leid.