Seit einigen Wochen schaut die Welt gebannt auf Brasilien. Zahlreiche Promis wie der Fußballspieler Cristiano Ronaldo oder politische Führer wie der französische Staatspräsident Emmanuel Macron haben die Sozialen Medien genutzt, um in persönlichen Appellen auf die Flächenbrände aufmerksam zu machen, die im dortigen Amazonasgebiet wüten. Auf Twitter trenden Hashtags wie #PrayforAmazonas, #ActForAmazonia oder gar #OurLungsAreOnFire. Wie schlimm ist die Situation wirklich? Wer ist schuld? Und was sind die Folgen? Die Amazonas-Brände im Achgut.com-Faktencheck:
1. Wie verbreitet sind die Brände?
Nach Angaben des staatlichen brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) wurden in diesem Jahr bislang mehr als 40.000 Brände im Amazonasgebiet identifiziert. Laut INPE wird jede Minute eine Fläche von der Größe von anderthalb Fußballfeldern durch das Feuer zerstört. Eine laufend aktualisierte Karte des europäischen Satellitenprograms „Copernicus“ zeigt, dass Rauchschwaden mittlerweile große Teile Brasiliens bedecken und in die Nachbarländer hinüber ziehen.
2. Sind die Brände etwas Außergewöhnliches?
Jein. Wie das INPE und die nationale amerikanische Raumfahrtagentur NASA mit Bezug auf Satellitendaten melden, sind die Brände im brasilianischen Amazonasgebiet so zahlreich und intensiv wie seit dem Jahr 2010 nicht mehr. Die bisherige Anzahl der Brände liegt 79 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und sieben Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Vor 2010 gab es allerdings mehrere Jahre, in denen erheblich mehr Brände im Amazonasgebiet gewütet haben als heute. Tatsächlich fielen die schlimmsten Jahre in die Amtszeit des sozialdemokratischen Präsidenten Lula da Silva, der Brasilien von 2003 bis 2010 regierte.
3. Hat der Klimawandel die Brände verursacht?
Nein. Natürliche Brände sind im Amazonasgebiet äußerst selten. Der INPE-Forscher Alberto Setzer schätzt, dass 99 Prozent der aktuellen Brände absichtlich oder unabsichtlich von Menschen verursacht wurden. Viele wurden wohl bewusst von Landwirten gelegt, um neue Anbauflächen oder Ackerland zu gewinnen oder um bestehende Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung vorzubereiten. Dafür spricht auch, dass die meisten Brände in der Nähe von Straßen entstanden sind. Im brasilianischen Bundesstaat Pará haben Bauern sogar am 10. August einen offiziell angekündigten „Tag des Feuers“ veranstaltet, um der Regierung zu signalisieren, dass Brandrodungen ein notwendiger Bestandteil ihrer Arbeit sind. Eine Erwärmung des Klimas kann allerdings dazu führen, dass sich Brände schneller verbreiten.
4. Werden die Brände zum Verschwinden des Regenwalds führen?
Nein! Nach Angaben der „New York Times“ ist ein Großteil des aktuell brennenden Gebiets nicht uralter Regenwald, sondern besteht aus bereits gerodeten Flächen, die von Gestrüpp befreit werden müssen, um landwirtschaftlich genutzt zu werden. Außerdem sind die Brände nicht umfangreicher als in vielen vergangenen Jahren (siehe Frage 2). Gegen das apokalyptische Bild einer vollständigen Zerstörung des Regenwalds sprechen auch Daten der Nichtregierungsorganisation World Wildlife Fund (WWF). Laut WWF wurden bislang circa 20 Prozent des Bioms Amazonas durch menschliche Aktivitäten wie Abholzung, Landwirtschaft, Bergbau oder den Bau von Staudämmen und Straßen zerstört. Rund die Hälfte des Gebiets ist durch brasilianische Bundesgesetze komplett vor Rodungen geschützt, und die Entwaldung ist zwischen 2004 und 2012 um 70 Prozent zurückgegangen.
5. Ist der brasilianische Regenwald die „grüne Lunge“ der Erde?
Nein, diese Metapher ergibt, wissenschaftlich betrachtet, wenig Sinn. „Der Amazonas produziert viel Sauerstoff, aber er verbraucht genauso viel Sauerstoff durch Respiration“, zitiert „Forbes“ den Biologen und Amazonasexperten Daniel Nepstad. „Unterm Strich kommt Null heraus.“ Tatsächlich produziere der Amazonas nicht mehr Sauerstoff als Soja-Farmen oder Rinderweiden. Als wahre „grüne Lunge“ der Erde kann wohl am ehesten das sogenannte Phytoplankton in den Meeren bezeichnet werden. Die winzigen Pflanzen produzieren laut aktuellem Forschungstand 50 bis 85 Prozent des Sauerstoffs in der Erdatmosphäre.
6. Ist der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro an den Bränden schuld?
Der rechtsgerichtete Staatschef Brasiliens gilt als Kritiker der Ökobewegung und will das wirtschaftliche Potenzial der Amazonasregion besser erschließen. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2019 hat er das Budget der brasilianischen Umweltschutzbehörde erheblich gekürzt. Laut einer Analyse der „New York Times“ sind staatliche Maßnahmen gegen illegale Rodungen wie Bußgelder und Beschlagnahmungen von Ausrüstung unter Bolsonaro um 20 Prozent zurückgegangen. Einige Medien spekulieren, dass Bolsonaros umweltpolitischer Kurs die Bauern zu mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt haben könnte.
Andererseits gibt es in der brasilianischen Politik einen Konsens, dass illegale Brandrodungen ein Problem sind, gegen das der Staat vorgehen muss. Bolsonaro hat Militäreinheiten beauftragt, die Flächenbrände zu bekämpfen, und hat Hilfe unter anderem von Israel angenommen. Der „Tag des Feuers“ im Bundesstaat Pará ist zur Zeit Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen.
7. Wurden Brände von Umweltorganisationen gelegt, um Bolsonaro zu diskreditieren?
Nein, für diese Behauptung des brasilianischen Präsidenten gibt es keine Beweise.
8. Sind andere Staaten von ähnlich intensiven Bränden betroffen?
Ja, auch in anderen südamerikanischen Staaten wie Bolivien, Peru und Paraguay wüten verheerende Brände. In Bolivien sollen sich die Feuer auf eine Gesamtfläche von fast eine Million Hektar erstreckt haben. Dort hatte der linksgerichtete Präsident Evo Morales vor einigen Wochen per Dekret grünes Licht für Abholzungen und „kontrollierte Brandrodung“ in zwei Amazonas-Provinzen gegeben. Innerhalb von fünf Tagen soll das Land soviel Wald verloren haben, wie im ganzen Jahr zuvor.
Beitragsbild: Pixabay

Na, ganz toll war doch die Nachricht, dass man zumindest einen Teil der bereitzustellenden 20 Millionen (Euro, Dollar, egal - wenn's nicht gerade Cruzeiros sind) für die Aufholzung(!) der verloren gegangenen Wälder verwenden wolle. Alleine daran lässt sich erkennen, wie unbedarft selbst G7-Politgrößen bisweilen sind. Dürfte doch hinlänglich bekannt sein, dass man Urwälder, also Primärwälder, überhaupt nicht wieder aufforsten KANN. Eine Illusion. Wenn man sich allerdings damit zufrieden geben will, die riesigen verbrannten Flächen wieder "zu begrünen" - klingt irgendwie nach Vorgartenidylle - mag das im Endeffekt einer Sauerstoffproduktion "für das Weltklima" dienlich sein. Allerdings ist das, was Primärwälder im eigentlichen Sinne so unschätzbar wertvoll macht (nämlich die geradezu unfassbare Vielfalt ihrer Flora und Fauna) dennoch für immer verloren. Die "Regeneration" solcher Waldschätze, so man eine "möglichst naturnahe" Bepflanzung überhaupt als solche bezeichnen könnte, würde viele Hunderte, vielleicht Tausende von Jahren in Anspruch nehmen. Ob und wann sich eine "neue" Fauna wieder einfinden würde. - Ganz im Vertrauen, wie wär's mit Palmöl-Plantagen? Indonesien macht es vor. (Kalimantan, ehemals Borneo, übrigens ein Albtraum). Aber grün sind Ölpalmen schließlich auch. Und wie. Produzieren deren Blätter denn gar keinen Sauerstoff? Doch? Na dann, pflanzen, wachsen, ernten, neu pflanzen.... Wenn's doch nur um den Sauerstoff zu tun ist. Nützlicher Nebeneffekt: Millionen Barrel Treibstoff fürs ach so grüne Deutschland!
Herzlichen Dank! Solch ein Artikel spart einem in der Tat sehr viel eigene Recherche.
bei dem ganzen Hype geht es um einen innenpolitischen Machtkampf in Brasilien ,die Linke und Oekoaktivisten wollen den rechten Praesidenten international in ein schlechtes Licht ruecken ,weil er den Chef der Umweltbehoerde oder so was aehnlichem rausgeschmissen hat ..sozusagen Rache auch die gezeigte Karte ist total daneben ...zoomt man rein ,dann sind das vereinzelte Braend ,aber auf der Karte sieht es so aus als ob das ganze Land brennt
Im Radio hörte ich die Empfehlung, was wir tun könnten, um den brasilianischen Regenwald zu schützen: Demonstarionen mit Fridays for Future. Mir mangelt es leider an Phantasie, wie das nur einen Baum vor den Flammen rettet, wenn halb Deutschland auf die Straße ginge. Oder wird sich der Mann im Mond grämen, wenn ein Hund ihn anbellt? Natürlich bin ich dafür, den Regenwald zu erhalten, aber zum Einen sind die Brände keineswegs so katastrophal, denn die 'grüne Lunge' funktioniert so nicht, und zweitens sind unsere praktischen Möglichkeiten, hier irgend etwas Gutes zu tun gleich Null.
Ein guter Aufsatz, der die Lückenpresse mal wieder entlarvt.
Schlechter Faktencheck. Gemäss NASA Bericht vom 19.8. sind die Anzahl Feuer unter dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre. Gemöss IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatistica) sogar auf tiefstem Stand seit 2002.
Sehr guter Artikel mit mehr Daten und Hintergründen auf Science Files ! Es wird Zeit, die ständige Propaganda mit Daten und Fakten zu entlarven. Danke auch der Achse, für die Übernahme dieser wichtigen Aufgabe! Wenn die Alternativen endlich zusammenstehen, können sie es schaffen, den Propagandamedien Paroli zu bieten. Wichtig auch, dass wir Leser durch Spenden diese Alternativen stützen und die Propagandaabos kündigen! Nur am Geldbeutel können wir sie packen! ( Außer die staatlich geschützten Parasiten von Rundfunk und Fernsehen!)