Joachim Nikolaus Steinhöfel / 22.11.2016 / 17:32 / 4 / Seite ausdrucken

Wahn und Wirklichkeit – „Spiegel Online“ in der Ära Trump

An der Berichterstattung über die Nominierung von Jeff Sessions zum US-Justizminister kann man beispielhaft ablesen, in welchem Umfang die Meldungen über die politischen Entwicklungen in den USA nach dem Wahlsieg von Donald Trump mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Neben diversen sehr konservativen Positionen, insbesondere bei der Einwanderung, hat Sessions auf der anderen Seite mit Demokraten kooperiert, um eine Reform der Strafjustiz in den USA zu erreichen. Er unterstützte Obamas Nominierung von Eric Holder zum Justizminister (eine völlige Fehleinschätzung von Sessions; Holder wurde später als erstem Regierungsmitglied in der Geschichte der USA Mißachtung des Kongresses bescheinigt).

Die Linke hat flugs damit begonnen, Sessions als Rassisten zu brandmarken. So, wie sie dies mit jedem Republikaner aus den Südstaaaten tun. Dazu wird gerne auch die Kampagne von Ted Kennedy und Joe Biden aus der Schublade gezogen, die Sessions Nominierung durch Ronald Reagan zum Bundesrichter in 1986 scheitern liessen. Unterstellungen und Hörensagen genügten damals.

Tatsächlich führte Sessions als Staatsanwalt des Bundesstaates Alabama zahlreiche Prozesse, um die Rassentrennung in den Schulen zu beenden. Als das Ku-Klux-Klan-Mitglied Henry Francis Hays, Sohn des Alabama Klan-Chefs Bennie Hays, in 1981 wahllos einen schwarzen Teenager entführte und umbrachte, klagte Sessions ihn wegen Mordes an und beantragte die Todesstrafe. Hays wurde hingerichtet. Dem erfolgreichen Strafverfahren folgte ein Schadensersatzprozeß, der mit einer Verurteilung des Klans zur Zahlung von 7 Millionen Dollar endete und das Ende des KKK in Alabama bedeutete.

Und jetzt lesen sie, was „Spiegel Online“ über Sessions zu sagen hat:

"Er war mit Abstand der erste Senator, der dem Außenseiterkandidaten Trump seine Unterstützung zusicherte. Der 69-Jährige, der seit 1996 den US-Staat Alabama im Senat vertritt, gilt als einer der konservativsten Senatoren. Er fiel immer wieder durch seine harte Linie beim Thema illegale Einwanderer auf. Rassismusvorwürfe begleiten seine Karriere und sorgten dafür, dass der Senat in den Achtzigerjahren seine Ernennung zum Bundesrichter blockierte. Über den Ku-Klux-Klan soll er gesagt haben: „Ich fand sie ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie Marihuana rauchen.“

Und über „Spiegel Online“ soll einmal jemand gesagt haben, dass man erst weiß, ob das Marihuana zu stark war, das sie geraucht haben, wenn man den Artikel zu lesen bekommen hat.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Joachim Steinhöfels Blog hier

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Leserpost (4)
Rainer W. Birrel / 23.11.2016

Mein Gott, der SPIEGEL! Er spiegelte einst die Wirklichkeit. Mal rauh, mal mit der feinen Klinge, aber meist mutig und kontrovers. Unser Land hat dieser Zeitschrift viel Aufklärung zu verdanken. Sie rieb sich an Regierungen und selbst der öffentlichen Meinung. Wenn man das erlebt hat, kann man nur erschüttert den Kopf schütteln: Welch ein Absturz in Belanglosigkeit. Und schlimmer: In tendentielle Berichterstattung! Die vergangene DDR lässt grüßen. Hofberichterstattung vom Feinsten. “His masters voice.” Nun denn: Gelernt ist gelernt… Aber nicht mehr mit meinem Obolus.

Reiner Hoefer / 23.11.2016

Sehr gut, Herr Steinhöfel, und auch sehr gut was Ines Schumann dazu schreibt. Auch ich vergleiche sehr gerne den Spiegel oder andere glorreiche Blätter mit dem Neuen Deutschland (Zentralorgan der SED). Generell kaufe ich keine Journalistischen Ärgernisse mehr, seit langem. Es gibt aber immer noch (oder vielleicht sogar immer mehr) guten, sogar sehr guten Journalismus. Man muß ihn suchen, man findet ihn. Das Markenzeichen ist: die Mächtigen hetzen gegen ihn.

Andreas Rochow / 22.11.2016

Aus den Poren des Spiegel trieft und spritzt der faktenfreie Antiamerikanismus. Wenn das kein Populismus-Extremwunschtraum-Magazin ist, weiß ich auch nicht. Früher war es mal ein Nachrichtenmagazin, das Geschichte schrieb. Jetzt schreibt es nur noch Geschichten, von Nachricht keine Spur.

Ines Schumann / 22.11.2016

Wir gehörten viele Jahre zu den Spiegel-Lesern “Spiegel-Leser wissen mehr” -was für ein hirnrissiger Slogan aus heutiger Sicht - mehr Schwachsinn, ja! Das Fass zum Überlaufen und damit unseren Entschluss zur Kündigung des Abos brachten 2015 die Ausgaben “Dunkles Deutschland” und “Helles Deutschland”. Was dort an nicht mehr zu ertragenden Lügengeschichten und noch schlimmer als zu DDR-Zeiten im"Neuen Deutschland” aufgetischt wurde, war der Höhepunkt einer bereits länger andauernden traurigen Bergab-Entwicklung deutschen Journalistentums! Wobei zur Ehrenrettung des ND gesagt werden muss, dass jeder wusste, das in diesem Wurstblatt auch nur staatlich gewollter Müll geschrieben war. Von dieser Ausgabe an haben wir kein Spiegelheft mehr in die Hand genommen und für deren Schreiberlinge nur tiefste Verachtung übrig. Dieser Beitrag sagt uns wieder mal, wir haben alles richtig gemacht. Man kann nur inständig hoffen, dass immer mehr Leser die Nase voll von dem Staatsjournalismus haben und diese Zeitschrift ihre Existenzberechtigung in baldiger Zukunft verliert! Unseren Segen haben sie!

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