Einige deutsche Medien übernahmen am Donnerstagmorgen eine Agenturmeldung der dpa Mecklenburg-Vorpommern. Das Ergebnis war im ersten Satz so zusammengefasst, wie man es sich in vielen deutschen Redaktionen wünscht:
„Einer aktuellen Insa-Umfrage zufolge könnte in Mecklenburg-Vorpommern rein rechnerisch auch eine rot-rot-grüne Koalition möglich werden.“
Sensationell. Wie kommt das?
„Wäre am kommenden Sonntag Landtagswahl, würden der Umfrage zufolge 29 Prozent der Wähler der SPD ihre Stimme geben. Das ist ein Prozentpunkt mehr als bei der letzten Insa-Befragung Ende Juni. Die Linke verharrt demzufolge bei 11 Prozent und die Grünen legen um einen Punkt auf 5 Prozent zu. Damit würde eine mögliche rot-rot-grüne Koalition die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. Sie kämen auf 44 Prozent.“
Ich bin etwas verwirrt. Wenn ich 29, 11 und 5 addiere, komme ich auf 45. Aber was weiß ich schon. Als ich in der Grundschule rechnen lernte, erzählte man uns auch noch, dass es nur zwei Geschlechter gäbe. Und wenn rot, rot, grün auch schon mit 44 Prozent der Stimmen die Mehrheit der Sitze bekommen, ist dieser eine Prozentpunkt auch nicht so wichtig, oder?
Dass auch 44 Prozent unter Umständen zu einer Mandatsmehrheit reichen können, ist inzwischen jedem klar. Allerdings geht das nur auf, wenn alle anderen auf weniger als 44 Prozent kommen. Und da irritiert es dann doch, wenn man in der gleichen Meldung liest, dass die AfD auf 36 Prozent und die CDU auf 10 Prozent gekommen ist. Das sind nach meiner Rechnung 46 Prozent, also eindeutig mehr als die 44 oder 45 Prozent von Rot-rot-grün.
Nur zur Klarstellung: Die Umfrageergebnisse von INSA sind offenbar richtig wiedergegeben worden. Nur mit dem Rechnen klappte es nicht so ganz. Oder ist das schon eine Übung, sich die Wahlergebnisse im September nach eigenen Wünschen schönerzurechnen? Es sieht schließlich ganz so aus, als könnte das, was die Wahlbürger liefern, für manch eine Redaktion hierzulande schwer verdaulich werden.
Beitragsbild: CBS Television - eBay itemphoto frontphoto back, Public Domain, via Wikimedia Commons

„AfD auf 36 Prozent und die CDU auf 10 Prozent“ kann man nicht zusammenrechnen. Die CDU ist doch in der nationalen Front. Die AfD jedoch noch nicht.
Die Welt hat diesen Unsinn von der dpa auch so übernommen und veröffentlicht.
Es ist so erbärmlich.
Historiker zwar bestreiten, dass Stalin gesagt haben soll: „Es ist egal, wie die Leute wählen, es kommt darauf an, wer die Stimmen zählt“, aber den heutigen Plagiatoren scheint das egal zu sein: Es funktioniert einfach.
Klima-biturienten. Grüne Mathematik. Rechnen für die Dämonkratie.
Danke für das herrliche Bild! Köstlich!
Und sonst?
Rechnen, Schreiben, Lesen – alles nicht so wichtig heutzutage – auf die richtige Haltung kommt es an – das dürfte sich doch wohl langsam herumgesprochen haben!