Im ersten Wahlgang setzt sich der hochmütige französische Präsident gegenüber allen anderen Mitbewerbern durch, aber die rechtspopulistische Marine Le Pen bleibt ihm auf den Fersen.
Niemals war die Beteiligung an Präsidentschaftswahlen so niedrig wie am 10.4.2022. Der Sieger mit knapp 28 Prozent der abgegebenen Stimmen, Präsident Emmanuel Macron, erschien sofort nach Bekanntwerden des Resultats zu einer wohl vorbereiteten Massenveranstaltung, auf der er – wie bereits auf der einzigen vorhergehenden Wahlkundgebung – Sprechchören Fragen stellte, die diese – ähnlich wie bei kommunistischen Parteien üblich – lautstark bejahten. Der Abstand zur zweitplatzierten Marine Le Pen täuscht darüber hinweg, dass das Potenzial nationalistischer, deutschlandfeindlicher Strömungen in Frankreich noch nie so groß war. Dazu tragen nicht nur Marine Le Pen und der linkssozialistische Mitbewerber Mélenchon mit immerhin 21 Prozent der Stimmen, sondern auch Eric Zemmour (7 Prozent) bei, der – ähnlich wie Madame Le Pen – das Problem Europas deutlich eingekreist hatte: die deutsche Dominanz.
Macron ist im Grunde ähnlich germanophob eingestellt, äußert seine Gegnerschaft gegenüber Deutschland indessen sehr viel diplomatischer und weiß, dass das Lager des deutschen Rivalen sehr gespalten ist. So gespalten, dass es ihm sogar gelungen ist, Ursula von der Leyen als Quasi-Mitarbeiterin zu rekrutieren. Im verbalen Unterschied zu Madame Le Pen predigt er mehr Europa und mehr deutsch-französische Zusammenarbeit, meint indessen damit mehr französische Dominanz in Brüssel und eine Degradierung Deutschlands zum industriellen Juniorpartner. Brüssel ist zu einem Umverteilungssystem zugunsten Frankreichs unter spendabler Beteiligung Deutschlands geworden: Das europäische Navigationssatellitensystem Galileo wird ausschließlich von französischen Unternehmen gebaut, die Taxonomie-Entscheidung der Europäischen Kommission ist zugunsten der Kernkraft gefallen, der Hohe EU-Beauftragte für Außenpolitik Borrel bestellt für 1,5 Milliarden Euro Waffen für die Ukraine und präferiert dabei bestimmte Lieferanten.
Zählt man die politischen Strömungen zusammen, so ist die Mehrheit der Präsidentschaftskandidaten angetreten, um aus der europäischen Integration eine französische Veranstaltung zu machen und ein für allemal das Mächtegleichgewicht zugunsten Frankreichs und zuungunsten Deutschlands zu verschieben. Das sollten die Deutschen wissen, wenn es am nächsten Sonntag in Paris um die Wurst geht. Dann treten Marine Le Pen und Emmanuel Macron mit unterschiedlichen Diskursen, aber einem identischen strategischen Ziel an.
Die deutsche Öffentlichkeit wird von den öffentlich-rechtlichen Medien hierüber systematisch getäuscht, und alle Kanäle der ARD präsentieren Macron als den Retter Europas. Der junge Mann, der sich in den letzten 2 Monaten dadurch auszeichnete, jedwede Debatte mit anderen Kandidaten zu verweigern, dürfte als Sieger aus dem Duell hervorgehen. Es ist ihm in der Tat gelungen, die gesamte politische Mitte des Landes, also Republikaner und Sozialisten, zu eliminieren und – welche Leistung! – das Land vor die Wahl zu stellen: ich oder die extreme Rechte.
Noch nie ist ein französischer Präsident und Kandidat so gefährlich für die deutsche Souveränität gewesen. Wir werden sehen, wie lange die Deutschen sich die trügerischen Sirenentöne zur deutsch-französischen Freundschaft nach der wahrscheinlichen Wiederwahl von Macron noch anhören werden.
Dr. jur. Marcus C. Kerber ist Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin, Gründer des Thinktanks www.europolis-online.org und Autor des Buches „Europa ohne Frankreich?“ (Neudruck bei Edition Europolis, Berlin). Er ist Absolvent der E.N.A. Jahrgang „Denis Diderot“ 1984/85.
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Zum Glück weiß die Mehrheit der Deutschen nicht, was die (meisten) Franzosen in Wirklichkeit von ihnen halten. Bei der Frage „Europa“ geht es einzig darum, das Beste für Frankreich herauszuholen, egal welchen Kandidaten man betrachtet. Macron macht sich dabei die deutsche Naivität am geschicktesten von allen zunutze. Deutschland soll zahlen. Punkt. Frankreich will führen. Punkt. Und die Deutschen servieren den Franzosen die Führungsrolle auf dem Silbertablett. Dank haben die Deutschen dafür allerdings nicht zu erwarten. Auch keine Liebe seitens der Franzosen. Man bewundert die deutsche Leistungsstärke zwar, doch bleiben die östlichen Nachbarn den Franzosen, bis auf Ausnahmen, fremd. Die Franzosen brauchen die Deutschen, aber sie lieben diese nicht. Sie brauchen Europa, aber sie lieben Frankreich. Und das wird auch so bleiben. Egal welche Schauspielkunst und welche Täuschungsmanöver Macron an den Tag legen mag. Uschi fällt jedenfalls hemmungslos darauf herein.
Le Pen ist rechtsextrem und Macron ist…irgendwie normal. Wie konnte der Autor bloß vergessen, die AfD in den Artikel einzubauen? Ist ihm seine Pension nicht wichtig? Ich hoffe, daß Emil Kirkegaard in seiner Wahlprognose (erstellt noch vor dem ersten Wahlgang) genauso richtig liegt wie bei seiner BREXIT-Prognose.
Sonne la Marine, sonne la Marine – ding, ding, dong, ding, ding dong. In Thailand sagen sie zu einem Verückten „ding-dong“. Vulgo gaga.
Es gibt so einige hochnäsige Regierungschefs: Macron, Selenski, Biden, Erdogan…
„Sprechchören Fragen stellte, die diese – ähnlich wie bei kommunistischen Parteien üblich – lautstark bejahten“. Die Blaupause war die Frage nach dem totalen Krieg, und sie wurde damals ausgesuchten Claqueuren gestellt, aber böswillige Propagandisten haben das dann ein ganzes Menschenleben lang so gedreht, als wären das „Die Deutschen“ gewesen. Jede sachliche Debatte ist nun unmöglich, ob „Die Deutschen“ damit untilgbare ewige Schuld als ERBE tragen sollen. Wer da besonders fordernd war und ist, der hatte aus seinen eigenen Reihen einen Neffen des Psycho-Papstes. Derjenige, der die Frage nach dem totalen Krieg gestellt hatte, hat vorher jahrelang mit dem Werk des Psycho-Neffen unter dem Kopfkissen geschlafen und sicher entscheidende Elemente seiner Propaganda von dort übernommen. Es ist zweierlei Maß, es ist schamlos, den totalen Krieg dann ausschließlich den Nachkommen „Der Deutschen“ anzukreiden, auf ewig, selbst denen, die unmittelbate Nachkommen unmittelbarer Opfer dieser PROPAGANDA waren. Das Maß ist voll. Ich hoffe, dass Le Pen siegt, obwohl ich ihren Vater verachtet habe und ihrer Politik mit großem Misstrauen begegne. Aber es muss ENDLICH aufhören mit dem boshaften kriegstreiberischen und spaltenden Hochmut. Nur noch mit Gewalt wird diese immer unsinnigere Propaganda durchgesetzt und es gibt schon längst keine freiwilligen Ja-Rufer mehr, sie sind alle von der Staatsgewalt eingeschüchtert, von der Staatspropaganda indoktriniert oder mit ungedecktem Staatsgeld bestochen. Diese schamlose Umwandlung einer ehamals funktionierenden Demokratie vor aller Augen in eine 1984-Diktatur, „WEIL MAN ES KANN“ muss enden! Es ist längst zu spät für „Wehret den Anfängen“ Wer Goebbels nacheifert, egal in welchem Land, MUSS GESTOPPT werden. Und das macht man nicht mit freundlichem Lächeln.
„Auf den Fersen bleiben“ reicht eben nicht!…
Es wird bei König Maccharoni bleiben. Da auch die Familie Le Pen zu den französischen Eliten-Clans gehört, ist der Unterschied für uns hier wohl minimal. -- Die selbsternannten Eliten in aller Welt meinen, uns nicht mehr zu brauchen. Noch wäre Zeit zu zeigen, daß viel mehr wir es sind, die diese Kasper nicht brauchen. Leider mangelt es den meisten zu sehr an Selbständigkeit im Denken und Handeln. Daher geht der böse Zirkus weiter – bis zum schlimmen Ende?