Verbraucherschützer sind die Gouvernanten unserer Zeit. Mit selbstgefälliger Bemutterungs-Geste fallen sie über uns her, die selbst ernannten Beschützer von uns dummen Verbrauchern. Sie umstellen uns mit Vorschriften und Verboten, sie warnen und mahnen, sie mischen sich in Dinge ein, um die sie niemand gebeten hat. Sie haben keine demokratische Legitimation, spielen sich aber als große Kümmerer der Nation auf. Sie basteln am planwirtschaftlichen Reglementierungsstaat und entdecken immer neue Alltagsfreiheiten, die sich aus Sorge um uns dumme Verbraucher einschränken wollen.
Warum tun die das? Weil sie damit Geld verdienen. Weil sie Lobbyisten einer Gewissheitsindustrie sind, die ihr Geschäft mit der kollektiven Infantilisierung so verfolgen, dass sie ihre Nachfrage immer selbst erzeugen. Ihre Absicht, das Land in einen gigantischen Kindergarten zu verwandeln, folgt einer ganz eigenen Logik, denn dann haben sie als Kindergärtner des höheren Gemeinwohls ihr Auskommen.
Am liebsten kommen die Verbraucherschützer im Gewand der Fairness-, Gesundheits- oder Unfallbewahrern daher. Ihr öko-sozialer Vorschriften, Abgabe- und Kontrolldschungel wuchert wie Unkraut. Was wir fahren und wie wir heizen, wie wir uns bewegen und was wir kaufen, mieten oder buchen – wir dürfen es nicht mehr frei entscheiden. Selbst das Essen und Trinken wird bald eingehegt vom fürsorgenden Supernanny-Staat, der uns Gesundheitspunkte aufs Essen drückt und unseren Kleinsten die Butterbrote für den Kindergarten schmiert.
Super-Nanny reicht ein Löffelchen
Wie Hohepriester des Gutmenschentums umstellen sie uns mit ihren Geboten: Du sollst nicht rauchen. Du sollst nicht Glücksspielen, du sollst keinen Zucker essen, keine Aktien kaufen und einen Kamin anzünden. Du sollst aufpassen vor der arglistigen Bauernschaft, vor brutalen Nahrungsmittel-, Genussmittel, Auto- und Finanzindustrie. Mit Quoten und Verboten kommen sie daher, die Verbraucher- und Familienschützer, die Gleichstellungsbeauftragten, Präventionsräte und Integrationsberater. Super-Nanny reicht ein Löffelchen hier, ein Löffelchen da, denn ihren Steuer- und Vorschriftenbrei rühren sie sich immer dicker herbei.
Der Gouvernantenstaat wird uns irgendwann verbieten, Süßigkeiten zu naschen oder Ski zu fahren – zu gefährlich für uns, zu teuer für das Kollektiv, zu schädlich für die Natur. Er wird uns Wein und Bier so madig machen wie Nikotin und beim Essen genau erklären, was gesund ist und was nicht.
Besonders erfolgreich sind die Gouvernanten derzeit in unseren Bankgeschäften unterwegs, um uns vor vermeintlichen Kredithaien zu schützen. Sie haben eine 7.000 Seiten starke Verordnung namens MIFID (Markets in Financial Instruments Directive) durchgesetzt, die angeblich Bankkunden vor der Übergriffigkeit der Finanzindustrie schützen soll. In Wahrheit werden damit normale Geschäfte in der örtlichen Sparkasse zu einem kafkaesken Prozedere von Fragen, Zwangsberatungen, Offenlegungen und vielseitigen Aufklärungsprotokollen machen, die man permanent auch noch unterschreiben muss, obwohl man doch ein Konto eröffnen wollte.
Der Bäcker übergibt eine 90-seitige Broschüre „Basiswissen über Brötchen“
Und das funktioniert – man denke sich einmal die Parallele von Banken zu Backstuben – so: Stellen Sie sich vor, Sie möchten gerne ein Brötchen kaufen und gehen zum Bäcker. Sind sind sich noch unsicher, ob es ein Weizen-, Roggen- oder Vollkornbrötchen sein soll. Der Bäcker fragt Sie erst einmal, welchen Beruf oder welche Ausbildung Sie haben, ob Sie überhaupt schon einmal Brötchen gekauft haben und wenn ja, welcher Art. Dann wird er wissen wollen, wieviel Sie im Monat verdienen, welche sonstigen Einkünfte Sie haben, wie hoch Ihre monatlichen Ausgaben und Verpflichtungen sind, um abschätzen zu können, ob er Ihnen den Kauf eines Brötchen überhaupt empfehlen darf.
Und wenn Sie sich weigern diese Angaben zu machen, darf Ihnen der Bäcker leider keine Brötchen empfehlen. Haben Sie Ihrem Bäcker die notwendigen Antworten aber geliefert, muss der Bäcker Ihnen erläutern, aus welchen Zutaten das Brötchen besteht und in welchen Verhältnissen es gemacht wurde. Er wird außerdem auf die steuerlichen Auswirkungen eines Brötchenkaufs eingehen. Der Bäcker wird sich Zeit nehmen, Ihnen mögliche Risiken erläutern, die nach einem Brötchenkauf entstehen könnten und Ihnen gezielt Rückfragen stellen, um herauszufinden, ob Sie die Inhalte seiner Erläuterungen verstanden haben.
Dann übergibt Ihnen der Bäcker eine 90-seitige Broschüre „Basiswissen über Brötchen“. Sie bestätigen mit Ihrer Unterschrift, die Broschüre erhalten zu haben. Ihr Bäcker erzählt Ihnen, welche Einkaufspreise er für die Zutaten zahlt und wie viel er an jedem Brötchen verdient. Dann weist er Sie noch darauf hin, dass das von Ihnen gewünschte Brötchen zur Zeit in Flensburg 5 Cent günstiger zu haben ist. Er dokumentiert dieses Gespräch, lässt das Protokoll am Ende unterschreiben und packt Ihnen das Brötchen ein.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.
Beitragsbild: Rama CC BY-SA 2.0 fr, via Wikimedia Commons
Sehr geehrter Herr Weimer, Sie überdehenen mit der Überzeichnung der Dinge das Problem derart, dass mir Ihr Beitrag nicht gefällt. Das Problem derart zu überzeichnen, dass aber auch alles ins Lächerliche gezogen ist, schadet der Suche nach und - der Definition des - Notwendigen. mit freundlichem Gruß L.H.
Hier dürfte die Binse "Das Gegenteil von einem Fehler ist wieder ein Fehler" in Abwandlung angebracht sein. Eine Superaufklärung schlägt in Unsicherheit um. Vor allem Lebensmittel sollte man also in toto meiden, weil sie eben gefährlich sind. Was Bankgeschäfte betrifft , so habe ich mangels Masse wenig Erfahrung. Bei Versicherungen allerdings nützen auch Argusaugen wenig, weil man immer das, was man gerade benötigt, auch im Kleingedruckten nicht findet, weil es eben n i c h t versichert ist.
Es gehören ja immer Zwei dazu, einer der beschützen will und einer der entweder beschützt werden will oder nicht. Ich gehöre zu denen, die nicht beschützt werden wollen und mir hat auch noch niemand etwas aufgedrängt, schon aus dem Grund, weil ich meine Zeit mit den "Beschützern" nicht verplembere. Wenn eine "Entmündigung" im Gange ist, dann muß doch niemand mitmachen. Ich fühle mich deshalb nicht "entmündigt", weil ich weder irgendwelche Nachrichten lese, sondern ich lebe so wie immer, nach meinem Gusto. Anscheinend ist das wieder ein Zeichen, daß es den meisten zu gut geht. Viele Menschen, die einen täglichen Existenzkampf ausgeliefert sind, haben wahrlich andere Sorgen.
Betreutes Denken, Konsumieren... Wählen. Die allgegenwärtigen, profitierenden NGO, Stiftungen etc. sind nicht demokratisch legitimiert, jedoch eine bevormundende Machtkrake im Staate.
Sehr geehrter Herr Weimer, das Grundproblem liegt meiner Ansicht nach im generellen Mißverständnis des Begriffs "Verbraucherschützer." Ein Verbraucherschützer soll keinesfalls Verbraucher vor Konsum schützen, sondern er soll dafür sorgen, dass der Verbraucher ungestört konsumieren kann. Insofern sind sogenannte "Verbraucherschützer" eigentlich "Industrieschützer."
Vielen Dank, dass Sie das Thema angesprochen haben! Ich hätte noch Verständnis, wenn eine angemessene Aufklärung über die Risiken bei Abschluss eines Vertrages dokumentiert werden müsste. Sie muss es jedoch vor ! den eigentlichen Gesprächen. So hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, bei der Einholung der Zinsangebote verschiedener Banken jeweil diesen strip-tease meiner finanziellen Situation hinlegen zu müssen, bevor dann ein normal-unattraktiver Zinssatz aus dem Sack gelassen wurde. Dabei hätte der Anleger allen Grund die Bonitäten der Banken zu hinterfragen, und nicht umgekehrt. Eine unverschämte Entmündigung!
Danke! Mir gehen diese Verbraucherschützer seit geraumer Zeit sowas von auf die Nerven... Ich bin seit längerem erwachsen und werde mir nicht vorschreiben lassen, woran Ich gefälligst zu sterben habe und woran nicht.