Wir werden künftig die Realität nicht mehr von einem Computerprogramm unterscheiden können. Was heute schon mit Fotos alles möglich ist, beweisen Apps, deren KI jede gewünschte Person in jede erdenkliche Situation kopieren können – und das für weniger Geld als für eine Tankfüllung guten Diesels.
Sie kennen das: Sie sitzen im Café und betrachten die Tasse vor sich. Im Wissen, dass manche Tassen nicht so sauber und hygienisch gespült sind, wie es sein sollte, beschließen Sie, den Henkel diesmal mit der linken Hand zu greifen. Andererseits… Andererseits haben andere vielleicht den gleichen Gedankengang und Sie greifen den Henkel wieder rechts. Wobei… auch darauf sind die Vorbenutzer bestimmt gekommen und Sie haben die geniale Idee, die Tasse hinten zu fassen und aus der Mitte zu trinken. Wobei natürlich… Bis Sie Ihren Gedankengang vollumfänglich abgeschlossen haben, ist der Kaffee kalt und die Sache hat sich erledigt.
So wird es Ihnen künftig öfter gehen: Das Video dauert nur 15 Sekunden und zeigt ein brennendes Auto in einer Art Bronx-Umgebung. Flammen schlagen aus dem Fahrzeug und schwarzer Rauch quillt heraus. Sie spüren quasi beim Ansehen die Hitze des Feuers.
Gemacht wurde der Clip mit dem „Unreal-Engine 5“ und ist von vorn bis hinten erstunken und erlogen. Echte Profis erkennen das daran, dass sich das Rauchmuster wiederholt und sich der Rauch etwa zwei Meter über dem Fahrzeug in nichts auflöst. Für mich als Laien ohne näheres oder professionelles Wissen um Brände oder Computerprogramme ist der Clip nicht von einem real gedrehten Film (inklusive Kameraschwenks) zu unterscheiden. Einer der Kommentatoren unter dem Clip meint, mit „Unreal 6“ würden solche Fehler künftig ausgemerzt.
Der Laie merkt keinen Unterschied
Wir werden künftig die Realität nicht mehr von einem Computerprogramm unterscheiden können. Was heute schon mit Fotos alles möglich ist, beweisen Apps, deren KI jede gewünschte Person in jede erdenkliche Situation kopieren können – und das für weniger Geld als für eine Tankfüllung guten Diesels. Konkret bedeutet dies, dass ein Staat heute nicht mehr real einen Angriff vornehmen muss – es genügen die Bilder, er oder der Gegner hätten dies und das getan. Tatsächlich gibt es nichts, womit wir Bürger uns gegen derartige Täuschungen wehren könnten. Oder welche Abwehrmaßnahmen ein demokratischer Staat ergreifen könnte – wenn er nicht glashart zensieren will.
Der Reporter vor Ort? Der kann bestechlich sein oder seinen „Live-Bericht“ von der KI generieren lassen. Oder er lässt sich in vorhandenes Bildmaterial einkopieren, beides geht. Die Stimmen von sich unterhaltenden Terroristen? Es gibt auf X User, die simulieren Telefonkonferenzen zwischen deutschen Politikern – und Sie als Laie merken den Unterschied nicht – obwohl Sie deren Stimmen kennen. Trauen Sie sich. Nicht. Hier ist Ihre Kaffeetasse.
Findige Köpfe schlagen unsichtbare „Wasserzeichen“ vor, mit denen KI-Filme von „echten“ Filmen (wie die auch aussehen können, wissen wir aus der Filmschmiede von Hamas-Anhängern aus Pallywood) unterschieden werden können. Nur: Ich als noch findigerer, böswilliger Kopf würde dieses Wasserzeichen entweder in „echte“ Filme einkopieren – oder über Möglichkeiten nachdenken, diese wieder aus den KI-Filmen herauszubasteln. Hier ist Ihre Kaffeetasse.
Macht KI auch Texter arbeitslos?
Die wunderbaren Möglichkeiten, die es daneben gibt, wie beispielsweise Wetter, Umgebung oder sogar Leben auf anderen Planeten zu simulieren, verblassen gegen die Wahrscheinlichkeit, dass künftig vielleicht nur noch 20 Prozent aller Filmaufnahmen, die wir sehen, nicht erstunken und erlogen sind und nur dem Zweck ihrer Programmierer dienen – die dazu nicht einmal sonderlich geschickt sein müssen. Mit der korrekten und detaillierten Eingabe an eine KI braucht ein fotorealistisches Bild ungefähr 12 Sekunden.
Und selbst uns Schreiber betrifft das ja: Ein KI-Text kann oft nicht von einem menschlichen Text unterschieden werden, da er aufgrund der neuesten Fortschritte im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz in der Lage ist, menschenähnliche Sprache zu generieren. Dank der Verwendung großer Mengen an Trainingsdaten und fortschrittlicher Algorithmen kann eine KI eine beeindruckende Fähigkeit entwickeln, den Stil, den Tonfall und die Grammatik menschlicher Texte zu imitieren.
Natürlich gibt es noch Raum für Verbesserungen. Obwohl KI-Texte immer menschenähnlicher werden, können sie manchmal noch an subtilen Unterschieden in der Sprache oder am Verständnis von Humor oder Slang scheitern. Darüber hinaus ist menschliche Kreativität und emotionales Verständnis weiterhin ein Bereich, in dem KI hinterherhinkt. Dennoch sind KI-Texte oft so überzeugend, dass sie nur schwer von menschlichen Texten zu unterscheiden sind. Das gibt uns eine Vorstellung davon, wie weit die KI-Technologie fortgeschritten ist und wie sie in Zukunft noch mehr Bereiche unseres Lebens beeinflussen wird.
Pics because it didn´t happen
Die letzten beiden Absätze oben schrieb übrigens eine KI. Haben Sie es bemerkt? Jetzt, wo ich es gesagt habe, nicht wahr? Jetzt sehen Sie es! Aber vielleicht lüge ich ja auch und habe es doch selbst geschrieben? Nur eben so, wie es ein Mensch schreiben würde, der eine KI simulieren will, die wie ein Mensch schreibt. Was denn nun? Hier ist Ihre Kaffeetasse.
Es scheint, dass wir uns, gerade aufgrund der Technik und ihrer Möglichkeiten, nur wieder auf das verlassen können, was uns unser Nachbar erzählt – und auch nur auf das, was er selbst erlebt und vielleicht anhand von Narben am Körper nachweisen kann. Wie fallen nicht wegen, sondern trotz der Technik wieder auf einen Stand vor Erfindung des Buchdrucks zurück. Der böse Satz von „Pics or it didn´t happen“ wird sich dramatisch auf „Pics because it didn´t happen“ ändern. Und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Dafür schafft sich künftig jeder seine eigene Realität. Und es wird immer ungewisser, ob eine Rakete ein Krankenhaus getroffen hat oder eine Rakete auf einem Krankenhausparkplatz buchstäblich genau nicht in die Luft geflogen ist. Trauen Sie Ihren Augen nicht. Trauen Sie niemandem. Nicht einmal mir. Oder gerade mir nicht. Trauen Sie sich selbst nicht mehr. Sie sehen, hören und lesen nur noch das, was Ihrer Wahrheit entspricht – aber nicht der Wirklichkeit.
Nicht einmal ein ehrlicher Kaffee schafft Abhilfe. Nahrungsgeneratoren sind der nächste Schritt. Tröstlich: Die übernächste Generation wird den Unterschied sowieso nicht mehr bemerken, weil sie ihn nicht kennt – und falls doch, wird es ihr egal sein. Nehmen Sie endlich einen Schluck Kaffee!
Thilo Schneider, Jahrgang 1966, freier Autor und Kabarettist im Nebenberuf, LKR-Mitglied seit 2021, FDP-Flüchtling und Gewinner diverser Poetry-Slams, lebt, liebt und leidet in der Nähe von Aschaffenburg.

Künstliche Intelligenz? Natürliche Intelligenz? Etwa menschliche Intelligenz? Ach was, so etwas gibt es nicht?
Spätestens beim Wort „Nahrungsgeneratoren“ musste ich an Soylent Green und Silent running denken …
„Realität ist vor der Tür und nicht vor dem Bildschirm.“ Nichtmal da ist es real. Wenn ich jettzt zu REWE gehe, sehe ich den Mond vor 2 Sekunden, Sterne vor Jahren und gleichzeitig den REWE vor ein paar Nanosekunden, bis ich drin stehe. Und sogar dort ist das hintere Regal etwas ältere als das vordere. Kann man sich einen Kopf drum machen, aber man kann es auch lassen. Am Tag (Sonnenlicht) klappt das übrigens auch… ;-)
Realität ist vor der Tür und nicht vor dem Bildschirm. Das, was wir auf einem Bildschirm sehen, kann per Definition schon nicht Realität sein, egal wie authentisch es auch erscheinen mag. Hier trügt der Schein und führt zu einer modernen Form des Aberglaubens. Während Corona wäre uns die große Hysterie erspart geblieben, wenn die Menschen das beherzigt hätten.
Im Übrigen plädiere ich dafür, mehr in natürliche Intelligenz zu investieren als in künstliche.
Na, dann warten wir mal auf die Quantencomputer in Verbindung mit KI. Die entwerfen Maschinen, die Maschinen bauen, die intelligente selbst agierende Drohnen bauen können, ohne dass noch ein Mensch gebraucht wird. Um was zu tun? Na, einmal dürfen sie raten. (siehe Terminator o.ä.). Die bisher sog. „KI“ setzt aus allen verfügbaren Informationen, allerdings veraltete, nicht in Echtzeit zu googelnde(!), eine Antwort zusammen. Wenn man Echtzeit-Fragen stellt, z.B. „Wann spielt die Band im Café Hahn?“ ist sie, noch, überfordert aufgrund eines statischen Datensatzes, der irgendwo irgendwie hinterlegt ist. Eine Quantencomputer-KI wird alle Daten, alt wie neu, und dazu neu von ihr berechnete, in die Waagschale werfen. Dann stehen wir ganz schön dumm da…
Ist die Tasse nicht sauber, dann gibt Mann sie zurück! Charakter nennt man das! Der Duckmüchel trinkt brav den Schmuddel-Kaffee, läßt sich Pieksen, kauft ne Wärmeplompe, klimat ein Lastenfahrrad mit Helm und wundert sich nur, dass in seiner geliebten Tagesblaue vom Himmel sich der Phrasendrescher#innen#außen#unten ständig wiederholt. KI halt?! Man braucht einfach nicht mehr denken und 87% machen regen Gebrauch davon. Das ist Deutschland, einfach Klasse!
Die „KI“ ist das perfektes Medium für Manipulationen jeglicher Art. Dagegen sehen Video, Bild und Text- Fakes mehr als alt aus. Ohne ein entsprechendes Reglement wird der kreativen Kriminalität Tür und Tor geöffnet werden. Bis jetzt wurden leider alle großen Errungenschaften der Menschheit missbraucht. Warum sollte da die „KI“ eine Ausnahme sein?