
“Es sind auch keine westlichen Truppen involviert. ” Möglicherweise haben Sie ja Erkenntnisse, wie viele “Berater und Ausbilder” schon vor dem Krieg in der Ukraine tätig waren und wahrscheinlich auch heute im Krieg noch sind? Müssen ja nicht unbedingt Amis sein, es gibt genügend Mitläufer-Staaten, die da gerne helfen.
@Peter Krämer : “Ich denke, der Hauptunterschied zwischen Ukrainern und Afghanen ist, das die einen nach westlichen Vorstellungen leben wollen und die anderen genau das nicht wollen.” Helmut Schmidt hat sinngemäß gesagt, wer Vorstellungen hat, soll zum Arzt gehen. So krass sehe ich das nicht. Aber ich halte die Vorstellungen der ukrainischen Machthaber nicht für westlich. Wir im Westen fühlen uns theoretisch der Aufklärung und der Deklaration der Menschenrechte verpflichtet und konsequenterweise auch dem Frieden. Das passt zu einem völlig korrupten System nur soweit, dass der Westen in seiner Dekadenz dem islamischen Basar immer ähnlicher wird. Afghanistan ist in 20 Jahren nicht demokratischer geworden, nach unseren Vorstellungen. Aber der Westen hat in dieser Zeit die Herrschaft an Clanstrukturen abgegeben, in Berlin, New York und Marseille.
Das Problem ist eben, dass man durch die Art und Weise, wie über Corona berichtet wurde, nun auch die Berichte über den Krieg in der Ukraine mit viel Skepsis gesehen werden. So wie die Impfung immer gut war, so ist Putin immer schlecht. Wir standen vor 1989 laufend an Rande eines Atomkriegs, zumindest in Mitteleuropa. Jetzt sind wir wieder da. Wollen wir das? Ich nicht. Aber nach dem Corona Handling habe ich keine Hoffnung, dass Realismus bei der Politik einziehen wird.
In Afghanistan wurden 20 Jahre lang Gelder von unten nach oben verteilt. Wer an die Brunnenborhmärchen und an den Bullshit von Demokratie für Afghanistan auch nur eine Sekunde geglaubt hat, ist heutzutage sicherlich auch geboostert.
Da vergeicht Herr Klos tatsächlich Äpfel mit Birnen. In Afghanistan gab es einen Bürgerkrieg. Es gab Warlords, keine funktionierende Zentralgewalt, keinen Euro-Maidan - eine durch und durch tribalistische Gesellschaft, wo die Solidarität schon nach dem Großcousin aufhört. Die einzige gesellschaftliche Verbindung über den Stammes-Clan hinaus ist ein mittelalterlicher Islam, vorgelebt und durchgesetzt von Talibankämpfern. All dies hat mit der ukrainischen Gesellschaft absolut gar nichts zu tun. Russen sind keine Taliban, sie sind den Ukrainern der gemeinsame externe Feind. Ukrainer sind keine mittelalterlich geprägten Stammesmenschen, sie sind moderne Osteuropäer, wie die Balten, die mit dem Rest Europas eine Gemeinschaft bilden wollen.
Alle in Deutschland lebenden Jungmohammedaner einberufen und nach Grundausbildung gegen die Taliban kämpfen lassen. Fahnenflüchtige lebenslang wegsperren. Win-Win Situation.
#Karsten Dörre: Ihnen möchte ich vollumfänglich zustimmen. Es geht nicht darum, Rußland besiegen zu wollen, wie man hier auch lesen kann. Das geht nicht. Es ist absurd zu glauben, die Ukraine wollte Moskau erobern. Man kann diesem völkerrechtswidrigen Überfall aber die Erfolgsaussichten nehmen. Die Ukrainer müssen jetzt schon zum dritten Mal ihre Streitkräfte neu aufstellen. Mit westlichen Waffenlieferungen geht es darum, immer wieder eine Symmetrie zwischen den Konfliktparteien herzustellen, damit auch bei dem Aggressor die Einsicht wächst nicht gewinnen zu können. Und das kann dauern. Rußland darf aber diesen Krieg nicht gewinnen, weil es dann Appetit auf mehr bekäme. Die Polen, die Finnen und andere haben das schon begriffen. Um unterhalb der Atomschwelle zu bleiben, muß aber eine Unsymmetrie zu Gunsten der Ukraine vermieden werden. Es kommt also darauf an durchzuhalten bis der Aggressor die Sinnlosigkeit seines Tuns einsieht. So hat es Oberst Markus Reisner aus Österreich mehrfach dargestellt.
Geopolitische Stellvertreterkriege wie der in der Ukraine dienen vielleicht ganz anderen Zwecken, als öffentlich behauptet wird. Will man da etwas verstehen, muss also die geopolitischen Interessen aller Beteiligten untersuchen. Dann klärten sich auch die Kriegsziele in Afghanistan auf. Und über die Jahre verändern sich sowohl die Interessen als auch die Ziele mancher Beteiligten. Dann lässt man von einem Vorhaben einfach ab. In der Ukraine zahlen eben Ukrainier und Russen einen Blutzoll, nicht aber westliche Staaten. Deshalb werden westlichen Staaten an ihren Interessen und Zielen sowie am Stellvertreterkrieg festhalten, bis es einer ukrainischen Regierung gelingt, sich davon loszumachen und Friedensverhandlungen mit der Russischen Föderation aufzunehmen.
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