Roger Letsch / 10.06.2020 / 12:00 / Foto: Hungryogrephotos / 44 / Seite ausdrucken

Von sanften Riesen und scharfen Rissen

Nirgends wird so viel gelogen wie vor Wahlen, in Kriegen und an offenen Gräbern. Ein „sanfter Riese“ sei der durch Polizeigewalt gestorbene George Floyd gewesen, meldet auch die WELT. Polizeibekannt war er jedoch wegen Drogenhandel, bewaffnetem Raubüberfall und langen Haftstrafen. Dass dessen Angehörige die weniger „sanfte“ Seite Floyds bei seiner Trauerfeier ausblendeten, ist zwar verständlich, dass unsere Medien dieses – ich hätte beinahe „Whitewashing“ gesagt – mitmachen, ist jedoch, gelinde gesagt, befremdlich.

Die Bilder, wie ein Polizist Floyd im Nacken kniete, sind schrecklich, die Vorgehensweise der Polizei sicher unverhältnismäßig. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass – lässt man das „sanft“ weg – da immer noch der „Riese“ war, der sich der Festnahme widersetzte und die Polizei sehr genau wusste, mit wem sie es zu tun hatte. Bilder davon, wie Floyd bei einem Raubüberfall, für den er verurteilt wurde, einer Frau die geladene Pistole an den Bauch hielt, gibt es keine, und sie würden auch nicht zu ähnlichen Zuständen führen, wie wir sie gerade in den USA und, was die Demonstrationen angeht, weltweit sehen.

Der verantwortliche Polizist muss sich nun völlig zu recht wegen Mordes verantworten, während die „friedlichen Proteste“ wegen Floyds Tod schon mindestens weitere 15 Menschen das Leben gekostet haben. Völlig unberechtigt, aber völlig ausgeblendet. Es werden auch unter diesen Menschen sanfte und Riesen gewesen sein. Ladenbesitzer, Polizisten, unbeteiligte Passanten. Erschlagen, erschossen, totgetreten, teilweise regelrecht hingerichtet. Emotionale Kurzschlüsse gibt es indes nicht nur bei Protesten in amerikanischen Städten, sondern auch unter deutschen Journalisten.

Kein Grund zur Schadenfreude

Doch schauen wir lieber auf das größere Bild, auf das, was das Verhalten der Polizei und die Aufstände wirklich bedeuten und bewirken. Grund zur Schadenfreude haben wir nämlich nicht. Auch keinen Grund, belehrend auf die Art des Zusammenlebens in den USA zu schauen oder Trumps – gelinde gesagt – unzweckmäßige Kommunikation in solch einer Gewaltspirale zu geißeln. In der Sache hat er jedoch recht, wenn er die Proteste lobt (alle, auch die für die Öffnung der Lockdown-Maßnahmen) und die Gewalt verurteilt. Weit sind wir übrigens nicht von ähnlichen Zuständen entfernt, wie sie sich nach einer gewissen Zeit möglicherweise in allen Einwanderungs- und multikulturellen/multiethnischen Gesellschaften einstellen, in denen eine Geisteshaltung um sich greift, der ich hier auf die Spur kommen möchte.

Der innere Zusammenhalt der Gesellschaft zerfällt an tribalen Trennlinien. Loyalitäten jenseits dieser Linien werden zwar stets lautstark eingefordert, aber von niemandem gewährt. Es wird per Definition keine Energie auf Integration verschwendet, die ja idealerweise zu einer Assimilation führen müsste. Auch die Legende vom „melting pot USA“ ist teilweise genau das: eine Legende. Da verschmilzt in Wirklichkeit sehr wenig, was jedoch nicht schlimm wäre, solange es eine übergeordnete Instanz, eine Idee gibt, auf die man sich als kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Die gab es einst, doch der „American Dream“ ist schwächer geworden und durch Ideologien verdorben, die den Individualismus verachten und den Kollektivismus anstreben.

Leitspruch für eine Gesellschaft des Kadavergehorsams

Kennedys Aphorismus „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage lieber, was du für dein Land tun kannst“ hielt ich schon immer für äußerst fragwürdig. Denn wenn auch Kennedy es positiv im Sinne einer nationalen Anstrengung meinte, kann dieser Satz auch als Leitspruch für eine Gesellschaft des Kadavergehorsams dienen. Heute verkehrt sich Kennedys Aussage dahingehend in ihr Gegenteil, weil alle möglichen Gruppen und Ideologien mit Nachdruck fragen, was das Land, die Gesellschaft, die Mehrheit, die Weißen, die Reichen, die Satten und Glücklichen ihnen schulde. Überall in der westlichen Welt gerät so ausgerechnet die Mehrheitsgesellschaft unter Druck, spaltet sich in immer mehr scharf definierte Gruppen anklagend und fordernd von der anonymen Mehrheit ab. Andere Gruppen machen deutlich, nie zu dieser „Mehrheitsgesellschaft“ gehören zu wollen und bekommen dafür reichlich Applaus – ausgerechnet von der Elite ebenjener Mehrheitsgesellschaft.

Es war eben jene Elite, die in den USA seit Jahrzehnten die Weichen stellte für eine andere, subtilere Form des Rassismus. Angefangen unter Kennedy und Johnson, als zum Beispiel per Gesetz die Zugangsvoraussetzungen an Universitäten für Schwarze gesenkt wurden. Heute beklagen sich Aktivisten darüber, dass die größte Gruppe Studenten aus der asiatischen Community stammt, die es ganz ohne Quote und Leistung dorthin schaffen.

Man hatte von Seiten der Regierung offenbar nie den Eindruck, dieser Minderheit eine bevorzugte Behandlung einräumen zu müssen, obwohl rassistische Vorurteile und Übergriffe gegen Asiaten ebenso vorkamen und auch die Amerikaner chinesischer Herkunft wie alle größeren Gruppen dazu neigen, Communitys zu bilden, zusammen zu leben und ihre Traditionen zu pflegen. Die „Tickets“, mit denen Menschen aus Asien in großen Wellen ins Land kamen, waren kaum besser als die der Nachfahren der schwarzen Sklaven.

Rassismus der gesenkten Erwartung

Der Ku-Klux-Klan ist die Gründung einiger enttäuschter Demokraten in den Südstaaten, und auch die Jim Crow Laws, welche die Rassentrennung im Süden nach dem Bürgerkrieg zementierten, waren auf dem Mist der Demokratischen Partei gewachsen. Nach dem „Kennedy-Schwenk“ der Demokraten in den 1960er Jahren begann die Politik zunehmend, die schwarze Bevölkerung als unmündige Kinder anzusehen, die man durch Wohlfahrt und übertriebene Toleranz ruhigstellen muss. Das ist auch heute noch so. Wie anders ist es zu erklären, dass Bürgermeister und Senatoren die Massenproteste wegen Floyds Tod feiern und unterstützen, jede noch so kleine Demo für das Ende der Lockdown-Maßnahmen wegen Corona jedoch auflösen lassen und medial scharf verurteilen? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, was laut erstem Verfassungszusatz eigentlich verboten ist.

Es gibt heute natürlich nicht nur den Rassismus der gesenkten Erwartung der Elite, ich will das gar nicht kleinreden. Aber Rassismus existiert auch in den USA heute nicht mehr in institutionalisierter Form. Es existiert kein Gesetz mehr, welches Weiße bevorzugt. Dass es hingegen Gesetze gibt, um Schwarze zu bevorzugen, sagte ich bereits. Aber an positiven Rassismus, der immer der gesenkten Erwartung entspringt, haben wir uns gewöhnt. Wir kennen so etwas ja auch von unseren Quotenregeln aller Art. Unter anderem solchen Quotierungen verdankt sich auch die hohe Anzahl Afroamerikaner bei der Polizei, was gern ausgeblendet wird und auch den Demonstranten nicht auffällt. Man kann heute groteske Videos sehen, in denen weiße Black-Lives-Matter-Einpeitscher schwarze Polizisten anschreien und als „White Supremacists“ beschimpfen. So viel Dialektik in einer Szene!

Menschen nach Merkmalen sortiert

Die demokratische Partei versucht gerade, aus den Protesten politisches Kapital zu schlagen. Doch während sie mit einem Finger auf Trump zeigen, weisen drei Finger auf sie zurück. Minneapolis, die Stadt, in der George Flody starb, wird seit Jahrzehnten von den Demokraten regiert. Bürgermeister, Polizeichef, die gesamte Führungsriege … alles Demokraten, kein Republikaner weit und breit. Minnesota, der Bundesstaat, in dem Minneapolis liegt, ist eine demokratische Hochburg. Gerd Buurmann dazu:

„Die Vertreterin des 5. Kongressbezirks von Minnesota, zu dem auch Minneapolis gehört, ist Ilhan Omar. Auch sie ist Mitglied der DFL (Demokratischen Bauern und Arbeiter Partei Minnesota, DFL, Anm.d.A.). Auf Bundesebene bildet diese Partei eine Union mit den Demokraten.. Der Gouverneur von Minnesota und somit der Hauptgeschäftsführer und Chef der Exekutive des Bundesstaates ist Tim Walz. Auch er gehört der DFL an. Die beiden Senatorinnen Minnesotas heißen Amy Klobuchar und Tina Smith. Auch sie gehören der DFL an. Amy Klobuchar kandidierte sogar als Präsidentschaftskandidatin für die Demokraten im Jahr 2020.“

Trump ist erst seit drei Jahren im Politikbetrieb, und wenn er auch viel verantwortet, so doch nicht alles. Besonders auf der Ebene der Bundesstaaten hat er wenig bis gar nichts zu melden. Auch acht Obama-Jahre – noch dazu mit Biden als Vize – konnten an der gesellschaftlichen Teilhabe der afroamerikanischen Community nichts verbessern. Vielmehr wird die Kluft durch die allgegenwärtigen Identity Politics noch vertieft, welche die Menschen nach Merkmalen sortiert, welche die Politik den „Rassisten“ gegenüber für irrelevant erklären. Es ist das alte Dilemma, in dem sich die vermeintlich Progressiven auch bei uns befinden, wenn sie beispielsweise Geschlechter zum sozialen Konstrukt erklären und gleichzeitig Frauenquoten fordern. Man legt den Fokus auf die Unterschiede und kreiert aus diesen Merkmalen Unterdrückungstendenzen und Ansprüche.

Statt Unterschiede einzuebnen, trennt Identitätspolitik die Menschen. „Du bist PoC/Frau/schwul/Moslem/wünschdirwas, deshalb bist du unterdrückt/benachteiligt/ausgegrenzt/wünschdirnochwas. Deshalb steht dir pauschal dies und das zu, und „die da” verweigern es dir! Die Gesellschaft (was auch immer das sein soll) schuldet dir was!” In pluralen Gesellschaften wie den Vereinigten Staaten wird man stets Gruppen von kritischer Masse definieren können, und schon aus verfassungsrechtlichen Gründen muss man sie auch gewähren lassen.

Perfekte Voraussetzungen für einen „Civil War“

Der Staat, der eben gerade kein Sozialstaat, sondern ein Rechtsstaat ist, beschränkt seine Tätigkeit (theoretisch) auf die bloße Durchsetzung geltenden Rechts. Dies tut er bei zunehmendem Tribalismus der Gruppenidentitäten mit zunehmender Härte, wie wir gerade in Minneapolis erleben mussten. Die Anerkennung eines staatlichen Gewaltmonopols – in den USA ohnehin in uns vertrauter Weise nicht definiert – wird schwächer, die Polizei zunehmend als Partei, nicht als Ordnungsmacht wahrgenommen. Als Partei tut sie aber für alle Seiten immer das Falsche, tritt also je nach Blickwinkel gleichzeitig zu stark und zu schwach auf.

Aktuelles Ergebnis: Vielerorts beschränkt sich die Polizei jetzt auf den Selbstschutz und den Schutz staatlicher Einrichtungen. Wer sich aktuell also in einer Notlage an die Polizei wendet, etwa weil die Plünderer den eigenen Laden neu verglasen und die Regale leer räumen, kann nicht unbedingt damit rechnen, dass Hilfe kommt. Das Smartphone, welches den folgenden Polizeieinsatz als unverhältnismäßig darstellen würde, ist nämlich bereits gezückt, der weiße Van, aus dessen aufgerissener Tür der Gewehrlauf blitzt, wartet vielleicht schon ums Eck. So bleibt nur der Selbstschutz, die Abschottung und die weiter verstärkte Segregation der Communities, die sich gegenseitig die Schuld für die Lage geben. Perfekte Voraussetzungen für einen „Civil War“. Das NYPD verzeichnet momentan täglich im Schnitt sechs Kündigungen. Was passiert aber, wenn der Black-Lives-Matter-Wunsch Wirklichkeit würde und es keine Polizei mehr gäbe?

Abstimmung mit den Füßen in Richtung Gun-Shop

Folgerichtig ziehen vielerorts die Bürger ihre Zugbrücke hoch und patrouillieren mit geladener AR-15 auf dem Dach. Unterdessen verlässt sich die schweigende Mehrheit zunehmend auf den zweiten Verfassungszusatz und kauft die Waffenläden leer. Seit März gibt es Monat für Monat Umsatzrekorde. Etwa 40 Prozent der Kunden sind angeblich Neu- und Erstkunden. Die Frage, ob in den USA ein verschärftes Waffenrecht durchsetzbar ist – ein Herzensanliegen vieler, wenn auch nicht aller Demokraten – wurde somit auf absehbare Zeit beantwortet.

„Black Lives Matters“, bestärkt durch die Bereitwilligkeit der lokalen Politik, ist nun dabei, ihre Maximalforderung „Abolish Police“ (Polizei abschaffen) in den Vordergrund zu rücken. Spätestens hier wird den meisten Bürgern aber klar, dass man ein Problem nicht dadurch löst, indem man es verschärft. Was in kleinen Gemeinden durch Selbstorganisation vielleicht sogar machbar scheint – wobei der Ruf der Polizei in kleinen Gemeinden ungleich besser ist als in großen Städten –, käme für New York oder Los Angeles einem Armageddon gleich. „Abolish Crime“ gehört bekanntlich nicht zu den Forderungen von BLM, und es glaubt wohl außer den Aktivisten niemand, dass das Verbrechen nur existiert, weil es die Polizeit gibt.

Die Presse übt sich schon mal in Zerknirschung und beugt sich der Macht der Straße, indem sie durch publizistischen Blödsinn das Feld bereitet für das neue universelle Feindbild Polizei: „Shut down all police movies and TV shows. Now“, fordert etwa Alyssa Rosenberg in ihrem Meinungsartikel in der Washington-Post und stellt sich damit offen gegen die Verfassung, in der die Meinungsfreiheit und die Freiheit der beruflichen Betätigung garantiert sind. Diese gilt nämlich auch für Filmschauspieler und Netflix-Produzenten. Die Forderung ist so albern, als würde man ein Verbot von Vampir-Serien fordern, damit die Menschen mehr Blut spenden.

Miese Aussichten

Selbst wenn sich die Lage wieder beruhigen sollte, haben sich langfristig die sozialen Transaktionskosten, die sich aus dem Vertrauen gegenüber seinen nichtverwandten Mitmenschen errechnen lassen, erneut erhöht. Die Menschen suchen aber instinktiv nach Vertrauen und finden es vorwiegend im Gleichen, Ähnlichen, kulturell Kompatiblen, was Parallelgesellschaften nur noch ausgeprägter wachsen lässt.

Der amerikanische Weg führt offenbar immer wieder in Gewaltexzesse. Der „deutsche Weg”, wo versucht wird, Parallelgesellschaften durch Laissez-faire und üppige finanzielle sowie politische Zuwendung ruhigzustellen, führt womöglich mittelfristig zunächst in die Pleite und dann erst in Gewaltexzesse. Als unangenehm könnte sich dann erweisen, dass ein zahlungsunfähiger Staat nicht mal mehr in der Lage sein wird, ausreichend Widerstand zu leisten, womit das deutsche Gesellschaftsexperiment in noch größerem Chaos enden könnte, als es so mancher deutsche Politiker gerade mit schadenfrohem „Ätschi-Bätschi“ den USA attestiert.

Zurück nach Minneapolis, zurück zu George Floyd, dem „sanften Riesen“. Die Gewalt, die Plünderungen, die Morde…all das hat längst nichts mehr mit dem Mord an Floyd zu tun. Das hatten die Proteste außerhalb der USA womöglich nie. Im ARTE-Journal am 5.6.2020 kam bei einer Demo vor der US-Botschaft in Warschau ein Demonstrant zu Wort:

„Hätte George Floyd eine andere Hautfarbe gehabt, gäbe es keine Demonstration. Denn die Justiz hätte ganz selbstverständlich ihre Arbeit getan. Aber da das nicht der Fall war, sind wir heute hier. So kann es nicht weitergehen.“

Der Satz „Hätte George Floyd eine andere Hautfarbe gehabt, gäbe es keine Demonstration.” ist völlig richtig. Nur die Begründung ist Blödsinn, denn der mutmaßliche Mörder Floyds wurde noch am Tag der Tat suspendiert, verhaftet und steht unter Mordanklage. Dessen Kollegen, die am Tatort waren und nicht eingriffen, wurden ebenfalls suspendiert und stehen unter Anklage. Es geht also weder um Floyd noch um „Gerechtigkeit”, sofern man diese nicht darin sieht, dass der Polizist an Ort und Stelle hätte erschlagen werden müssen. Die Justiz macht also sehr wohl ihre Arbeit, und vermutlich wird sie den Mörder für sehr lange Zeit ins Gefängnis stecken.

Aber es kann eigentlich auch nicht um Trump gehen, wenn man ehrlich ist. Es wird gern vergessen, dass auch Obama in Ferguson 2014 ein Problem gleichen Kalibers hatte. Ich hoffe allerdings, Trump überlässt die Kommunikation in dieser Sache künftig seiner Pressesprecherin McEnany, denn er macht mit seiner Art alles nur noch schlimmer. Was die Wahlaussichten im November angeht, spielt die aktuelle Situation Trump jedoch in die Karten, ganz gleich, was die Umfragen derzeit sagen. Diese Umfragen kommen derzeit unter derart großem moralisierenden Druck zustande, dass man annehmen darf, dass sie zwar kurzfristige Empfindungen, aber keine langfristigen Abwägungen abbilden.

Bend the knee or else

Diese beiden Bilder auf meiner webseite (runterscrollen, Netzfund) zeigen ein kleines Mädchen mit einem Plakat und einem Pfeil auf ihr Gesicht "Privileged, #BlackLivesMatter" und einen jungen weißen Mann mit dem Slogan "Abolish Whiteness". Sie stehen für mich symbolisch für den Subtext, welchen, wenn nicht die Proteste selbst, so doch die begleitenden Unruhen und Plünderungen haben. Ich bezweifle stark, dass die Mehrheit der Amerikaner, ganz gleich welcher Herkunft, sich für die dauerhafte und pauschale Pflege eines solchen Schuldkultes eignet, der selbst Kinder zu Selbsthass und Selbstverleugnung zwingt. Amerika sieht sich als „Land of the free“, nicht „Bend of the knee“. Letzteres würde auch nichts nützen.

Denn während der Kampf zweier Hunde vorbei ist, sobald sich einer auf den Rücken legt, genügen solche Unterwerfungsgesten vielen Aktivisten und der Antifa nicht, die die Proteste längst unterwandert hat. Es nütze ja auch den Hamburger Geschäften wenig, sich Antifa-Plakate und Sympathiebekundungen in die Schaufenster zu kleben, und die Kleinwagen von Reinigungs- und Pflegekräften brannten beim G20-Gipfel genauso gut wie die Autos von linken Abgeordneten.

Die friedlichen Proteste gegen die Umstände des Todes von George Floyd sind leider kontaminiert von Ausschreitungen, Gewalt und Plünderungen, und statt eine sicher notwendige und richtige Polizeireform anzustoßen und eine Debatte über Gewalt von und gegen Polizisten anzustoßen, werden die Bürger irgendwann darum betteln, von der Polizei vor dem Chaos beschützt zu werden. Eine Chance wurde vertan.

Und wer jetzt glaubt, dieses Momentum nutzen zu können, um durch Angst, Gewalt und Chaos Bahn für Joe Biden zu machen, verkennt vielleicht die tatsächliche Macht der Bilder. Wer die Polarisierung jetzt derart zuspitzt, dass Republikaner sein, Trump unterstützen oder bloßes „Weiß sein“ schon pauschal ins Unrecht setzt, könnte im November 2020 ein weiteres traumatisches 2016 erleben. Und auch dieses böse Erwachen wird scheinbar aus dem Nichts kommen und sich nicht in Seiten und Sendungen von New York Times, CNN oder dem Spiegel ankündigen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.

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Wolfgang Richter / 11.06.2020

Es ist fahrlässiger Unsinn , zum vorliegenden Sachverhalt irgend etwas von “Mord” oder “absichtlicher Tötung” zu fabulieren. Ein bißchen mehr Zurückhaltung täte gut, zumal zu dem Thema schon genug Unsinn kursiert. Einfach mal Gedanken machen zum Ausbildungsstand und den dort vermittelten Techniken zum Umgang mit “renitenten” Personen. Die Massen der Schlaumeier können ja einfach mal probeweise versuchen, eine renitente Person zu bändigen. Die hält nämlich nicht still, wie ein zahmer Gegner auf der Übungsmatte im Fitness-Studio. Es geht hier schlicht um das Erfüllen des gesetzlichen Auftrages, einen auf frischer Tat betroffenen Straftäter dingfest zu machen. Dagegen Widerstand (auch Mr.Floyd hatte seine Wahl, entschied grundlegend und belegt falsch) zu leisten, ist überall auf der Welt (außer vielleicht im Besserland der Übermoralisten und Besserwisser) ein Fehler, ggf. gepaart mit einem erhöhten Wagnis, Gesundheit und auf länger auch die Freiheit zu verlieren. Und die jetzt aktiven Linken, die wegen der Hautfarbe des Verstorbenen absichtliches Handeln aus rassistischen Motiven herbei fabulieren, sollten einfach mal in die Realität der Länder gucken, aus denen sie ihre Ideologie übernommen haben. Mehr werde ich zu diesem Thema neben bereits abgegebenen Kommentaren nicht mehr “absondern”, da mit das ganze Thema langsam zu blöd wird. Die Realität scheint niemanden wirklich zu interessieren, stellen- und seltsamerweise auch bei “Achgut” nicht. Im übrigen steht die Wertung des Verhalten nur einem Gericht zu. Bis dahin - wie für jeden Kriminellen, so auch für einen ggf. übereifrigen oder unfähigen Schutzmann im Kreise von nicht besser ausgebildeten weiteren Kollegen - gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Im Falle “Floyd” wird dageben medial gelyncht.

giesemann gerhard / 10.06.2020

So tritt zur Lichtenberg’schen Blödsichtigkeit nunmehr auch noch Farbenblindheit hinzu.

Alexander Rostert / 10.06.2020

Der Polizist, der auf dem Mann kniete, hat sich exakt nach seiner Dienstvorschrift verhalten. Ich weiß darum nicht, wie Sie auf die Idee kommen, er würde “völlig zu Recht wegen Mordes” angeklagt. Ich sage Ihnen jetzt schon, was dabei herauskommt, so bald sich die Empörungswogen etwas geglättet haben: Überhaupt nichts. Der Verstorbene war außerdem auch noch gesundheitlich schwer vorbelastet und (trotzdem!) mit Drogen vollgepumpt bis zur Hutkrempe. Deswegen musste man ja überhaupt erst auf ihm knien, um ihn ruhigzustellen.

S. Marek / 10.06.2020

Herr Roger Letsch, danke für diesen Ihren guten Beitrag.  Da ich annehme, daß Sie sich einigermaßen gut mit deutschem Recht und sonst auch gut auskennen erhebe ich Einspruch für Ihre folgenden Aussagen:  1.) ...“Der verantwortliche Polizist muss sich nun völlig zu recht wegen Mordes verantworten,”... —> w.g. Aktion mit Todesfolge, da der Vorsatz erst nachgewiesen werden muß.  2.) ...“Trumps – gelinde gesagt – unzweckmäßige Kommunikation”... —> Was ist/war unzweckmäßig vom Tramp kommuniziert worden? Solche unbelegte allg. Behauptungen sind gerade von Ihnen äußerst unzweckmäßig. Brauchen Sie es aus irgend welchen “politischen” Gründen, auch wenn Sie selbst sein Verhalten gleich als Richtig vermerken? Na ja hier kann man sich in der “Meinung” über Tramp auch sehr leicht von MSM und vorherrschender Bürgermeinung infizieren, schneller sogar als mit CoVid-19. 3.) ...“Auch die Legende vom „melting pot USA“ ist teilweise genau das: eine Legende.”...  —> Erst mit der Einwanderung von Menschen mit Islam als Glauben (äußerst gewalttätige faschistoide Ideologie mit Weltherrschaftsanspruch) im Gepäck ändert sich der Spruch „melting pot USA“, da diesem Personenkreis der Koran und die Sira deren oberste Richtlinie ist. Alle anderen eingebürgert Einwanderer sehen sich als mehr oder weniger patriotische Amerikaner an. Das ist nie in Deutschland der Fall gewesen. Und klar seit ende der Sechziger wächst der Linksliberale - Linke Einfluß der Akademia und Geldadel auf destruktive Weise auf Politik und junge Menschen um sich den politischen Mitspracheanspruch mit allen Mitteln zu sichern. Das kennen Sie auch, und beschreiben richtig im nächsten Absatz. Die acht Jahre von Hussein Barak Obama und sein Wirken danach, erst seit kurzem unter “Obamagate” offiziell von Staatlichen Sicherheitsinstitutionen und Justiz untersucht werden, waren und sind ein Brandbeschleuniger zur Destabilisierung der USA. Wer hat “Occupy Wall Street” inszeniert?

Arnold Warner / 10.06.2020

Herr Knoth, um es mit Orson Welles zu sagen: “Ob es ein happy end gibt, hängt davon ab, bis wo die Geschichte erzählt wird.” Weiße haben in der Tat lange Zeit die Geschicke der Welt bestimmt. Keineswegs nur “sauber”, aber das ist ein anderes Thema. 500 Jahre sind jedenfalls ein viel zu kurzer Zeitraum, um die Tauglichkeit einer Spezies bzw. Rasse zu beweisen. Die sagen überhaupt nichts aus. Technologisch haben wir längst die Spitze verlassen, nun ist es auch gesellschaftlich soweit. Zudem wir den Untergang noch selber befeuern, indem wir uns nicht wehren, sondern unterwerfen.

HaJo Wolf / 10.06.2020

@Roland Stolla-Besta: auch in den USA wäre das kein Mord, sondern schwere Körperverletzung mit Todesfolge, allenfalls, um dem Pöbel den Wind aus den Segeln zu nehmen, Mord zweiten Grades.

Volker Kleinophorst / 10.06.2020

BLM und Antifa haben in Seattle ein Stadtviertel abgeriegelt und für autonom erklärt. Vorschlag: Können Sie haben. So autonom wie nur geht. Wasser, Strom, Gas: kappen, Warenlieferungen: Baut euch selber was an. Mauer drum und abwarten. Problem gelöst in max. 14 Tagen. Könnte man per Drohne filmen, dann hat man hinterher sogar Geld für den Wiederaufbau. Da fällt mir ein: Muss mal wieder die “Klapperschlange” gucken, bevor der wie “Vom Winde verweht” wegen Rassismus verbannt wird. Das Bild schwarzer Krimineller besonders “Der King of New York” ist einfach zu nah an der Wirklichkeit. Anarchie ist Faustrecht. Wir kehren dahin zurück, wo wir hergekommen sind. Affen mit Keulen. PS.: Wo ist eigentlich Greta? Liegt den ganzen Tag in der Sonne und macht ne Umschulung auf Rassismus. ;)

HaJo Wolf / 10.06.2020

Ob all diese Protestierer und BLM-Supporter auch einen ähnlichen Aufstand angezettelt hätten, wenn es kein schwarzer (mir schei**egal, ob das politisch korrekt ist!) Intensivkrimineller gewesen wäre sondern ein weißer? Das Schlimmste an all diesen guten Menschen ist ihre Bigotterie.

Wolfgang Kaufmann / 10.06.2020

„Trumps – gelinde gesagt – unzweckmäßige Kommunikation“ — Sorry, der Präsident muss nicht dem Wahren, Schönen, Guten huldigen und nicht den Moralapostel abgeben. Meines Wissens hat er eben nicht die Armee eingesetzt, sondern nur davon geredet. Gegen das Votum eines Gouverneurs darf er das nur im äußersten Notfall, und der war mit einigen wenigen Toten längst nicht gegeben. – Ein Dealmaker darf auch widersprüchlich kommunizieren; was zählt, ist das Ergebnis. Die Linken und auch einige Republikaner haben sich zwar empört; aber beim Machtspiel zählt das Pokerface. Amerika ist im Wahlkampf und der Gegner sind die demokratischen Schneeflöckchen an den Spitzen vieler Staaten und Städte. Kein Krieg würde gewonnen, wenn der andere erführe, was man als nächstes wirklich zu tun gedenkt. Wie erfolglos solche Bekenntnispolitik ist, kann man in Deutschland sehen. Die einzige ernsthafte Gefahr dabei ist, dass sich der Gegner totlacht.

Ralf Pöhling / 10.06.2020

Absolut fantastische Analyse, Herr Letsch. Die derzeitige Polarisierung der USA bis nach Europa hinein, erinnert schwer an die Umstände um Martin Luther King. Während King aber in weiten Teilen ein integerer Mann und sein Anliegen in der damaligen Zeit durchaus berechtigt war, Rassentrennung war Gesetz und die Benachteiligung der Schwarzen rechtlich legitimiert, sieht es heute ganz anders aus: Nicht nur dass George Floyd ein vorbestrafter Krimineller war, der bei seiner Verhaftung gerade bis unter die Schädeldecke unter Drogen stand und beim Verbreiten von Falschgeld in flagranti erwischt worden ist, die Rassentrennung ist seit den 60er Jahren offiziell ad acta gelegt und die Schwarzen werden mittels Quotenregelung sogar gezielt bevorzugt, worauf Sie dankenswerterweise im Artikel eingehen, Herr Letsch. Wobei man nochmals mit viel Nachdruck auf die im Artikel erwähnte Tatsache hinweisen sollte, dass die Polizei (gilt auch für das Militär) in den USA eben nicht weiß, sondern überdurchschnittlich oft auch schwarz ist. Dass diese gezielte Förderung der Schwarzen in der Breite nicht zum gewünschten gesellschaftlichen Erfolg führt, liegt nicht an den Weißen, sondern an den Schwarzen selbst, die oftmals auf ein gesellschaftliches Engagement in den von den Weißen geschaffenen USA überhaupt keine Lust zu haben scheinen. Was bis zu einem gewissen Grad verständlich ist: Die Schwarzen sind durch die Sklaverei de facto unfreiwillig entwurzelt worden und im Kern ihres Wesens Afrikaner geblieben. Man schaue auf Südafrika und den Disput zwischen den Weißen und den Schwarzen nach Ende der Apartheid. Das selbe Phänomen, nur in umgekehrter Menge. Weiß und Schwarz geht nur zusammen, wenn beide Seiten das auch wollen. Dies scheint bei den Schwarzen eher weniger ausgeprägt zu sein. Und genau dieses Phänomen wird genutzt: Während der Missbrauch von Kings Agenda durch die Kommunisten bis heute ein Verdacht geblieben ist, so ist der Missbrauch von Floyds Tod durch die Roten unübersehbar.

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