Henryk M. Broder / 01.01.2017 / 11:21 / 8 / Seite ausdrucken

Von Manipulation kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein

Das Jahr ist um, aber einige Fragen bleiben. Zum Beispiel: Was wird aus Martin Schulz, wenn er nicht als Spitzenkandidat der SPD bei der kommenden Bundestagswahl antreten darf? Wie geht es weiter mit der Energiewende? Schafft es die Regierung, wie versprochen, bis zum Jahre 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen? Und noch etwas: Hat sich Michael Grosse-Brömer tatsächlich nur versprochen, als er in einem Interview mit Berlin direkt  "Meinungen" sagte, obwohl er "Meldungen" sagen wollte? Fragen über Fragen, und keiner da, der sie beantworten könnte.

An: Michael Grosse-Brömer, MdB, Betreff: Meinungen und Meldungen, 25.12.16

sehr geehrter herr abgeordneter

erlauben sie mir eine frage:
in der ZDF-sendung "berlin direkt" vom 18.12. wurden sie zu dem problem der fake news befragt.
https://www.zdf.de/politik/berlin-direkt/berlin-direkt-clip-3-110.html
wenn ich mich richtig erinnere, haben sie über leute gesprochen, die draußen rumlaufen und "falsche Meinungen" verbreiten. nun wollte ich den genauen Wortlaut ihrer Äußerung noch einmal hören und habe die sendung in der ZDF-mediathek aufgerufen. das statement mit der betreffenden Äußerung ist nicht mehr da.
wurde es von der redaktion entfernt? haben sie es gefordert?
für eine baldige antwort wäre ich ihnen sehr verbunden

mit den besten grüßen b.

Sehr geehrter Herr Broder,

ich kann Ihnen versichern, dass weder Herr Grosse-Brömer noch seine Mitarbeiter direkt oder indirekt Einfluss darauf genommen haben, welche Teile seines am 15. Dezember 2016 mit dem ZDF geführten Interviews gesendet, in Datenbanken verwendet oder über soziale Medien verbreitet werden. Das gilt selbstverständlich auch für die Dauer der Abrufbarkeit seiner Äußerungen im Internet. Im Übrigen hat Herr Grosse-Brömer klargestellt, dass ihm in dem Interview ein Versprecher unterlaufen ist. 

Freundliche Grüße
Joachim Riecker
Sprecher des 1. Parlamentarischen Geschäftsführers
Stellvertretender Sprecher der Fraktion CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

sehr geehrter herr Riecker, vielen dank für ihre Antwort. lassen sie mich bitte kurz zusammenfassen:

am 15.12. gibt herr grosse-brömer dem ZDF für Berlin direkt ein interview. es geht um fake news.

am 16.12. macht die Redaktion auf das interview mit einem Teaser auf der FB-seite von Berlin direkt aufmerksam.

am 18.12. wird der Beitrag mit dem O-ton über "falsche Meinungen" gesendet.

am 19.12. kommt es zu einem shit-storm der Zuschauer auf der FB-seite von Berlin-direkt. herr grosse-brömer stellt klar, dass er zwar "falsche Meinungen" gesagt, aber "falsche Meldungen" gemeint hat.

am 20.12. kann man den Beitrag in der mediathek des ZDF sehen, aber ohne den O-ton über die "falschen Meinungen".

erlauben sie mir zwei nachfragen:

hat herr grosse-brömer beim ZDF dagegen protestiert, dass der Beitrag nachträglich geändert, also manipuliert wurde?

ist Herrn grosse-brömer der begriff "Freudsche Fehlleistung" bekannt?

bitte entschuldigen sie die wilde Rechtschreibung. mein auto-korrektor benimmt sich wie das ZDF. 

beste grüße nach Berlin

ihr hb 

Sehr geehrter Herr Broder,

das gesamte Interview, das Herr Grosse-Brömer mit dem ZDF geführt hat, dauerte rund fünf Minuten. Es ist üblich, dass aus solchen Interviews nur einzelne Passagen gesendet, gedruckt oder anderweitig verbreitet werden. Welche das sind, entscheidet allein das jeweilige Medium. Von Manipulation kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein. Außerdem nimmt Herr Grosse-Brömer grundsätzlich keinen Einfluss auf die redaktionellen Entscheidungen des ZDF oder anderer Medien. 

Autokorrekturen lassen sich übrigens ohne großen technischen Aufwand deaktivieren. ;) 
Mit besten Grüßen
Joachim Riecker

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Leserpost

netiquette:

Andreas Hartig-Tauber / 01.01.2017

Marke Freudscher Versprecher ....

Wolfgang Richter / 01.01.2017

“Autokorrekturen lassen sich übrigens ohne großen technischen Aufwand deaktivieren.” Schön, daß dies Herrn Rieker aufgefallen ist. Das sollte er zumindest bei Teilen seiner ZDF-Mannschaft auch zügig in Angriff nehmen, zum Wohle des geplagten Bürgers, der ansonsten trotz der im voraus abgezwackten Zwangsabgabe auf den Ausschalter seines Gerätes zurück greifen muß, weil ihm eine an sich im voraus bezahlte Leistung, nämlich ein annehmbares Fernsehprogramm “serviert” zu bekommen, verweigert wird.

Michael Noetzel / 01.01.2017

Klasse Herr Broder, wie sie das immer machen, respekt. Alles Gute auch in 2017 und darüber hinaus ihr

Karla Kuhn / 01.01.2017

Danke Herr Broder, daß ich gleich zu Beginn des Neuen Jahres wieder herzlich lachen konnte. Und Sie sind wieder um eine technische Erfahrung reicher. Dank Joachim Riecker.  Sehen Sie, alleine schon deshalb hat sich doch Ihre Anfrage gelohnt. Wunderbar.

Reiner Hoefer / 01.01.2017

Herr Joachim Riecker bemerkt hier spitz und gereizt: Autokorrekturen lassen sich übrigens ohne großen technischen Aufwand deaktivieren. Ja, hat er recht, aber leider geht das beim ZDF nicht.

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