Fabian Nicolay / 21.01.2021 / 06:25 / Foto: André Karwath / 35 / Seite ausdrucken

Herren und Diener. Klassenkampf 2021 (Teil 3)

Wir befinden uns in der Dauerschleife einer permanenten Nabelschau, die um nur ein Thema kreist: das verflixte Virus und die deutsche Angst. So kam es, dass das Momentum der Pandemie etwas hervorbrachte, das dem deutschen Wesen seit eh und je innewohnt: den autoritären Obrigkeitsstaat als Spiegel einer sich selbst nicht gewissen Demokratie.

Aufs Neue erhebt sich dieser Obrigkeitsstaat in glattem Chrom-Glanz aus dem Säurebad seiner ureigenen deutschen Selbstherrlichkeit. Ein Déjà-vu und Treppenwitz der Geschichte, dessen verpasste Pointe ein Paradox bildet: das Mittelmaß der Eliten, erkenntlich am Kommandoton und Mitläufertum, an verbohrter Absolutheit und spießiger Feigheit vor dem Diskurs, aber auch am obsessiven Bekenntniszwang und der maliziösen Lust des Denunzianten.

Wie aus Opas politischer Waffenkiste

Eine blamabel uninspirierte Oberschicht aus Parteisoldaten, Apparatschiks und infantilen Aktivisten gibt heute den Ton an in Deutschland, ohne Wagemut und Ideen, aber voller Herablassung und Unbehagen über die „Eigenwilligkeiten“ der Untertanen, die sich berechtigte Sorgen um ihre Zukunft machen und im Angesicht wirtschaftlich brutaler Fehlentscheidungen ihr kleines Unternehmen, den Laden, die Gastwirtschaft oder das freie Theater im Lockdown den Bach runtergehen sehen. Der von der Politik selbst ins Spiel gebrachte Begriff der „Systemrelevanz“ legte Hand an den Zusammenhalt der demokratischen Gesellschaft an – eine übelriechende Diffamierung wie aus Opas politischer Waffenkiste.

Denn während die erste Parole des Krisenmanagements „Flatten the Curve“ an die Bevölkerung als gemeinsamer Kraftakt ausgerufen wurde, teilte man die Republik sogleich in zwei Lager: diejenigen, welche dem Pandemieregime dienten und zu „Helden des Alltags“ hochgejubelt wurden (Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Kassiererinnen, …) und jene, die sich ins stille Kämmerlein zu verziehen hatten, um bei der Rettung der Republik nicht im Weg zu stehen, nämlich alle nicht-systemrelevanten Subjekte (Schauspieler, Kinobetreiber, Soloselbstständige, …). Das übergriffige Pathos dieser sozialistisch anmutenden Propaganda gipfelte in Balkonapplaus für systemrelevante Werktätige, Plakat-Kampagnen für die Helden und ein beschönigendes Neu-Sprech aus dem Baukasten von Event-Agenturen.

Schwäche des Rechtsstaats

Der „Lockdown“ ist das Menetekel der Ermächtigung zum totalitären Ausnahmezustand, als englisches Tarnwort und eleganter Euphemismus macht er in den angepassten Feuilletons, die ja so empfindlich sind für das Schand-Vokabular deutscher Geschichte, eine gute Figur. Die so beschönigte „Ermächtigung“ war und ist eine verfassungsrechtlich strittige Angelegenheit, doch im Privaten wirkt sie wie eine massive Herabwürdigung für alle, die doppelt und dreifach dem „Social Distancing“ ausgesetzt sind und sich beim „Homeschooling“ mit übellaunigen Kindern zerteilen, während der Chef die nächste Zoom-Konferenz dazu nutzen will, die Effizienz des Homeoffice mal auszuloten.

Aufgaben der Staatlichkeit wurden per Dekret an die Bürger, Haushalte und Eltern zurückdelegiert und führten zu neuen Sollbruchstellen innerhalb der Familien, der sozialen Beziehungen und der Psychen von Kindern und alten Menschen.

Doch neben solchen „Nebensächlichkeiten", die die Großbaustellen des politischen Hoch- und Tiefbaus stets begleiten, ist die Ermächtigung eine unverhohlene Drohgebärde vor dem bürgerlichen Rechtsstaat. Moralische Güter von gesamtgesellschaftlichem Interesse werden politischen Handlungsspielräumen preisgegeben. Man möchte ausrufen „Hände weg vom Allerheiligsten", doch es scheint, als habe die herrschende Klasse den Skrupel schon verloren.

In Zeiten des Virus war es das schamlose Kalkül der politischen Sphäre, die Bedingtheiten einer freien Gesellschaft und die Unbedingtheiten des Humanitären gegeneinander auszuspielen. Denn die Unvollkommenheit und Schwäche des Rechtsstaats tritt gerade da zutage, wo sich seine Rechtsgüter tangieren, hier Versammlungsfreiheit, da körperliche Unversehrtheit. Die Mauer um diese freiheitlichen Rechtsgüter wird brüchig und obsolet. So wird der Infektionsschutz zum Danaergeschenk.

Kokons aus Wichtigtuerei

Viele Kleinunternehmer hatten noch in Hygienekonzepte und Technik investiert, um unter den verschärften Vorschriften des zweiten Lockdowns weitermachen zu können. Man ließ sie alles für den Neustart vorbereiten, um ihnen später eine lange Nase zu zeigen. Das Wort „Verschärfung“ war die formlos-schroffe Begründung. Sie sollte politische Entschlossenheit vortäuschen und wurde zum sprachlichen Zombie besessener Dressur-Politiker. Hinter dieser wichtigtuerischen Pose und der Vehemenz der Drohungen steckte allenfalls die dünne Erkenntnis, dass Verbote im Vergleich zum Laissez-faire politisch einfacher, markanter und selbstbewusster rüberkommen. Manch einer wollte sich damit zum Kanzlerkandidaten empfehlen.

So wurde das Unnachgiebige zum Prinzip Hoffnung politischer Fingerzeige. Man nahm bewusst in Kauf, dass viele Menschen dabei zu Opfern wirtschaftlicher und psychischer Belastungen würden, denen ein geregeltes Laissez-faire verantwortbare Auswege gelassen hätte. So verwandelt man Zustimmung und eigenverantwortlichen Kooperationswillen bei den Bürgern in Verzweiflung, Wut und Ablehnung und gibt sich gleichzeitig als „Macher“ in Zeiten der Krise.

Der Dauerzustand der Kanzlerin war indes „not amused“, so lehnte sie „Lockerungsdiskussionsorgien“ sofort brüsk ab. Ein täglicher Überbietungswettbewerb der Mahner und Virus-Warner erging sich in immer haarsträubenderen Prognosen und harschen Imperativen. Nichts schien der Politik des Jahres 2020 so fern, wie die Betroffenen mal „auf Augenhöhe“ zu beruhigen und sie „da abzuholen, wo sie stehen“, nämlich im Jammertal. Die Staatsdiener gingen vielmehr deutlich auf Distanz zum Bürger, Wähler und Souverän. Sie verkrochen sich in ihren Kokons aus Wichtigtuerei und erdreisteten sich, den „Leuten da draußen“ permanent Schuld am dauerhaft überhöhten Infektionsgeschehen zuzuweisen und die Neue Normalität mit dem Zeigefinger hinterrücks einzuführen.

Abseitiges, unbequemes Sperrgut

Unsere Kinder haben nicht den Erfahrungshorizont, um die Anmaßung solcher Polit-Aktivisten als langfristige Bedrohung zu werten. Das ist den Älteren vergönnt, die die diskursreichen 70er und 80er Jahre der Bundesrepublik oder die Diktatur, die Dissidenz und den Verfall der DDR zum Vergleich haben. Wir dürfen uns nicht von einer Kanzlerin und ihrer Entourage als abseitiges, unbequemes Sperrgut vors Haus stellen lassen, weil wir unseren Zweck als Duckmäuser nicht erfüllen wollen.

Wir sind es den Erben der sozialen Marktwirtschaft und parlamentarischen Demokratie schuldig, standhaft zu widersprechen und darauf zu bestehen, an Meinungsbildungsprozessen teilhaben und die Korrektur ideologisch geprägter Fehlentscheidungen einfordern zu wollen. Wir müssen der Entfremdung von politischer Klasse und Wahlvolk entgegentreten, damit bei der geforderten Großen Transformation der Westlichen Welt nicht zuerst der Reset-Knopf des Rechtsstaats und seiner freiheitlichen Ordnung gedrückt wird.

Auf den ersten Blick überkommen

Die Vorstellung, dass die Unterschichten heute noch eine von gierigen Unternehmern gelenkte Gesellschaft begütern, die sie knechtet und ausbeutet, ist ein Stereotyp der Kapitalismuskritik und marxistischen Verelendungstheorie. Dieses Gesellschaftsbild erscheint im Angesicht moderner, nicht menschlicher Produktivkräfte (Robotik, KI) auf den ersten Blick überkommen. Denn für eine Unterklasse, die gar nicht mehr die Produktionsmittel (Maschinen, Fließbänder) bedienen und keine ausbeuterische Arbeit mehr leisten muss, weil sie vom Staat komplett „unterhalten“ wird, scheint ein Klassenbewusstsein im herkömmlichen Sinn nicht möglich. Die Anzeichen dafür, dass eine gewisse Saturiertheit proportional zum Grad der Aufmüpfigkeit steht, kann man in unserem Land an der Bereitschaft zur Opposition ablesen: Der Mittelstand schwimmt noch träge in der dicken Suppe der fetten Jahre.

Der technologische Paradigmenwechsel zu einer Güterproduktion des Digitalen und der Robotik wird neue Widersprüche auslösen. Die größte Wertschöpfung wird nämlich in der automatisierten Produktion stattfinden, da, wo keine Arbeiter, sondern nur wenige hochqualifizierte Spezialisten gebraucht werden. Sie wird eine von human-ethischen Problemen befreite Produktivität und einen enormen Reichtum auslösen.

Somit existiert die „klassische“ Ausbeutung nicht mehr, sondern nur noch die von Aspekten der Arbeitswelt befreite, gesinnungsgeprägte Unterdrückung und daraus resultierende soziale Ungerechtigkeiten.

Gesellschaftlich entwertet

Der Staat ist also nicht mehr auf das Gros seiner Untertanen als Arbeiter, Steuerzahler und Wähler angewiesen. Ihre Daseinsmacht wird fast komplett erlöschen und Individuen hinterlassen, deren Existenz gesellschaftlich entwertet ist. Da sich das Staatswesen von seinem ehemaligen Souverän emanzipiert hat, braucht es die Untertanen auch nicht mehr als Wahlvolk, das seine Legitimität regelmäßig begründen muss.

Der neue Staat ist also ein Gebilde aus sich selbst heraus, ohne wesentliche Dynamik politisch konkurrierender Prozesse und ohne Auftrag durch das Volk. Er kann sich in allen Bereichen der Gesellschaft ausbreiten und die Teilhabe auf wenige Spezialisten der Oberklasse begrenzen.

Im Ergebnis werden in der beschriebenen Gesellschaft enorme Klassenunterschiede entstehen, denn die herrschende Klasse bestimmt die Produktionsverhältnisse und vereint nahezu das gesamte Kapital auf sich. Ein echter dialektischer Punkt linker Philosophie also. Gerade solche Erkenntnisse müssten die links-intellektuelle Szene aufhorchen lassen… Aber vielleicht ist es ja gerade opportun, wenn die Entwicklungen zwar den ideologisch-dialektischen Ansprüchen widersprechen, aber geradezu vorteilhaft den politischen Widersachern schaden. Das ist aber sicher zu kurz gedacht. Denn das neue Klassenbewusstsein droht nicht unbedingt mit linker Linientreue.

Bis ins Private kontrollierte Anwesenheit

Man muss nur eins und eins zusammenzählen: Die Tech-Riesen verbünden sich zunehmend mit der herrschenden Klasse und haben schon heute einen Pakt geschlossen, bei dem es um die mediale Entfernung politischer Gegner aus dem öffentlichen Raum und die Unterdrückung von Meinungen geht, die nicht in die vorgegebenen Schemata der politischen Korrektheit passen. Es ist egal, ob man das beschönigend Haltung nennt oder Doktrin – im Ergebnis handelt es sich um ideologische Unterdrückung Andersdenkender, die dem Furor einer Art Kulturrevolution, heute „Cancel Culture" genannt, ausgesetzt werden.

Dieses Zensurkartell hat sich in den letzten Jahren als eine herrschaftsideologische Struktur aufgebaut, mit der vor allem die Meinungsmacht der unteren Schichten in den Social-Media-Kanälen zum Schweigen gebracht werden soll. Die Politik in Deutschland ist auf dem besten Weg, zum tätlichen und demokratieverweigernden Subjekt zu werden, das, wie jeder Unterdrückungsmechanismus totalitärer Staaten, die Subjekte des Souveräns zu Objekten bis ins Private kontrollierter, purer Anwesenheit minimiert.

Linke Intellektuelle, die es eigentlich besser wissen müssten, applaudieren und schauen dabei zu, wie ihre Meinungs- und Deutungshoheit mit Mitteln der Zensur gesichert wird. Davon sind fast alle digitalen Publikationen missliebiger Meinungsführer betroffen. Social-Media-Accounts werden gelöscht, komplette Messenger-Dienste abgeschaltet, Shadow-Banning, Cancel Culture, anonyme Denunziation und Bedrohung gehören mittlerweile zum Alltag von Medien und Menschen, die nicht oder nur unzureichend die Meinung des politischen Mainstreams vertreten. Ein Zweifel an der ideologischen Integrität von Personen reicht schon aus, um zum Opfer eines Denunziations-Mobs zu werden, wie man in universitären Kreisen zahlreich feststellen kann. Das alles ist „rechtsstaatliche“ Wirklichkeit im Jahre 2021, man stelle sich das vor!

Eine Art Todessehnsucht

Die Gewinner dieser Entwicklung nehmen in Kauf, dass der heute noch „gutmeinende“ Bevormundungsstaat morgen vielleicht die Willkür des Jakobiner-Terrors etablieren kann. Was einst der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und demokratischen Kontrolle durch das mittelständische Bürgertum unterworfen war, ist bald an das Kartell der Politik und Tech-Giganten verloren, die Zensuraufgaben einfach gegen Steuerbefreiung tauschen.

Diese Machtkonstellation ist gerade dabei, omnipräsent und omnipotent zu werden. Die Entwicklungen in den USA lassen nichts Gutes ahnen. Allein aus dieser Tatsache heraus wird es ein neues Klassenbewusstsein geben (müssen), denn die herbeieilende Unterdrückung schafft in der Konsequenz Einigkeit und Identität bei den Abgehängten.

Die Abgehängten-Klasse der Neuen Normalität hat keine Ähnlichkeit mit der „Arbeiterklasse“ des 19. Jahrhunderts und ist im Vergleich zur kraftlosen Masse tuberkulöser Tagelöhner geradezu fett und verwöhnt. Wir sprechen hier von einem heterogenen, großen Bevölkerungsanteil, der als fiskalische Melkkuh einst große Bedeutung für Deutschland hatte. Das Land war auf seine Produktivität und auf die Steuereinnahmen angewiesen.

Das Glück der letzten Jahrzehnte (dauerhafter Frieden, politische Sicherheit, steigender Wohlstand und höhere Lebenserwartung) hat das Bürgertum abgestumpft und unempfindlich für die Anzeichen einer Gefahr gemacht. Man könnte es fast als eine Art Todessehnsucht ansehen, mit der westliche Werte zerredet, zerfleddert und angezweifelt werden, obwohl diese immer Garant für ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung waren.

Im großen Stil aussortiert

In einer Welt aber, in der alles heruntergefahren werden soll, was die Erde „aufheizt“, in der Verzichtszwang wie ein moralischer Imperativ aus dem klerikalen Mittelalter wiederaufersteht, in der politische Haltungsfragen wichtiger bewertet werden als Vernunft oder Wissenschaftlichkeit, und in der Geld nicht in Mehrwertprozessen aus Arbeit und Produktion, sondern in den Hochetagen der Finanzpolitik generiert wird – in einer solchen Welt werden Menschen aller Bildungsmilieus und sozialen Gruppen im großen Stil aussortiert und finden sich im Sammelbecken einer gegängelten, sprach- und machtlosen Unterschicht wieder. Noch hält diese neue Unterklasse still. Sie will nicht wahrhaben, dass sie bereits jetzt verloren hat. Sie wacht bald in einer als überwunden geglaubten Unmündigkeit auf, in der der versprochene Glanz wohlstandsbürgerlicher Freiheiten ein für allemal futsch ist.

Der „Klassenkampf“ zielt gemäß der marxistischen Theorie auf einen revolutionären Wandel der Produktionsverhältnisse (Arbeitsteilung und Besitzverteilung). In einer Gesellschaft, die eine Herrschaftsklasse aus Tech-Giganten und politischer Elite hervorgebracht hat, kann der Klassenkampf aber nicht unmittelbar stattfinden, weil die revolutionäre Klasse aufgrund ihrer niedrigen digitalen Kompetenz keine Produktivkräfte des Digitalen zu übernehmen imstande ist. Sie würde das Schiff also nicht navigieren können, das sie kapern möchte. Worin besteht also der Klassenkampf, wenn es nicht in erster Linie um die Produktionsverhältnisse gehen kann? Es wird wohl eher ein Kampf um die Wiedererlangung von Freiheit und politische Teilhabe sein – also um das Recht auf Mündigkeit und Selbstbestimmung.

Karl Marx‘ Theorien hätten hier Bestätigung und Widerlegung zugleich gefunden: Ja, die neuen Produktionsverhältnisse treten zunehmend als Fesseln der Unterklasse auf, was den Klassenkampf befördern wird. Nein, der historische Materialismus ist widerlegt, denn der Kommunismus ist nicht, wie angekündigt, eingetreten, und der Sozialismus war ein Reinfall.

Und doch scheint ein Rückfall in eine frühere historische Entwicklungsstufe möglich. Der Ständestaat ist im Anmarsch, wo extrem reiche Digitalunternehmer und politische Schreibtischtäter über „hoffnungslose Zeitvertreiber“ und weitgehend „nutzlose Arbeitsdarsteller“ bestimmen können. Aber wer weiß: Auch wenn Marx nur halb recht hätte, stünde ein wie auch immer gearteter Klassenkampf bevor, weil die Verhältnisse sind, wie sie sind.

 

Teil 1 des dreiteiligen Essays finden Sie hier.

Teil 2 des dreiteiligen Essays finden Sie hier.

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Mathias Rudek / 21.01.2021

Lieber Herr Nicolay, danke für ihren tiefgreifenden gesellschaftspolitischen Essay als gelungene Analyse der Zeit. Es hat sich in den letzten vergangenen Jahren eine deutliche dichotomische Veränderung der Gesellschaft gezeigt, die wie in anderen westlichen Demokratien die gesellschaftlichen Gruppen auseinander treiben läßt. Getrieben von ideologischen, realitätsfernen Kopfgeburten einer neomarxistischen Linken, die alte Ideen in neuem Gewand wiederauferstehen lassen möchte. Das ist nur möglich, weil der Ungeist der 68er Bewegung sich über Jahre hinweg sedimentiert hat in wichtigen öffentlichen Institutionen und vor allem in den Staatsmedien die Deutungshoheit erreicht hat. Die freiheitlichen-bürgerlichen Inseln der Kreativität und des Diskurses mußten weichen, stattdessen Gleichmacherei, brutaler Kulturrelativismus, geistige Dünnbrettbohrerei und öffentlich finanzierte Gefälligkeitsgutachten, um politische Ausrichtungen zu stärken. Die Regierungspolitik und ihre willfährigen Medien als opportunistisches Bundespresseamt im Einklang gegen die Interessen der Bevölkerung. Bevormundung und Forcierung der Abhängigkeit der Bürger zwecks effizienterer sozialer Steuerung. Am Ende geht es bei diesen gesellschaftspolitischen Agenden immer nur um absolute Kontrolle in jedem privatesten Winkel. An keinem deutschen Politiker ist dieser anti-liberale Geist so klar vergegenständlicht wie bei Angela Merkel. Sie hat die CDU so organisiert, daß diese in ihren Entscheidungsebenen nur noch vertikal von oben nach unten funktioniert, aber so hat sie es gelernt als ehemalige FDJ-Vorsitzende für Propaganda.

HaJo Wolf / 21.01.2021

Demokratie??? Was ist das für eine Demokratie, in der eine Partei, die von gerade mal knapp 9% der Wähler (rund 73% der Wahberechtigten) in den Bundestag gehievt wurde, maßgeblich die Politik bestimmt, sogar ohne Regierungsbeteiligung, aber da reichen ja heutzutage hüpfende Teens und linksgrün-radikale NGOs… Nein, eine Demokratie ist das schon lange nicht mehr, falls es jemals eine war: ein nicht vom Volk legitimierter Beitritt zu einem aufgezwungenen Staatengebilde (EU), an das man (Regierungen) “freiwillig” nationale Souveränität abgibt, das soll Demokratie sein? Nicht vom Volk autorisierte Anschaffung einer stabilen Landeswährung zu Gunsten eine Kunstwährung, deren Stabilität abhängt von einer Zentralbank, auf die der einzelne Staat keinen Einfluss hat, von wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die nicht auf das einzelne Land abgestimt sind, sondern auf eine Phantasie einer Staatengemeinschaft usw usw…  Demokratie?? Dass ich nicht lache. Wir leben schon seit 16 Jahren in einer Diktatur, die sich schleichend in Person einer SED-Agitatorin und mutmaßlichen Stasi-Zuträgerin an die Spitze der Macht gesetzt hat und gemeinsam mit den rot-grünen Handlangern alles aus dem Weg räumt, was demokratische Entscheidungsprozesse ermöglicht. Keiner Regierung vorher wurde so viele Gesetze vom Verfassungsgericht “kassiert”, dennoch macht diese Diktatur weiter. Merkel agiert wie ein Feudalherrscher des 17./18. Jh., das aParlament sagt nichts dazu oder applaudiert. Die Volksvertreter kassieren ihre opulenten Bezüge und sch**** auf Demokratie, so hat Merkel freies Feld und leichtes Spiel. Die Demokratie wurde schon im Sept. 2015 zu Grabe getragen. Nein, Herr Nicolay, wer glaubt, dass wir in einer Demokratie leben, der glaubt wohl auch, dass die Erde eine Scheibe im Zentrum des Universums ist. DIESER MERKEL-DIKTATUR MUSS SOFORT EIN ENDE BEREiTET WERDEN.

A. Keil / 21.01.2021

Ein wirklich guter Artikel, der vieles brilliant zusammenfasst. Aber eine Frage stellt sich mir immer wieder, vor allem auf dieser Seite: Wer sind die Geisterfahrer? Die (scheinbar) wenigen, die sich hier versammeln? Oder diejenigen, die sich immer neue obrigkeitsstaatlliche Verrücktheiten ausdenken? Und wenn man überzeugt ist davon, dass es sich um Verrücktheiten handelt, wenn man die deutsche Vorliebe für Obrigkeitsdenken und Angst kennt und diagnostiziert, wie kann dieses nach aussen vermittelt werden? Mir scheint, das Instrumentarium, nicht genehme Meinungen und Haltungen zu unterdrücken und in die Schmuddelecke zu verbannen, ist schon recht weit ausgedehnt, und, und das ist das Perfide, ist längst globalisiert. Bin ich allein in meiner zunehmend traurigen Analyse, dass der Wahnsinn immer mehr Methode hat und man als Geisterfahrer kaum eine Chance hat, dagegen anzukommen?

Peer Munk / 21.01.2021

Eine Schwachstelle hat diese herrschende Klasse: Sie ist abhängig von der Energieversorgung. Ohne die kann sie die Untertanen weder kontrollieren noch mit ihrer Propaganda zuschütten. Ausgerechnet in Deutschland tun die linksgrünen Übermenschen alles, um diese Schwachstelle zu vergrößern. Bin gespannt, was passiert, wenn es mal zu einem Blackout kommen sollte…

Ulrich Heuer / 21.01.2021

Ein in 3 Teilen treffender Zustandsbericht. Aber es wird sich nichts ändern. Bei solchen Politikern, den gleichgeschalteten Medien und solchen Untertanen. Mit Trümmern und Ruinen kennt sich das deutsche Volk gut aus. Vorher merken das immer nur ein paar Aufrechte. Die werden mit allen Mitteln bekämpft. Der Untergang des Abendland läuft hier seit Jahrzehnten vor meinen Augen ab. Und Doofland will wie immer erster sein. Die Zukunft ist in Südostasien. Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke welch schönes Land wir mal hatten.

G. Böhm / 21.01.2021

Die Geknechteten D-Lands werden sich schon noch zusammenfinden. Das Prächtige ist doch aber, daß sich die große Mehrheit, eingelullt von ihrer Muddi - der Großen Führerin -, sich an deren Busen wohlgewiegt sieht. Aus ihrem Wohl-Fühl-Schlaf werden sie erst aufwachen, wenn es gilt, einige gestellte Forderungen zu begleichen, und das verfügbare Budget zusammenschmilzt. | Noch scheint alles im grünen Bereich.

Jan-Hendrik Schmidt / 21.01.2021

Letztendlich wird jetzt langsam Wirklichkeit, was schon Mitte der 1990er der damalige US-Politikberater Zbigniew Brzezinski auf einen treffenden Begriff brachte: “Tittytainment” (Mischung aus Busen/Brust (Titty) und Unterhaltung (Entertainment)). Weil die Produktivität dermaßen steigt, wird für die Herstellung von Produkten immer weniger Arbeitskraft benötigt. Da aber gleichzeitig die Weltbevölkerung ansteigt, werden die Heerscharen an künftigen Überflüssigen mit staatlicher Versorgung (Titty) und Unterhaltung ruhig gestellt werden müssen, damit sie keinen Aufstand machen. Bedingungsloses Grundeinkommen meets Netflix sozusagen.

Andreas Rühl / 21.01.2021

Das obrigkeitsstaatliche Gehabe insbesondere in der “Pandemie” scheint mir nicht als ein Ausdruck der Entfremdung zwischen “Herrschenden” und “Untertanen”, nicht als Rückkehr in historisch überwundene Herrschaftsformen. Hier gilt es doch eher zu erkennen, dass wir es mit einem neuartigen Phänomen zu tun haben. Wenn die Bevölkerung nach und nach aus den Produktionsprozessen verschwindet (das Aussterben der Arbeiter) hat dies langfristig erhebliche Konsequenzen im gesellschaftlichen Gefüge. Nicht ohne Grund erscheint - privatrechtlich - das neuartige Wesen des “Verbrauchers” im Gesetz, der im Grunde nicht weiß, was er will, der vom Staat nicht nur geschützt, sondern gesteuert und gelenkt werden soll und will (!), dessen Willensentscheidungen unter einem steten Widerrufs-Vorbehalt stehen. Mein Großvater war zuerst und vor allem Arbeiter. Er produzierte als Schreiner Fenster für Akkordlohn und war stolz auf seine Leistung. Er sah sich nicht als Verbraucher. Er bedurfte nicht des Schutzes des Staates bei seinen “Konsumentscheidungen”, sondern er bedurfte der Unterstützung des Staates als Mit-Produzent. Dadurch stand seine gesellschaftliche Teilhabe nicht in Frage, noch weniger seine politische Präferenz. Der “Verbraucher”, der an den Produktionsprozessen nicht mehr beteiligt ist, erfüllt seine gesellschaftliche und wirtschaftliche Funktion nur noch als Nachfrager von Produkten und Dienstleistungen. Seine politische Präferenz ist damit nicht mehr definierbar - oder allenfalls darin, dass er von der Politik, vom Staat, stets mehr Schutz verlangt (sichere Produkte, erstklassische Versorgung, sogar Schutz vor Viren und Tod). Von daher erklärt sich auch die Entpolitisierung der Politik (vom Ideal des citoyen aus gesehen). Das ist auch der Grund, warum das Essay letztlich auf geschichtliche Muster zurückgreifen muss. Der “mündige Bürger” war mündig, weil er den Wohlstand nicht nur genoss, sondern ihn zugleich mit erzeugte. Verbraucher sind unmündig, weil sie es sein wollen.

S.Clemens / 21.01.2021

Herzlichen Dank für diese kompakte Analyse. Es sind eine Vielzahl von schmerzhaft eigentlich offenkundiger Punkte angesprochen. Für mich besteht dabei aber die Gefahr zu scherenschnitthaft auf die Klassendiskussion festgelegt zu werden! Die “Durchlässigkeit” der Schichten ist im Prinzip viel höher als zu ML-Zeiten. Der moderne Grund der Zugehörigkeit (die richtige “Haltung”) ist billig zu haben im Gegensatz zu früher. Deswegen ist er auch breit in der Gesellschaft akzeptiert! Ja, wir laufen auf ein “Elysium” Modell gesellschaftlich zu aber leider in der Breite akzeptiert!

Wilfried Cremer / 21.01.2021

Guten Morgen Herr Nicolay, man muss pfiffig sein, z.B. in der Frage des Beherbergungsverbots: Mach aus deiner Zimmerwirtin (sie will ja) eine Lebensabschnittsgefährtin!

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