Gestatten? Jens Maier, Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion, Verteidiger des Abendlandes, Pfeiler der Meinungsfreiheit und Retter des Grundgesetzes. Jens Maier ist – fast bin ich geneigt, zu schreiben „wie könnte es anders sein?“ – Richter am Landgericht Dresden gewesen, und Jens Maier gilt auch innerhalb der AfD als konservativ. Sehr konservativ. Sehr, sehr, sehr konservativ.
Aber der Reihe nach, was ist geschehen? Der weltberühmte Sohn von Boris Becker, Noah Becker, hat beklagt, dass Berlin im Vergleich zu London oder Paris eine „weiße Stadt“ sei und er selbst schon wegen seiner braunen Hautfarbe „angemacht“ worden wäre. Nun ist es ja eine Sache, ob Zustände wie in den Pariser Banlieues oder der Oxford Street, die sich nur noch durch den Linksverkehr von Kabul unterscheidet, auch für Berlin wünschenswert sind. Und immerhin gibt sich ja die Berliner Landesregierung große Mühe, dass Berlin diesbezüglich an Buntheit mit den beiden vorgenannten Metropolen gleichzieht – und ist dabei ja auch nicht ganz unerfolgreich.
Eine ganz andere Sache ist das Kommentieren dieses Kommentars. Diskussionsansätze gibt es da ja durchaus. Und es ist Beckers gutes Recht, derart unhaltbare Zustände im Regenbogenland zu beklagen, so, wie es das Recht eines jeden Anderen ist, Noah Becker zu fragen, wann er denn der Meinung sei, dass ein hautfarbendunkleres Berlin jetzt mit Paris und London gleichgezogen habe.
Ja, es gehört sogar zur Meinungsfreiheit, Noah Becker zu empfehlen, einen wie auch immer gearteten Karriereneuanfang – so er je eine hatte – in Ankara, Teheran oder meinetwegen auch Tunis zu probieren. Falls er denen da nicht „zu hell“ oder zu wenig Muslim oder schlicht zu untalentiert und uninteressant ist. Das alles darf Meinungsfreiheit. Das nennt sich „Diskurs“. Meinungsfreiheit darf sogar fragen, was Noah Beckers Friseur beruflich macht.
Henryk Broder mit „hey Jüdlein“
Jens Maier jedenfalls hat sich darob via Twitter gefragt, „ob denn der kleine Halbneger zu wenig Aufmerksamkeit bekommen habe“, weil „sich sein Verhalten anders nicht erklären ließe“.
Ich bin Liberaler mit Leib und Seele, und ich esse sehr gerne Mohrenköpfe und Negerküsse, und die Sprachpolizei kann mir da gerade mal ganz gepflegt den Silberrücken herunterrutschen. Aber ich käme niemals – unter keinen Umständen – auf die Idee, Roberto Blanco mit „hey Neger“, Peter Maffay mit „hey Zigeuner“, Elias M’Barek mit „hey Ölauge“ oder Henryk Broder mit „hey Jüdlein“ von der Seite anzuquatschen.
Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht. Weil sie diffamierend, herabwürdigend, verletzend, respekt- und rücksichtslos sind. Ich würde schließlich auch keinen Brillenträger als „Brillenschlange“ oder Übergewichtigen als „fette Sau“ bezeichnen. Solche Dinge überlasse ich Menschen ohne Niveau und ja – auch ohne Bildung. Ich würde auch keinen AfD’ler als „Nazi“ bezeichnen, wenn mir Argumente ausgehen. Noch einmal: Es gibt Dinge, die tut man nicht. Wenn man gut erzogen ist.
Wenn nun ausgerechnet ein Richter derartige Äußerungen von sich gibt, dann stellt sich durchaus die Frage, wie unbefangen dieser Richter sein Amt versehen hat und „wie es in ihm denkt“. Ich halte es gerne mit dem angeblichen Zitat von Voltaire: „Das Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen könnte, ohne die widerwärtigste Tyrannei auszuüben. Dieses Vorrecht kommt uns von Grund auf zu; und es wäre abscheulich, dass jene, bei denen die Souveränität liegt, ihre Meinung nicht schriftlich sagen dürften.“
Nur zu! Fühlen Sie sich ermuntert!
Und ich bin dafür, dass jeder seine Meinung frei sagen darf, auch wenn ich diese Meinung nicht teile oder sogar für richtiggehenden Schwachsinn halte. Deswegen bin ich auch gegen das NetzDG, Gesinnungsschnüffelei und das mundtot oder ganz tot machen von politischen Gegnern. Ich bin in diesem Sinne auch gerne bereit, eine Partei wie die AfD vor Verboten in Schutz zu nehmen und auch deren Meinungsäußerungen – ob sie mir passen oder nicht – anzuhören.
Mich allerdings ermächtigt diese Meinungsfreiheit dazu, mich über das schamhafte Zurückrudern von Jens Maier („Ein Mitarbeiter war das! Ein Mitarbeiter war das! Ich war das nicht! Ich habe mir den zur Brust genommen. Habe ich! Echt jetzt!“), seine lächerliche Löschung des Tweets und Alexander Gaulands sanften Tadel, dass „so etwas nicht sein Stil sei“ lustig zu machen. Und ich frage mich wirklich, ob die Vollidioten hierzulande „zu wenig Aufmerksamkeit“ bekommen, weil ich mir derart dümmliches Verhalten auch nicht anders erklären kann. Meine Aufmerksamkeit jedenfalls haben sie. Deswegen sind sie für mich unwählbar. Solche Leute fasse ich ebenso wenig oder so viel an wie Islamisten und Chaoten von der Antifa.
Daher fordere ich Jens Maier öffentlich auf: Äußern Sie Ihre Meinung! Nur zu! Fühlen Sie sich ermuntert! Fühlen Sie sich frei! Sagen Sie, was Sie denken! Sagen Sie, was Sie fühlen! Zeigen Sie den Negern und Halbnegern mal richtig, wo der Dampfhammer hängt. Damit jeder sieht, wer Sie sind. Und was Sie sind. Welche Urteile über Sie und Ihre Partei damit verbunden sind? Nun ja: Mit Vor-Urteilen und Ab-Urteilungen kennen Sie sich ja bereits beruflich bestens aus. Und jetzt: Heul leiser, Herr Maier. Und halten Sie NIE WIEDER Vorträge über Dinge wie Anstand und Respekt. Dieses Recht haben Sie verwirkt. Auch damit kennen Sie sich als Wiederholungstäter ja aus.
P.S.: Gemerkt? Ich habe Sie kein einziges Mal als Nazi oder Rassisten bezeichnet. So geht das, Sie Amateur!
Beitragsbild: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Soso, Sie setzen sich selbst einen Heiligenschein auf und erklären, was Sie alles nie nicht tun würden und/oder getan haben. Sie sind heilig. Sie machen sowas nicht. Sie sprechen statt dessen jemandem gleich die berufliche Qualifikation ab nur weil Ihnen nicht passt, was er sagt. ZITAT: "Wenn nun ausgerechnet ein Richter derartige Äußerungen von sich gibt, dann stellt sich durchaus die Frage, wie unbefangen dieser Richter sein Amt versehen hat und „wie es in ihm denkt“. " Sie sind nicht heilig, Sie sind eher ein hysterischer Gutmensch, der nur nach einer Gelegenheit sucht und deshalb jedes Wort auf die Goldwaage legt. Jens Maier hat Ihnen diese Gelegenheit gegeben. Passendes Zitat aus Dirty Harry 4: "Na los doch, make my day"
Genau so ist es, Herr Schneider. Souverän geht anders. Mir ist schon länger ein Rätsel, warum Menschen, von denen man etwas Bildung und Überlegtheit erwarten könnte dauernd ihre spontanen Reaktionen via Twitter in die Welt schicken müssen, noch bevor sie Zeit hatten, das Gehirn einzuschalten. Man könnte heutzutage sagen: Willst du einem Menschen hinter die Fassade blicken, schau dir seine Tweets an. Schon schlimm genug, wenn man den Minimalanstand nicht aufbringt, andere nicht dumm zu beleidigen, man lässt sich auch noch von einer völlig harmlosen Aussage provozieren und muss dies gleich in die ganze Welt hinauszwitschern.
Sehr geehrter Herr Schneider, Sie haben völlig recht. So wie der AfD-Maier spricht und schreibt man nicht. Er schadet auch seiner Partei mit solchen Sprüchen. Mir scheint, dass die Twitter- und Facebook-Bewegung einen sehr negativen Einfluss auf das Diskussionsniveau hat. In einem Forum wie diesem wird jedenfalls moderiert - das finde ich gut. Freundlichen Gruss
Ein guter Beitrag!
Lieber Herr Thilo Schneider, es gibt immer mal Taktlosigkeiten, die im Eifer des Gefechts passieren. Während des Wahlkampfes wurde der Afd-Politiker Achille Demagbo von "Antirassisten" als "Quoten-Schwarzer" bezeichnet, dem man den "angeborenen Verstand absprach, zu wissen was er tut" und verschiedene andere Unverschämtheiten bei Twitter . Haben Sie sich damals auch darüber so echauffiert? Wie "sehr konservativ" Herr Jens Maier ist, kann ich nicht beurteilen, werde mich aber darüber aufklären. Allerdings kenne ich AfD-Politiker die einem "afrikanischen Flüchtling" sogar bei den Mathe-Hausaufgaben und dem Deutschkurs helfen. Wenn Sie wegen einem Jens Maier die ganze Partei und ihre Wähler diffamieren, sind sie vielleicht nicht besser als dieser.
"Sagen Sie, was Sie denken! Sagen Sie, was Sie fühlen!" - das wünsche ich mir eigentlich von allen unseren Politikern, von links bis rechts. Vor allem über ihre Untertanen, die indigene Bevölkerung. Aber möglicherweise würde das eine Revolution auslösen und die Politkaste komplett hinwegspülen. Man sollte also vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht. With every wish there comes a curse. Aber zumindest wissen wir seit Joachim Herrmann (CSU), dass Roberto Blanco schon immer ein "wunderbarer Neger" war. Also alles in Butter.
Gut gemacht! Genau das ist dazu zu sagen. Ehrlich gesagt, habe ich gestern, als ich diese intellektuelle wie kulturelle Fehlleistung dieses AfD-Mannes erstmals zur Kenntnis genommen habe, gedacht, daß es sich um eine Zeitungsente oder maximal um ein wie auch immer aus dem Zusammenhang gerissenes und entstelltes Zitat handeln müsse. Daß es authentisch ist, läßt tief blicken - und mich recht ratlos zurück: Das Land braucht eine Alternative dringend. Aber nicht mit solchen Leuten. Und wenn ich Gauland wäre: Dieser Hinterbänkler gehörte in aller Öffentlichkeit mit deutlichen Worten zurechtgestutzt, wollte man in der AfD nicht zulassen, daß solche Leute mit dem Hinterteil das einreißen, was andere zuvor mühsam mit den Händen aufgebaut haben. Noch etwas: Ob der Mann Richter war oder was auch immer, ist völlig irrelevant. Der Anteil von erstaunlich schlecht erzogenen Menschen ist in den Reihen der Akademiker kein anderer, als in Bevölkerungsgruppen mit anderen Abschlüssen. Gleiches trifft auf die Frage (nicht) vorhandener Allgemeinbildung zu.