Von Andreas Müller
Hemma Opis-Pieber, die Umweltreferentin der Diözese Graz-Seckau und Projektleiterin des „Autofastens“, freut sich über den Erfolg der Aktion in Österreich. Es geht bei dem Projekt der Umweltbeauftragten der katholischen und evangelischen Kirche Österreichs darum, „heilsam in Bewegung“ zu kommen, und das grüne Gewissen vor der modernen Zivilisation zu schützen.
Die katholisch-monarchistischen Gegenaufklärer vermuteten früh, der französische Philosoph Jean-Jacque Rousseau (1712-1778) wäre einer von ihnen. Er gilt als Urheber des modernen Kommunismus und auch seiner aktuell populärsten Abspaltung, des Ökologismus.
Rousseau sah die Einführung des Privateigentums als Ursprung alles Bösen an und er romantisierte den von Bildung und Zivilisation unbefleckten Naturzustand. Der Aufklärer Voltaire antwortete auf die Ideen seines Kollegen: „Ich habe, mein Herr, Ihr neues Buch gegen die menschliche Gattung erhalten ... Niemand hat es mit mehr Geist unternommen, uns zu Tieren zu machen, als Sie; das Lesen ihres Buches erweckt in einem das Bedürfnis, auf allen Vieren herumzulaufen.“
Marxistische Mutationen
200 Millionen Tote später verabschiedete sich die Welt von kommunistischen Freilandversuchen. Jedenfalls könnte man dieser Illusion verfallen, wenn man nicht darauf acht gegeben hat, wie der Kommunismus mutierte und in Form des kulturrelativistischen Postmodernismus, wie auch des Ökologismus, heute wieder salonfähig, ja zum politisch korrekten Einheitsglauben des Westens geworden ist. Und wieder wird versichert, diese Ideologien wären „wissenschaftlich“ und ein aufgeklärter Mensch müsse sie teilen.
Sollte zum Beispiel jemand den Fehler begehen und behaupten, es gäbe eine menschliche Natur, dann wirft man ihm, wie jüngst Thilo Sarrazin, „Rassismus“ und „Biologismus“ vor. Greift man den Glauben an die Gleichwertigkeit der Kulturen an, indem man, wie Ali Ertan Toprak, der zweite Gemeindevorsitzende der türkischen Aleviten, die Regierung darauf hinweist, sie möge doch bitte den Islamunterricht nicht von Islamisten leiten lassen, so wird man als „opportunistisches Arschloch“ gebrandmarkt. Wer im politischen Bereich aktiv ist, der sollte besser darauf acht geben, dass er eine marxistische Sprache spricht.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet jene, die stets eine aus dem Tierreich herausgehobene Stellung des Menschen, seine exklusive Beseeltheit, gegen materialistische Angriffe verteidigten, nun auf einmal beim Ökologismus mitmachen, der behauptet, die Interessen des Menschen wären nicht stärker zu gewichten als die eines Siebenbürgener Teichmolchs. Doch für die österreichischen Autofaster ist die Wahl schon getroffen: „Die Seele geht zu Fuß“. Oder sie fährt zur Hölle.
„Bewusstseinsbildung“
Die Partnerinitiative „fairkehr“ tritt ein für eine „verkehrspolitische Bewusstseinsbildung“. Die Idee, eine auserwählte Elite müsse das öffentliche „Bewusstsein schärfen“, geht auf Karl Marx und Friedrich Engels zurück. Ihr Plan sah vor, das „Klassenbewusstsein“ zu erwecken. Damit meinten sie, man müsse den Arbeitern einreden, sie wären eine von der Restgesellschaft abgespaltete „Klasse“ mit Interessen, die von denen der Besserverdienenden abweichen, mit ihnen im unversöhnlichen Konflikt stehen. Dieses Bewusstsein stand im Gegensatz zum Konzept der liberalen Ökonomie, laut der es Menschen mit verschiedenen Aufgaben gibt, die jedoch alle von der Marktwirtschaft profitieren. Mit der „Bewusstseinsbildung“ wollten die Kommunisten einen blutigen Bürgerkrieg provozieren und das ist ihnen in mehreren Ländern auch gelungen.
Das Konzept der „Bewussteinsbildung“ wird heute bedenkenlos von allerlei Interessensgruppen nutzbar gemacht. Umweltschädliche Autofahrer werden gegen „heilsame“ Fußgänger ausgespielt, kapitalistische Gentechnik-Befürworter gegen verantwortungsvolle Gentech-Gegner, die herkömmliche Ordnung umstürzende Bahnhofsumbauer gegen gewissenhafte Bewahrer bewährter Bahnhofsgestaltung. Wer Argumente hat, braucht keine Bewusstseinsbildung, um nicht zu sagen: Gehirnwäsche. Und so sind es fast immer Ideologen, die „Bewussteinsbildung“ betreiben.
Ökologismus als Handicap
Das österreichische Autofasten ist nur eines von vielen Beispielen des modernen „Umweltbewusstseins“. Wie beim herkömmlichen Fasten geht es darum, eine Weile lang auf etwas Luxuriöses zu verzichten, wie Schlemmerei und eben Autofahren. In früheren Zeiten mag das Sinn ergeben haben, um Lebensmittel zu sparen, heute dient es wie die Atomkraft-Opposition, S21-Demos, Tibet-Aufkleber und Bio-Food dazu, den braven Bürgerstatus möglichst kostengünstig aufzuleveln.
Aus soziobiologischer Sicht ist dies geschickt. Man muss nur ein paar mehr Cent für gentechnikfreies Biofood ausgeben und signalisiert der Partnerin und der Gesellschaft damit, welch selbstloser, familientauglicher Typ man ist. Früher signalisierte man dies durch anderweitig zwecklose religiöse Rituale, heute sind ebenso anderweitig zwecklose ökologische Rituale gefragt.
Ein Sonnendach mag in Punkto Energieausbeute eine fragwürdige Investition sein, Windräder würden ohne massive staatliche Förderung keinen Gewinn abwerfen, aber das sollen sie auch gar nicht. Soziobiologen sprechen vom „Handicap-Prinzip“. Wer trotz eines zur Schau gestellten Nachteils im Überlebenskampf besteht, signalisiert damit Vitalität und Potenz. Die Frage ist nur, warum der Steuerzahler dafür aufkommen muss, wenn Kommunisten mit ökologischer und unökonomischer Energieverschwendung angeben wollen.